DIY, Haushalt, Listen, Rezepte

Ein altmodischer Rezepteordner

Was soll ich bloß kochen?

Diese Frage ist ein bisschen wie das Volle-Kleiderschrank-Dilemma: Wir stehen vor einem gut gefüllten Kleiderschrank und uns ereilt ein Blackout. „Was soll ich bloß anziehen?“ Und dann greifen wir doch wieder nach dem Altbewährten, während 99% unserer Kleidung weiterhin vor sich hinstaubt.

Wenn du zu der Minderheit der regelmäßig kochenden Gesellschaft gehörst (35 Millionen Bundesbürger*innen kochen täglich), dann kennst du dieses panikartige Gefühl, das dich ereilt, wenn in 30 Minuten ein Essen auf dem Tisch stehen soll und du reflexhaft die altbewährten Nudeln ins Kochwasser wirfst und Tomatensauce erwärmst. (Hey! No shame. Nudeln mit Tomatensauce sind immer DIE Rettung. Aber bitte nicht jeden Tag).

Ich habe ein Ritual: Sonntagabend plane ich auf Papier die Mahlzeiten für die Woche. Ja, in dieser Hinsicht bin ich hoffnungslos analog…and I love it!

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Um es mir noch viel einfacher zu machen, habe ich mir eine Liste mit Mahlzeiten erstellt, die alle von uns gerne essen. So brauche ich nur diese zur Hand nehmen und das herauszupicken, was der Jahreszeit und unseren Vorräten entspricht. Es ist ja auch hier wie beim Kleiderschrank. Nachdem ich jahrelang alles mögliche ausprobiert habe, falle ich nun auf gute, bewährte Basics zurück.

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Je nach Lebensphase überarbeite ich die Liste, denn was eine Zweijährige einst verabscheute (Thai Curry), findet diese mit 12 Jahren ausgesprochen lecker. So flogen erst letztens die Rezepte für Lachslasagne und Forelle in Orangensauce aus dem Ordner („Mama, wir essen jetzt auch keinen Fisch mehr!“ Seufz).

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(Ich habe sogar eine Liste von Gerichten angelegt, die ich gerne mal ausprobieren möchte und habe hinter jeder Zeile vermerkt, in welchem Kochbuch bzw. auf welcher Homepage dieses Rezept zu finden ist.)

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Aber zurück zu meinem Rezepteordner. Den haben wir 2005 zur Hochzeit bekommen. Der Zahn der Zeit hat ihn zernagt, wie auch so manches dummes Eheideal. Seit JAHREN wollte ich den Ordner von Grund auf neu ordnen. Ich verkündige hiermit: 

Ich habs getan!

Altes weggeschmissen, das ich sowieso NIE NIEMALS kochen würde (Eingelegte Kohlrabi-Stängel!) und alle digital gelagerten, bewährte Rezepte ausgedruckt. 

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Den zerfledderten Ordner schmiss ich weg und fischte einen alten, aber noch gut erhaltenen Versicherungsordner aus dem Keller. Naja, hübsch war der nicht. In einem Anfall von vorweihnachtlicher Überambition wollte ich ihm eine Patchworkhülle verpassen. Aber dann fiel mir dieses wunderschöne Stickbild meiner Mutter in die Hände, für das ich seit Jahren Verwendung suche. Ich fand das äußerst passend, denn nun ist der Ordner innen wie außen mit Familienerbe bestückt. Eine alte Jeans vervollständigte die Ordnerhülle. Auf der Rückseite prangt nun eine Tasche, in die ich Stifte und Karteikarten stecken werde für das schnelle Notieren neuer Rezeptideen. 

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Den Ordner habe ich in folgende Rubriken unterteilt:

  • Dips, Aufstriche und Soßen
  • Salate
  • Suppen
  • Vegetarisch
  • Fleisch/Fisch
  • Desserts
  • Brot
  • Kuchen
  • Haltbarmachung
  • Flüssiges
  • Snacks
  • Konditorei

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Man könnte einen Rezepteordner z.B. auch jahreszeitlich oder alphabetisch ordnen. Oder mit noch viel mehr Unterkategorien. 

Dieses System hilft mir,  meinen mentalen Koch-Load extrem zu verringern. Ich freu mich schon auf den nächsten Sonntagabend, wenn ich mich mit meinem Ordner zurückziehe und das Essen für die neue Woche plane! 

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Verrate mir: Was ist dein / euer absolutes Lieblingsessen?

 

Dankbarkeit, Garten, Gedanken, Glaube, Haushalt

Wenn dich heute deine Arbeit anödet….

Und wieder frage ich mich an diesem Vormittag, wie ich denn das Wäschezusammenlegen und das Aufräumen und Kochen und Putzen rasch hinter mich bringen kann, bevor ich mich an die wirklich wichtige Arbeit machen kann.

(Wichtige Arbeit: Das ist der landläufigen Meinung nach die, die ordentlich bezahlt und gesehen und gelobt wird).

Auf dem Weg in den Keller fällt mir der überquellende Bioeimer auf, bücke ich mich nach achtlos hingeworfenen, dreckigen Socken und füttere noch schnell die Kaninchen. Währenddessen rotiert es in meinem Kopf: Was ist noch im Kühlschrank? Ich kann doch nicht schon wieder Pfannkuchen backen. Heute muss etwas Nahrhaftes auf den Tisch. Und ich gehe in den Garten, pflücke zwei dicke Blumenkohlköpfe, grabe ein paar Frühkartoffeln aus und pflücke eine Salatgurke. Auf dem Weg ins Haus leere ich den Bioeimer, zupfe ein paar Unkräuter und mache mir eine Gedankennotiz, dass ich heute noch unbedingt die Löcher in meinen Leggings stopfen sollte. Ich seufze, atme tief ein und aus, lasse die Schultern hängen und spüre erst jetzt, wie angespannt mein Nacken ist.

Eine Stunde später stehen Blumenkohlbratlinge, Kartoffelbrei und Gurkensalat auf dem Tisch. Das ist ein todsicheres Lieblingsessen der Kinder und ich muss keine Tischrevolte befürchten.

An solchen Tagen wie heute muss es erst fünf oder sechs Uhr Abends werden bevor ich mich an die „wirklich wichtige“ Arbeit machen kann. Aber dann bin ich meist schon so müde und ausgelutscht, dass ich mich in den Garten setze und den Bienen zusehe. Das ist zwar nicht produktiv, aber enorm meditativ. Ich lasse meine Gedanken von der Leine, während die Bienen um mich herum nicht anders können als ihrer eigenen Arbeit nachzugehen. Sie sind sich so ähnlich, meine Gedanken und die Bienen. Sie taumeln mal hierhin, mal dorthin. Verweilen nur kurz, streifen ihr Ziel und tasten alles ab, was halbwegs interessant erscheint. Die Bienen landen beim Borretsch. Meine Gedanken landen bei Gott.

