Familie, Gedanken, Glaube, Schreiben

Ein Rezept für Lebensstürme

IMG_6085Der Weihnachtsglanz ist abgeblättert. Zurück bleiben ein paar Tannennadeln hinter der Truhe und Ernüchterung. Different year, same situation.

Nicht nur das Auto braucht dieser Tage am Morgen eine Anwärmphase, auch wir Menschen, die in diesem Haus wohnen und nun der normalen Alltagsroutine anheim fallen. Es wachen keine kleinen Mädchen mehr auf mit großem Kuschelbedürfnis, sondern grummelige Teenager. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich zum Beginn der Pubertät das Gehirn gewaltig umbaut. (Sind Neurolog*innen hier? Könnt ihr das bestätigen?)

Dieser Umstand könnte erklären, warum Teenager das Gedächtnis einer 100-jährigen Omi haben. Die Vergesslichkeit führt Krieg gegen uns und sie kämpft mit brutalen Waffen. Nicht nur meine Kinder sind betroffen, auch ich. Dank an die Wechseljahre. Letztens saß ich doch fünf Minuten auf der Couch und versuchte mich an den Namen einer lieben Freundin zu erinnern. Ich wollte ihr eine Nachricht schreiben, wusste aber nicht, unter welchem Buchstaben ich sie in meinem Handy suchen sollte. Ich durchforstete panisch jeden Winkel meines Kopfes nach ihrem Namen: Andrea, Sabine, Ruth, Pamela? Alles falsch. (Kann man Gehirnschmerzen vom Nachdenken bekommen? Neurologe*innen, könnt ihr das bestätigen?) Ich ging dann das Alphabet durch, in der Hoffnung, dass der entsprechenden Buchstaben die Lösung brächte. Hat funktioniert.

So viele Dinge können uns Angst machen:

Ein nachlassendes Gedächtnis
Veränderungen in der Familie
Eine Diagnose
Der Klimawandel
Ein neuer Lebensabschnitt
Die Unsicherheiten, die uns schon seit zwei Jahren anhaften
Ein Jobverlust
Dinge, die außerhalb unserer Wirkungskraft einfach passieren
Zerbruch von Beziehungen

Das alles sind keine Ausnahmen, sondern Nebenwirkungen dieses verrückten, zerbrochenen Lebens, das wir alle leben. Nur dumm, dass wir dazu weder unseren Arzt noch Apotheker befragen können. Diese können uns zwar chemische Rezepte gegen die Angst an die Hand geben, aber keine Lösungen. Und vielleicht soll die Angst auch gar nicht gelöst werden. Sondern anvertraut werden. 

Die Lebensstürme nicht stillen, sondern in ihnen die göttliche Hand ergreifen. Wie auch immer das für dich aussehen mag.

Für mich sieht das dieser Tage so aus:

Mitten in diesem Sturm bin ich ruhig in dir. Ich bete nicht so sehr für einen glücklichen Ausgang, sondern für inneren Frieden, was auch immer kommen mag. Ich bete, dass ich meine Waffen niederlege, mit denen ich auf die Angst schieße und stattdessen deine stilleren Werkzeuge in die Hand nehme: Geduld, Erbarmen, Großzügigkeit, Demut, Wahrheit und Liebe.

Ich hoffe, ich vergesse dieses Gebet nicht wieder.

Aber gegen das Vergessen hilft das Aufschreiben.

Was ich hiermit getan habe.

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Aufatmen im Advent, Einfach Advent, Einfache Adventszeit, Gedanken, Glaube, Weihnachten

Spazierengehen mit Bonhoeffer

Aus den Schornsteinen steigen dicke Wolken auf, die sich scharf gegen den eisigen Morgenhimmel abzeichnen. Die Sonne lockt nach draußen. Sie täuscht uns. Die Kälte ist ein Erschrecken. Aber auch eine Wohltat, wenn man zu lange Zeit im überheizten Raum zubrachte. Dann trinkt man die kalte Luft wie einen edlen Wein.

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Jeden Tag gehe ich mindestens eine halbe Stunde nach draußen, egal bei welchem Wetter. Den Schweinehund nehme ich an die Leine und zerre ihn hinter mir her. Auf meinen Spazierwegen ist Zeit, um meine Gedanken auf Wanderschaft zu schicken. Sie arbeiten immer zuerst ihre Listen ab: „Hast du an den Rehbraten gedacht? Welchen Kuchen backst du deiner Tochter zum Geburtstag? Und wie kommst du an die Karten, die du unfrankiert und in völliger geistiger Umnachtung in den Briefkasten geworfen hast?“ Wenn sich der Nebel der Alltäglichkeiten gelichtet hat, wird es transzendenter. Haaaach. Dann stellen sich die ganz großen, grundlegenden Lebensfragen.

