Einfache Adventszeit, Familie, Freundschaften, Gedanken, Weihnachten, What would Grandma do

Was wir 2022 unbedingt tun sollten

 

IMG_6091Gefühlt schreibt jeder Anfang Januar über Vorsätze. Tja. Ihr wisst ja, was ich von guten Vorsätzen halte. Ich schaffe es fünf Minuten, den Bauch einzuziehen. Spätestens Mitte Januar lasse ich ihn wieder hängen. In der Form, wie Gott  Schokolade  Wechseljahre ihn formten. Ich halte gar nichts von New Year, New Me! Ich bin ein Fan von New Year, Old me. 

In allen Lebenslagen hilft mein Leitsatz: What would Grandma do? Grandma hält nichts von Detox, sondern kocht dir eine Hühnersuppe und nimmt dir das Handy aus der Hand, mit dem du symbiotisch verwachsen bist. „Kind, jetzt iss erstmal was und verbring Zeit mit mir.“ 

Hühnersuppe und Menschen. Nähren und Nähe. Früh ins Bett gehen. Gute Bücher lesen. Die Vernunft in allen Lebenslagen walten lassen. Mit dem auskommen, was man hat. Kuchen essen mit Menschen, die man liebt. Briefe schreiben. 

Apropos Briefe schreiben. Zum neuen Jahr kitzelt es mich in den Fingern, alten Besitz los zu werden. Kennt ihr das?

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Ich habe seit meiner Kindheit alle Briefe aufgehoben, die ich jemals erhalten habe. Drei große Boxen füll(t)en sie. Das war ein Vergnügen zwischen den Jahren, jeden Brief nochmal in die Hand zu nehmen, manche davon zu lesen, Vergessenes wieder aufleben zu lassen und dann auszusortieren. Zeitzeugnisse sind dabei. Der Briefwechsel in den 80er Jahren mit einer Brieffreundin aus der DDR, die ich dann mit 15 Jahren (!!) alleine mitten in den Umbruchswirren in ihrer „Platte“ besuchte. Der Austausch mit einer Freundin 1993 über Klimawandel, Solingen und Neonazis (hat sich wenig geändert seit damals). Die Briefe, die mir meine Eltern in alle Welt sandten. Und meine allerersten Emails, die ich mir Ende der 90er Jahre am klobigen Arbeitscomputer ausdruckte, weil ich sie wie wertvolle Briefe behandelte. 

Manche Absender sind mir heute noch liebe, teure Menschen. Da schließt sich der Kreis. Hier, dreißig Jahre später. Dankbar, dass sie geblieben sind. Menschen, mit denen ich mir keine Briefe mehr schreibe, aber für die ich anderweitig Platz mache in meinem Leben. 

Pflegen wir in der Schnelllebigkeit der modernen Kommunikation die altmodischen Wege: Laden wir an unseren Tisch ein, backen wir einen Kuchen, rufen wir an, interessieren wir uns für das Leben des anderen. Denken wir an Geburtstage, schreiben wir Postkarten aus dem Urlaub. Sind wir zur Stelle, wenn wir Trost und Hühnersuppe vorbeibringen können. Verabreden wir uns für einen Abend oder ein ganzes Wochenende. 

Räumen wir 2022 ein Eckchen in unserem Leben frei, das wir für die Menschen reservieren, die uns lieb und teuer sind. Verschieben wir es nicht auf später.

Grandma wäre stolz auf uns! 

 

(P.S.: Wenn du mehr von „Grandma“ lesen willst, dann empfehle ich dir meinen Insta-Account @whatwouldgrandmado)

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So fängt der Januar schön an. Wiedersehen mit einer Freundin, die 17 Jahre in der Versenkung verschwunden war. 

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Silvester mit meiner Freundin Sally…..

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….und mit meiner Familie.

Bücher, Dressember, Familie, Fasten, Freundschaften, Garten, Hausrenovierung

10 Dinge

Sorry, ich mache mich hier rar…weil gerade so Vieles mein Leben bereichert und fordert, dass fürs Schreiben schlichtweg die Zeit fehlt. Aber heute nachmittag – der Kalender ist leer!!! – trommle ich mit meinen Fingern alle Dinge ins Internet, die meine Zeit ausfüllen:

  1. Wirklich Leute. Ihr seid die Besten! Die Dressember-Spendenaktion ist zwar schon ein kleines Weilchen her, aber meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen: 2315 US Dollar!!!! Als ich die Sache Anfang Dezember startete, war ich ein bisschen übermütig und zweifelte, ob ich überhaupt 100 Dollar zusammenbekommen würde. Danke! Danke! DANKE! Und ich hab tatsächlich jeden Tag im Dezember ein Kleid getragen. Oder einen Longpulli. Geht ja auch irgendwie als Kleid durch….

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  2. Heute lade ich mein Manuskript fürs neue Buch hoch und dann flattert es zum Verlag. Ein Gefühl hab ich, als würde ein langes Schuljahr zu Ende gehen! Das Zeugnis steht noch aus. Kommt dann in Form von Amazon-Rezensionen….ähäm. Der Titel lautet: Frühling, Sommer, Herbst, Familie. Oh, was habe ich in den letzten Monaten getippt, gebrütet, genäht, gebastelt und meine Kinder um Ideen angebettelt. Nun ist er fertig, der Wegbegleiter für Familien durch alle zwölf Monate! Es folgen Lektorat, viele weitere Stunden vor dem PC („….ich hätte da noch eine Verbesserung!“), Druck und dann ist das Buch im September auf dem Markt.

