Garten, Gedanken, Lyrisches

Ich liebe und ich hoffe….

IMG_6129„Ich fühle mich abgeschnitten vom Leben.“

Gestern sprach ich diese Worte. In einer Runde mit zwei Freundinnen, mit denen ich mich wöchentlich treffe. Wir sind ein Mini-Quickie-Hauskreis. Eine Stunde am Morgen. Ein Kaffee. Eine kurze Austauschrunde. Ein kurzes Gebet. Und dann geht wieder jede ihrer Wege. Zurück ins Büro, in die Küche, zu den Kindern. Thats my kind of people!

„Ich fühle mich abgeschnitten vom Leben. Das passiert mir immer im Januar.“

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Das war keine Klage. Nur eine nüchterne Feststellung. Und dann, nachdem ich wieder alleine war, las ich irgendwo, dass es hilft, seine Sätze mit „Ich liebe….“ und „Ich hoffe…“ zu beginne. Das sei eine gute Medizin gegen den Januar-Blues, die Pandemie-Pein und allgemeinen Weltschmerz.

Ich habe es ausprobiert. Und das hier aufgeschrieben:

Ich liebe leuchtendes Moos auf Baumstümpfen.
Ich liebe errötende Radieschen und Saatgutkataloge.
Ich liebe es, im Winter vom Frühling zu träumen und von Leben, das im eisigen Boden schlummert.
Ich liebe Lächeln hinter Masken, Duft von frischem Brot, verschlafene Kindergesichter, Feuerprasseln, das Gewicht von Federbetten.
Ich liebe Gedichte, Mythen, stille Klugheit.
Ich liebe die Raben, die Katze, die Dunkelheit.
Ich liebe stürmische Tage und stille Nächte.
Ich liebe frische Bettlaken, Weidenkätzchen, Kirschkompott. 

Und Menschen. 

Ich hoffe, du hast einen Hund oder einen Menschen oder eine Gitarre. 
Ich hoffe, du drehst dein Radio auf und tanzt. 
Ich hoffe, du spürst eine göttliche Umarmung. 
Ich hoffe, du siehst dich im Spiegel an und liebst, was du siehst.
Ich hoffe, du hörst nicht auf zu hoffen und zu lieben. 

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Familie, Gedanken, Glaube, Schreiben

Ein Rezept für Lebensstürme

IMG_6085Der Weihnachtsglanz ist abgeblättert. Zurück bleiben ein paar Tannennadeln hinter der Truhe und Ernüchterung. Different year, same situation.

Nicht nur das Auto braucht dieser Tage am Morgen eine Anwärmphase, auch wir Menschen, die in diesem Haus wohnen und nun der normalen Alltagsroutine anheim fallen. Es wachen keine kleinen Mädchen mehr auf mit großem Kuschelbedürfnis, sondern grummelige Teenager. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich zum Beginn der Pubertät das Gehirn gewaltig umbaut. (Sind Neurolog*innen hier? Könnt ihr das bestätigen?)

Dieser Umstand könnte erklären, warum Teenager das Gedächtnis einer 100-jährigen Omi haben. Die Vergesslichkeit führt Krieg gegen uns und sie kämpft mit brutalen Waffen. Nicht nur meine Kinder sind betroffen, auch ich. Dank an die Wechseljahre. Letztens saß ich doch fünf Minuten auf der Couch und versuchte mich an den Namen einer lieben Freundin zu erinnern. Ich wollte ihr eine Nachricht schreiben, wusste aber nicht, unter welchem Buchstaben ich sie in meinem Handy suchen sollte. Ich durchforstete panisch jeden Winkel meines Kopfes nach ihrem Namen: Andrea, Sabine, Ruth, Pamela? Alles falsch. (Kann man Gehirnschmerzen vom Nachdenken bekommen? Neurologe*innen, könnt ihr das bestätigen?) Ich ging dann das Alphabet durch, in der Hoffnung, dass der entsprechenden Buchstaben die Lösung brächte. Hat funktioniert.

So viele Dinge können uns Angst machen:

Ein nachlassendes Gedächtnis
Veränderungen in der Familie
Eine Diagnose
Der Klimawandel
Ein neuer Lebensabschnitt
Die Unsicherheiten, die uns schon seit zwei Jahren anhaften
Ein Jobverlust
Dinge, die außerhalb unserer Wirkungskraft einfach passieren
Zerbruch von Beziehungen

Das alles sind keine Ausnahmen, sondern Nebenwirkungen dieses verrückten, zerbrochenen Lebens, das wir alle leben. Nur dumm, dass wir dazu weder unseren Arzt noch Apotheker befragen können. Diese können uns zwar chemische Rezepte gegen die Angst an die Hand geben, aber keine Lösungen. Und vielleicht soll die Angst auch gar nicht gelöst werden. Sondern anvertraut werden. 

Die Lebensstürme nicht stillen, sondern in ihnen die göttliche Hand ergreifen. Wie auch immer das für dich aussehen mag.

Für mich sieht das dieser Tage so aus:

Mitten in diesem Sturm bin ich ruhig in dir. Ich bete nicht so sehr für einen glücklichen Ausgang, sondern für inneren Frieden, was auch immer kommen mag. Ich bete, dass ich meine Waffen niederlege, mit denen ich auf die Angst schieße und stattdessen deine stilleren Werkzeuge in die Hand nehme: Geduld, Erbarmen, Großzügigkeit, Demut, Wahrheit und Liebe.

Ich hoffe, ich vergesse dieses Gebet nicht wieder.

Aber gegen das Vergessen hilft das Aufschreiben.

Was ich hiermit getan habe.