„Was ziehe ich Heiligabend an?“

Wenn diese Frage zufriedenstellend geklärt ist (Spoiler: Das ist sie nie), dann denke ich an Bonhoeffer. Den lese ich gerade täglich. Nur kurze Abschnitte, denn seine Kost ist eine hochkalorische. So hochkalorisch wie meine Aachener Printen, von denen ich mir täglich ein Eckchen abbreche. Aber zurück zu Bonhoeffer. Er schreibt:

„Große Gewaltige gibt es immer nur wenige, aber um so mehr kleine Gewaltige, die, wo sie nur können, ihre kleine Gewalt spielen lassen und die nur einem Gedanken leben: immer höher hinaus! Gottes Gedanke heißt anders; er heißt: immer tiefer hinab, in die Niedrigkeit, in die Selbstvergessenheit, in die Unansehnlichkeit. Und auf diesem Weg begegnen wir Gott, nirgendwo sonst.“

Wir erleben es gerade selbst, wie wir von Gewalten hin und her geworfen werden. Wie wir oft selbst zu Gewaltigen mutieren. Denn es ist doch nur allzu menschlich, auf Ohnmacht mit Aggression, auf Unsicherheiten mit grober Lautstärke zu reagieren.

Gott stellt alles auf den Kopf.

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Unser ganzes Wertesystem. Nicht nur ein bisschen. Er krempelt es um wie einen Weihnachtspulli von rechts auf links. (Ein Schelm, wer hier ein politisches Wortspiel vermutet)

Das Niedrige liebt er. Das Verlorene sucht er. Das Zertretene repariert er. Den Außenseiter nimmt er in die Mitte. Religiöse Eiferer hinterfragt er. Den Verbrecher segnet er.

Wie wäre es, wenn wir dieser Tage einiges auf den Kopf stellten? Um genau in dieser Abwärtsbewegung Gott zu treffen?

Wie wäre es, wenn wir…

….auf Ohnmacht mit trotziger Zuversicht

….auf unsere Feinde mit Segen (bless you, GEZ und AfD)

….auf unseren Stolz mit ehrlicher Selbstreflexion

….auf den Verschwörungscousin mit radikaler Liebe

…auf Schimpfen mit der Suche nach Lobenswertem

…auf Gesetzlichkeiten mit Humor

…auf ungebetene Belehrungen mit Stille

reagierten?

Gott hat sein größtes Wunder genau an dem Ort getan, wo es niemand erwartet hatte. In einem dreckigen Futtertrog.

Auch wenn es dieser Tage schwerfällt, weil uns so manches niederdrücken mag: Lasst uns Augen und Herzen weit aufmachen. Für eisige Schönheiten am Morgen und die Wahrheit, dass Gottes Liebe und Segen an den unmöglichsten Orten zu finden ist.

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Danke, dass ihr mit mir durch dieses Jahr gegangen seid. Mitten in dieser Pandemie ist dieser Ort wie ein kleines Lagerfeuer, an dem ich meine Geschichten und meine Gedanken mit euch teilen darf. Danke für jedes gute Worte, für jeden Kommentar, für jede Mail, für jede Unterstützung. Seid gesegnet, wo auch immer ihr seid. Feiert einander, feiert euch selbst, feiert den, der sich in den dreckigen Futtertrog gelegt hat.

Frohe Weihnachten!

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Dankbarkeit, Garten, Gedanken, Glaube, Haushalt

Wenn dich heute deine Arbeit anödet….

Und wieder frage ich mich an diesem Vormittag, wie ich denn das Wäschezusammenlegen und das Aufräumen und Kochen und Putzen rasch hinter mich bringen kann, bevor ich mich an die wirklich wichtige Arbeit machen kann.

(Wichtige Arbeit: Das ist der landläufigen Meinung nach die, die ordentlich bezahlt und gesehen und gelobt wird).

Auf dem Weg in den Keller fällt mir der überquellende Bioeimer auf, bücke ich mich nach achtlos hingeworfenen, dreckigen Socken und füttere noch schnell die Kaninchen. Währenddessen rotiert es in meinem Kopf: Was ist noch im Kühlschrank? Ich kann doch nicht schon wieder Pfannkuchen backen. Heute muss etwas Nahrhaftes auf den Tisch. Und ich gehe in den Garten, pflücke zwei dicke Blumenkohlköpfe, grabe ein paar Frühkartoffeln aus und pflücke eine Salatgurke. Auf dem Weg ins Haus leere ich den Bioeimer, zupfe ein paar Unkräuter und mache mir eine Gedankennotiz, dass ich heute noch unbedingt die Löcher in meinen Leggings stopfen sollte. Ich seufze, atme tief ein und aus, lasse die Schultern hängen und spüre erst jetzt, wie angespannt mein Nacken ist.

Eine Stunde später stehen Blumenkohlbratlinge, Kartoffelbrei und Gurkensalat auf dem Tisch. Das ist ein todsicheres Lieblingsessen der Kinder und ich muss keine Tischrevolte befürchten.

An solchen Tagen wie heute muss es erst fünf oder sechs Uhr Abends werden bevor ich mich an die „wirklich wichtige“ Arbeit machen kann. Aber dann bin ich meist schon so müde und ausgelutscht, dass ich mich in den Garten setze und den Bienen zusehe. Das ist zwar nicht produktiv, aber enorm meditativ. Ich lasse meine Gedanken von der Leine, während die Bienen um mich herum nicht anders können als ihrer eigenen Arbeit nachzugehen. Sie sind sich so ähnlich, meine Gedanken und die Bienen. Sie taumeln mal hierhin, mal dorthin. Verweilen nur kurz, streifen ihr Ziel und tasten alles ab, was halbwegs interessant erscheint. Die Bienen landen beim Borretsch. Meine Gedanken landen bei Gott.