  3. Wenn man Projekte lange genug vor sich herschiebt, macht man sie irgendwann. Oder auch nicht, wenn sie ihre Relevanz verlieren. Seit fast einem Jahr brauchen wir Scheibengardinen am Küchenfenster. Der ungehinderte Blick nach draußen ist zwar prima, um Nachbarn zu stalken….aber umgekehrt verhält es sich ja ebenso. Der halbe Ort weiß, was es mittags bei Smoors zum Essen gibt. Freier Blick in den Kochtopf und so. Bei meinen Eltern habe ich ganz unten in ihrer Textilkiste einen hübschen Stoff gefunden und ihn an einem ruhigen Sonntagnachmittag in drei Scheibengardinen verwandelt, die perfekt in unsere Küche passen. Was lange währt, verwehrt nun den vollen Blick nach draußen und drinnen.IMG_4640_edited-1IMG_4637

     

  4. Ich mag meinen Book Club! Nicht zu fassen, dass wir uns jetzt schon das vierte (oder fünfte??) Jahr treffen, um Brownies zu futtern und Rotwein zu trinken um englische Bücher zu diskutieren. Aktuell: Confessions of a Funeral Director. Wir reden also über die Kultur des Todes…und setzen uns nebenbei mit der Oscar-Mode 2018 auseinander.

  5. Ich gehe wieder richtig gerne unter Menschen. Was passiert da mit mir? Übermäßiger Kontakt mit anderen Menschen hat mich seit der Geburt meines ersten Kindes enorm ausgelaugt. Und nun finde ich endlich wieder Freude an Gemeinschaft. Es ist schleichend passiert. Prima Timing, denn ich will hier im Ort ankommen, Freundschaften schließen, Menschen einladen.

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  6. Es wird sicherlich auf keinem anderen Blog verkündet. Nur hier, ganz exklusiv: Es ist Frühling!!!! Oh, mein Herz blüht auf. Und unser Kaninchen reißt aus. Probt fürs anstehende Osterfest. Und ich jage ihm durch den halben Schlossgarten hinterher……

  7. Der Garten steht als nächstes Projekt auf meiner Liste. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Seit Wochen schachere ich um Lärchenbretter für Hochbeete – aber der Verkäufer rührt sich nicht mehr. Hmmm, nun muss ich neue Quellen auftun. Dann wartet auch immer noch der verwüstete Vorgarten auf eine ordnende, kräftige Hand. Und ein Tomatenbeet soll ebenfalls folgen, sowie ein zweiter Komposthaufen. Ein Kirschbaum muss weichen. Puh, wahrscheinlich bin ich mit meiner One-Woman-Garten-Show erst in drei Jahren fertig! Gibt’s irgendwo einen Gartenbau-Praktikanten???IMG_4628

     

  8. Ein weiteres Projekt: Die Dachkammer möchte supergerne verspachtelt, geschliffen und gemalert werden. Da hab ich soviel Bock drauf wie auf eine Fahrprüfung.IMG_4642

     

  9. Mit dem Fasten klappt es dieses Jahr nicht so besonders (Danke lieber Book Club für den gestrigen Wein, die Brownies und den Käse….). Da fand ich Danielas Beitrag sehr tröstlich und erfrischend.

  10. Ich hab mich so mega über eine Woche strengen Frost gefreut! Mit den Kindern war ich Eislaufen. Zwei Nachmittage mitten in der Woche schaufelte ich spontan frei, füllte heißen Chai in Thermoskannen und dann schlitterten wir mit Wonne über perfekt glattes Eis bei Sonnenschein und frostigem Wind.
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Ernährung, Familie, Freundschaften, Gedanken

Feuer und Nebel

Soviele Gedankenfetzen wabern durch meinen Kopf. Es fällt mir schwer, sie alle einzusammeln und in geordneter Form hier wiederzugeben. Seit Tagen blinkt der Cursor in diesem Feld, lockt mich, aber ich versteck mich lieber mit einem Becher „Goldener Milch“ (unser neues Lieblingsgetränk) vor dem brennenden Kamin.

So sehr ich das Schreiben liebe, manchmal scheint es mich auch zu verspotten. Vor allem, wenn in meinem Kopf Nebel herrscht. Diesen Zustand habe ich seit einigen Monaten. Es fällt mir unfassbar schwer, mich zu konzentrieren. Ich hab es einige Zeit auf die kräftezehrende Umbauphase geschoben – aber es könnte auch hormonell bedingt sein. Jetzt pump ich mich also voll mit Magnesium, Zink, Vitamin B6, Mönchspfeffer…und Goldener Milch. Ich achte auf genug Schlaf. Und ich esse weniger Kohlehydrate sowie Zucker.

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Der Herbst ist die beste Zeit, um in sich zu gehen und zu entscheiden, was wegfallen kann. Sowie die Bäume ihre Blätter loslassen, kann auch ich meinen Griff lockern. Ich lasse die Vorstellungen los, dass unser Haus endlich fertig werden müsse. Ich lasse Aufgaben los, die im Moment einfach nicht meine Aufgaben sind. Ich lasse ungesunde Verhaltensmuster los. Ich lasse die Angst los, zu kurz zu kommen.

Ich setze mich jeden Morgen an den Schreibtisch und zwinge meine Gedanken zur Ordnung. Das Internet schalte ich ab. Manchmal kommt richtig viel und manchmal quetsche ich mühsam zwei, drei Sätze raus. Das neue Buch nimmt Gestalt an. Ein Mini-Schritt nach dem anderen. Ich lerne immer wieder: Schreiben erfordert mehr Disziplin als Inspiration. Mittenrein klingelt das Telefon. Mein Verlag ist dran. Heiliger Alltag ist ausverkauft und eine neue Auflage gibt es erst im nächsten Jahr. Voraussichtlich Mai. Ich juble und heule. Ja super! Was soll ich denn jetzt auf meinen Lesungen verkaufen? Einen warmen Händedruck und mein schönstes Lächeln?

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Apropos Lesung. Am Samstag redete ich erst bei einem Frauenfrühstück in Würzburg und anschließend war ich mit meiner lieben Freundin Rita in der Stadt unterwegs. Eigentlich wollte ich ja ganz viel Fotos machen, aber vor lauter Lachen, Reden und Essen kam ich kaum dazu. Aber lieber eine leere Speicherkarte als ein leeres Leben.