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Einfache Adventszeit, Familie, Freundschaften, Gedanken, Weihnachten, What would Grandma do

Was wir 2022 unbedingt tun sollten

 

IMG_6091Gefühlt schreibt jeder Anfang Januar über Vorsätze. Tja. Ihr wisst ja, was ich von guten Vorsätzen halte. Ich schaffe es fünf Minuten, den Bauch einzuziehen. Spätestens Mitte Januar lasse ich ihn wieder hängen. In der Form, wie Gott  Schokolade  Wechseljahre ihn formten. Ich halte gar nichts von New Year, New Me! Ich bin ein Fan von New Year, Old me. 

In allen Lebenslagen hilft mein Leitsatz: What would Grandma do? Grandma hält nichts von Detox, sondern kocht dir eine Hühnersuppe und nimmt dir das Handy aus der Hand, mit dem du symbiotisch verwachsen bist. „Kind, jetzt iss erstmal was und verbring Zeit mit mir.“ 

Hühnersuppe und Menschen. Nähren und Nähe. Früh ins Bett gehen. Gute Bücher lesen. Die Vernunft in allen Lebenslagen walten lassen. Mit dem auskommen, was man hat. Kuchen essen mit Menschen, die man liebt. Briefe schreiben. 

Apropos Briefe schreiben. Zum neuen Jahr kitzelt es mich in den Fingern, alten Besitz los zu werden. Kennt ihr das?

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Ich habe seit meiner Kindheit alle Briefe aufgehoben, die ich jemals erhalten habe. Drei große Boxen füll(t)en sie. Das war ein Vergnügen zwischen den Jahren, jeden Brief nochmal in die Hand zu nehmen, manche davon zu lesen, Vergessenes wieder aufleben zu lassen und dann auszusortieren. Zeitzeugnisse sind dabei. Der Briefwechsel in den 80er Jahren mit einer Brieffreundin aus der DDR, die ich dann mit 15 Jahren (!!) alleine mitten in den Umbruchswirren in ihrer „Platte“ besuchte. Der Austausch mit einer Freundin 1993 über Klimawandel, Solingen und Neonazis (hat sich wenig geändert seit damals). Die Briefe, die mir meine Eltern in alle Welt sandten. Und meine allerersten Emails, die ich mir Ende der 90er Jahre am klobigen Arbeitscomputer ausdruckte, weil ich sie wie wertvolle Briefe behandelte. 

Manche Absender sind mir heute noch liebe, teure Menschen. Da schließt sich der Kreis. Hier, dreißig Jahre später. Dankbar, dass sie geblieben sind. Menschen, mit denen ich mir keine Briefe mehr schreibe, aber für die ich anderweitig Platz mache in meinem Leben. 

Pflegen wir in der Schnelllebigkeit der modernen Kommunikation die altmodischen Wege: Laden wir an unseren Tisch ein, backen wir einen Kuchen, rufen wir an, interessieren wir uns für das Leben des anderen. Denken wir an Geburtstage, schreiben wir Postkarten aus dem Urlaub. Sind wir zur Stelle, wenn wir Trost und Hühnersuppe vorbeibringen können. Verabreden wir uns für einen Abend oder ein ganzes Wochenende. 

Räumen wir 2022 ein Eckchen in unserem Leben frei, das wir für die Menschen reservieren, die uns lieb und teuer sind. Verschieben wir es nicht auf später.

Grandma wäre stolz auf uns! 

 

(P.S.: Wenn du mehr von „Grandma“ lesen willst, dann empfehle ich dir meinen Insta-Account @whatwouldgrandmado)

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So fängt der Januar schön an. Wiedersehen mit einer Freundin, die 17 Jahre in der Versenkung verschwunden war. 

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Silvester mit meiner Freundin Sally…..

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….und mit meiner Familie.

Aufatmen im Advent, Einfach Advent, Einfache Adventszeit, Gedanken, Glaube, Weihnachten

Spazierengehen mit Bonhoeffer

Aus den Schornsteinen steigen dicke Wolken auf, die sich scharf gegen den eisigen Morgenhimmel abzeichnen. Die Sonne lockt nach draußen. Sie täuscht uns. Die Kälte ist ein Erschrecken. Aber auch eine Wohltat, wenn man zu lange Zeit im überheizten Raum zubrachte. Dann trinkt man die kalte Luft wie einen edlen Wein.

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Jeden Tag gehe ich mindestens eine halbe Stunde nach draußen, egal bei welchem Wetter. Den Schweinehund nehme ich an die Leine und zerre ihn hinter mir her. Auf meinen Spazierwegen ist Zeit, um meine Gedanken auf Wanderschaft zu schicken. Sie arbeiten immer zuerst ihre Listen ab: „Hast du an den Rehbraten gedacht? Welchen Kuchen backst du deiner Tochter zum Geburtstag? Und wie kommst du an die Karten, die du unfrankiert und in völliger geistiger Umnachtung in den Briefkasten geworfen hast?“ Wenn sich der Nebel der Alltäglichkeiten gelichtet hat, wird es transzendenter. Haaaach. Dann stellen sich die ganz großen, grundlegenden Lebensfragen.