Dieser Tage mag ich nichts anfangen mit meinen alten Gottesbildern, die von König oder Herr oder Löwe sprechen. Alles, was nur im entferntesten mit Kampfbegriffen getränkt ist, stößt mich ab. Vielleicht, weil ich einen Muttergott dieser Tage nötiger habe als einen, der für mich kämpft. Ich hatte in meinem Leben zwei oder drei intensive Gottesbegegnungen und ansonsten schaut mein Glaube völlig unspektakulär aus. Vielleicht betreibe ich nicht genügend geistliche Verrenkungen, wer weiß. Vielleicht ist mir ein minimalistischer Glaube näher als einer mit viel Zierrat. Und dann muss ich lachen, als mir ein kleines Licht aufgeht inmitten der Bienen und des Borretsch. Da ist ein Gott, der für mich seit langem im Alltag so sehr viel greif- und erfahrbarer ist als in einem pompösen Gottesdienst. Weil er nämlich den Dreck hinter mir wegräumt. Weil er die Kartoffeln und den Blumenkohl und die Gurken (und den Borretsch natürlich!) wachsen lässt, die uns nähren. Weil ihm fruchtbarer Dreck unter den Fingernägeln klebt. Weil er sich unermüdlich nach dem Unkraut in meinem Herzen bückt. Weil er das Kaputte sucht und repariert. Weil er uns kleidet und abends mit Gnade zudeckt und sie in alle Ritzen stopft, damit uns in der Dunkelheit nicht kalt wird.

Gott verrichtet ja die gleiche Arbeit wie ich! Das ist eine so schlichte Wahrheit. Wie viel lieber hätten wir einen Gott der Sensationen, des Glitters, der großen Gefühls-Erfahrungen. Er ist oft im Flüstern, selten im Sturm. Und dieser Alltag, das ist das Flüstern Gottes. Eine schlichte Einladung, die wir oft wie billige Werbung unachtsam in den Mülleimer werfen, weil sie nicht verlockend genug ist.

Morgen früh, wenn ich das Frühstück richte und nach dem Putzeimer greife, möchte ich mich daran erinnern, dass ich eine heilige Arbeit verrichte. Auch Gott ist bereits da, ebenso älter und grauer wie ich, der aber im Gegensatz zu mir nicht müde wird, nach seinem Putzeimer zu greifen und den Tisch zu decken und alle zum Essen zu rufen. Wenn Gott seine Arbeit ernst nimmt(er könnte uns etwas über langweilige Routinen erzählen!), will ich meine Arbeit auch ernst nehmen.

Ihr lieben, wunderbaren, großartigen Blogleser*innen! Wie kann ich euch danken? Euch allen, die ihr das letzte Mal etwas in meinen „Hut“ geworfen habt und dabei auch noch so liebe Worte mitgeschickt habt. Ihr seid absolut grandios – Danke, Danke, Danke ❤️

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Auch heute stelle ich wieder in guter alter Straßenkünstler-Manier meinen Hut auf. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, dann darfst du gerne etwas reinschmeißen für einen Kaffee, ein bisschen Wolle oder Schokolade.

Danke.

Bücher, Familie, Gedanken, Haushalt, Hobbies

Tag 15 – Bist du zu Hause?

Bist du zu Hause?

Eine doch meist rhetorische Frage in diesen Zeiten. Ich kann bei Freunden zu jeder Tageszeit anrufen, denn ich weiß: Sie sind immer zu Hause. Und wenn Sie nicht ans Festnetz gehen, dann sind sie entweder a) auf dem Klo b) liegen mit gebrochenem Bein auf der Treppe oder haben c) absolut keine Lust ans Telefon zu gehen.

Bist du in deinem Zuhause zu Hause?

In den letzten Monaten – pre-Corona – war ich unruhig, zappelig, unzufrieden. Meine Güte!: Seit 12 Jahren bin ich zu Hause, arbeite in meinen vier Wänden als eine Mischung aus Stay-At-Home-Mum, Autorin, Fotografin und Hausfrau. Ich begann Annoncen zu wälzen auf der Suche nach einem Job. Ich wollte raus, Abwechslung. Neue Anfänge. Und nun bin ich wieder in meinem Square One. Aber die Unruhe ist weg. Das ist genau der Ort, an dem ich sein soll. Sein muss. Wo mein Wirkungsgrad am höchsten ist. Und nun – im Rückblick – bin ich unfassbar dankbar, dass ich in diesen 12 Jahren ein Zuhause geschaffen habe. Tag für Tag, Wäschekorb für Wäschekorb, Vorlesestunde für Vorlesestunde. Dieses Haus ist kein Ort, an dem wir uns nur zum Schlafen niederlegen, sondern vor Leben pulsierende Heimat.

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Die Wände erzählen von Kunstwerken, die wir lieben, von Liebesbotschaften der Kinder, von Reisen und Vorfahren und anderen Orten. In der Küche steht immer irgendein Projekt auf dem Tresen: ein frisch angesetzter Sauerteig, Buttermilch, Joghurt, Keimlinge. Die Nacht- und Beistelltische quellen über vor Büchern und Zeitschriften. Ein funktionaler Schrank beherbergt alte Tagebücher, Fotoalben, Briefe…..unser ganzes Leben in Schrift- und Bildform. Wäsche hängt am liebsten im Freien um den Duft von Wind zu speichern. Stifte und Papier und angefangene Projekte bedecken jeden Zentimeter der Schreibtische.

Irgendein Nähprojekt liegt neben der Nähmaschine – mal eine Patchworkdecke, mal zu reparierende Kleidung. Die Terrassentür steht an warmen Tagen offen. Unsere Katze spaziert herein und sucht sich den schönsten Schlafplatz auf einem der Betten aus. Immer der Sonne nach. Auf dem Dachboden poltert es, die Kinder haben dort ihr schönstes Chaos, das sie nur selten aufräumen müssen. Es ist ihr Reich. Tulpen, Tulpen ohne Ende aus dem Vorgarten. Der Flur ist halbgefliest, der Mann des Hauses muss immer wieder auf YouTube die Arbeitsschritte studieren.