IMG_9659IMG_9656IMG_9657_edited-1Der einsetzende Regen auf der Heimfahrt machte mich noch ein bisschen glücklicher. Perfektes Wetter um endlich unseren Kamin einzuweihen. Und wie wir ihn einweihen! Wenn die Kinder mittags aus der Schule kommen, ächzen sie vor lauter Hitze und reißen sich Strumpfhosen und Shirts vom Leib. Aber mir egal. Ich liebe liebe liebe Feuer. (Jemand von euch hat mich nach dem Fabrikat gefragt. Wir haben den Globe Fire Isodora. Nettes, heißes Ding!).

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Letzte Woche kam die Holzlieferung und ich dachte zuerst: „Hurra“! Und dann dachte ich „Mist“! Das ganze Holz muss ja irgendwie in den Schuppen. Josefine und ich schufteten drei Nachmittage lang, bis wir alles verstaut hatten. Sie war eine unermüdliche Helferin. Nichts liebt sie mehr, als mit einem von uns Erwachsenen zusammen zu arbeiten und dabei ohne Punkt und Komma zu reden. Ich liebe diese Stunden mit ihr alleine im Holzschuppen oder in der Küche oder im Garten. Wenn der Fokus auf der Arbeit liegt, lösen sich die Worte oft sehr viel leichter.

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Dieser Tage findet man mich meistens auf dem gelben Sessel am Feuer. Dort stricke ich ein paar Hausschuhe für Amelie oder lese in meinem gigantomanischen Bücherstapel oder schaue Netflix. Orange is the New Black hab ich nun auch endlich durch. Selten hat mich eine Serie so stark bewegt und zum Heulen und Wüten und Nachdenken gebracht. Letztendlich ist mir wieder bewusst geworden: Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte. IMG_9674

Deshalb schreibe ich, auch wenn der Kopf voller Nebel und die Finger voller Blei sind. Es stecken noch einige Geschichten in mir, die raus wollen.

Das Feuer ist mittlerweile zu einem kleinen Haufen Glut geschrumpft, Bett und Buch rufen.

Ich wünsche euch allen eine erholsame Nacht und  bunte Herbsttage!

  • Was ist dein Lieblingsgetränk im Herbst?
  • Was musst du in deiner jetzigen Lebensphase loslassen?
  • Schreibst du deine Geschichte auf?
  • Welche Serie hat dich bisher am stärksten bewegt?

 

 

 

Familie, Freundschaften, Gedanken, Haushalt, Musik, Schreiben

Ein Klavier, Bücher und Sonstiges

IMG_3569_edited-1Eigentlich müsste ich jetzt schnell zum Supermarkt (kein Klopapier mehr!) und danach die Fenster putzen (Fruchtfliegeninvasion!). Aber es ist gerade so schön ruhig, ich kann das Wochenende nahen fühlen und in mir klingt diese Woche nach, die aufgeschrieben werden will. Also lasse ich mich auf meinen Lieblingsplatz am Fenster nieder, sehe den Bäumen zu, wie sie ihr Laubkleid ändern, trinke eine Tasse Tee und blicke zurück.

Es war eine richtig gute Woche, vollgestopft mit Menschen und Lärm und Musik und Büchern und Erkenntnissen und Arbeit. Ich habe natürlich wie immer nicht alles geschafft, was ich zu Wochenanfang geplant hatte. Die Terrasse wartet seit Wochen (ha, eigentlich Monaten) darauf, fertig gestrichen zu werden. Ich hoffe, dass sie nicht unter unseren Füßen wegfault. Vielleicht mache ich mich morgen an die Arbeit. Oft ist nur der erste Schritt – die Überwindung! – das Schwerste. Danach läuft’s wie am Schnürchen, weil man seinen Rhythmus gefunden hat. Das gleiche Prinzip gilt fürs Schreiben. Jeden Vormittag sitze ich nun wieder am Schreibtisch, brüte über Ideen und warte auf die Muse, die selten vorbei kommt. Manchmal schaffe ich drei Seiten. An anderen Tagen drei Sätze. Und die sind manchmal noch nicht mal gut. Schreiben ist 90% Disziplin und 10% Inspiration. Soviel habe ich mittlerweile gelernt. Es ist kein glamouröses Leben.

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Aber wenn mich die Muse im Stich lässt, setze ich mich neuerdings ans Klavier und spiele eine Runde Beethoven oder Bach. JAAAA!!!!! Wir haben endlich ein Klavier!!!! Armin und ich haben seit Jahren darüber geredet, wie es denn wäre, so ein superschickimicki Instrument im Wohnzimmer stehen zu haben. Am Dienstag klingelten die Spedition-Männer an der Haustür und hievten das Klavier meiner Eltern in unser Wohnzimmer. Wir waren ein bisschen in der Versuchung eines  Loriot-Reenactments (Ein Klavier, ein Klavier!), aber ich war zu dem Zeitpunkt gar nicht daheim – nur Armin.

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Unsere Freude über das Klavier ist aber ganz und gar nicht so unter-enthusiastisch wie in dem Loriot-Sketch. Im Gegenteil. Die meisten Kämpfe dieser Tage? Wer wann ans Klavier darf. Da fliegen schon mal die Fetzen und danach wird rachmaninoff-esk in die Tasten gehauen.

Neben dem Klavier wartet ein Stapel Bücher. Neue Bibliothek bedeutet eine ganze Menge neuer Bücher. Jetzt kämpfen sie mit Netflix um die Vormachtstellung. Nun gut: mit „Orange Is The New Black“ bin ich fast durch (dieses Drama hat mich schon nächtelang wachgehalten!!). Also steht langen Leseabenden nix mehr im Wege. Außer ich verfalle einer neuen Netflix-Serie (Empfehlungen??).

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Seit Monaten wollte ich den Kindern Hausschuhe stricken und filzen und hatte mich nie daran gewagt, weil ich dachte: Ui, das ist bestimmt viel zu schwer für mich. Pustekuchen! Es gibt kaum etwas Leichteres und die Dinger sind ruckzuck fertiggestrickt. Ganz nach meinem Geschmack.