Dieser Tage mag ich nichts anfangen mit meinen alten Gottesbildern, die von König oder Herr oder Löwe sprechen. Alles, was nur im entferntesten mit Kampfbegriffen getränkt ist, stößt mich ab. Vielleicht, weil ich einen Muttergott dieser Tage nötiger habe als einen, der für mich kämpft. Ich hatte in meinem Leben zwei oder drei intensive Gottesbegegnungen und ansonsten schaut mein Glaube völlig unspektakulär aus. Vielleicht betreibe ich nicht genügend geistliche Verrenkungen, wer weiß. Vielleicht ist mir ein minimalistischer Glaube näher als einer mit viel Zierrat. Und dann muss ich lachen, als mir ein kleines Licht aufgeht inmitten der Bienen und des Borretsch. Da ist ein Gott, der für mich seit langem im Alltag so sehr viel greif- und erfahrbarer ist als in einem pompösen Gottesdienst. Weil er nämlich den Dreck hinter mir wegräumt. Weil er die Kartoffeln und den Blumenkohl und die Gurken (und den Borretsch natürlich!) wachsen lässt, die uns nähren. Weil ihm fruchtbarer Dreck unter den Fingernägeln klebt. Weil er sich unermüdlich nach dem Unkraut in meinem Herzen bückt. Weil er das Kaputte sucht und repariert. Weil er uns kleidet und abends mit Gnade zudeckt und sie in alle Ritzen stopft, damit uns in der Dunkelheit nicht kalt wird.

Gott verrichtet ja die gleiche Arbeit wie ich! Das ist eine so schlichte Wahrheit. Wie viel lieber hätten wir einen Gott der Sensationen, des Glitters, der großen Gefühls-Erfahrungen. Er ist oft im Flüstern, selten im Sturm. Und dieser Alltag, das ist das Flüstern Gottes. Eine schlichte Einladung, die wir oft wie billige Werbung unachtsam in den Mülleimer werfen, weil sie nicht verlockend genug ist.

Morgen früh, wenn ich das Frühstück richte und nach dem Putzeimer greife, möchte ich mich daran erinnern, dass ich eine heilige Arbeit verrichte. Auch Gott ist bereits da, ebenso älter und grauer wie ich, der aber im Gegensatz zu mir nicht müde wird, nach seinem Putzeimer zu greifen und den Tisch zu decken und alle zum Essen zu rufen. Wenn Gott seine Arbeit ernst nimmt(er könnte uns etwas über langweilige Routinen erzählen!), will ich meine Arbeit auch ernst nehmen.

Ihr lieben, wunderbaren, großartigen Blogleser*innen! Wie kann ich euch danken? Euch allen, die ihr das letzte Mal etwas in meinen „Hut“ geworfen habt und dabei auch noch so liebe Worte mitgeschickt habt. Ihr seid absolut grandios – Danke, Danke, Danke ❤️

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Auch heute stelle ich wieder in guter alter Straßenkünstler-Manier meinen Hut auf. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, dann darfst du gerne etwas reinschmeißen für einen Kaffee, ein bisschen Wolle oder Schokolade.

Danke.

Gedanken, Glaube

Im Dunklen gehen.

„Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.“
Mascha Kaléko

Endlich dürfen die Mädchen wieder reiten. Ihr größte Leidenschaft. Zwar nur im wöchentlichen Wechsel, aber immerhin. Das ist unser meist gebrauchtes Wörtchen in dieser Zeit. Immerhin.

Immerhin haben wir einen Garten. Immerhin können wir in den Wald. Immerhin haben wir immer genug Essen im Kühlschrank. Immerhin haben wir eine gute medizinische Versorgung. Immerhin sind die Schulen geöffnet.

Immerhin.

Mein Mann geht neuerdings täglich am Abend eine Runde spazieren. Im Dunklen. Ich begleite ihn nie, weil ich den Reiz des Im-Dunklen-Spazierens nicht nachvollziehen kann. Aber gestern Abend stand ich dann vor dem Reitstall, in dem gerade meine Jüngste verschwunden war, um dort immerhin eine halbe Stunde Westernreiten zu dürfen, und ich beschloss eine Runde im Dunklen zu gehen.

Ui. War das finster auf der kleinen Nebenstraße, die rechts und links von mannshohem Gestrüpp gesäumt war. „Ich wette, ein Mann würde hier fröhlich-pfeifend ohne erhöhte Stresshormone entlangschlendern“, murmelte ich wütend in meinen dicken Schal. In den Tiefen meiner Manteltasche fand ich eine Mini-Taschenlampe. Was noch bis vor einer Stunde Sträucher und Bäume waren, entpuppten sich jetzt als starre Geistgestalten, die mich stumm anblickten. Eine Maus raschelte ohrenbetäubend laut im Unterholz und brachte mein Herz zum Klopfen.

Ich bog in einen Feldweg ab. Mein Herzschlag beruhigte sich. Freie Fläche. Ich roch die nasse, schwere Erde. Kuhmist. Alte Zuckerrüben. In der Ferne flackerten die Lichter der Stadt. Über mir die Sterne. Zum Takt meiner Schritte formte ich stille Worte, die wie junge Hund durcheinander purzelten. Jedes wollte zuerst drankommen und gehört werden: Corona…..Müde….bitte gib Kraft…..meine Kinder…..alleine….vermisse…..Sehnsucht….traurig.