„Was ziehe ich Heiligabend an?“

Wenn diese Frage zufriedenstellend geklärt ist (Spoiler: Das ist sie nie), dann denke ich an Bonhoeffer. Den lese ich gerade täglich. Nur kurze Abschnitte, denn seine Kost ist eine hochkalorische. So hochkalorisch wie meine Aachener Printen, von denen ich mir täglich ein Eckchen abbreche. Aber zurück zu Bonhoeffer. Er schreibt:

„Große Gewaltige gibt es immer nur wenige, aber um so mehr kleine Gewaltige, die, wo sie nur können, ihre kleine Gewalt spielen lassen und die nur einem Gedanken leben: immer höher hinaus! Gottes Gedanke heißt anders; er heißt: immer tiefer hinab, in die Niedrigkeit, in die Selbstvergessenheit, in die Unansehnlichkeit. Und auf diesem Weg begegnen wir Gott, nirgendwo sonst.“

Wir erleben es gerade selbst, wie wir von Gewalten hin und her geworfen werden. Wie wir oft selbst zu Gewaltigen mutieren. Denn es ist doch nur allzu menschlich, auf Ohnmacht mit Aggression, auf Unsicherheiten mit grober Lautstärke zu reagieren.

Gott stellt alles auf den Kopf.

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Unser ganzes Wertesystem. Nicht nur ein bisschen. Er krempelt es um wie einen Weihnachtspulli von rechts auf links. (Ein Schelm, wer hier ein politisches Wortspiel vermutet)

Das Niedrige liebt er. Das Verlorene sucht er. Das Zertretene repariert er. Den Außenseiter nimmt er in die Mitte. Religiöse Eiferer hinterfragt er. Den Verbrecher segnet er.

Wie wäre es, wenn wir dieser Tage einiges auf den Kopf stellten? Um genau in dieser Abwärtsbewegung Gott zu treffen?

Wie wäre es, wenn wir…

….auf Ohnmacht mit trotziger Zuversicht

….auf unsere Feinde mit Segen (bless you, GEZ und AfD)

….auf unseren Stolz mit ehrlicher Selbstreflexion

….auf den Verschwörungscousin mit radikaler Liebe

…auf Schimpfen mit der Suche nach Lobenswertem

…auf Gesetzlichkeiten mit Humor

…auf ungebetene Belehrungen mit Stille

reagierten?

Gott hat sein größtes Wunder genau an dem Ort getan, wo es niemand erwartet hatte. In einem dreckigen Futtertrog.

Auch wenn es dieser Tage schwerfällt, weil uns so manches niederdrücken mag: Lasst uns Augen und Herzen weit aufmachen. Für eisige Schönheiten am Morgen und die Wahrheit, dass Gottes Liebe und Segen an den unmöglichsten Orten zu finden ist.

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Danke, dass ihr mit mir durch dieses Jahr gegangen seid. Mitten in dieser Pandemie ist dieser Ort wie ein kleines Lagerfeuer, an dem ich meine Geschichten und meine Gedanken mit euch teilen darf. Danke für jedes gute Worte, für jeden Kommentar, für jede Mail, für jede Unterstützung. Seid gesegnet, wo auch immer ihr seid. Feiert einander, feiert euch selbst, feiert den, der sich in den dreckigen Futtertrog gelegt hat.

Frohe Weihnachten!

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Familie

Bestandsaufnahme

Das Wichtigste ist erledigt: 

Die Aktionen rund um Weihnachten sind geplant! Da wäre ein Kindergeburtstag. Eine Einladung. Verwandtschaftsbesuche. Und die leidige Frage: was machen wir Silvester? Der Pokal für die lahmste Silvesterfeier geht auch im Jahr 2021 an uns: Raclette, Dinner for One und um 11 Uhr ins Bett. Gähn. 

Ich ziehe den Hut vor euch Frauen, die ihr viele Stunden außer Haus arbeitet UND dann noch Weihnachten managt. Wie macht ihr das? Und warum managen hauptsächlich wir Frauen Weihnachten? Mein Kopf implodiert leise. 

Meine Listen, die hier überall herumflattern, sind meine Rettungsanker. Aber zwischendrin nehme ich mir Zeit für eine Liste, die ich nicht abarbeiten, sondern mit Dankbarkeit anschaue. 

 

Bekommen: Jeden Morgen ein kleine Gabe aus meinem Freundinnen-Adventskalender. Heute: Nordmanntannen zum Selbstziehen. Mein Mann: Wird das noch was bis Weihnachten?

 

Denken: Dass euch mein Auftritt beim ERF Talkwerk interessieren könnte? Ganz großartig in der Talkrunde waren auch der Autor Titus Müller und Esther Theumert, die ein Frauenhaus führt.

 

(Verrückt, dass ich den Beitrag gar nicht schauen möchte, weil ich mich da nicht ansehen mag. Das spricht für die ganze weirde Komplexität meines Menschseins)

Kochen: Nicht viel. Schell muss es gehen. Curry Ramen zum Beispiel. 

Trinken: Kaffee mit Hafermilch. Yep, die Kids und ich stellen um auf pflanzliche Milch. 

Lesen: The Bible tells me so. Das rote Adressbuch. Tanz unter Sternen. Und ganz herrlich-schnulzig-sommerlich: Im Garten deiner Sehnsucht

Machen: Linoldruck auf Weihnachtskarten. 

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Erinnern: Ich bin vor fast 13 Jahren Mutter geworden. Die nächsten Tage werde ich ganz fürchterliche Sentimentalitätsanfälle bekommen. 

Sehen: Ich habe mir heute ein Abbruchgebäude angesehen. Tja. Was man nicht alles in der Adventszeit macht. Seit Ewigkeiten suche ich nach alten Sandsteinen. Geduld zahlt sich immer aus: Ich bin fündig geworden! Ich muss nur die Anlieferung zahlen. Der Frühling und neue Gartenprojekte aka Gartenmauer können kommen. 

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Finden: Und beim Besichtigen des Abbruchhauses zog ich ein paar Schätzchen aus dem Dreck. 