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Mit Amelie war ich im Stoffladen und sie hat sich einen rot-weiß-gepunkteten Jersey ausgesucht. „Nähst du mir daraus ein Oberteil, Mama?“ Ach ja, mein liebes Kind. Sicher, sicher. In vier Monaten zwischen 3 und 4 Uhr früh – da wär noch was frei in meinem Kalender. Oder vielleicht morgen? Statt Terrasse streichen??

Wir leben uns hier langsam gut ein. Diese Woche bin ich zweimal eingeladen worden und es waren jedes Mal so schöne Stunden am Esstisch von supernetten, interessanten Frauen. Ich fühl mich so sehr beschenkt – ich kann’s euch gar nicht sagen! Der Wegzug aus unserem alten Ort war nicht das Ende der Welt, sondern hat Platz für neue Menschen geschaffen. Ich bin nicht so gut darin neue Freundschaften zu schließen (ich alte Sozial-Phobikerin!), umso dankbarer bin ich für Frauen, die einen Schritt weitergehen und ihre Tür für mich öffnen.

Und alles geschieht immer mittendrin im Alltags-Wahnsinn, der natürlich auch weitergeht mit seinen Hausaufgaben, verlorenen Jacken, Fruchtfliegeninvasionen, Apfelgelee-Kochen, Elternabenden, Mahnungen, Baumarkt-Fahrten, Kinderzimmerchaos.

Weil das alles noch nicht reicht, sagt mein Körper so: Haha! Ätsch. Bock auf einen neuen Hormon-Cocktail?
Ich so: Nein danke, der letzte nach der Geburt hat mir echt gereicht. Ich hatte danach sooooo einen Kater!
Mein Körper: Mir doch egal. Hier, bitteschön. Willkommen in der Prämenopause. Das wird toll! 

Fazit: Es wird niemals langweilig. Und wenn doch, lauert hinter der nächsten Kurve schon irgendwas.

Falls euch doch langweilig sein sollte, dann kommt morgen Abend nach Meckesheim/Heidelberg zu einem Lese- und Musikabend mit Sally und mir! Nähere Infos hier. Wir freuen uns darauf, dich kennenzulernen! 

Habt ein schönes Wochenende!

Familie, Freundschaften, Gedanken

Kindergarten adieu.

Vorhin rief meine Mutter an. Ihre Stimme verriet einen Hauch Besorgnis. Ich hatte mich eine Weile lang nicht gemeldet….und seit meinem letzten Blogeintrag ist auch Zeit ins Land gegangen. Meine Eltern lesen eifrig mit und erinnern mich gegebenenfalls immer daran, wenn mal wieder ein Eintrag überfällig ist. Es ändert sich nicht viel in der Eltern-Kind-Beziehung, auch wenn das Kind die 40 bereits überschritten hat. Meine rüstige Mutter mit ihren 80 Jahren steckt gerade selbst im Umzug, hat sich aber ein paar Minuten Zeit genommen, um nachzuhaken und ein paar Low-Carb-Tipps zu geben.  Schön, finde ich.

Immer wenn es so fürchterlich heiß ist, dann mache ich mich rar. Denn ab 19 Uhr abends streckt mich die Tropenmüdigkeit nieder. Josefine und ich zählen schon sehnsüchtig die Tage bis zum Herbstanfang. Die Wildkirsche prescht bereits voraus und wirft in fatalistischer Selbstaufgabe gelbe Blätter von sich. Ich würde auch am liebsten alles von mir werfen, aber ich stecke in dieser schwitzenden, überhitzten Haut fest. Grässlich, finde ich.

Meine Gedanken wandern aber heute ganz oft zu einem Wintertag 2009 zurück. Damals schob ich meine Amelie jeden Tag im Kinderwagen durch das kleine Waldbach. Ich kannte damals noch keine Menschenseele im Ort, wir waren erst neu in dieses Hohenloher Örtchen gezogen. Und jeden Tag kam ich an einem 70er-Jahre-Kindergarten vorbei, in dessen Garten Spielgeräte standen, deren Farbe nach unzähligen Jahreszeiten abgeblättert war. Sicherlich kein Vorzeigekindergarten mit ultramodernen Konzepten. Aber da er direkt ums Eck lag, parkte ich an jenem verschneiten Januartag den Kinderwagen vor der Tür, klingelte und meldete Amelie an. Ich hatte ja keine Ahnung.

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Ich hatte ja keine Ahnung, dass dieser Kindergarten nicht nur eine pädagogische Aufbewahrungsstelle für mein Kind war, sondern ein Ort des Segens.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass meine Kinder hier ihre ersten richtigen Freundschaften knüpfen würden.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich hier ebenfalls herzliche Freundschaften finden würde.

Ich hatte ja keine Ahnung, wie sehr meine Kinder das rostige Klettergerüst, die blühenden Bäume und die Puppenecke ins Herz schließen würden.

Ich hatte ja keine Ahnung, wieviel Freude im Laternenlaufen, Apfelernten, Sommerfestfeiern und den vielen kleinen Schwätzchen beim Abholen zu finden ist.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass Kindern hier ganz viel Respekt und Liebe entgegen gebracht wird. Ja, auch den schwierigen. Besonders den schwierigen.

Ich hatte ja keine Ahnung, wie sehr hier Gott im Mittelpunkt stehen würde und die Kinder mehr über Weihnachten, Ostern und Pfingsten wissen als so mancher Erwachsener.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass das moderne Konzept von Entschleunigung und Simplifikation hier schon immer gelebte Realität ist.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass wir einen Kindergartenstammtisch gründen würden, der uns so manche harte Woche versüßt hat.

Ich hatte ja keine Ahnung, wie wertvoll diese Zeit werden würde und dass ich tatsächlich einmal Rotz und Wasser heulen würde, wenn sie vorüber ist.