Nichts lenkte mich ab von der stillen Zwiesprache mit dem Himmel. Da waren nur ich und die Dunkelheit und die fernen Lichter und Gott. Im Dunklen ist mehr Platz für unsere Ängste. Aber auch für Sein. Trost. Frieden.

Ich muss öfter mit meinem Mann durch die dunklen Abende spazieren. Gerade jetzt, wo alles, was im Frühjahr und Sommer noch so leicht war, sich schwer wie Lehmklumpen an mich hängt.

Die Lehmklumpen nach meinem Spaziergang im Dunklen ließ ich an meinen Stiefeln trocknen. Später werde ich sie leicht abklopfen können. Immerhin.

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PS: Lust auf einen virtuellen Frauenabend am kommenden Freitag, den 20. November? Hier halte ich einen Vortrag zum Thema: Roots – Halt finden in einer entwurzelten Welt.

Klinkt euch mit ein!

Gedanken, Glaube

Die erste Liebe

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Der Mittsommer ist da und ich fahre mit dem Fahrrad durch die Wiesen in den Nachbarort, kaufe Kräuter in der Gärtnerei, rede mit Bekannten in der Post und auf dem Rückweg feiere ich Geburtstag mit einer Freundin. Sie hat sich getraut, ihre Freunde einzuladen und gemeinsam auf ihrer lauschigen Terrasse essen wir Käsekuchen und Brausebonbons und endlich kann ich all die lieben Gesichter wiedersehen, die mir in den letzten Monaten gefehlt hatten.

Wir sind sofort mittendrin im Reden. Was war bei dir los in den letzten Monaten? Ich höre Geschichten. Viel Alltägliches. Viel Coronalastiges. Und eines wird mir klar: Wir bemühen uns alle, dieses Leben richtig zu machen. Es gut hinzubekommen. Und doch scheitern wir an uns selbst, an dem Anderen und an dieser Welt. Diese Welt, die wie ein kranker Patient auf der Intensivstation liegt, während wir bienenfreundliche Stauden pflanzen und unsere Kinder unterrichten und versuchen, weniger Fleisch zu essen und mit Sekt auf neue Lebensjahre anstoßen.

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Ich komme zurück nach Hause, die Sonne steht tief und die Schatten sind lang, aber die Dunkelheit wird noch lange nicht kommen. Die Tomaten gieße ich mit lauwarmem Regenwasser.

Das Dunkel der Welt greift nach mir in der Nacht und ich kann nicht schlafen. Wenn die Nächte so kurz sind, verlernt mein Körper das Schlafen. Bis 2 Uhr wälze ich mich im Bett. Um 5 Uhr erwache ich wieder. So voller Unruhe. Ich muss weniger Nachrichten sehen.

Und weil ich mich festhalten muss an ewigen Wahrheiten, an göttlichen Weisheiten, schlage ich heute früh die Bibel auf und lese die Offenbarung.

Guter Tipp: Wenn du unter innerer Unruhe und Angststörungen leidest, dann ist die Offenbarung das allerletzte Buch, das ich dir empfehle!

Aber mich drängte es, diese Stelle mit der ersten Liebe lesen. Wo Jesus zu seiner Gemeinde in Ephesus spricht:

„Du hast geduldig für mich gelitten, ohne aufzugeben.  Aber ich habe gegen dich einzuwenden, dass ihr nicht mehr wie am Anfang in der Liebe lebt.  Erkenne doch, wie weit du dich von deiner ersten Liebe entfernt hast! Kehre wieder zu mir zurück und bemühe dich so, wie du es am Anfang getan hast.“ (Offenbarung 2, 3-5)

Falls du schon ein paar Jahre mit Jesus unterwegs bist, dann verwette ich mein ganzes Vermögen, dass du irgendwann eine Predigt zu diesem Thema gehört hast. Wie wir UNS NOCH MEHR ANSTRENGEN MÜSSEN, UNS WIEDER GANZ VERLIEBT IN JESUS ZU FÜHLEN. Wenn wir ein kleines Predigt-Bullshit-Bingo spielten, kämen auch die Begriffe Leidenschaft, inneres Feuer, lau, Begeisterung und Staunen darin vor.

Nach solchen Predigten versuchte ich so richtig dolle verliebt in Jesus zu sein. Und weißt du was? Das klappte ungefähr 2 1/2 Stunden. Wenn ich gut drauf war, auch 3 Stunden. Und dann war ich wieder lau und leidenschaftslos.

Es ist der ewige Kreislauf aus schlechtem Gewissen und Besserungsversuchen, den wir Christen tausende Male durchlaufen. Und Jesus steht daneben und schüttelt den Kopf.

Schau: wenn ich versuchte, das Gefühl zu reproduzieren, welches ich für meinen Mann in den ersten Monaten hatte, dann ist das künstlich. Natürlich liebe ich ihn, aber anders als am Anfang. Und mit Jesus geht es mir genauso. Das ist eine Liebe, die wächst und tiefer wird. Eine, die einen kleinen dicken Bauch bekommt, weil sie manchmal ein bisschen bequem wird. Jesus will nicht unsere künstliche Liebe, sondern unsere Beständigkeit, unser Festhalten, auch wenn uns der dicke Bauch manchmal im Weg ist.