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Hören: Meine Weihnachtsplaylist. Ein Gang durch die Jahrzehnte meiner diversen Musikgeschmäcker. Da ist mal alles dabei von Country, Hiphop, Soul, Klassik etc. 

https://open.spotify.com/embed/playlist/4JLhWWtw2ZRi3qMiCb0oUa

Wünschen: Einen Termin zu Boosterimpfung. Und richtig gute, feine Lino-Cutter. 

Genießen: Nachmittags, wenn es dunkel wird, Kerzen anzünden. Kaffee trinken. Nichts tun. 

Anerkennen: Die Leistung der Lehrer*innen an der Schule meiner Kinder. 

Essen: Ich würde hier zu gerne schreiben, dass ich mich dieser Tage nur von gesunden Salaten ernähre. Das ist ein Teil meiner Ernährung. Der andere Teil besteht aus Pfeffernüssen und Lebkuchen. 

Fertigstellen: Mein Endlos-Stickprojekt, das ich nun in ein Kissen verwandle. 

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Lieben: Das Zusammensein mit meiner fast 13-jährigen. Sie ist einfach cool. Sie geht mit mir in den evangelischen Gottesdienst. Freiwillig! Sie diskutiert mit mir über Rassismus und Vorurteile und hat bereits verstanden, dass diese Denkmuster durch unser System automatisch in die Köpfe rutscht. „Ich will so nicht denken, aber dann passiert es einfach. Ich glaube, man müsste in den Kindergärten Kinder aller Religionen und Hautfarben und mit Behinderung zusammenbringen.“ Bäm. 

Und ich liebeliebeliebe meine instafreie Zeit. Ich kann es nicht häufig genug wiederholen. Auch wenn ich euch damit auf die Nerven gehe. 

Kaufen: Irischen Whiskey. Ich will Baileys selber machen. Als Geschenk für meinen Mann. Pst, nicht verraten!

Anschauen: Bloß nichts Düsteres. Gilmore Girls. Landfrauenküche. Lebenslinien (Sehr empfehlenswert in der BR Mediathek). Familie Stone. Bo und der Weihnachtsstern. 

Und die YouTube-Videos meiner Tochter. Wie zum Beispiel diesen Vlog , in dem ich staunend erfahre, dass das Kind am Samstag freiwillig um halb sieben Uhr morgens aufsteht. Da schläft die Mutter noch, während der Spross Videos dreht. (Lasst ein Daumenhoch, ein Abo und/oder einen Kommentar da. Das Mädchen freut sich!). 

Hoffen: Dass nächstes Jahr wieder ein anderer Advent möglich sein wird. Einer, in dem wir viel mehr Freunde und Familie treffen werden!

Tragen: Auf jeden Fall nicht meinen neuen Beanie, den ich mir genäht habe (Anleitung hier). Den okkupiert meine Jüngste. Egal. Ich habe haufenweise Bündchenstoff bestellt und werde einen ganzen Stapel nähen. Super Lastminute-Geschenk! 

Bemerken: Die vielen kleinen Weihnachtsecken in den Zimmern meiner Töchter. 

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Glauben: Dass nichts mich von der Liebe Gottes trennen kann. Ja, auch nicht die Zweifel, die Einsamkeit, das Zerbröckeln alter Glaubensgewissheiten. 

Warten: Auf ein neues Schreibprojekt

Fühlen: Dankbarkeit. Für euch grandiose Leser*innen. Für diesen kleinen Ort im Internet. 

 

Und jetzt seid ihr dran. Übernehmt die Liste in euren eigenen Blog. Oder schreibt dazu was in die Kommentare: 

 

Bekommen: 

Denken: 

Kochen:

Trinken: 

Lesen:

Machen: 

Erinnern: 

Sehen: 

Finden:

Hören: 

Wünschen:

Genießen:

Anerkennen:

Essen:

Fertigstellen:

Lieben:

Kaufen:

Anschauen:

Hoffen:

Tragen:

Bemerken:

Glauben:

Warten:

Fühlen:

 

 

DIY, Haushalt, Listen, Rezepte

Ein altmodischer Rezepteordner

Was soll ich bloß kochen?

Diese Frage ist ein bisschen wie das Volle-Kleiderschrank-Dilemma: Wir stehen vor einem gut gefüllten Kleiderschrank und uns ereilt ein Blackout. „Was soll ich bloß anziehen?“ Und dann greifen wir doch wieder nach dem Altbewährten, während 99% unserer Kleidung weiterhin vor sich hinstaubt.

Wenn du zu der Minderheit der regelmäßig kochenden Gesellschaft gehörst (35 Millionen Bundesbürger*innen kochen täglich), dann kennst du dieses panikartige Gefühl, das dich ereilt, wenn in 30 Minuten ein Essen auf dem Tisch stehen soll und du reflexhaft die altbewährten Nudeln ins Kochwasser wirfst und Tomatensauce erwärmst. (Hey! No shame. Nudeln mit Tomatensauce sind immer DIE Rettung. Aber bitte nicht jeden Tag).

Ich habe ein Ritual: Sonntagabend plane ich auf Papier die Mahlzeiten für die Woche. Ja, in dieser Hinsicht bin ich hoffnungslos analog…and I love it!

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Um es mir noch viel einfacher zu machen, habe ich mir eine Liste mit Mahlzeiten erstellt, die alle von uns gerne essen. So brauche ich nur diese zur Hand nehmen und das herauszupicken, was der Jahreszeit und unseren Vorräten entspricht. Es ist ja auch hier wie beim Kleiderschrank. Nachdem ich jahrelang alles mögliche ausprobiert habe, falle ich nun auf gute, bewährte Basics zurück.