So ist das heute geschehen. Ich stand mit anderen Muttis im Kindergarten-Garten  und überreichte den Erzieherinnen ihr Abschiedsgeschenk. Das war es jetzt? Jahrelang habe ich innerlich meine Kinder gedrängt, doch bitteschön endlich groß zu werden. Und nun ist es passiert und ich möchte die Zeit anhalten. IMG_1394IMG_2532klein_edited-1IMG_2454klein_edited-1

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Wenn ich heute eines gelernt habe, dann dieses:

Wir stecken immer schon drin – in der guten alten Zeit von morgen. Heute, hier, jetzt. Ja, auch die Kindergartenzeit war oft chaotisch, anstrengend, schweißtreibend. Aber manchmal sieht man im Rückspiegel klarer. Vielleicht auch verklärter. Deshalb schreibe ich den heutigen Tag auf: Die Hitze, die Erinnerungen, der Abschied, die Tränen. Der Stolz meiner kleinen Tochter, nun endlich bald Schulkind zu sein. Die Freude meiner Großen, auf ihre zweiten Übernachtungsparty eingeladen zu werden. Die Kaninchen, die zahm durchs Kinderzimmer hoppeln. Das Licht, das am Ende des Tages durch die Gewitterwolken bricht. Der Mann, der nach Feierabend noch tapfer Lampen anschraubt. Der Geruch nach Chlorwasser und der Geschmack reifer Pfirsiche.

Deshalb höre ich nie auf zu schreiben (keine Sorge, liebe Mutti!). Sonst würde ich aufhören zu sehen und zu fühlen.

Freundschaften, Gedanken

Wir brauchen einander

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Ich mache mich hier gerade ein bisschen rar. Denn ich wate knietief im Sumpf des Hausumbau-Denksports. Das fordert mich an allen Fronten und Kanten. Außerdem tendierte ich in letzter Zeit zu freiwilliger Isolation. Seit Jahresanfang war ich recht depressiv unterwegs. Ich machte mir selbst und meiner Familie das Leben schwer mit meinen unangekündigten Stimmungsschwankungen. Mal lag ich heulend mit größtem Weltschmerz und einem Hauch von Selbstmitleid im Bett. Mal keckerte ich wie ein Gecko vor übertriebener Freude. Ich hatte von allem ein wenig zuviel. Nur kein gesundes Mittelmaß. Anfang letzter Woche fiel ich in ein dunkles Loch, in dem kein Staubkörnchen Hoffnung zu finden war. Ich wollte in diesem Loch ganz gerne bleiben, mich in einem Eck zusammenrollen und nicht mehr ans Tageslicht kommen.

In meinem Kalender stand an diesem Tag fett umrandet: „20 Uhr Book Club“. Mein lieber, lieber Book Club mit Freundinnen, die mir so sehr am Herzen liegen. Ich schrieb eine kryptische Rundmail, dass ich nicht kommen könnte, mir ginge es nicht gut. Es gibt zwei Urängste, die mich absolut an den Rand bringen: Die Angst verlassen zu werden. Und die Angst, zur Last zu fallen. Beides verursacht Fluchttendenzen.

Das Telefon klingelte. Ich ging nicht ran. Nein, nein, ich lasse mich nicht umstimmen! Das Email-Glöckchen machte „ding“. Nein, nein, ich geh nicht in mein Postfach! Alte Ängste verkrümmten meinen gesunden Menschenverstand. Aber meine Book-Club-Freundinnen bogen ihn wieder zurecht. Letzten Endes ging ich doch. „Wir sind so froh, dass du gekommen bist. So haben wir die Chance, für dich da sein zu können“. Ich durfte mein Herz ausschütten und dabei Rote-Beete-Chips essen. Wir beteten gemeinsam und ich wurde in den Arm genommen. Dann ging in nach Hause und sank erleichtert in mein Bett. Ich war nicht zur Last gefallen. Ich war nicht verlassen worden. Und nein: ich schaffe es nicht alleine – so sehr ich es auch versuche. Ich brauche meine Frauen. Ich brauche meinen Muttergott, der tröstet und nährt und Geborgenheit im Sturm schenkt.

An diesem Abend ließ ich die Finger von meiner Pille. Ich vermutete, dass mein Hormonhaushalt völlig aus den Fugen geraten war. Und tatsächlich ging es mir diese Woche jeden Tag ein bisschen besser. Mitte der Woche brachte eine andere Freundin „Anti-Frust-Kekse“ vorbei. (Zuerst las ich auf der Packung „Anti-Trump-Kekse“)

Und gestern rief mich meine Freundin Sally an, ob ich sie zum Women’s March on Washington in Heidelberg begleiten würde. Meine Vernunft sagte sofort nein. Ich muss eine Küche planen und tausend Dinge für den Umbau vorbereiten. Meine Leidenschaft schrie ja! Ja, ich will dorthin und gemeinsam mit anderen Frauen für eine gerechtere, friedvollere Welt marschieren. Ja, ich will laut mein Missfallen kundtun, dass immer mehr chauvinistische, rechtspopulistische Herrscher das Ruder in der westlichen Welt an sich reißen! Vernunft und Leidenschaft stritten eine Weile und eine halbe Stunde später war ich unterwegs nach Heidelberg. Kühlschrank, Backofen und Co. konnten warten.

Wir kamen etwas zu spät und rannten quer durch die Stadt bis wir auf die Demonstranten stießen. Hier strömten alle zusammen, die immer noch an eine bessere Welt glauben und bereit sind, für diese ihre Ärmel hochzukrempeln und sich pinke Pussy-Hats aufzusetzen. Ich stand mittendrin und schmunzelte. Was für ein Schlusspunkt hinter einer verrückten Woche. Nein, kein Schlusspunkt: sondern ein Doppelpunkt und ein Ausrufezeichen! Wir brauchen einander! Niemand muss in seinem dunklen Loch ausharren. Es gibt hilfreiche Hände, die etwas hinunterreichen (Anti-Trump-Kekse), die uns segnen, uns festhalten, uns hinaufziehen, zurechtbiegen und applaudieren. Und wenn es sein muss, ballen wir die Hände zu Fäusten, um mit ihnen friedlich für alle unsere Schwestern rund um den Globus zu protestieren.