Vor dem Bettgehen Fernsehen. Die Sendung mit der Maus für die Kinder. This is Us für uns. Rituale, Rituale! Sie geben unserem Zuhause einen Anfang und ein Ende. Eine Form, aus der wir nicht herausfallen. Pfannkuchen an Sonntagen zum Frühstück. Ab und zu eine kleine Andacht am Morgen. Mittagspause für alle. Im Putzschrank warten selbstgemachte Putzmittel auf ihren Einsatz. Es geht auch ohne Chemie, wie ich vor einiger Zeit staunend lernte. Lästiges Putzen, aber ein bisschen Ordnung und Sauberkeit lassen das Zuhause lächeln. Musik beim Kochen. Ein Schrank voller Farben und Stoffe und Papier. Und dann die Menschen in diesem Haus! Ganz normale Menschen mit ungewaschenen Haaren und Launen und Geheimnissen und Leidenschaften. Mindestens einmal pro Tag müssen wir gemeinsam essen. Geschichten erzählen. Uns ansehen. Nachfragen. Lieben.IMG_2795_edited-1IMG_2782_edited-1IMG_2781_edited-1IMG_2793_edited-1

Wenn du ein Zuhause hast in diesen Tagen, dann geh auf die Knie und danke Deinem Gott. Und wenn nicht, dann fange heute damit an, dir eines zu schaffen. Egal, ob du in einer Einzimmerwohnung oder in einem Reihenhaus wohnst. Selbst in einem Wohnwagen kannst du dir ein Zuhause schaffen. Es geht nicht um instawürdiges Interior Design oder makellose Sauberkeit oder das Nacheifern einer Ferrero-Küsschen-Werbung.

Dein Heim muss ein Ort sein jenseits von Hamsterrad und Konsumirrsinn.

Dein Herz, deine Sehnsüchte, deine Identität sollen sich in deiner Umgebung widerspiegeln.

IMG_2798_edited-1IMG_2792_edited-1Hänge Dir Erinnerungen an besondere Reisen und Menschen an die Wände. Lerne etwas, das dich interessiert. Bedecke deine Couch und dein Bett mit weichsten Kissen und der besonders schönen Bettwäsche. Schaffe dir Rituale, die dir helfen, nicht aus deinem Leben herauszufallen. Pflanze etwas und beobachte es beim Wachsen. Dein Heim ist ein atmender, sich verändernder Organismus. Lerne backen – auch wenn die Hefe ausverkauft ist. Schaffe dir ein gutes Ablagesystem und ordne deine Finanzen. Richte einen medienfreien Tag ein. Schreibe Briefe und telefoniere viel. Hänge dir Fotos deine Freunde auf und immer wenn du an ihnen vorbei gehst, sprich ein kleines Gebet für sie. Wenn dir die Decke auf den Kopf fällt, die Einsamkeit dich erdrückt, dann vergrabe dich in Bücher. Dann kannst du wenigstens im Kopf eine Weile verreisen, die irrsten Menschen kennenlernen, Abenteuer bestehen. Halte Stille aus. Meditiere. Bete.

In dieser ungewissen, harten Zeit brauchst du einen Ort, an dem du weich landen kannst.

„Ich glaube, innerhalb unserer Wohlstandsgrenzen müssen wir andere Tode sterben, jeden Tag und immer wieder. Erst, wenn wir unseren Irrglauben an Leistung und Besitz, Aussehen und die Meinung anderer zu Grabe getragen haben, sind wir frei, unsere wahre Identität in Gott zu finden. Diese Identität ist frei von Angst nicht zu genügen, frei von der Sorge zu kurz zu kommen. Wir gewinnen, wenn wir verlieren.

Und deshalb brauchen wir Orte, die Gottes Werte widerspiegeln, wo wir genügen, ohne Gegenleistung. Orte, an denen wir uns fallen lassen dürfen und weich landen und die uns für eine Welt stärken, in der wir so manche Bruchlandung erleben.“ (Aus Heiliger Alltag)

Zu Hause.

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Familie, Garten, Gedanken, Haushalt, Heute..., Slow Living

Tag 9 – Das neue Normal

Das hier ist das neue Normal. Wir pendeln uns ein. Auf unserer Kreativ-Liste sind fast alle Punkte abgehakt, es könnte also in den nächsten Wochen eng werden und der Tag wird kommen, an dem ich bei akuter Langeweile einfach nur noch müde die Terrassentür öffnen werde und die Kinder mit sanfter Gewalt für ein paar Stunden nach draußen bugsiere.

Aber noch regiert in mir ein großer Anteil Mitleid, so dass ich mir fast täglich kleine Nettigkeiten einfallen lasse, um meinen Mädels das neue Normal zu versüßen: Picknicks im Wald, Gesellschaftsspiele bis zum Abwinken, Basteln, Modellieren, Filme gucken, Backen und Bücher beim Buchladen ums Eck bestellen (bitte, meine lieben Leser*innen: die meisten Buchläden liefern aus – kauft eure Bücher dort, damit unsere Buchhändler auch nach der Krise noch existieren).

Die Lesung aus „Hoffnung leuchtet“ am Sonntag hat mir unendlich viel Freude gemacht – Danke an alle, die sich dazu geschaltet haben! Danke auch für alle Buchbestellungen! Falls Du über das Kontaktformular meines Blogs bestellt hast und bis heute keine Antwort erhalten hast, dann probiere es bitte noch einmal (oder über Insta / FB). Manchmal hat WordPress Schluckauf und übermittelt die Mails nicht, wie ich zu meinem Schrecken feststellen musste!

An vielen Tagen findest Du mich im Garten. Weil ich dort meine Nerven am besten ruhigstellen kann. Hier ist alles normal. Wie immer. Nichts hat seine Umlaufbahn verlassen.  Ich pflanze Gemüse und betoniere Randsteine und stecke die Hände in die Frühlingserde und mein Herz freut sich an dem jungen Kohlrabi und den Möhrensamen, die noch im Erdreich schlummern. Über mir flattern Ringeltauben auf der Suche nach Nistmöglichkeiten, Falken rufen. Wir werden im Sommer Obst und Gemüse haben.

Mein kleiner geschützter Mikrokosmos ist eine Insel im tobenden Meer. Das weiß ich und neben der Dankbarkeit schleicht auch immer ein schlechtes Gewissen mit. Ich sorge mich um die Flüchtlinge auf Lesbos, sie sind ein leichtes Opfer für das Virus. Ich sorge mich um die Einsamen, die Alten, die Existenzbedrohten, die Kranken, die Überforderten. Oh, ihr seid präsent in meinen Gebeten, in meinen Gedanken.

Werden wir zum alten Normal zurückkehren?

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Familie, Gedanken, Haushalt, Hobbies, Schreiben

Januartage

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Ich sollte mich nicht mit meiner pferdehaarbedeckten Leggins aufs Sofa schmeißen.

Tu ich aber.

Ich bin zu müde, mich umzuziehen. Außerdem möchte ich dieses kurze Zeitfenster zwischen Pferdestall und Abendessen nutzen und mich meinem Blog widmen.

Sauge ich halt morgen das Sofa. Oder übermorgen. Sei’s drum. Mein Blog ist mir im Moment wichtiger. Und das Schreiben sowieso.

Was füllt meine Januartage so dermaßen aus, dass ich nicht mal Zeit für einen kurzen Hosenwechsel habe?

