Wir sind nicht fertig mit 50

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Es ist Samstagabend und ich sitze mit einer Freundin in dem einzigen griechischen Gasthaus weit und breit. Es hat sich seit meiner Kindheit nicht verändert. Die weiß-schwarzen Mini-Fliesen, die wuchtige Holztheke, die Fotos des örtlichen Fußballvereins, die 80er-Jahre-Tische und Stühle. Selbst der Geruch ist noch immer derselbe. Nur die Jukebox im Eingangsbereich ist gewichen. Gott sei Dank plärren Modern Talking und Milli Vanilli nicht mehr. Für den Soundtrack sorgen die Gäste selbst, die miteinander anstoßen und im Laufe des Abends (und mit zunehmendem Alkoholpegel) die fränkische Lautstärke hochschrauben. 

Das Essen ist großartig. Wie immer. Und billig. Und viel. 

Während wir uns Pommes, Zaziki, gefüllte Weinblätter und frittierten Schafskäse schmecken lassen, geben wir uns ein gegenseitiges Lebens-Update. So leben wir wohl nun unsere Freundschaften in den mittleren Jahren. Zwischen alternden Eltern, beruflichen Verpflichtungen, Kindern, Partnern, abnehmender Energie reicht die Zeit oft nur noch für gelegentliche Treffen. Wir bringen uns auf den neuesten Stand. Neue Freundschaften können anstrengend sein, wenn man schon fünf Lebensjahrzehnte hinter sich gebracht hat, denn das Leben ist mittlerweile so dick wie ein Buch. Bei A anzufangen, bedeutet, fast das ganze Alphabet durchhecheln zu müssen von A wie Ausbildung, F wie fiese Beziehungen, G wie Geschwister bis hin zu L wie Liebeskummer. 

So bin ich dankbar für die Freundin – wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Wir können direkt bei M für menopausale Beschwerden einsetzen. 

Wir stellen mal wieder fest: die Lebensmitte ist die Zeit des großen Loslassens. Der Umbrüche, die auf uns einprasseln. Obwohl wir doch eigentlich schon genug zu tun haben mit depressiven Verstimmungen und poröser werdenden Knochen.  „Wusstest du, dass wir Menschen neben ein paar wenigen Walarten die einzige Spezies sind, die eine Menopause durchlaufen? Und bei denen die Frauen nach der Fruchtbarkeit noch viele Jahre leben? Warum ist das so?“ frage ich. Aus rein biologischer und evolutionstechnischer Sicht macht es wenig Sinn, dass uns Frauen eine so lange Lebenszeit beschieden ist.  

Wir stochern beide in den Pommes und ich denke daran, was ich vor einiger Zeit über Orcas gelesen habe. 

Orcaweibchen kommen in eine Menopause …

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