 

Oh und PS!: Das letzte Mal ging ich 2002 in Melbourne auf die Straße. Gegen George W. Bush. Lustig. Den hätte ich jetzt ganz gerne irgendwie zurück…..

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Dankbarkeit, Familie, Freundschaften, Listen

Friends-Giving

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Hatte ich wirklich in meine stressigste Woche des Jahres ein Friends-Giving gelegt? Hab ich nicht mehr alle Nadeln auf der Tanne? Diese Frage streifte gestern Morgen mein gehetztes Bewusstsein. Aber ich brauchte nur ein paar kleine Anpassungen, um alles mit gesundem Verstand unter einen Hut zu bekommen. Keine große Tafel, kein Mega-Truthahn mit tausend Beilagen, keine stylische Deko. Ich machte mein bewährtes White Chicken Chili, das nur eine Viertelstunde Vorbereitung braucht. Statt Huhn verwendete ich Pute. Eine Freundin steuerte Salat und Dessert bei.

Als ich dann mit Mann und Freunden um den Tisch saß, war ich heilfroh, dass ich meinen Plan durchgezogen hatte. Friends-Giving. Thanks-Giving. Freunde um unseren Esstisch, gute Gespräche, Lachen, Erzählen. Ich habe soviel Grund zur Dankbarkeit. Gerade in meiner allerstressigsten Woche. Wir zählten unsere Dankbarkeiten wie kostbare Geldstücke. Dann schrieben wir sie auf ausgeschnittene Blätter und hängten sie an Kirschzweige. Heute früh, als ich mich müde ins Esszimmer schleppte, begrüßte mich unser „Dankbarkeits-Baum“, als wollte er mir sagen: „Zähl jeden Morgen deine Dankbarkeiten und starte erst dann in den Tag.“

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Hier sitze ich nun mit einem fetten Lächeln und einem dicken Ranzen und zähle weiter:

  • Danke für gute Bücher und Zeitschriften und mein Strickzeug
  • Danke für gesunde Eltern
  • Danke für meine Schwestern und Brüder
  • Danke für die große bunte Familie Gottes, die mich so oft in den Wahnsinn treibt. Aber ohne die ich nicht kann. (Wie die echte Familie halt…)
  • Danke für einen gefüllten Kühlschrank (Chili und Orangencreme gefällig??)
  • Danke für meine Freiheit als Frau und Gläubige und Querdenkerin
  • Danke für die Möglichkeit, mich in Bildern und Worten auszudrücken
  • Danke für diesen Ort im Internet
  • Danke für meinen gesunden Körper
  • Danke für zwei Kinder, die demnächst schon wieder ein Jahr älter werden
  • Danke für Lehrer und Erzieher und Schulen und Kindergärten
  • Danke für meinen Mann, der mich immer unterstützt
  • Danke für unseren perversen Wohlstand
  • Danke für unser politisches System (nein, nicht perfekt), das uns ein Leben in Freiheit und Wohlstand und Sicherheit bietet

PS: Wer am kommenden Samstag, den 26. November in Franken unterwegs ist, sollte einen Abstecher zum Adventsmarkt auf dem Hof meiner Eltern machen. Ich bin dort mit einem Schoko-/Bücherstand vertreten und freu mich über zahlreichen Besuch 🙂

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PPS: Einige fragten nach dem Rezept für mein Knuspermüsli. Das findet ihr hier

Bücher, DIY, Ernährung, Familie, Freundschaften, Gedanken, Listen, Nähen, Schreiben, USA

10 Dinge

Eine aufwühlende Woche liegt hinter mir. Das unerwartete Wahlergebnis in den USA. Die damit verknüpfte Sinnkrise („Wenn so viele Evangelikale Trump gewählt haben, bin ich ab jetzt nicht mehr evangelikal!“). Dann hat sich auch noch mein liebster Leonard Cohen verabschiedet. Meine Stimmung war trüb und ich fühlte mich zutiefst verwirrt. Wem fühle ich mich zugehörig, wenn ich die christliche Welt nicht mehr verstehe? Und wer macht heute noch gute Musik?

Ich ließ mich einige Tage brodeln und wüten und trauern und eine Menge schwieriger Fragen stellen. Antworten habe ich keine. Aber 10 Dinge, die mir und uns in den letzten Tagen geholfen haben, den Fokus auf das zu lenken, was wir tatsächlich in der Hand haben. img_4841_edited-11. Gemeinschaft mit Menschen, die mir gut tun. Auch wenn ich dafür eine Autofahrt bei Sturzfluten auf mich nehme. Ich frühstückte mit Christina bei IKEA (unsere Tradition), sprach mit ihr übers Bücherschreiben, über Trump, unsere Kinder. Und dann kauften wir tatsächlich nur die Dinge ein, die auf unserem Einkaufszettel standen. Erfolg auf ganzer Linie.

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Ist er nicht herzallerliebst, unser neuer IKEA-Lampenschirm? Ein bisschen wie Urgroßmutter Schlüpfer, nicht wahr?

 

2. Knusper-Müsli backen. Meine Kinder und ich fressen das Zeug schneller weg, als ich Chia-Samen sagen kann. Es tut gut, die Kontrolle darüber zu haben, was und wie wir essen. img_4859

3. Mit meinen Händen arbeiten. Ich – die weltschlechteste Strickerin – stricke, was das Zeug hält. Meine Nadeln klappern wie ein frierender Yeti im Himalaya. Jetzt sind Stulpen für Amelie an der Reihe. Ihr wird immer so schnell an den Beinen kalt .
Wir stehen kurz vor dem alljährlichen Geburtstags-Adventsmarkt-Weihnachts-Marathon. Da hab ich natürlich nichts Besseres zu tun, als Igel-Täschchen für kleine Geburtstagsgäste zu nähen. Die Idee ist meinem Plastikvermeidungs-Wahn entsprungen (ein Blog-Beitrag zu dem Thema hau ich euch demnächst um die Ohren). Ich bin ja völlig bekloppt. Aber ganz ehrlich? Ich liebe solche kleinen Sinnlos-Projekte.

