Bücher, DIY, Ernährung, Familie, Freundschaften, Gedanken, Listen, Nähen, Schreiben, USA

10 Dinge

Eine aufwühlende Woche liegt hinter mir. Das unerwartete Wahlergebnis in den USA. Die damit verknüpfte Sinnkrise („Wenn so viele Evangelikale Trump gewählt haben, bin ich ab jetzt nicht mehr evangelikal!“). Dann hat sich auch noch mein liebster Leonard Cohen verabschiedet. Meine Stimmung war trüb und ich fühlte mich zutiefst verwirrt. Wem fühle ich mich zugehörig, wenn ich die christliche Welt nicht mehr verstehe? Und wer macht heute noch gute Musik?

Ich ließ mich einige Tage brodeln und wüten und trauern und eine Menge schwieriger Fragen stellen. Antworten habe ich keine. Aber 10 Dinge, die mir und uns in den letzten Tagen geholfen haben, den Fokus auf das zu lenken, was wir tatsächlich in der Hand haben. img_4841_edited-11. Gemeinschaft mit Menschen, die mir gut tun. Auch wenn ich dafür eine Autofahrt bei Sturzfluten auf mich nehme. Ich frühstückte mit Christina bei IKEA (unsere Tradition), sprach mit ihr übers Bücherschreiben, über Trump, unsere Kinder. Und dann kauften wir tatsächlich nur die Dinge ein, die auf unserem Einkaufszettel standen. Erfolg auf ganzer Linie.

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Ist er nicht herzallerliebst, unser neuer IKEA-Lampenschirm? Ein bisschen wie Urgroßmutter Schlüpfer, nicht wahr?

 

2. Knusper-Müsli backen. Meine Kinder und ich fressen das Zeug schneller weg, als ich Chia-Samen sagen kann. Es tut gut, die Kontrolle darüber zu haben, was und wie wir essen. img_4859

3. Mit meinen Händen arbeiten. Ich – die weltschlechteste Strickerin – stricke, was das Zeug hält. Meine Nadeln klappern wie ein frierender Yeti im Himalaya. Jetzt sind Stulpen für Amelie an der Reihe. Ihr wird immer so schnell an den Beinen kalt .
Wir stehen kurz vor dem alljährlichen Geburtstags-Adventsmarkt-Weihnachts-Marathon. Da hab ich natürlich nichts Besseres zu tun, als Igel-Täschchen für kleine Geburtstagsgäste zu nähen. Die Idee ist meinem Plastikvermeidungs-Wahn entsprungen (ein Blog-Beitrag zu dem Thema hau ich euch demnächst um die Ohren). Ich bin ja völlig bekloppt. Aber ganz ehrlich? Ich liebe solche kleinen Sinnlos-Projekte.

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4. Bewusst Atmen. Meinem Körper Raum geben. Nickerchen machen. Eine Runde Yoga mit  Adriene (meiner neuen „besten Freundin“ aus Austin, USA).

IMG_4846.jpg5. Amelies Freundin braucht bei jedem Besuch eine Ladung Waffeln mit Apfelgelee. Dann sitzen die Mädchen um den Tisch, kichern, essen und machen Pläne für den Rest des Nachmittags. Und ich steh in der Küche, lausche neugierig und freue mich so sehr über ihre Freundschaft und das Leben rund um unseren Tisch.

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6. Ich lese mit wachsender Neugier „Hochsensible Mütter“ von Brigitte Schorr. Früher hätte ich mich über diese Mode-Diagnose ein wenig lustig gemacht. Aber seitdem mir eine Therapeutin den Hinweis gab, dass ich seelisch in genau diesem Bereich angesiedelt bin, lerne ich mich zum ersten Mal richtig kennen. Und durch das Buch nochmal viel mehr. Ich fühle mich, als würde jemand einen 100-Liter-Eimer Heilung über mir auskippen.

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7. Jeden Tag ins Freie. Bei jedem Wetter, dick eingepackt in Wollschals und Gummistiefel. Und wenn es nur fünf Minuten sind. Dabei die Augen offen halten für subtile November-Schönheiten.
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8. Gemeinsam Gemüsesuppe kochen. Erinnert mich an lang vergangene Jugendfreizeiten, wenn gemeinsam gekocht wurde. Das birgt ein sehr heimeliges, verbindendes Element in sich. Und eine Suppe auf dem Herd ist wie ein kleiner Tröster, bei dem man sich jederzeit an einem kalten Tag Nachschlag holen kann. img_4861