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Nun, es ist wieder Schulalltag eingekehrt und damit Vokabelabfragen, Fahrtdienste, Klavierüben, AGs, Diktatüben. Und und und. Einst meinte ich vermessen, dass ich nie eine von diesen überengagierten Müttern sein würde, die mit ihren Kindern paukt. Das mag daran gelegen haben, dass ich mit verklärten Augen meine Kinder als Selbstläufer sah. Aber, wie 99% aller deutschen Kinder auch, sind sie normales, gesundes Mittelmaß. Nun darf ich meine kümmerlichen Mathefähigkeiten auffrischen und die Innereien eines Rindes kennenlernen (natürlich nur auf dem Papier).

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Meine Kinder sind neuerdings Vegetarier. Ich stehe in der Küche, zerbreche mir den Kopf und koche ausgewogene Mahlzeiten. Also: Kartoffelbrei und Süßkartoffelpommes. Nein, ihre Geschmackspalette hat sich durchs Vegetariertum nicht erweitert, wie man meinen möchte. Die Mädchen lassen einfach nur das Fleisch weg. Und mein Curry muss ich weiterhin alleine löffeln. Immerhin ist ofenwarmes Brot eine Mahlzeit, bei der es kein Murren und Wehklagen gibt. (Unser neues Lieblingsrezept mache ich ganz simpel und fix im Bräter)

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Einige Tage habe ich bei meinen Eltern verbracht (ganz am Ende der Ferien, als ich dringend Urlaub von meiner Familie brauchte. Ich liebe sie wirklich. Aber….ach, wer selbst Kind und Mann hat, weiß Bescheid). Ich hatte vergessen wie es sich anfühlt, einfach nur Tochter zu sein. Nicht Partnerin, nicht Mutter, nicht Freundin. Nur ich. Exquisit!

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Ich habe das Arbeitszimmer meines Vaters blockiert, die Aussicht auf Felder und Wälder genossen und geschrieben. Mein Planer für 2021 musste fertig werden. Und nun bin ich bis über beide Ohren beschäftigt mit einer neuen Buchidee und meinem Buch „Hoffnung leuchtet“, das in wenigen Wochen auf den Markt kommt.

Schmeiß noch meinen Book-Club, Hauskreis, Kindergeburtstag (oh, wie ich 11-Jährige liebe!!!), Renovierungsprojekte (Kellerstreichen) in den Mix und die Minuten auf der Couch und Laptop schrumpfen zusammen.

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Aber das ist wohl dem Jahresanfang und seinem Schwung geschuldet, mit dem er forsch daher kommt. Nein, ich habe mir nichts vorgenommen. Ich nehme das Leben wie es kommt und finde mein altes Ich eigentlich ganz knorke. Aber es kribbelt mir in den Fingern und im Kopf. Ich sehne mich nach einem neuen Strickprojekt, nach Näharbeiten, nach Bewegung im Freien, nach Gartenarbeit, nach der ersten Aussaat. Ich sehne mich danach, all meine Ideen und Worte und heilige Wut aufs Papier fließen zu lassen. Ich sehne mich nach tiefen Beziehungen. Ich sehne mich nach innerer und äußerer Gesundheit.

Ich nehme den Schwung mit in meine Januartage. Und zwischendrin parke ich einige Minuten auf dem Sofa. Pferdehaare hin oder her.

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PS: Am 17. Januar um 19:30 Uhr bin ich in Oberjesingen beim Ladiespoint mit dem Thema „Zugangswege zu Gott – Leben in geistlicher Vielfalt“

Und am 22. Januar bin ich um 9 Uhr bei der Atempause in Wolpertshausen mit dem Thema: „Was uns Frauen stark macht“

DIY, Haushalt, Plastikfreier leben

Bienenwachstücher DIY

Das Internet ist eine Fundgrube. Waschmaschine kaputt? Du findest sicher ein Tutorial, dass dir Schritt für Schritt zeigt, sie wieder fit zu machen. Du kommst bei den Mathehausaufgaben deines Sohnes nicht weiter? Irgendwo in den Tiefen des Netzes wirst du den Lösungsweg finden. Im Hals kratzt es? Dr. Google wird dir verraten, dass es sich um eine bisweilen tödliche Krankheit handeln könnte, dessen Erreger aus Zentralafrika stammt.

Aber man kann auch Freunde im Internet finden. So richtige aus Fleisch und Blut. Ist mir bereits passiert. Kein Witz! Sonja ist so ein wertvolles „Internet-Fundstück“, bei der ich letzte Woche zwei Tage in Zürich verbracht hatte. Wir saßen also bei einem Cupcake-Frühstück und redeten über dies und das. So auch übers Bloggen, das uns beide verbindet. „Schade, dass es deinen Kreativen Freitag nicht mehr gibt,“ meinte sie. „Das hat auch jemand letztens in meine Kommentare geschrieben!“ gab ich zurück. Eine kurze Weile schwiegen wir und ich vertiefte mich in die Eingeweide des überaus köstlichen Cupcakes (Sonja hat nicht nur die Gabe des Schreibens, sondern ist auch eine ausgesprochen begnadete Bäckerin).

Ja, ich könnte tatsächlich ab und zu wieder etwas Kreatives posten! Nicht regelmäßig, sonst setzt mich das zu sehr unter Druck. Aber wenn ich über etwas stolpere, das unseren Alltag schöner oder leichter oder ökologischer macht….dann will ich das hier kundtun.

Heute war unser kreativer Sonntag – völlig ungeplant. Und was macht man so an einem verregneten grauen Oktobertag? Wachstücher!

Du willst deinen Plastikverbrauch in der Küche senken und Plastikfolie verbannen? Wachstücher sind dein Freund. Ich habe ein großes Wachstuch bereits seit fünf Jahren und es ist immer noch in Gebrauch. Es hält Brot und angeschnittene Melonen frisch. Es deckt Schüsseln und Krüge ab und Sandwiches kann man auch wunderbar darin einpacken. Nach Gebrauch nur kurz lauwarm abwaschen und es ist bereit für den nächsten Gebrauch. 

Anleitung Wachstuch

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Du brauchst:

  • Baumwollstoff (ich verwende für die Wachstücher Stoffreste)
  • Bienenwachspastillen
  • Eine alte Backform mit flachem Boden
    ….oder ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech

Oh, es ist so einfach! Ich liebe schnelle und erfolgreiche Projekte und dies ist eines. 

  1. Heize deinen Backofen auf 120 Grad Ober/Unterhitze vor. Bügle den Stoff, falls er knittrig ist. Schön glatt soll er sein!IMG_2032_edited-1
  2. Stell die Backform auf den Stoff, zieh mit dem Stift einen Kreis.IMG_2037_edited-1
  3. Schneide den Kreis innerhalb der Markierung mit einer Stoffschere aus (ich benutze gerne meine Zickzack-Schere), so dass der Stoff gut in die Form passt.