Was ich zwischen den Zeilen des Appells an die Gemeinde in Ephesus entdecke: „Warum lauft ihr vor meiner Liebe weg? Erinnert euch an den Freudenschock, als ihr entdeckt habt, wie sehr ihr geliebt seid! Es ist ja prima, was ihr als Gemeinde alles auf die Beine stellt, aber das Wichtigste sind nicht eure Programme und Stärken, sondern die Fähigkeit, euch lieben zu lassen.“

Es geht nicht darum, dass ich eine alte Emotion für ein paar Stunden oder Tage reanimiere, sondern dass ich mich lieben lasse, da wo ich gerade bin.

Es ist so viel einfacher zu lieben, als sich lieben zu lassen. Die leise Scham will uns einflüstern, dass wir diese Liebe gar nicht verdienen, nicht wahr? Lass dich zuerst lieben. Und dann kannst du lieben. Und genau das ist die heilige Reihenfolge, die empörende Gnade, die alles auf den Kopf stellt.

Dieser Liebe ist es egal, wie du heute aussiehst, was du kannst und wer du bist. Diese Liebe spricht deinen Namen aus, wie du ihn noch nie gehört hast, mit einem Wissen um dich, mit einer Akzeptanz, nach der du dich im Inneren sehnst. Lass dich von dieser Liebe lieben. (Ja, auch wenn du dich windest bei dem Gedanken. Lerne, dass du es wert bist). Ich bin so schlecht darin, mich lieben zu lassen, dass ich nur kleine Kostproben davon bekomme, aber alleine die reichen, um mich weich zu machen für die Nöte dieser Welt.Wenn unser Liebestank leer läuft, ergeht es uns wie den Ephesern. Wir funktionieren prima, aber unsere Motive werden nicht mehr aus Liebe gesteuert.

Ich liebe mit löchriger Liebe, oft verzerrt von eigensüchtigen Motiven, und sie wird nie reichen, um perfekte Beziehungen – weder zu Menschen noch zu Gott – zu leben. Aber ich will lernen, die heilige Reihenfolge der Liebe zu leben. Immer wieder neu.

„Und das ist die wahre Liebe: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns zuerst geliebt und hat seinen Sohn gesandt, damit er uns von unserer Schuld befreit.“

1. Johannes 4, 10

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Gedanken, Glaube

Reduziert!

Wenn ich diesem Lebensabschnitt einen Namen geben dürfte, dann diesen:

Reduziert.

Nicht im Sinne von billigem Sonderangebot. Sondern die Essenz suchen und leben. Es war keine bewusste Entscheidung, kein Marie-Kondo-Enthusiasmus. Angefangen hat es mit einer diffusen Sehnsucht nach: Weniger. Ruhe. Klarheit. Konzentrierter Kraft. Selbstbestimmung. Gegenkultur.

IMG_3007_edited-1IMG_3012_edited-1Das alles schlummert schon viele Jahre in mir und hat auf diesen Raum hier abgefärbt.  Die letzten Corona-Monate wirkten als Katalysator. Noch reduzierter. Kein Shopping (was ich hasse wie die Pest). Keine Treffen. Keine geistlichen Angebote. Kein Ausgehen. Keine Reisen. Kein Urlaub. Was brauche ich tatsächlich für ein gutes Leben? Für einen gewichtigen Glauben?

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Und wisst ihr was? Mir fehlt nichts. Gar nichts. Manchmal frage ich mich, ob etwas nicht mit mir stimmt!

Nehmen wir zum Beispiel meinen Glauben und vergleichen ihn mit den Kunstepochen. Gestartet bin ich mit einer überbordenden Barockphase. Überfrachtet. Goldgeglitzer. Hoch, höher, ganz hinauf. Die Engel fielen zu Boden. Am Zierrat fraß der Zahn der Zeit. Und nun ähnelt mein Glaube dem Bauhaus: Schnörkellos. Und doch in seiner Reduziertheit und Einfachheit wunderschön. Raum zur Entwicklung und für eigene Ideen und Gedanken ist jede Menge vorhanden. Aber momentan möchte ich einfach nur in diesem großen Raum sitzen und still sein. Das Echo der Gedanken sortieren. Was wurde mir übergestülpt und muss als Zierrat auf die Müllkippe? Was entspringt meinem eigenen Herzen? Was tatsächlich dem Herzen Gottes?

So werde ich noch eine Weile hier sitzen. Still sein. An einem Buchprojekt arbeiten. Dem Regen zusehen und mich über diesen Segen freuen. Dem inneren Drängen nach Rückzug nachgeben.

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Und ich denke über eure Kommentare und Mails nach, die mich nach meinem letzten Eintrag hier erreichten. Ich habe alles sehr aufmerksam gelesen und mein Herz tanzte Samba. Vielen Dank für jedes persönliche Wort – ich habe sie alle abgespeichert (ich würde jedem von Euch so gerne ausführlich antworten, das würde aber leider meinen Zeitrahmen sprengen). Ihr habt das bestätigt, was mir selbst auf dem Herzen liegt. Worüber soll ich schreiben? Von allem ein bisschen und hauptsächlich über das pure Leben, wie es mir in die Quere kommt. Ganz ohne Branding.