9. Freundlichkeit wie Konfetti in die Luft schmeißen. Beide Mädchen habe ein Paket für Weihnachten im Schuhkarton gepackt. Und dann gefühlte 89 Mal umgepackt. Die Begeisterung hielt mehrere Tage lang an. „Mama, ich stell mir gerade den Jungen vor, wenn er mein Päckchen aufmacht!“. 
Seit letzter Woche stehe ich jeden Dienstag etwas früher auf, um mich in der Schule mit einem syrischen Jungen zu treffen. Gemeinsam lesen wir Bücher und spielen Spiele. Ich radebreche ein paar arabische Wörter und er lacht sich halbtot über meinen fürchterlichen Akzent. Nach 45 Minuten geht er dann in seinen regulären Unterricht und ich wieder nach Hause. Es ist nichts Sensationelles passiert, außer dass wir kleine Brücken bauen. Von einer Sprache zur anderen. img_4856

10. Im Rahmen unserer Möglichkeiten (kre-)aktiv werden. Zuerst mochte Amelie nur eine Geschichte schreiben. Dann wollte Josefine die Bilder dazu beisteuern. Und dann ein Buch daraus binden. Heute Morgen meinte Amelie, sie wolle das Buch übers Internet verkaufen. Dann kam uns die Idee, dass sie vom Erlös ein Stück Regenwald kaufen könnte. Denn das Stück spielt am Amazonas. Obwohl ich müde war, half ich den begeisterten Mädchen bei ihrem Projekt. Und kurz vor dem Abendessen war der Prototyp des Kinderbuchs „Ein Abenteuer“ fertig. Mehr zu der Aktion (mit Kaufmöglichkeit) in Kürze!

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13 Gedanken zu „10 Dinge“

  1. Das tut gut zu lesen, bringt mich zum Lachen, macht mich nachdenklich. Was sind gerade meine 10 Dinge? Danke!
    Liebe Grüße von der Ostsee
    Kerstin
    P.S. Hast du ein Rezept für das Knuspermüsli?

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  2. Ach liebe Veronika. Mir ging es die letzten Tage ähnlich. Ein ausgewachsener Novemberblues gepaart mit Weltschmerz. Deine 10 Dinge zu lesen tut gut. Es hilft ein bisschen, nach einem erfüllten Seminarwochenende in Berlin nicht wieder zurück ins Tal der Tränen zu fallen. Wobei es nicht mehr helfen würde, wenn jemand meine Waage an die Wand werfen würde oder mir über Nacht 10 Kilo klauen könnte. Meine Selbstakzeptanz ist nämlich zusammen mit meinem Optimismus in den Urlaub gefahren.

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  3. lauter schöne Sachen hast du beschrieben, die das Herz erwärmen, alleine schon beim Lesen. Es tut gut deinen Empfindungen zu folgen und sich darin wiederzufinden. Danke

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  4. Liebe Veronika, vielen Dank für deine immer wieder wohltuenden Ideen. Deine Erzählungen und Bilder erinnern mich immer wieder an Bullerbü 😊. Bin gerade mit meinem Mann für 11 Monate auf Weltreise und freue mich über den Herbst den du mir mit seinen Farben und Düften mitschickst. Sei gedrückt dafür!
    Liebe Grüße aus Indien 👳🏽🐂🐘

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  5. Ich staune gerade, wie viele Menschen mir über den Weg laufen , die auch in diese Hochsensibel Ecke schauen. Ich hielt es auch für eine Modeerscheinung. Dann schaute ich mal genauer hin… Das Rezept für das Knuspermüsli hätte ich auch gerne.

    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Halli Hallo! Interessant wie viele dieses Buch gelesen haben oder lesen. Ich habe mich lange dagegen gesträubt es zu lesen, aber als ich es nun doch tat kamen mir die Tränen, weil ich mich endlich verstanden fühlte und fühle. Und mir begegnen immer wieder Menschen auf Blogs, die ich gerne lese, die offensichtlich ähnlich ticken. Auch sonst entdecke ich bei dir sovieles von mir…Es ist manchmal als ob du zu Papier bringst was ich denke. Ich führe ein Tagebuch,so ganz altmodisch mit Papier 😉 und da steht so viel drin war ich dann bei dir wiederfinde. Danke für deinen Mut so ehrlich ins Netz zu schreiben. Liebe Grüße, Maike

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  7. Hallo Veronika,
    immer wieder finde ich mich in deinem Blog wieder und habe mich auch an das Buch der hochsensiblen Mütter gemacht… Mir kommen (vor Glück!) schon wieder Tränen, ich dachte echt, da hat jemand ein Buch über mich geschrieben!! Nachdem ich mich mit dem Thema immer mehr auseinandersetze, kommt ein aha-Erlebnis nach dem anderen. Werde das Thema noch mit meinen auch hochsensiblen Sohn aufarbeiten müssen.
    Vielen Dank für deine persönlichen Blogeinträge, du erreichst wohl mehr Menschen als du denkst 😉

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