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Je nach Lebensphase überarbeite ich die Liste, denn was eine Zweijährige einst verabscheute (Thai Curry), findet diese mit 12 Jahren ausgesprochen lecker. So flogen erst letztens die Rezepte für Lachslasagne und Forelle in Orangensauce aus dem Ordner („Mama, wir essen jetzt auch keinen Fisch mehr!“ Seufz).

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(Ich habe sogar eine Liste von Gerichten angelegt, die ich gerne mal ausprobieren möchte und habe hinter jeder Zeile vermerkt, in welchem Kochbuch bzw. auf welcher Homepage dieses Rezept zu finden ist.)

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Aber zurück zu meinem Rezepteordner. Den haben wir 2005 zur Hochzeit bekommen. Der Zahn der Zeit hat ihn zernagt, wie auch so manches dummes Eheideal. Seit JAHREN wollte ich den Ordner von Grund auf neu ordnen. Ich verkündige hiermit: 

Ich habs getan!

Altes weggeschmissen, das ich sowieso NIE NIEMALS kochen würde (Eingelegte Kohlrabi-Stängel!) und alle digital gelagerten, bewährte Rezepte ausgedruckt. 

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Den zerfledderten Ordner schmiss ich weg und fischte einen alten, aber noch gut erhaltenen Versicherungsordner aus dem Keller. Naja, hübsch war der nicht. In einem Anfall von vorweihnachtlicher Überambition wollte ich ihm eine Patchworkhülle verpassen. Aber dann fiel mir dieses wunderschöne Stickbild meiner Mutter in die Hände, für das ich seit Jahren Verwendung suche. Ich fand das äußerst passend, denn nun ist der Ordner innen wie außen mit Familienerbe bestückt. Eine alte Jeans vervollständigte die Ordnerhülle. Auf der Rückseite prangt nun eine Tasche, in die ich Stifte und Karteikarten stecken werde für das schnelle Notieren neuer Rezeptideen. 

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Den Ordner habe ich in folgende Rubriken unterteilt:

  • Dips, Aufstriche und Soßen
  • Salate
  • Suppen
  • Vegetarisch
  • Fleisch/Fisch
  • Desserts
  • Brot
  • Kuchen
  • Haltbarmachung
  • Flüssiges
  • Snacks
  • Konditorei

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Man könnte einen Rezepteordner z.B. auch jahreszeitlich oder alphabetisch ordnen. Oder mit noch viel mehr Unterkategorien. 

Dieses System hilft mir,  meinen mentalen Koch-Load extrem zu verringern. Ich freu mich schon auf den nächsten Sonntagabend, wenn ich mich mit meinem Ordner zurückziehe und das Essen für die neue Woche plane! 

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Verrate mir: Was ist dein / euer absolutes Lieblingsessen?

 

Familie

Ein kleiner Glaube reicht.

IMG_5922Ich habe drei Kisten mit Weihnachtsdeko und jedes Jahr schwöre ich mir, dass ich gnadenlos ausmisten werde. Aber ich bringe es nicht übers Herz, die selbstgebastelten Engel und Nikoläuse und Sterne aus der Kindergartenzeit in die kalte Mülltonne zu werfen. Also dürfen sie noch ein Weilchen bleiben. 

Wenn du jetzt aber denkst, dass der Inhalt dieser drei Kisten in unserem Haus jeden Quadratmeter besetzt, hast du dich getäuscht. Die meiste Weihnachtsdeko bleibt mit den Kindergartensternen in der Kiste. Mit den Jahren dekoriere ich immer weniger. Und weniger. Ich finde Gefallen an der Schlichtheit. Das Überfrachtete, das Auge ermüdende erschlägt mich.

Da halte ich mich gerne an Coco Chanel, die sagte: „Werfen Sie einen Blick in den Spiegel, bevor Sie das Haus verlassen, und legen Sie wenigstens eine Sache wieder ab.“ 

So ist es auch mit dem Glauben. Wer mir folgt, weiß, dass ich in den letzten Jahren viel hinterfragt und ausgemistet habe (in post-evangelikalen Kreisen nennt man das auch dekonstruieren). Ich bin nicht mit allen Fragen und Zweifeln fertig, aber ich habe meinen Frieden damit gemacht, dass ich nicht fertig bin und vielleicht nie fertig sein werde. Ich habe schrille Dekoration und unnützes Beiwerk in die kalte Mülltonne geworfen. 

In mir ist es still geworden. Ich kleiner Mensch muss nicht alle Antworten auf die ganz großen Fragen haben. Ein schlichter Glaube ist an die Stelle des Pompösen getreten. Einer, dem oft die großen Worte fehlen. Keine schwärmerischen Gebete beten möchte. Keine Predigten hören muss, um spirituell zu überleben. Es ist ein inneres Aufgehobensein. Wie ein kleiner Vogel in der Hand dessen, der es gut meint. 

Mein Glaube ist nicht weniger, er ist nur einfacher geworden.

Ich überfrachte ihn nicht mehr mit Optimierungen und noch mehr Sehnsucht nach großartigen Gotteserfahrungen, sondern ich freue mich an dem, was ist. Es ist befreiend, sich zu befreien. Kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich mal wieder das Beten vergessen habe. 

Einfachheit. Schlichtheit. Direktheit. Da klemm ich ein kleines Lichtchen an meinen Glaubenszweig und lass es brennen. Das reicht, um es mir hell in meiner Seele zu machen. Das Licht reicht auch noch für ein paar Leutchen um mich herum. Da brauch ich keine 2000-Volt-Lichtanlage. 