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4. Bewusst Atmen. Meinem Körper Raum geben. Nickerchen machen. Eine Runde Yoga mit  Adriene (meiner neuen „besten Freundin“ aus Austin, USA).

IMG_4846.jpg5. Amelies Freundin braucht bei jedem Besuch eine Ladung Waffeln mit Apfelgelee. Dann sitzen die Mädchen um den Tisch, kichern, essen und machen Pläne für den Rest des Nachmittags. Und ich steh in der Küche, lausche neugierig und freue mich so sehr über ihre Freundschaft und das Leben rund um unseren Tisch.

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6. Ich lese mit wachsender Neugier „Hochsensible Mütter“ von Brigitte Schorr. Früher hätte ich mich über diese Mode-Diagnose ein wenig lustig gemacht. Aber seitdem mir eine Therapeutin den Hinweis gab, dass ich seelisch in genau diesem Bereich angesiedelt bin, lerne ich mich zum ersten Mal richtig kennen. Und durch das Buch nochmal viel mehr. Ich fühle mich, als würde jemand einen 100-Liter-Eimer Heilung über mir auskippen.

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7. Jeden Tag ins Freie. Bei jedem Wetter, dick eingepackt in Wollschals und Gummistiefel. Und wenn es nur fünf Minuten sind. Dabei die Augen offen halten für subtile November-Schönheiten.
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8. Gemeinsam Gemüsesuppe kochen. Erinnert mich an lang vergangene Jugendfreizeiten, wenn gemeinsam gekocht wurde. Das birgt ein sehr heimeliges, verbindendes Element in sich. Und eine Suppe auf dem Herd ist wie ein kleiner Tröster, bei dem man sich jederzeit an einem kalten Tag Nachschlag holen kann. img_4861

9. Freundlichkeit wie Konfetti in die Luft schmeißen. Beide Mädchen habe ein Paket für Weihnachten im Schuhkarton gepackt. Und dann gefühlte 89 Mal umgepackt. Die Begeisterung hielt mehrere Tage lang an. „Mama, ich stell mir gerade den Jungen vor, wenn er mein Päckchen aufmacht!“. 
Seit letzter Woche stehe ich jeden Dienstag etwas früher auf, um mich in der Schule mit einem syrischen Jungen zu treffen. Gemeinsam lesen wir Bücher und spielen Spiele. Ich radebreche ein paar arabische Wörter und er lacht sich halbtot über meinen fürchterlichen Akzent. Nach 45 Minuten geht er dann in seinen regulären Unterricht und ich wieder nach Hause. Es ist nichts Sensationelles passiert, außer dass wir kleine Brücken bauen. Von einer Sprache zur anderen. img_4856

10. Im Rahmen unserer Möglichkeiten (kre-)aktiv werden. Zuerst mochte Amelie nur eine Geschichte schreiben. Dann wollte Josefine die Bilder dazu beisteuern. Und dann ein Buch daraus binden. Heute Morgen meinte Amelie, sie wolle das Buch übers Internet verkaufen. Dann kam uns die Idee, dass sie vom Erlös ein Stück Regenwald kaufen könnte. Denn das Stück spielt am Amazonas. Obwohl ich müde war, half ich den begeisterten Mädchen bei ihrem Projekt. Und kurz vor dem Abendessen war der Prototyp des Kinderbuchs „Ein Abenteuer“ fertig. Mehr zu der Aktion (mit Kaufmöglichkeit) in Kürze!

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Bilder, Familie, Freundschaften, Rezepte

Dies und das und eine Galette

Genug mit den Jammer-Posts! Ja, mein Alltag ist gerade herausfordernd. Und darüber vergesse ich gerne schnell all die guten, friedlichen, erhebenden Momente. Die gibt es nämlich auch. Ein fettes, glückliches Hurra an dieser Stelle!

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Am Wochenende hatten wir Besuch von unserer Lieblings-Rita. Ach, es geht doch nichts über Freundschaften, die schon ewig bestehen! Und weil Rita noch niemals Kürbisse geschnitzt hat, haben wir sie gleich in diese Tradition eingeweiht.

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Die letzten Tomaten, schluchz! Aus ihnen habe ich ein Tomaten-Tarte-Tatin gemacht. Meine Geschmacksnerven haben vor Freude Samba getanzt. Selten so etwas Leckeres gegessen! (Wenn ihr die Tarte machen wollt, verwendet einfach Blätterteig).

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Herbstzeit ist Strickzeit. Ich habe mein erstes Paar Socken gestrickt! Und Amelie hat endlich keine kalten Füße mehr…

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Zwischen Drama, Hausaufgaben und Chaos gibt es immer wieder Momente, in denen wir ganz versunken sind in Bücher, Basteln, Backen.

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Wunderbarer Überraschungsbesuch am Freitag von Heike Malisic! Ich hab unser Wiedersehen gefeiert. Mit einer Veggie Galette. Und da Heike mich bekniet hat, das Rezept zu teilen, tue ich das hiermit:

Galette mit geröstetem Gemüse (für 4-6 Personen)

Teig:

  • 250g Vollkornmehl
  • 1/2 TL Salz
  • 115g kalte Butter, gewürfelt
  • 60 g Creme Fraiche
  • 2 TL Zitronensaft
  • 40 ml eiskaltes Wasser
  • 1 TL Thymian

Füllung:

  • 3 mittelgroße Möhren, in Scheiben geschnitten
  • 2 Pastinaken, geschält und gewürfelt
  • 350g Kürbis (Hokkaido oder Butternuss), gewürfelt
  • 2 rote Zwiebeln, geviertelt
  • nach Belieben Rosmarin und Thymian
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Knolle Knoblauch
  • Salz und Pfeffer
  • nach Belieben 1 Packung Feta oder Ziegenkäse

Zubereitung:

Mehl und Salz in einer Schüssel mischen. Die Butter und den Thymian hinzufügen und mit den Händen grob verkneten, bis die Masse bröselig wird. In einer kleinen Schüssel Creme Fraiche, Zitronensaft und das Wasser vermengen und zur Mehlmischung hinzufügen. Das Ganze mit einer Gabel so weit wie möglich kneten. Den Teig wirklich nur ganz kurz kneten, dann in eine Folie gewickelt im Kühlschrank eine Stunde lang ruhen lassen.

