Wilde Collagen

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Auf meinem Bildschirm blinkt der Cursor. 

Die weiße Seite ist noch unbeschrieben. 

Ich möchte alles wild darauf kleistern. Eine dicke Schicht Leben. Alles, was meine letzten Tage und Wochen bevölkert hat. Eine Collage, die aussieht, als hätte sie jemand blind gebastelt und dabei zu viele bunte Lagen und großzügig Kleber verwendet. 

Da war meine Schreibwerkstatt, die vergangene Woche zum dritten und letzten Mal stattfand. Ein Pilotprojekt, von dem ich nicht wusste, ob ich es in den Sand setze oder ob es tatsächlich abhebt und fliegt. Letzteres war der Fall. Ich befinde mich immer noch im Höhenrausch. Ich bin so beflügelt, dass weitere Werkstätten folgen werden. 

Da ist meine neue Volontärin, eine Künstlerin aus New York, eine Rucksack-Nomadin, eine Bohemienne. Sie bleibt einige Tage, schneidet die Hecken, häkelt Mützen, kocht, putzt, siebt den Kompost, erkundet die Gegend. 

Da ist natürlich auch die Arbeit, die mich momentan so erschlägt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen, wo ich aufhören soll. Papierkram, bergeweise. Der Garten ruft: Säe endlich aus und bepflanze mich! Die Steuer, oh je. Ich bin gefühlt an allen Ecken und Enden im Rückstand. Aber ich kenne diese Phasen. Solange ich einen entschlossenen Schritt nach dem anderen gehe, ist bald ein beachtliches Stück geschafft. Ich brauche einfach mal wieder ein paar meiner klassischen Getting-Shit-Done-Tage, an denen ich von früh bis abends nichts anderes mache, als alle ungeliebten Aufgaben im Stechschritt zu erledigen. 

Zum Schluss klebe ich in die Lücken meiner wilden Lebenscollage die zwei Teenagerkinder, Therapie, diesen Blog, die im Frühlingswind flatternde Wäsche, einen Besuch bei der Mutter, ein geplantes Pubquiz für unser örtliches Get Together, eine Podcastaufnahme und vielleicht sogar ein paar Maschen, die ich zwischendrin stricke. 

Eine dicke Schicht Leben, zusammengehalten von Hoffnung und Kaffee. 

Als ich vorhin in meinem Kalender blätterte, musste ich dreimal hinschauen. Ostern ist in zwei Wochen? ZWEI WOCHEN? 

Warum werde ich von Ostern jedes Jahr überrascht? 

Plötzlich ist der Feiertag da, springt mich von hinten an, weil es im Gegensatz zu Weihnachten keinen „Osterkalender“, keinen Spannungsaufbau gibt. 

Nun ist die Dringlichkeit plötzlich da, Osterstimmung aufzubauen, mich nach innen zu wenden, dem Sterben, der Auferstehung nachzuspüren. Während draußen alles vor Leben platzen möchte. Und die Vögel so laut jubilieren, dass ich ihnen den ganzen Tag zuhören möchte.

Verspürte Jesus auch eine Dringlichkeit in den Wochen vor seinem Tod? Ich glaube ja. Er weinte über den Tod seines Freundes, lehrte mit größerer Entschlossenheit denn je, wusch Füße, warf Tische protestierend um. Und er berührte Kranke.

2 Kommentare zu „Wilde Collagen

  1. Danke für deine Gedanken…
    Sie treffen mein Herz und holen mich hier ab.
    Danke
    Sie werden mich hoffentlich über die Tage bis Ostern begleiten. Ich lese sie mir einfach immer wieder durch.
    Beste grüße aus Köln
    Susanne

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