Ich finde Gott dieser Tage in dem letzten Krümelchen Geduld am Abend, wenn noch schnell Französisch-Vokabeln abgefragt werden müssen (aber diese Geduld ist äußerst fragil!). Ich finde sie zwischen zerfledderte Seiten geliebter Bücher. In den warmen Falten meines Stricktuchs, das mir den Rücken wärmt. Im Licht, das mir manchmal unerwartet durch die dicke Wolkenschicht zublinzelt. 

Heute hat mir eine Freundin eine kleine goldene Papiergirlande geschenkt. Ich habe sie hier- und dorthin getragen. Geprüft, ob sie eine Überladung oder Einladung sein könnte. Jetzt hängt sie am Buchregal. Sie fängt die rar gewordenen Sonnenstrahlen ein, bricht sie in tausend Stücke und wirft sie wie Konfetti in den Raum. 

 

Familie

Ich wähle Freude

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Ich habe mir die Freude verboten. Wie kann man sich freuen in Zeiten, die einen niederdrücken wollen?

Freude? Nein, die war in meinem Gefühlsrepertoire der letzten Wochen nicht enthalten. Nur Angst, Sorge, sehr viel Negativität und vor allem Wut. „Dieses Mal fühlt es sich aussichtsloser an,“ so konstatierten wir gestern in unserem Book Club, der nun wieder per Zoom stattfindet. Denn ja – wir beschränken unsere Kontakte freiwillig – und hoffen auf eine starke Zunahme von Impfungen, Vernunft und Besonnenheit.

Am Ende unserer Zoom-Sitzung überwog aber der Entschluss zur trotzigen Freude.
„Wir sollten gerade in diesen Zeiten das tun, was uns Freude bringt!“

Und das schließt ja das Dunkle, das Schwere, das Unsichere nicht aus. Es darf beides nebeneinander stehen. Ich kann blubbernde Freude über den fallenden Schnee vor dem Fenster empfinden und am Abend die kalten Sorgen vor Gott ausschütten. Ich kann mir einen opulenten Adventskalender gönnen und Trauer über das empfinden, was nicht ist. Wir dürfen Kerzen anzünden, die kitschige Weihnachtsplaylist lauthals mitsingen, Plätzchen backen und unser Herz von den Nachrichten bewegen lassen.

Gerade jetzt brauchen wir Freude. Und wenn es nur winzige Freudenmomente sind. Komm, wir stehlen sie uns einfach! Und dann teilen wir sie großzügig mit anderen!

Seit einigen Tagen bereits bleibe ich den sozialen Medien fern und ich kann wieder atmen, mich fokussieren und vor allem das: Freude und Kreativität und Freiheit empfinden. Ich muss mich nicht mehr über alles und jeden aufregen und überall mitreden und überhaupt die Welt retten. Ich rette mich selbst. Und meine Freude.

All diese Dinge, oh ja, sie haben mein Herz auftauen lassen:

  • Die Vorbereitungen und das Feiern des 11. Geburtstags unserer Jüngsten.
  • Der Besuch des Wildparks Mergentheim.
  • Puzzeln
  • Sticken (unsere Tochter hat zum Geburtstag einen eigenen Stickkorb bekommen)
  • Kerzendrehen
  • Weihnachtliche Heimlichkeiten in allen Zimmern
  • Viele viele Tassen Kaffee aus meiner Weihnachtstasse
  • Dem Schnee zuschauen
  • Sarah Besseys Advent Book
  • Linoldruck
  • Pakete für die Diakonie packen
  • Freunden das eigene Herz ausschütten und sich von ihnen wieder zusammensetzen lassen
  • Kitschige Heile-Welt-Bücher und kernige Theologie
  • Flanellbettwäsche

Und was rettet deine Freude in diesen Zeiten?

Familie

Die neue Haustür

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Endlich haben wir unsere neue Haustür. 

Das alte Exemplar stammte aus den Zeiten als Adenauer Kanzler war. Der Wind pfiff an undichten Stellen herein und sie war der Traum eines jeden faulen Einbrechers. Wer heutzutage eine Haustür beim Schreiner bestellt, braucht viel Geduld. Fast solange wie wir auf das Ende der Pandemie warten, hatten wir auch auf die Haustür gewartet.

Nun ist sie da. Und mir hüpft das Herz vor Freude, wenn ich sie auf und zu ziehe. Sie gibt lediglich einen sanften Laut von sich. Kein Scheppern mehr, wenn sie ins Schloss fällt. Herrlich. Und es zieht auch nicht mehr so garstig in den kalten Monaten im Hausflur. 

Ich wünschte, ich hätte auch so eine einbruchsichere, isolierte Tür, die ich zuschmeißen kann, wenn die ganze Welt zu mir hereinströmen möchte. Das Problem ist nur, dass ich die Welt in meiner Hosentasche herumtrage. Alle Konflikte, alle Nachrichten, meine Arbeit, meinen Kalender, meine Listen, die Meinungen von Millionen Menschen. 

Meine Fähigkeit, die Tür hinter mir zu schließen ist brüchiger als unsere alte Haustür. Es schlüpft immer etwas durch, verfolgt mich in den Schlaf und zerfranst meine Gedanken und mein Tun. 

Oh, wie gerne würde ich mich in diesen Novembertagen völlig abschotten. Die Nachrichten ignorieren. Heiteren Optimismus versprühen. Das Handy mal einen ganzen Tag ausschalten. So tun, als wäre die Welt da draußen halbwegs in Ordnung. 

Aber vielleicht soll ich mich gar nicht so komplett abschotten. Mich hinter meiner neuen Tür verschanzen. Ein Mensch, der nicht mehr hinausgeht, nicht mehr hinhört, sich nicht mehr einmischt, ist kraftlos geworden. Oder wie Jesus sagt, der hat kein Salz. 

