Ernährung, Familie, Fasten, Garten, Gedanken, Glaube, Haushalt

Der Februar

Die ungeliebteste Zeit des Jahres ist für mich angebrochen. Februar. Der Monat zwischendrin. Zwischen dem enthusiastischen, von neuen Vorsätzen erfüllten Januar und dem Frühlingsbeginnmonat März.

Februar also. Vor zwei Wochen weckte ich meine Töchter, zog den Rollo hoch und nichts Böses ahnend trällerte ich mein „Guten Morgen!“. Aus Amelies Hochbett hörte ich erst ein verschlafenes Grunzen, dann einen entsetzten Aufschrei, welcher in einem ohrenbetäubenden Heulkonzert endete. Ich wappnete mich innerlich gegen alle Eventualitäten (zu früh geweckt? zu spät geweckt? Kuscheltier verloren? Unvorteilhafter Kissenabdruck im Gesicht? Eingeschlafener Fuß?). Nichts von allem. Sie schaute mit tränennassem Gesicht in Richtung Fenster und heulte: „Mamaaaaa, ich will, dass eeeendlich Frühling wird!!“.

Amelie hat an diesem Morgen sehr anschaulich mein Februar-Gefühl ausgedrückt. Aber das soll hier ja kein Jammer-Blog sein. (An manchen Tagen schon. Aber nicht heute.)

Es kommt ja bekanntlich immer auf die Perspektive an. Also, möchte ich mal diesem grauen, nichtssagenden, depressionsfördernden, matschigen, tristen Monat ein paar gute Seiten abgewinnen. Und damit meine ich nicht den Fasching. Ich bin Faschingsmuffel (sagte die Frau, die morgen nachmittag eine kleine Faschingsparty für ihre Töchter schmeißt).

Ich freue mich auf die Zeit nach Fasching. Auf die Fastenzeit. Sie gibt mir Gelegenheit, Dinge wegzulassen. Und ich merke immer mehr, dass es in meinem Leben nicht so sehr darum geht, was ich alles tue und sage und mache und kaufe und esse und trinke. Sondern es geht darum, was ich weglasse, opfere, hinausschmeiße: angehäuften Ballast, falsche Glaubenssätze, schadendes Essverhalten, Sorgen, Termine, die mich in Zeitnot bringen. Kurz: Dinge, die mich unfrei machen.

Wenn ich in den nächsten Wochen meine Wohlfühl-Tätigkeiten Fernsehen und Internet weglasse (ich erlaube mir täglich aus wichtigen Kommunikationsgründen eine halbe Stunde im Netz), schafft das Zeit und Raum für Innehalten, Nachdenken, Reden, Telefonieren, Schreiben, Lesen, Sticken (mein neuestes Hobby, geboren aus den langweiligen Februar-Abenden).
Wenn ich nach 18 Uhr einfach nichts mehr esse, dann kann sich mein Geist mit etwas anderem beschäftigen als mit der Frage, wo ich meine nächste Schokoration herbekommen könnte (und glaubt mir, in der Not habe ich auch schon Kuvertüre gefuttert).

Was noch toll ist am Februar? Ich habe kaum Fotoaufträge und so kann ich den Frühjahrsputz vorziehen. Jeden Tag ein kleines Eck. Dann, wenn der Frühling kommt, bin ich schon fertig, HA! Wir spielen haufenweise Brett- und Kartenspiele, Puzzles und fertigen ein Gemälde nach dem anderen an. Wir pflegen unsere Gebrechen (Erkältungen, Husten, Ohrenentzündungen) und lungern auf der Couch rum. Wir machen unser eigenes Knuspermüsli (meine neueste Passion neben dem Sticken), probieren verschiedene Brotrezepte aus und schwelgen in Cupcake-Ideen. Ich bestelle Saatgut und plane meinen Sommergarten.

Und jedes Mal, wenn mich ein Sonnenstrahl trifft oder wenn ich eine schimpfende Amsel höre oder wenn ich an die Tomatensamen denke, die gerade zu mir unterwegs sind, dann erfüllt mich eine riesige Vorfreude.

Der Februar ist vielleicht ein trüber Monat. Aber er ist auch ein wunderbarer Monat, sich in Geduld und Vorfreude und Verzicht zu üben.

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3 Gedanken zu „Der Februar“

  1. Hi Vroni,
    wo bestellst Du denn die Samen für Tomaten etc. ?
    Mal wieder ein schöner Beitrag! Ich mag den Februar, ob wohl ich auch kein Karnevalsjeck bin.
    Sonnige Grüße Annika

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