 

Den Ofen auf 200 Grad vorheizen. Das vorbereitete Gemüse auf ein Backblech geben. 2 EL Olivenöl, Kräuter, Salz und Pfeffer darüber verteilen. Mit den Händen alles gut vermengen.  Die Knoblauchknolle oben abschneiden, so dass die einzelnen Zehen offen sind. Mit dem restlichen Olivenöl beträufeln, in Alufolie wickeln und auf das Gemüse legen. Ca. 30 Minuten backen, zwischendurch das Gemüse ein paar Mal wenden. Aus dem Ofen nehmen und den Knoblauch in eine Schüssel drücken. Mit einer Gabel zermatschen, mit dem Gemüse und der Hälfte des Käses vermengen.
Den Ofen nicht ausschalten! Nun den Teig zu einem Kreis von ca. 30 cm Durchmesser auswellen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech platzieren. Die Gemüsemischung auf dem Teig verteilen, so dass ein fünf Zentimeter großer Rand frei bleibt. Den restlichen Käse auf dem Gemüse verteilen. Den Teigrand nur so weit über das Gemüse falten, so dass in der Mitte eine Öffnung bleibt.
Ca. 35-40 Minuten im Ofen backen.
Ich liebe diese Galette, weil sie so unfassbar vielfältig ist. Je nach Jahreszeit kann man Gemüse wählen, das gerade Saison hat. Tobt euch ruhig aus mit Gemüsesorten, Kräutern und Käse! Aber ganz ehrlich? Am liebsten mag ich die Galette mit Kürbis und Feta….

 

 

 

Freundschaften

Über Einsamkeit, Mut und wundervolle Frauen

Zweimal dieses Wochenende war ich auf einem 40. Geburtstag. Ich muss der offensichtlichen Tatsache ins faltige Gesicht blicken: Meine Freunde und ich haben den Anschluss an die hippe Generation verloren.

Am Freitagabend waren Sally und ich auf einem Geburtstag eingeladen, mit Musik und Worten die Gäste zu unterhalten. Das Wohnzimmer war bis auf den letzten Platz besetzt und das Büfett in der Küche hätte die russische Armee satt machen können. Wenn Sally und ich auftreten, bin ich mir nie sicher, wer mehr Spaß an der ganzen Sache hat: Wir beide oder das Publikum. In der Programmpause stand ich mit einer der Gästinnen in der Küche und unterhielt mich. Sie seufzte: „Es wird mit zunehmendem Alter schwieriger neue Freundschaften aufzubauen.“ Ich pflichtete ihr aus tiefstem Herzen bei.

Mir ging das Gespräch nicht aus dem Sinn. Ich war in jungem wie fortgeschrittenem Alter nie besonders gut darin war, Freundschaften aufzubauen, vor allem nicht mit Frauen. In ihrer Gegenwart fühlte ich mich oft unsicher, hatte Angst, dass ich nicht mithalten könne. Es gab ganz fürchterlich einsame Zeiten in meinem Leben. Die Art von Einsamkeit, die einen gegen die Wand drückt, die Luft zu Atmen raubt, einem die Kehle so zuschnürt, dass selbst ein Trostwein nicht mehr durchgeht. Bekannte hatte ich, aber nicht die Art von Freunden, bei denen ich mich auf die Couch fallen lassen und an ihren Kühlschrank gehen konnte. Mir fehlte diese Art von Menschen ganz fürchterlich. Menschen, die ich mir ausgesucht und bei denen ich Heimat habe. Heimat in Gesprächen, auf ihrer Couch, in gegenseitiger Zuneigung, an ihrem Tisch. An so manchem Geburtstag hab ich geheult, weil das Telefon stumm, der Briefkasten leer blieb. Etwas musste ganz fürchterlich verkehrt sein an mir. Unliebenswert.

Und dann kommen so Phasen wie….jetzt. Als wolle Gott alles gutmachen, was früher fürchterlich in die Hose gegangen war, als wolle er meinem Leben ein Kapitel hinzufügen, das eine neue Geschichte erzählt. Ich habe in den letzten Jahren so viele Frauen kennen gelernt. Und manche sind geblieben. Ich verliere Furcht, gewinne Mut. Auch den Mut, Schritte zu wagen, die ins Nichts führen könnten. Und doch führen sie öfters in neue Freundschaft, als in die Leere. Und so stehe ich jetzt mit über 40 Jahren verblüfft und dankbar da und denke: „Freundschaften fallen vielleicht nicht mehr so leicht wie mit 20, aber Mut und Tiefe wachsen mit jedem Jahr.“

Heute Vormittag habe ich mich mit Heike Malisic zum Brunchen getroffen. Wir kennen uns schon eine Weile übers Internet, aber wir wollten uns live und in Farbe kennenlernen. Ich hatte Angst und Mut und nach drei Stunden Quatschen wussten wir, dass wir uns mögen. Nachmittags war ich wieder auf einem 40. Geburtstag. Zusammen mit neuen, ganz wunderbaren Freundinnen.

Ich habe heute zugehört, mir wurde zugehört. Ich wurde ermutigt, ich habe ermutigt. Das brauche ich so sehr – außerhalb meiner Familie mit ihren manchmal dornigen Beziehungen. Jetzt bin ich todmüde und erledigt und freue mich wie ein Schnitzel darüber, was für wundervolle Frauen diesen Planeten bereichern.

Ich wünsche uns diese Woche Mut. 

Mut, unsere Einsamkeiten anzunehmen und zu durchleben. 

Mut, unsere Einsamkeiten zuzugeben. 

Mut, neue Schritte zu wagen. 

Vielleicht wartet ein besonderer Mensch direkt ums Eck.