  4. Nun lege den Stoff in die Backform und verteile darauf gleichmäßig die Pastillen.
    Anfangs kann es passieren, dass du zu viele oder zu wenige verwendest, aber mit der Zeit bekommst du ein Gefühl für die richtige Menge.IMG_2040_edited-1
  5. Stell die Form in den Backofen und warte bis das Bienenwachs geschmolzen ist. Das dauert ca. 4-5 Minuten. Prüfe, ob das flüssige Wachs alle Stellen erreicht hat. Wenn nicht, dann platziere auf die trockenen Stellen ein paar wenige Pastillen und lass die Form weitere ca. 2 Minuten im Ofen.

  6. Wenn du mit dem Ergebnis zufrieden bist, dann nimm die Form aus dem Ofen. Mit einer Kochzange (oder den bloßen Fingern, wenn du dich traust) nimm das noch heiße Wachstuch aus der Form. Halte es ca. eine halbe Minute in der Luft bis das Wachs leicht angetrocknet ist und lege es dann zum Trocknen auf Backpapier.IMG_2042_edited-1IMG_2043_edited-1IMG_2044_edited-1

Das Ganze kannst du auch ohne Backform auf einem Backblech machen. Da ist es nur wichtig, dass das Backpapier die Ränder ganz bedeckt. Nicht, dass dir das flüssige Bienenwachs dein Backblech versaut….

 

 

 

Familie, Gedanken, Glaube, Haushalt

::Ein Brief an alle müden Mütter::

Letzte Woche hat mir eine Leserin geschrieben.
Wir kennen uns nicht, aber die Schreiberin ist eine junge Mutter, die von ihrer Müdigkeit erdrückt wird. Sie fragte mich:

„Wann hört die Müdigkeit auf…oder wann wird das besser? Ich habe es so satt, ständig wieder Pläne, Träume und Vorstellungen über Bord zu werfen, weil ich so beschissen müde bin.“

Aber nicht nur Mutterschaft beschäftigt sie, sondern auch Gemeinde:

„Mich kackt das alles so an. (…) Ich brauche keine Wir-sind-alle-Perlen-, Prinzessinnen-Gottes-Kärtchen (…) Ich will wissen, wer ich wirklich bin. Mich beschäftigen so viele Fragen…und ich liebe diese tiefen Fragen und mein Gott, der nicht überfordert ist mit dem allem. (…) Was soll die Bibel für uns sein, kann man sie vielleicht gar nicht so einfach und ohne zu überlegen in die heutige Zeit übertrage? Kann es sein, dass Gott sich das alles ganz anders gedacht hat? Als wir es in seinem Namen zu unserem Werk machen?“
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Meine Antwort:
Ich selbst habe nicht der Weisheit letzter Schluss gepachtet, noch bin ich Expertin auf pädagogischem und theologischem Terrain. Aber ich bin auf dem Weg, den du gerade gehst, schon ein paar Kilometer weiter. Noch lange nicht am Ziel, aber ich möchte dir eine Schneise schlagen. Das ist es, was wir mit unserem Leben tun können, nicht wahr? Unseren Weg treu gehen und damit den Weg auch für andere ebnen.

Wollen wir uns erstmal deine Müdigkeit anschauen? Hundemüde bist du als junge Mutter. Und auch gemeindemüde. Haushaltsmüde.

Ich kann dir keinen genauen Zeitpunkt nennen, aber ich verspreche dir, dass die Müdigkeit, die du jetzt mit kleinem Kind erlebst und dich in einen dicken Nebel hüllt, wieder weichen wird. Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich eines Tages wieder acht Stunden am Stück schlafen würde. Oh, ich steckte tief in dieser Müdigkeit drin. An manchen Tagen legte ich mich nachmittags auf den Kinderzimmerboden, unfähig mich zu rühren, während meine zwei Mädchen lustig über mich drüber kletterten. Beim Sandmännchen hielt ich mich nur noch mit letzter Kraft aufrecht, um dann kurz nach dem Zubettbringen der Kinder auf dem Sofa zusammenzubrechen. Ich fühle mit dir, junge Mama. Mit jedem Jahr kommt ein bisschen Kraft und Schlaf zurück. Und eines Tages wirst du zurückblicken und die müden Jahre sind nur noch blasse Erinnerung, über die du lächeln wirst. Natürlich hilft dir das genau jetzt in diesem Moment nicht viel, aber es ist die Hoffnung, die dich durchträgt.

An manchen Tagen hilft es nur, immer nur die nächste Stunde anzusehen. Nie den ganzen Tag. Die Kraft, die du jetzt hast, die reicht für die nächste Minute. Und dann für eine weitere Minute. Und so reihst du einen Tag an den anderen und wirst staunen, zu was du alles fähig bist. Und das bist du!

Ich lese eine ganz große Liebe zum Leben aus deinen Zeilen und gleichzeitig sehe ich den Frust, dass du es nicht auf die Weise ausfüllen kannst wie du es dir wünschst. Du fühlst dich wie ein Auto, das mit angezogener Handbremse fährt. Da sind so viele Dinge, die du gerne tun möchtest oder von denen du meinst, sie müssten getan werden: Backen, Sirup kochen, Gärtnern usw. Es erinnert mich so sehr an mich in meinen jungen Mamajahren. Da erwacht oft eine Lust am Häuslichen, am Kreativsein, am Versorgen und man fühlt sich gleichzeitig so ausgebremst. Ich habe mich gnadenlos überfordert, weil meine „Leistungen“ nie meinen Ansprüchen genügt haben. Meine Ansprüche an mich, das Bild, das ich von mir selbst hatte, waren der Kern des Problems. Ich wollte eine dieser Mütter sein, die alles mühelos auf die Reihe bekommen. Ich wollte Selbstversorger sein, ein tiptop geputztes Haus haben, alle Kinderkleidung selbst nähen, Sport treiben, kochen, backen (wir beide haben die Liebe zur Haushaltsführung, nicht wahr?). Und weißt du, was ich fast nie tun konnte? Mich einfach aufs Sofa setzen.
Das Sofa war eine Tabuzone. Ich konnte mich nie ohne schlechtes Gewissen setzen und meinen Mann konnte ich dort auch nicht einfach sitzen lassen, DENN ES GAB JA NOCH SOVIEL ZU TUN!!

Wenn ich heute meinem jüngeren Ich einen Rat geben würde, dann diesen: Meine Liebe, freunde dich mit dem Gedanken an, dass du nie fertig sein wirst mit der Arbeit. Sie wird immer da sein. Egal ob du dich deinem inneren Antreiber unterwirfst und bis zum Umfallen weitermachst. Oder ob du  Pausen einlegst. Es ist so wichtig, Frieden mit der Unfertigkeit, mit dem Liegengebliebenen, mit dem wenigen, was du gerade schaffst zu schließen und zu einer neuen Leichtigkeit zu finden. Ich weiß das sagt sich einfach. Aber nimm das an aus dem Mund einer geheilten Perfektionistin.