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Garten, Gedanken, Glaube, Politisches

Dieses Land wäre ein Irrenhaus, wenn nicht……

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Die Eisheiligen sind da. Mich hatte es ja bereits im sommerlichen April gejuckt, die Tomaten und Kürbisse und Paprika und Sonnenblumen ins Freie zu setzen. Im stürmischen  Gärtnerfieber passiert so etwas schon mal schnell. Man überschätzt die Lage. Und dann, wenn man sich Mitte Mai sicher fühlt: BÄM! FROST! ALLES HINÜBER!

Es ist eine alte Weisheit, die wir im Zuge der Klimaerwärmung schon fast über Bord geschmissen haben: Pflanze frostempfindliche Pflanzen erst nach dem 15. Mai, der kalten Sophie ins Freie. Oder:

Vor Nachtfrost du nie sicher bist,
bis Sophie vorüber ist.

Während links und rechts bereits vor Wochen Tomaten ins Freie gesetzt wurden, hielt ich meine Gärtnerwut im Zaum. „Dieses Jahr kommt kein Frost mehr!“ „Die Eisheiligen sind wissenschaftlich nicht untermauert.“ „Wir haben doch die Klimaerwärmung!“ So unkten voreilige Gärtnerfreunde über den Gartenzaun.

Und ich bekam FOHO  –  Fear of Harvesting Out: „Sicher werden alle anderen einen Monat vor mir Tomaten ernten können!“ Aber meine Mutter mit 60-jähriger Gartenerfahrung mahnte am Telefon: „Warte ab. Es sind doch nur noch zwei Wochen, dann kannst du die Wetterlage besser abschätzen.“

IMG_2902Und jetzt? Jetzt freue ich mich, dass meine Tomaten im Warmen stehen und dem Frost dort draußen die Zunge rausstrecken.

Die Lage dort draußen, jenseits unserer kleinen Garten- und Balkonparadieschen, ist voller Menschen dieser Tage, die nicht abwarten können. Sie scharren seit Wochen mit den Füßen. Wollen hinaus. Ihre Freiheit. Ihre Selbstbestimmtheit. Wie trotzige Kinder stampfen sie auf den Boden. Ich kann uns Menschen ja verstehen. Unsere Ängste und Unsicherheiten. Aber können wir nicht einfach ein bisschen länger abwarten? Auf diejenigen hören, die schlichtweg mehr Erfahrung haben, als auf windige Möchtegernexperten über den Gartenzaun?

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Wohin ist unsere anfängliche Solidarität? War sie nur ein Strohfeuer? Ein kurzer Mairegen auf ausgetrocknetem Boden, wo er in den Rissen spurlos versickerte? Sind wir eine Generation von Menschen, die so verweichlicht sind, dass sie eine unangenehme Situation nicht aushalten?

Dieses Land würde ganz anders aussehen ohne die Menschen, die seit Wochen still Solidarität üben: Ohne die Mütter und Väter, die ohne Murren und Zetern ihre Kinder daheim unterrichten, auch wenn es mühsam ist. Ohne diejenigen, die sich nicht von Hysterien und abstrusen Theorien aufstacheln lassen. Ohne diejenigen, die auch heute aufstehen, gute Worte sprechen, sich um Benachteiligte kümmern, Abstand halten und trotzdem Nähe schenken. Ohne Menschen, die sich gegen Lügen stemmen. Ohne diejenigen, die treu für die Politiker beten und die Masken tragen. Ohne die breite Masse der Vernunft und Besonnenheit.

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Dieses Land wäre ein Irrenhaus ohne euch, ein kalter elender Ort, an dem die zarte Pflanze Solidarität und Nächstenliebe erfrieren würde. Ein Ort ohne Vertrauen. Ohne Liebe. Ohne Hoffnung.

Bleiben wir noch ein bisschen länger daheim. Schicken wir die geifernde Angst in die zweite Reihe und überlassen wir die Bühne den stillen Treuen, den Erfahrenen, den trotzigen Liedern und der Vernunft.

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Gedanken, Glaube

Du bist nicht tot! – Hoffnung am Montag

An manchen Tagen, vor allem Montagen ist mir, als läge die Welt in den letzten Atemzügen. Das vermuteten die Menschen sicherlich auch während der Pest, des 30-jährigen Krieges und während der Auslöschung ganzer Städte vor 75 Jahren.

So manch einer treibt den Zustand noch voran, immer näher ran an den Abgrund, angefeuert von Verdrossenen, die krakeelen und zetern und die Hände in die Luft werfen und im Supermarkt trotzig null Abstand halten: Das nutzt doch nichts. Das ist doch alles Lüge. Klimaschutz. Atemschutzmasken. Beten. Ökologischer Landbau.

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Aber, ach, es ist in solchen Zeiten immer schwieriger den Hoffnungsweg zu wählen. Ich biege manchmal ab in Richtung Abgrund, der mich wie ein Magnet anzieht, starre hinein und meine, es wird nie wieder besser mit uns, mit der Erde.

Letzte Woche war ich in Versuchung, mich selbst zur Pessimistin zu degradieren, in den Chor der Klagenden und Wütenden und Aluhutträger einzustimmen. Versteht mich nicht falsch, Klage und Wut haben ihren absolut wichtigen, berechtigten Platz (ausgenommen Aluhüte), aber wenn wir nur noch wie hypnotisiert um diese Themen kreiseln, wird unser Radius klein und damit wirkungslos, entsteht aus Klage und Wut blinde Hysterie.