Wenn wir unsere Türen verschlossen halten, kann auch niemand mehr hinein. Dann kann keiner mehr Licht für uns sein, Farbe in unser Alltagsgrau bringen. Aber ich möchte aufpassen, wen und was ich hereinlasse.Wenn ich die Tür immer geöffnet habe, kommt eben nicht nur das Gute herein, sondern auch der Einbrecher, der ungebeten durchs Privateste trampelt und dort herumwühlt.  

Diese Woche hat mir ein kluger Mensch gesagt, wie wichtig es sei, in dieser Zeit reduziert zu leben. Nicht nur im ganz physischen Sinne. Sondern auch auf der mentalen Ebene. Da muss man sich die wichtigen Fragen stellen: Soll ich mich in jede Kontroverse stürzen? Soll ich auf alles reagieren, was mir da entgegenkommt? Muss ich zu allem meine Meinung sagen, mich hineinziehen lassen in alles Konfliktreiche?

Reduziert leben bedeutet doch, seine eigene Kraft, seine Zeit gezielt einzusetzen und sich nicht wie eine klapprige Tür im Wind so lange hin- und herumwerfen zu lassen, bis die Türangeln ermüden und zu quietschen beginnen. Und ich verstehe mich so unglaublich darauf, mich hin- und herwerfen zu lassen. Gerade in diesen Zeiten. Ein Wunder, dass ich noch nicht selbst zu quietschen begonnen habe. 

Ich stehe immer wieder am Anfang dieses Lernprozesses. Meine Impulsivität macht es mir manchmal sehr sehr schwer. Und natürlich auch mein Messiaskomplex, mit dem ich die Welt retten und sowieso immer recht haben will. 

Das ist meine Arbeit im November. Ein guter Türsteher sein. Genau kontrollieren, wer herein darf und wer bitteschön draußen in der Kälte bleibt. Reduziert leben. Das Wesentliche in den Blick nehmen. Und mich nicht von den Gewalten hin-und herwerfen lassen. 

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Ich hab ein paar Links für dich: 

  • Mein Gespräch beim ERF. Nachzuhören hier
    ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
  • Künstler brauchen in dieser Zeit Unterstützung.
    Meine Freundin Sally Grayson, Musikerin und Künstlerin, startet eine großartige Aktion: Sie malt wunderschöne Auftragsbilder. Vielleicht eine Idee für Weihnachten? Schaut mal hier. (Die Seite wird es demnächst auch in deutscher Version geben). 
    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
  •  Vielleicht magst du aber auch zu Weihnachten Bücher verschenken?
    Ich hab noch einige Exemplare dieser vier Bücher im Vorrat: 
    Coffee & Jesus
    Problemzone Frau
    Heiliger Alltag
    Hoffnung leuchtet
    Hier kannst du direkt bei mir bestellen
    Ich signiere sie auch sehr gerne auf Wunsch. 
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  • How we end consumerism
  • Die Matheleugnerin
  • Patchwork mal ganz anders

Familie

Zehn Dinge im November

Wenn man längere Zeit nicht bloggt, dann wird man überwältigt von der Frage, den richtigen Einstiegspunkt zu finden. Das Leben ist voll und bunt und überhaupt wo soll man anfangen.

Ich habe mir überlegt, dich heute mal wieder in meinen Alltag mit hineinzunehmen. Durch die verschiedenen Bereiche gehen und schauen, was sich da so tut. Und was mich bewegt.

1. Bücher
Ich wünschte, ich wäre eine Leserin, der es völlig genügt, nur ein Buch auf dem Nachtisch zu haben. Aber in dieser Hinsicht bin ich leider un-er-sätt-lich. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich eine sogenannte „Scannerin“ bin (Die Erkenntnis sprang mich in dem Buch an mit dem bescheuerten Titel „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast. Mehr dazu unter Punkt 2).
Die letzten Bücher, die ich las und für wirklich, wirklich gut befunden habe:

2. Scanner-Persönlichkeit
Du findest das Wort „Scanner-Persönlichkeit“ befremdlich? Ich auch. Aber dahinter verbirgt sich eine sehr befreiende Erkenntnis, mit der ich mich selbst besser verstehe. Die Kurzdefinition: Die Scanner-Persönlichkeit ist vielseitig interessiert und langweilt sich schnell. Sie kann sich schnell in verschiedenste Bereiche einarbeiten und wenn sie einmal etwas für sich erschlossen hat, dann wird’s für sie uninteressant. Sie gerät vor allem in der Berufsfindungsphase in größte Nöte, kann sich nicht entscheiden.

Vielleicht leben wir im Zeitalter übertriebener Selbstanalysen. Aber: Ich kann hinter jeden Satz ein Ausrufezeichen setzen, so sehr definiere ich mich damit. Und hey, manche Kategorien führen zu mutigerem Selbstverständnis. Das bin ich. So bin ich gestrickt. Und es ist überhaupt nichts verkehrt daran, dass ich tausend Bälle in der Luft habe.

Verkehrt habe ich mich gefühlt, als ich vor der Berufswahl stand wie ein Äffchen vor einem Korb mit tausend leckeren Obstsorten. Wonach soll ich zuerst greifen? Und dann hab ich mich (typisch Scanner) für nichts Wirkliches entschieden. Mal hier ein bisschen Kibbuz, mal dort ein bisschen Fliegerei, mal hier ne Ausbildung und dann – haha! – reise ich um die Welt und werde Bloggerin.
Und genau aus dem Grund habe ich nicht das EINE Thema, dem ich mein ganzes Schreiben widme. Deshalb werde ich mich immer den Themen widmen, die mich anspringen. Seien es Nachhaltigkeit, Kreativität mit Kindern, Feminismus, Gastfreundschaft, Alltägliches oder Reisen.
Ich kann mich nicht nicht nur einer Sache widmen. Das geht gegen meine ganze Persönlichkeit. Deshalb wirst du hier immer einen bunten Blumenstrauß an ALLEM finden. Oder eine Liste von zehn random Dingen.