Mal angenommen, deine beste Freundin wäre in dieser Situation, in der sie vor Müdigkeit fast umfällt und innerlich gar nicht mehr zur Ruhe kommen kann. Was würdest du ihr raten? Wie würdest du ihr Mut machen? Was würdest für sie beten? Was würdest du für sie tun? 

Würdest du ihr raten, sich noch mehr anzustrengen und zusammenzureißen oder sich auf das Sofa zu setzen und sich auszuruhen?

Würdest du ihr einen Kaffee machen und sie zu einer Pause einladen?

Was du deiner Freundin rätst, das rate dir selbst.

Und wie du ihr Mut machen würdest, so mache dir selbst Mut.

Und so wie du dich um sie kümmern würdest, so kümmere dich um dich selbst.

Manchmal ist Ruhen und Schlafen und Nichtstun das Heiligste was wir tun können, weil uns genau dort Gott begegnen und beschenken kann. 

Du schreibst von deinen Empfindungen deiner Gemeinde gegenüber. Sie wirft mehr Fragen auf, als dass sie dir Antworten gibt. Oh, wie gut ich dich verstehe. Ich bin vor einiger Zeit zurück in die Landeskirche, weil ich Abstand brauchte. Weil ich vor ähnlichen Fragen stand und stehe wie du. Erst hier kann ich langsam – Stück für Stück – aussortieren. Was gehört noch zu meinem Glauben? Und was nicht mehr? Das ist ein Weg, den ich ganz bewusst mit Gott gehe.

Es ist eine anstrengende, aber wichtige Phase. Verdränge deine Gefühle und Fragen und Gedanken nicht. So eine Phase passiert vielen, aber nur wenige lassen diese Fragen auch zu, weil sie „gefährlich“ erscheinen. Meine Gemeinde ist mein Hauskreis, der eine große Herzensweite besitzt und unterschiedliche Ansichten aushält. Ich habe folgendes gelernt: Je mehr ich mich öffne und zu meinen Gedanken und meiner Art zu glauben stehe, desto mehr Menschen treten in mein Leben, denen es ähnlich geht. Und dann habe ich aber auch die Freunde, die ganz jesustreu sind und mir helfen, mein Herz für ihn und seine Menschen weit zu halten. Vielleicht mag es dir helfen, dich für eine Weile nur mit wenigen Menschen zu treffen und all deinen Fragen nachgehen. Denn das sind tatsächlich auch Fragen, die ganz viele andere beschäftigen – vor allem die, die schon lange im Glauben unterwegs sind. Wir sind mehr, als du meinst 🙂

Ich wünsche dir Ruhe in deinem Leben, Frieden über dem Unfertigen und Unperfekten, Menschen, die den Weg mit dir gehen.

Liebe Grüße
Veronika
Familie, Haushalt, Renovierung

Power Hour

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Großes Aufatmen.

Der Dachboden ist fertig. Bis auf Kleinigkeiten wie Fußleisten, Lampen, etc. Ich verspreche, ich werde ab jetzt nie wieder hier darüber schreiben! Endlich kann sich nach unserer Hardcore-Renovierungsaktion Weihnachten hier breitmachen. Alles, was wir bisher in allen Winkeln des Hauses gestapelt hatten, wie Playmobil- und Legokisten, sind nun auf den Dachboden verbannt. Herrlich, diese neue Freiheit! Keine zugebauten Kinderzimmer mehr. Endlich haben die Mädchen einen Raum, wo sie bauen, spielen, sich verkleiden, chillen, Schule spielen usw. können. Ohne eine nervige Mutter, die alle zwei Tage komplett die Nerven verliert, weil sie die Türen zu den Kinderzimmern nicht mehr aufkriegt….

Große Seligkeit.

Ich habe endlich wieder Zeit, mich den ganz wunderbaren Seiten des Advents zu widmen. Ein paar Kipferl backen. Den Baum schmücken. Post schreiben. Stricken. Nähen. Schreiben.

Große Pläne.

Da meine Mädels und ich nur noch zehn Tage daheim sind, muss ich noch so einiges erledigen. Dann gehts auf Kur (freufreufreu!). Damit der Haushalt, meine Arbeit und alle Vorbereitungen mich nicht überwältigen, habe ich die Power Hour eingeführt. Vielleicht auch was für euch? So nehmen gerade die kleineren Arbeiten nicht soviel Raum ein und sind schnell von der Liste gestrichen. So geht’s:

Ich schreibe mir alles auf, was ich innerhalb einer halben Stunde schaffen will. Heute waren das z.B folgende Punkte.:

  • Wäsche sortieren und die erste Ladung waschen
  • Igel ausmisten und füttern
  • Küche aufräumen
  • Spülmaschine beladen
  • Betten machen
  • Lüften

Dann stelle ich den Timer auf meinem Handy. Go!

Wofür ich sonst ewig brauche dank mangelnder Motivation ist nun ruckzuck erledigt. Ich hab sogar fast ein bisschen Spaß beim Wettkampf gegen die Zeit. Wenn ich die Liste vor dem Piepen des Timers schaffe, dann hebt das meine Laune ungemein und ich belohne mich mit einer Tasse Tee.

So. Genug geschwafelt für heute. Ich muss weiter. Die Uhrzeiger rücken gnadenlos Richtung Mittag und da wären noch Bad und Böden. Ich stell mal gleich meinen Timer…..

 

 

Familie, Gedanken, Glaube, Haushalt, Verlosung

Volle Tage. Und eine Verlosung!

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Gestern Abend war unser sonst so großer Hauskreis auf eine winzige Runde geschrumpft. Zu Viert futterten wir gebrannte Mandeln und lasen die berühmte Martha-Maria-Stelle im Lukasevangelium (Yep, seit drei Jahren versuchen wir uns durch ein einziges Evangelium zu lesen….).

Unser Gespräch zog weite Kreise. Angefangen in dem kleinen judäischen Haushalt der beiden Schwestern vor 2000 Jahren, wo Maria chillt, die arme Martha sich abplagt und dann Jesus passiv-aggressiv bittet, Maria den Marsch zu blasen, damit sie endlich bei der Hausarbeit hilft. Ich habe eine große Schwäche für Martha.

Und dann landeten wir in unseren eigenen Haushalten im Jahr 2018.

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Wir sprachen davon, wie wir uns von unserer Arbeit auffressen lassen, innerlich nicht mehr in der Lage sind, zur Ruhe zu kommen. Anderen grollen, die es wagen, eine Pause zu machen und sich einfach aufs Sofa setzen! Es ist doch noch soviel zu tun!!!

Ich glaube,  Jesus hat das Leben oft vom anderen Ende her betrachtet. Wie es ein Mensch vom Sterbebett aus tut. Er war ja tatsächlich fast am Ende seines Lebens angelangt und da wusste er: „Beziehung zuerst. Ich möchte nicht, dass die Menschen sich daran erinnern, wieviel Mühe sie bei meiner Bewirtung hatten, sondern was ich ihnen an Liebe und Zuwendung und Worten gegeben habe.“

Es gibt Dinge, die sind dringend. Und es gibt Dinge, die sind wichtig. 

