Ausharren. Ja oder Nein?

Ich schlafe zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder gut. Und das liegt unter anderem daran, dass ich mich nicht mehr unbemerkt totkochen lasse.

Wie bitte, was?

Ja. Mein Bett hatte mich totgekocht. Ohne dass ich es merkte.

Dazu musst du wissen, dass ich ein Mensch bin, der als erstes immer an sich selbst spart. Beispiel: Jeder in der Familie bekommt neue Socken, aber ich trage weiterhin meine Löcherexemplare.

Ich redete mir also ein, ich bräuchte kein neues Lattenrost. Unfug! Es ist doch ganz normal ist, wenn das eigene Bett durchhängt wie eine Hängematte, nicht wahr? Die fünf Latten, die aus ihrer Halterung springen, kaum nähert man sich dem Bett? Die kann man wieder reinschieben, indem man die schwere Matratze hochwuchtet und fluchend die Latten wieder in Position bringt. Der verknotete Rücken sowie die kreischenden Hüften am Morgen? Das Alter. Das ALTER!

Das antike Lattenrost? Das ist doch noch gut! Ich darf nur nicht so ein Weichei sein.

Du kennst wahrscheinlich die Geschichte vom Frosch im Kochtopf, die in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder die Runde machte: Wirft man einen Frosch in kochendes Wasser, springt er sofort heraus. Setzt man ihn hingegen in einen Topf mit kaltem Wasser, das man langsam zum Kochen bringt, versucht er nicht zu flüchten, weil er die Temperaturveränderung kaum spürt. Bis es zu spät und der Frosch totgekocht ist. *

Das Lattenrost war das Wasser, das sich langsam erhitzte und ich merkte nicht, wie es mich totkochte. Eines Tages saß ich bei meiner Mutter im Wohnzimmer und mal wieder klagte ich wie ein altes Weib über meine Rücken- und Hüftleiden. „Vielleicht liegt es am Lattenrost?“ „Nein, nein, das kann nicht sein. Die Latten springen zwar jeden Abend raus, aber ich stecke sie wieder rein.“ „Kauf dir ein neues.“ „Nein, brauche ich nicht. Geldverschwendung.“

Ich bestellte ein neues Lattenrost.

Der Tag seiner Ankunft ist mein persönlicher neuer Geburtstag. Ich wurde erleuchtet. Leute, ich wusste nicht, dass ein Lattenrost so einen Unterschied machen kann! Warum lernt man das nicht in der Schule?? Seit jenem glorreichen Tag schlafe ich wie auf zarten Rosenblättern gebettet. Ich schlafe durch. Ich wache schmerzfrei auf.

Ich ärgere mich, dass ich so lange mit falscher Tapferkeit ausgeharrt habe.

Ich betreibe hier keine Werbung für einen Lattenrosthersteller. Sondern dafür, dass wir uns der Situationen bewusst werden, in denen wir totgekocht werden, ohne es zu merken.

Oft liegen die Schmerzen und das Unwohlsein eben nicht am „eigenen Rücken“.

Manchmal kann es eine Arbeit sein, die uns schon lange nicht mehr liegt, die wir aber weiterhin mit zusammengebissenen Zähnen verrichten (Versteh mich nicht falsch: Es wird immer Arbeiten geben, die uns nicht passen und die wir trotzdem tun müs…

Ein Kommentar zu „Ausharren. Ja oder Nein?

  1. Oja, das kenne ich auch sehr gut. Tatsächlich in Sachen Bett, bei mir war es die Matratze, aber auch von anderen Lebenssituationen, meine eigene Haltung zu etwas, äußere Bedigungen, die ich hinnehme, ohne zu versuchen für mich einen besseren Weg zu finden – egal wie der dann ausfallen wird.
    Ist das der Punkt? R i s i k o o …! Nicht sicher zu wissen, was dann kommen wird, wenn ich etwas ändere? Lässt mich das ausharren, obwohl es immer „heißer“ wird?
    Oder ist es fehlendes Selbstmitgefühl?
    Ich denke fast, sowohl innerlich als auch äußerlich hat es mit etwas Statischem zu tun, meiner Haltung – buchstäblich 😉.
    Dann ist es gut in Bewegung zu kommen. Und da ist mehr möglich, als ich oft gedacht habe:
    • heraustreten: also ab ins Grüne,
    • Neues zulassen, durchspielen, beweglich werden und das wieder auf beiden Ebenen innerlich, wie äußerlich,
    • verreisen, und sei es für einen Tag oder ein Woe, die Situation von außen betrachten,
    • manchmal hilft die Rückmeldung liebevoller Freundinnen oder auch der Familie (obwohl ..?),
    • das Wichtigste ist, dass mein Glaube an einen treuen Gott bleibt, egal welchen Weg ich wähle.
    Er, der Ewige bleibt: ich bin, der ich bin. Er darf
    sogar statisch sein. Ich als Mensch, habe die Freiheit, mich zu bewegen, zu verändern oder die Ruhe in seiner Gegenwart zu genießen.
    Eigentlich doch ein Privileg – oder ?

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