3. Sticken
Ich habe das Sticken wieder für mich entdeckt. Kreuzstich. Love it. Macht süchtig. Nicht nur mich, sondern ich habe auch meine Tochter angestickt….äh…..steckt.


4. Draußen
Der Garten legt sich zur Ruhe. Es gibt noch ein paar letzte Herbsthimbeeren und mein obligatorisches Wintergemüse: Lauch, verschieden Kohlsorten, Rote Beete, Sellerie und Feldsalat. Ich liebe den Novembergarten. Ein letztes Aufbäumen der Farben, bevor alles im stillen Braun versinkt.

5. Declutter
Ich habe so unendlich viel ausgemistet in den letzten zwei Monaten. Meine Güte, wieviel kann ein Mensch horten, der sich theoretisch dem Minimalismus verpflichtet hat? In Zukunft werde ich noch stärker wie ein Luchs aufpassen, was mir ins Haus kommt. Denn Besitz bindet Zeit, Geld und Energie. Stundenlang stellte ich Kram bei Ebay Kleinanzeigen ein, machte einen Instagram-Flohmarkt. Das ist keine Nebenbeschäftigung, sondern gefühlt eine 40-Stunden-Woche! By the way, braucht irgendjemand ein Dia-Lichtpult? Nein? Klar. Kein Mensch schießt mehr Dias. Ich hätte da auch noch eine Alt-Blockflöte.

6. Krank
Die letzte Woche lag ich ausgeknockt im Bett oder auf dem Sofa. Nein, Gott sei Dank kein Corona. Nur eine gute alte Erkältung. Genug Zeit, um das neue Buch von Caroline Kebekus auf Spotify zu hören.

7. Pandemie
Echt? Schon wieder? Um mich herum erkranken immer mehr Leute an Corona. Die Zahlen machen nicht wirklich Freude. Ich wägte mich in falscher Sicherheit. Dachte, wir hätten unser kollektives Trauma hinter uns gelassen. Stattdessen kickt es uns gerade dorthin, wo es richtig weh tut. Wenn du noch nicht geimpft bist, dann bitte ich dich hiermit inständigst, es zu tun. Zum Wohle aller. Danke.

8. Es will noch nicht so recht weihnachten….
Ich versuche mich im Strohsternebasteln. Aber ich check es nicht. Das hier ist alles, was bei meinem kläglichen Versuch entstand.


9. Nähen
Noch ein Fail der letzten Wochen: Ich wollte mir aus diesem Stoff ein T-Shirtkleid nach einem Burda-Schnitt nähen.

Burda, ist das dein Ernst? Mir ist noch nie so eine katastrophale, lückenhafte, unverständliche Anleitung in die Finger gekommen. Da sind selbst Freebooks aus dem Netz tausendmal besser! Nun sitze ich hier mit einem halbangefangenem Kleid, komme nicht weiter, traue mich nicht weiter. Und dabei wollte ich doch so gerne Blumen im November tragen.


10. Seelentröster


Was immer gelingt: Rosinen-Zimt-Sauerteigbrot (Zutaten für 2 Brote)

Zutaten Teig:
125 g Sauerteig
500 ml warmes Wasser
200 ml Milch
1 Ei
1100 g Mehl (ich nehme halb Dinkelvollkorn und halb Weizenmehl)
70 g weiche Buttter
1 1/2 TL Salz

Füllung:
1 Tasse Rosinen
Orangensaft
1 Tasse Zimtzucker

Stelle aus allen Zutaten einen Teig her. Er sollte in der Küchenmaschine ca. 10 Minuten lang kneten. Wundere dich nicht: er ist sehr weich. Soll so sein. Wenn er doch noch etwas zu flüssig ist, dann füg noch mehr Mehl hinzu.

Jetzt lässt du den Teig zugedeckt an einem warmen Ort 3-5 Stunden stehen.

In der Zwischenzeit weichst du die Rosinen ein. Gebe sie in eine Schüssel und gieße Orangensaft dazu, so dass die Rosinen knapp bedeckt sind. (Ich stelle die Füllung nach Gefühl her, deshalb hab ich hier auch keine genauen Angaben. Du kannst das nach Geschmack abändern. Z.B. Cranberries oder getrocknete Birnenstückchen statt Rosinen verwenden)

Nimm zwei Kastenformen und fette sie ordentlich ein.

Nach der der Ruhezeit gibst du großzügig Mehl auf deine Arbeitsfläche ein und kippst den Teig darauf. Den teilst du in zwei Stücke. Nimm das eine Stück, ziehe und drücke es in die Breite und Länge, so dass du am Ende ein Rechteck vor dir liegen hast. Muss nicht superordentlich und supergenau sein. Die Teigbreite sollte der Breite deiner Kastenformen entsprechen.

Jetzt bestreue die Oberfläche mit der Hälfte der abgetropften Rosinen und des Zimtzuckers. Rolle das Rechteck der Länge nach vorsichtig auf. Mir hilft dabei ein Teigspatel. Behutsam wie ein Baby in die Kastenform legen.
Mit der anderen Teighälfte ebenso verfahren.

Zudecken und an einem warmen Ort weitere zwei Stunden ruhen lassen.

Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Ca. 1 Stunde backen.

Schmeckt besonders gut getoastet!