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Das Dringende ist ein Brüller, es zerrt an uns und kann uns verschlingen, wenn wir ihm zuviel Raum geben. Das Wichtige kommt auf leiseren Sohlen daher, drängt sich nicht auf, zupft leicht an uns.

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Meine Herbstwochen sind voll und zwischenrein quetsche ich Schreiben und Auftritte. Momentan brüllt mich Dringendes ständig an, das Ruhen und Hören und Sein hat wenig Raum. Aber sie sind die Quelle, aus der alles fließt: Mein Schreiben, meine Beziehungen, meine Identität, meine Heilungswege.

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Ich brauche die Zeit mit Gott am Morgen, obwohl mich genau dann schon tausend andere, DRINGENDE Dinge anbrüllen. Also beginne ich wieder, eine halbe Stunde vor meiner Familie aufzustehen. Wenn noch alles dunkel ist und das Hören und Schweigen leichter fallen. Dann nehme ich mir ein paar Minuten, um die Maria zu sein. Unproduktiv. Still. Hörend.

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Und dann darf ich auch wieder die Martha sein, die macht und schafft und schreibt und kocht und Hausaufgaben betreut und organisiert und backt und gärtnert.


Ich habe mit meinem Verlag einen Planer für das Jahr 2019 entworfen, der beidem gerecht wird:

Unseren eigenen Bedürfnissen. Und unserer Arbeit.
Dem Wichtigen und dem Dringenden.
Der Martha und der Maria in uns.  IMG_9353_edited-1IMG_9349_edited-1


Ihr könnt diesen Planer gewinnen! 

Zusätzliche Gewinne:
Das wunderschöne Notizbuch „Jeder Tag sei voller Segen“629822000
Ein hübsches Bleistift-Set

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Hinterlasst einfach kurz einen Kommentar.

Die Verlosung endet am kommenden Montag, den 22. Oktober 2018. Die Gewinner gebe ich hier bekannt.

 

 

 

 

Familie, Gedanken, Haushalt, Nähen

Revolution an der Nähmaschine

IMG_9124_edited-1Ich nähe.

Mit ratternder Nähmaschine und verwirrenden Schnittmustern und einem Schrank voller Stoff. Ich nähe Kissenbezüge und Leggins, Hoodies und Kleider, Vorhänge und Taschen. Hätte mir das jemand vor 10 Jahren prophezeit, wäre ich lachend vom Stuhl gefallen.

Im Gymnasium hatte ich bis zur sechsten Klasse Handarbeitsunterricht, was heute hoffnungslos zurückgeblieben klingt (und meiner Meinung nach unbedingt wieder auf den Lehrplan gehört). Es wäre eine Untertreibung zu behaupten, ich wäre eine gute Schülerin gewesen. Ich konnte gerade mal den Faden durchs Nadelloch fummeln, aber alles andere war für mich Raketenwissenschaft. Unsere Handarbeits-Lehrerin hatte mehr Falten im Gesicht als jeder Plissee-Rock. Wahrscheinlich hatte sie schon vor dem Krieg unterrichtet. Vor dem 1. Weltkrieg wohlgemerkt. Sie war ganz alte Schule: Das Nähen stellte auf keinen Fall eine vergnügliche Tätigkeit dar, sondern eine Disziplin, die man sich mit Gehorsam, Schweiß und Genauigkeit erkämpfen musste. Mit Schaudern denke ich an den Kissenbezug, den ich in der sechsten Klasse nähen musste. Wir bekamen alle den gleichen langweiligen beigefarbenen Stoff, dessen Farbe Erbrochenem ähnelte. Ich kämpfte mit der uralten Nähmaschine, meine verschwitzten Hände krampften sich um den Stoff, der Wellen warf, anstatt glatt und sauber hinter dem Nähfuß wieder aufzutauchen wie bei all den anderen braven Mädchen. Ich gab auf, kassierte eine schlechte Note und meine Mutter bekam zu Weihnachten Gott sei Dank kein hässliches Kissen mit schiefen Nähten und klaffendem Hotelverschluss. Nach diesem Debakel war mir klar, dass ich niemals in die Fußstapfen meiner Mutter treten würde, die das Schneiderhandwerk gelernt und sich ihr umwerfendes Brautkleid selbst genäht hatte. Ich war heilfroh, nie wieder an die Nähmaschine zu müssen.

Bis ich mit meinem zweiten Kind schwanger war.

Ein seltsames Hormon entfaltete seine Wirkung in mir und ich befürchtete, wenn ich nun kein Kissen für mein Baby nähte, würde es mit großen Defiziten heranwachsen. Es waren die Jahre, in denen der DIY-Hype noch in den Kinderschuhen steckte. Ich hatte aber urplötzlich das entfesselte Verlangen, mich an eine Nähmaschine setzen zu müssen.

In der Bücherei lieh ich mir ein Buch über Patchwork aus und wollte unbedingt den Kissenbezug auf Seite 18 nähen. Warum verspürte ich erst jetzt dieses Verlangen nach Handarbeit? Ich bin wohl einfach der klassische Spätzünder. Ich hatte als eine der Letzten in meiner Klasse die Periode bekommen, meinen ersten Freund mit 17, die Rebellion kam mit 21 und wie man den Ölstand am Auto testete, lernte ich mit 30. Ein Wunder, dass ich mein erstes Kind schon mit 34 bekam und nicht erst mit 44!

Da saß ich nun mit meinem dicken Bauch an der Nähmaschine meiner Mutter – die wie ein Rasenmäher klang. Also die Nähmaschine, nicht meine Mutter! Vor mir lag ein Berg Stoffreste, ein textiler Querschnitt des 20. Jahrhunderts: Spitze aus den 30ern, biederes rot-weiß aus den 50ern, psychedelisches Polyester aus den 70ern. Ich wählte rosa und blaue Farbtöne und legte noch etwas zarte Spitze daneben. Dann schnitt ich Vierecke zu und nähte eines an das andere. Es ging langsam, aber ich fand Gefallen an der gleichmäßigen Tätigkeit. Ich mochte das laute Rattern der Maschine und wie Schritt für Schritt aus einer Idee und Stoffresten, die Jahrzehnte in einer Kiste gelegen hatten, etwas Neues entstand. Mit Engelsgeduld erklärte mir meine Mutter jeden Nähschritt und ich konnte alles umsetzen. Ohne dass der Stoff Wellen warf! Nach einem halben Tag war der Kissenbezug fertig und ich war so stolz, dass ich jedem, den es interessierte oder auch nicht, den Kissenbezug unter die Nase hielt: „Das habe ich gemacht. ICH!!!“. Gott sei Dank war meine Familie nachsichtig mit ihrem schwangeren Mitglied.