Kaum hatte ich meinen letzten Blogeintrag über wiedergewonnene Kraft veröffentlicht, bröckelte diese nach zwei sehr anstrengenden Homeschoolingtagen, einer Handvoll trüber Gedanken und unsicherer Zukunftsaussichten. Karma is a bitch, wenn du den Mund zu voll nimmst.

Nun sitze ich auf unserer sonnigen Terrasse, höre dem Vogelkonzert zu (und versuche Dürre und Blaumeisensterben auszublenden) und lese endlich mal wieder in der Bibel. Ich bin eine unregelmäßige Bibelleserin, wage mich oft nicht ran, weil ich zuviel auf dem fromm geprägten Vorwurfs- und Appell-Ohr höre.

Aber hier: die Tochter des Jairus. Das Mädchen, das im Sterben liegt und deren verzweifelter Vater Jesus am Ärmel zu seinem Haus zerrt. Bis Jesus dann endlich dort ankommt, ist es zu spät. Trauernde und Neugierige und  Tratschsüchtige blockieren den Eingang, geben sich ihrer lauten orientalischen Klage hin. Und dann eine typische Jesus-Aussage: „Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft.“ (Markus 5, 39). Das ist schon eine Frechheit im Angesicht des Todes solch eine Hoffnungsaussage zu machen! Der Trauerchor stutzt, lacht ihn aus. Kein frohes Lachen, sondern ein spottendes. Aber Jesus nimmt Mutter und Vater an die Hand, geht mit ihnen in die Kammer des Mädchens und sagt schlicht: Thalita kum! Mädchen steh auf!

Und so geschah es.

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Dann die nicht minder weniger wichtige Aussage von Jesus: „Gebt ihr etwas zu essen.“

Wir sehen  vor unseren Augen, auf unseren Bildschirmen und Nachrichtenkanälen, wie die Welt stirbt. Und auf einer ganz anderen Ebene sagt Jesus: „Was lärmt und weint ihr? Diese Welt ist nicht tot, sie schläft nur.“

Diese Welt mit ihrem Leid und ihren verkrümmten Menschen und den Ungerechtigkeiten schläft, es ist Nacht, wir sehen nur ominöse Hoffnungsumrisse in unserer Ohnmacht. Aber sie ist nicht dem Tode geweiht.

Jesus fordert zwei Dinge, die zutiefst körperlich und radikal und simpel sind:

Steh auf.
Iss.

Das Mädchen hat ein neues Leben geschenkt bekommen, aber es ist kein Happy End, nur ein neuer Anfang. Sie wird immer wieder fallen, aufstehen, hungrig werden und essen. Aber sie lebt nach diesem geschenkten zweiten Leben anders – da bin ich mir sicher – sie weiß, dass der Tod nur temporär ist und seinen Giftstachel verloren hat. Mit einem Auge hat sie die Welt im Blick, mit dem anderen die neue Wirklichkeit.

Wir müssen mit einem Auge die Welt sehr gut im Blick behalten, wie sie momentan ist und laut klagen und immer wieder aufstehen. Aber lasst uns das andere Auge auf Jesus gerichtet lassen, der uns wieder und wieder ruft: Steh auf. Du bist nicht tot. Ich habe dich nicht aufgeben. Dich nicht und auch den Rest der Welt nicht. Du bist die Veränderung, die diese Welt braucht (Ach, das klingt so fürchterlich vollmundig fromm – aber damit meine ich, dass dein Umfeld – so klein es auch sein mag – genau dich heute braucht).

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Und wenn wir uns dann benommen aufrappeln, nach langen mühsamen Homeoffice-Tagen, nach Konflikten und finanziellen Sorgen, mittendrin in Krankheit und Bedrohung, dann stehen wir unsicher auf unseren Beinen. Vielleicht reicht es nur für ein mühsames „Jesus-hier-bin-ich!“. Und dann fordert er kein grandioses Heldentum, sondern dass du isst. Dass du dich stärkst, dir selber etwas zum Wohle tust. Dass du gewappnet bist für das neu geschenkte Leben, das du heute erleben darfst.

Nach einer Woche voller Konflikte und anstrengender Homeschoolingstunden und Sorgen sitze ich im schwächer werdenden Licht dieses Sonntags, dieser Atempause und füttere mich selbst mit dem, was ich mir den Rest der Woche verwehrt habe: Gute Jesusworte, Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade und einen richtig schlechten Krimi. Und morgen früh stehe ich wieder auf.

 

 

 

 

Familie, Gedanken, Glaube

Alles ist im Fluss. Auch wir.

IMG_2806_edited-1IMG_0568Als vor gefühlten acht Monaten feststand, dass Schulen und die Arbeitsstätte meines Liebsten schließen und sie ins Homeschooling bzw. Homeoffice schicken, bekam ich ein klitzekleines bisschen Panik. Das wird ja fast wieder so sein……als die Kinder noch nicht in den Kindergarten gingen!!! Von fünf Uhr früh bis abends um halb acht wird sich alles um die Kinder drehen, ich werde zu NICHTS anderem kommen, ich werde nicht mehr schlafen und essen und schreiben und lesen und alleine aufs Klo gehen können, aaaaAAAAH! Ich werde von den Bedürfnissen meiner Familie durch einen Fleischwolf gedreht werden und am Ende der Ausgangsbeschränkungen in gefühlten 10 Monaten werden von mir nur noch traurige Fetzen übrig sein!!!

Da ich ja Gott sei Dank nicht zum Dramatisieren neige (hust), fing ich mich wieder und stellte Überraschendes fest.

Zwei Dinge:

  1. Ich brauche gar nicht so viel Zeit für mich, wie ich dachte.
  2. Meine Kinder sind groß.

Früher trug dieser Blog den Untertitel „Wie (über)lebe ich Familie“. Ein kleiner Gruß in Richtung meiner introvertierten Bedürfnisse nach Rückzug und Alleinsein, welche in der Baby- und Kleinkindzeit litten. Und seitdem sitzt mir die Furcht im Nacken, meine hart erkämpften Freiheiten könnten wieder eingestampft werden. Wie zum Beispiel durch Coronamaßnahmen.

Keine Phase bleibt für ewig starr stehen, meine Lieben. Und so stelle ich nun beglückt fest, dass ich doch meistens wirklich aus tiefstem Herzen gerne mit meiner Familie zusammen bin. Dass mein Herz höher springt, wenn meine Kinder früh verpennt und verwuschelt ins Wohnzimmer tapsen. Dass ich abends die Kinder anbettle, ob wir nicht noch ein Brettspiel spielen können (nein Mama, wir sind müde…..!). Dass sie ihre Stockbrotstecken SELBST über das Feuer halten können bis. das. Stockbrot. fertig. ist!

Manchmal halten wir an Bildern von uns selbst (und anderen) fest und merken nicht, dass sie gar nicht mehr stimmen. Dass wir und die Menschen um uns herum sich unmerklich weiterentwickelt haben. Wir dürfen uns getrost von Zeit zu Zeit aus unserer eigenen Schublade herauskramen, ans Tageslicht halten, den Staub wegblasen, hin- und herdrehen und prüfen, was anders geworden ist.

Deshalb habe ich vor einiger Zeit den Untertitel dieses Blog losgelassen. Er stimmt nicht mehr.

Und so manches mag auch über dich nicht mehr stimmen.

Vielleicht hast du mehr Kraft als du denkst. Oder du hast weniger.

Vielleicht bist du nicht mehr das unsichere junge Mädchen.

Vielleicht brauchst du deine Krücken nicht mehr und kannst sie wegschmeißen.

Vielleicht bist du nicht mehr die Powerfrau.

Vielleicht bist du gar nicht mehr so extrovertiert.

Oder so introvertiert.

Gott meißelt kein starres Bild von uns. Er ist es nicht, der uns in eine Schublade sperrt und uns befiehlt, für immer dort zu bleiben. Wir sind im Fluss, und in Zeiten wie diesen höre ich den Heiligen Geist, wie er früh an mein Bett kommt, mich weckt und mir zuflüstert: Ein neuer Tag, es ist alles neu!

Ich wache auf und freue ich mich auf die langen Stunden mit meinen Kindern, mit meinem Mann. Und erst abends werde ich müde.

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Bilder, Familie, Gedanken, Glaube

Hier und Jetzt – Tag 2

So. Nun haben wir den Apokalypsen-Salat.

Ich habe mir geschworen, nur einmal am Tag die Nachrichten anzusehen. EINMAL! Aber was tue ich stattdessen? Wie ein hypnotisiertes Kaninchen aktualisiere ich den News-Feed alle paar Minuten, verfolge stündlich den Anstieg der Infektionen und suche nach Häkelanleitungen für Klopapier.

Meine Gedanken wandern in Zukunft. Was wird nach Ostern kommen? Werden wir unseren Pfingsturlaub antreten können, die lang ersehnte Frankreichreise (ich weiß, ich weiß, Luxusprobleme)? Welche Auswirkungen wird diese Zeit auf die emotionale und psychische Gesundheit meiner Kinder haben? Wann können die Mädchen wieder in den Reitstall? Wie werden meine Singlefreunde zurecht kommen? Wie Alleinerziehende? Wie die Eltern von Einzelkindern? Wann kommt die totale Isolation? Wann kann sich unser Hauskreis wieder treffen? Wie werden meine alten Eltern die Krise überstehen? Und ist die Erkältung meiner Tochter coronalastig …. oder einfach nur eine Erkältung? Dieser Tage sehe ich überall Gespenster.

Ich schlafe schlecht und wenig. Ein Indikator für innere Unruhe, für Sorgen, die ich nicht zulassen will, die aber nachts mit kalten Fingern nach mir greifen.

Ich beschließe heute, mich auf den Tag zu beschränken, der vor mir liegt. Nicht einfach für eine Planerin wie mich. Aber heilsam. Denn das Morgen habe ich nicht in der Hand. Noch nicht mal die nächste Minute oder Sekunde. Jetzt ist Gottes Gegenwart.

Diese eine Lebensstunde jetzt ist wertvoller und gotterfüllter als mein Abschweifen in die Zukunft. Mit meinen Sorgen nehme ich etwas von der Kraft Gottes, entziehe sie diesem Augenblick und dann fehlt sie mir zum Bewältigen meines Alltags. 

Und das müssen wir gerade, nicht wahr? Fest verankert in diesem heutigen Tag stehen. Damit unsere Kinder einen Anker haben. Damit wir selbst von der Angst dieser Welt nicht umgerissen werden.

Ich will jetzt und hier und heute die Augen neu öffnen, das Geschenk dieses einen Lebens sehen.

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