Ein halbes Jahr später besaß ich Tochter Nr. 2 und eine eigene Nähmaschine. Nach dem Kissenbezug war ich überzeugt, ich hätte den Gipfel meiner Fähigkeiten ausgeschöpft. Aber das stimmte nicht. Mit jedem weiteren kleinen Nähprojekt, das ich mir vornahm, erweiterte ich mein Können. Ich war fasziniert davon und bin es noch heute, dass aus einem Haufen unförmigen Stoffes und Fadens etwas entsteht, das meine Kinder zumeist gerne tragen.

Das Nähenlernen zeigte mir, dass ich immer mehr kann, als ich mir selbst zutraue. Seit dem Nachmittag mit meiner Mutter und ihrer Nähmaschine habe ich mich oft neu herausgefordert: Brotbacken, einen Garten anlegen, Vorräte einkochen, Schreiben. Ach ja, und meine Strickkünste habe ich auch neu aktiviert. Meine leidvolle Sockenstrick-Episode aus der 6. Klasse möchte ich euch an dieser Stelle ersparen.

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Was für mich heute Leidenschaft mit Mehrwert ist, war für unsere Vorfahren eine Notwendigkeit. Bis sich in den 50er und 60er Jahren die Frauen mit der Anschaffung moderner Haushaltsgeräte von einem Großteil der Hausarbeit befreiten, um außer Haus arbeiten gehen zu können. Es war die Zeit neu anbrechenden Wohlstands und jeder wollte daran teilhaben. Schleichend wurden Heim und Haus zu reinen Orten des Konsums und man vergaß, wie man einen Knopf annäht oder Reinigungsmittel herstellt. Wir Frauen wollten Befreiung und haben uns nur in eine neue Art der Versklavung begeben. Was für ein schlechter Handel war das im Grunde? Wir haben unsere Haushalte gegen Karrieren eingetauscht, weil uns Unabhängigkeit und Wohlstand versprochen wurde. Wir haben damit aber auch den Geruch aufgehenden Brotteiges und den natürlichen Rhythmus unserer Kreativität, das umsichtige Prägen unserer Familie und unsere Wahlfreiheit eingetauscht. In letzter Zeit ahnen einige von uns, dass wir einer Illusion aufsaßen und sehnen uns, einen Schritt zurückgehen zu können. Von Generation zu Generation wurde uraltes Wissen und Können weitergegeben und wir waren eine der ersten, die nichts mehr damit zu tun haben wollten. Es hätte unserer Selbstverwirklichung und der eigenen Individualität im Wege gestanden. Mit dem Patchwork-Kissenbezug wuchs in mir das Gefühlt, etwas Wertvolles wiederentdeckt zu haben, was ich beinahe weggeworfen hätte.

Ich blieb aus freien Stücken daheim bei meinen Kindern, ich wollte unser eigenes Brot backen und den eigenen Joghurt machen, ich wollte unsere eigenen Sachen reparieren, wenn sie kaputt gingen. Ich wollte altes Kräuterwissen reaktivieren und anwenden, Apfelmus kochen und Gurken einwecken. Und natürlich nähen. Das klingt so abgefahren, so altbacken, so….hoffnungslos zurückgeblieben. Aber ich steh fröhlich dazu.

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Viele Frauen entscheiden sich für einen anderen Weg und das ist in Ordnung, so lange es wirklich ihr Weg ist und sie ihn nicht wählten, weil sie unter gesellschaftlichem Druck einknicken.

Ich werde durchaus belächelt. Warum sollte ich mir die Mühe machen, eine Leggins zu reparieren, wenn ich diese billig im Dreier-Pack bei KiK bekomme? Warum sollte ich einen Sauerteig vier Tage lang züchten und dabei hüten wie eine hochsensible Prinzessin auf der Erbse, wenn der Bäcker direkt ums Eck liegt? Und warum sollte ich Vorhänge nähen, wenn ich sie beim Schweden meines Vertrauens nachgeschmissen bekomme? Ich hätte einige Antworten parat, aber eine liegt mir ganz zuvorderst auf der Zunge: Weil ich Lust am Schaffen habe. Am Anfang ist da nichts außer ein paar alter Fetzen Stoff, einer vagen Idee, ein wenig Mehl. Und dann – aus dem Wenigen, aus dem Nichts – entsteht ein Kleid, ein Blogeintrag, ein Brot. Es ist die Schöpferlust, die in uns allen gärt und oft allem rationalen Denken widerspricht. Warum sollte ich ein neues Lied schreiben, wenn das vor mir schon Beethoven, Bach, die Beatles und Beyonce getan haben? Warum sollte ich einen Blogeintrag verfassen, wenn das Tausende ebenfalls und oft sogar besser tun? Warum sollte ich ein Brot backen, wenn ich es kaufen kann? Warum sollte ich ein weiteres Buch verfassen, wenn es ein Hemingway, ein Tolstoi, eine Arendt mit soviel Grandesse taten?

Weil ich nicht anders kann. Meine Schaffenslust ist eine Macht, die größer ist als meine Zweifel. Weil es mich lebendig macht. Weil es mir unendlich viel Freude bringt.

Ich glaube, dass wir alle die Schöpferlust in uns tragen. Weil wir ein Abbild Gottes sind. Der große Schöpfer, der aus dem Nichts Galaxien, unsere Erde, die unerforschten Tiefen des Meeres, Koalabären, Nacktmulle und das menschliche Nervensystem geschaffen hat. Und siehe, es war sehr gut.

Mit jedem Akt der Kreativität haben wir Anteil an dem Sehr Gut Gottes. Und deshalb ist es völlig egal, ob andere es besser können. Ob meine Handarbeitslehrerein missbilligend den Kopf angesichts meiner schiefen Nähte schüttelt. Ob sich meine Bücher verkaufen oder nicht. Nähen macht mich lebendig und ich stelle mir vor, wie Gott darüber vor Freude tanzt. Ich glaube tatsächlich – und erklärt mich ruhig für verrückt – dass ich mit jeder Naht, mit jedem Brot, mit jedem gesaugten Teppich Gott ehre.

Unsere Rückeroberung der Nähmaschinen, Stricknadeln, Küchen und Gärten ist eine Revolution, eine Zurückweisung des entfesselten Konsums und der hilflosen Abhängigkeit von unserer Industrie. Eine Zurückweisung der Idee, wir Frauen wären nur dann glücklich, wenn wir einer vorgeschriebenen Karriere folgten.

Für mich ist Nähen der neue Lobpreis. Kochen eine Hymne an meinen Gott. Gärtnern meine Stille Zeit.

Weil ich von einem Gott gemacht wurde, der gutes Sauerteigbrot und Menschen, unsere Schöpferlust und Patchworkkissen liebt.