Neues Leben und mein Sauerteigbrot-Rezept

IMG_9681_edited-1IMG_9688_edited-1IMG_9755_edited-1IMG_9778_edited-1IMG_9785_edited-2IMG_9788_edited-1IMG_9685_edited-1Ich stehe in der dunklen Kirche. Kerzen werfen ihren Schein an die Wände des uralten Chors. Eine großer Kreis aus Dorfbewohnern füllt den Raum. Mütter, Bauern, Kinder, Konfirmanden, Arbeiter, Studierte. Es ist still. Jeder betet lautlos. Oder schickt seine Gedanken auf Reisen. Ich richte ein paar Worte an Gott. „Ich brauche Kraft. Da ist nicht mehr viel in mir, was ich gerade geben kann. Aber meine Tage sind immer noch voll. Ich weiß gerade nicht, wie ich das alles schaffen soll. Befreie mich…UNS…doch von der Tyrannei des Terminkalenders, unserer Ansprüche, der Hektik.“

Jemand legt ein Stück Brot in meine Hände. „Neues Leben für dich“.

Mit einem Kreuz aus Rosenöl auf der Stirn, einem Stück Brot und Traubensaft im Magen fahre ich im Dunklen nach Hause, wo für den Rest des Abends die Nerven mehr und minder blank liegen.

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Ich brauche neues Leben so sehr, ein Auferstehen, jeden Tag. Wo finde ich es heute, an einem Montagmorgen? Wenn mich doch bereits beim Aufstehen der Tag überrollt: Das dreckige Bad. Der gähnend-leere Kühlschrank. Das Dachbodenprojekt. Ein vorzubereitender Kindergeburtstag. Termine am Nachmittag. Ein vernachlässigter Blog. Kindersorgen.

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Wo habe ich das neue Leben, das mir jemand gestern behutsam in die Hand drückte?

Schlummert es im Kern meiner gottgeschenkten Identität, der unangetastet von den Mühlen des Alltags in mir liegt? Mitten im Getöse des Montagmorgens – denn von der Realität des Lebens können wir nicht davonlaufen. Aber ich kann hinhören, wer diesen Kern in mir zum Klingen bringt. Immer wieder die unscheinbare Auf-Erstehung üben, wenn ich auf die leise Jesus-Stimme höre:

Leg das Handy zur Seite und schau mit mir den Sonnenaufgang über der frostigen Wiese an. 

Gib mir mal kurz deinen Terminkalender. Wollen wir gemeinsam das Wichtige vom Unwichtigen trennen?

Dein Kind wird schon 8? Du bist sicherlich wahnsinnig sentimental, so wie ich dich gemacht habe. Das darfst du mit jeder Faser deines Seins feiern. Lass uns gemeinsam Ideen sammeln. 

Ich will mit dir zusammen den neuen Dachboden erträumen. 

Das Bad machst du nachher sauber…..du hast doch gerade viel mehr Lust zum Schreiben. 

Mach heute deinen Mittagsschlaf. Wozu hab ich Schlaf erfunden?

Magst du mit mir in die Küche kommen und Brot backen? Nein, nicht das schnelle Brot. Das langsame, das Zeit braucht. Hektik verdirbt es. Achtsame Liebe lässt es wachsen. Ha, bin ich nicht ein Meister der Sinnbilder? Scherz. Mach langsam – mittendrin. Genau wie das Brot. 

Und dann backe ich mein Sauerteigbrot. Das, welches meine Kinder lieben.

Rezept Vronis Sauerteigbrot
(frei nach dem Rezept „San Francisco Sourdough Bread“ aus „Brot genießen„)

Erstmal brauchst du Sauerteig. Den kannst du kaufen, falls du nur selten Brot backst. Oder setzt ihn selbst an. Sauerteig ist kein großes Geheimnis, auch wenn immer alle Welt so tut. Es gibt unzählige Varianten – ich mach meinen mit Buttermilch.

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So. Jetzt blubbert dein Sauerteig schön vor sich hin und du meinst, du könntest sofort loslegen mit dem Brotbacken. Ätsch. Falsch. Du hast nämlich erst den Sauerteigansatz, mit dem du reifen Sauerteig herstellst. Gib nicht auf. Alles easypeasy.

Nimm 2 Löffel von deinem Sauerteigansatz, vermische ihn mit 200 g Roggenmehl und kipp 200 ml warmes Wasser drüber. Verrühren, abdecken, 18 Stunden an einem warmen Ort stehen lassen.

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Jetzt endlich kann es losgehen! Schürze umbinden, Motivation hochschrauben, Musik an.

Du brauchst heute: 

1 kg Bioweizenmehl (Type 550)
200 g Dinkelvollkornmehl
600 ml Wasser
400 g reifen Sauerteig (hast du dir ja jetzt hart erarbeitet)
20 g Salz

Fange morgens an, damit du am späten Nachmittag das warme Brot aus dem Ofen holen, sofort das Endstück abschneiden und fett mit Butter bestreichen kannst!

Zutaten alle vermengen und 5-10 Minuten lang kneten. Dann zärtlich wie ein Baby in eine mit Öl eingefettete Schüssel legen, zudecken. Nach einer Stunde nimmst du dein Baby wieder vorsichtig heraus, ziehst es in die Länge und Breite, faltest es wieder zusammen und legst es wieder zurück in die Schüssel. Diesen Vorgang nach einer Stunde wiederholen. Dann nochmal eine halbe Stunde gehen lassen.

Den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche legen und in zwei gleich große Stücke teilen. Diese zu zwei ovalen Teiglingen formen (dieses Video erklärt prima, wie man’s professionell macht). Auf ein mit Backfolie ausgelegtes Backblech legen, abdecken und zweieinhalb Stunden gehen lassen.

Den Backofen auf 250 Grad vorheizen. Ein Gefäß mit Wasser in den Ofen stellen. Den Teig mit einer Rasierklinge oder scharfem Messer diagonal einschneiden. Das Blech mit den Teiglingen in den Ofen schieben und 15 Minuten backen. Dann die Hitze auf 215 Grad reduzieren, das Wasser entfernen. In weiteren 30 Minuten fertig backen.


Das beste, wirklich ALLERBESTE, was ihr mit einem Sauerteigbrot anstellen könnt, ist ein in der Pfanne gebratenes Käsesandwich. Egal, ob selbst gebacken oder gekauft. Nehmt zwei Scheiben Brot, legt euren Lieblingskäse drauf, klappt es zusammen (ich leg gerne noch ein paar dünne Scheiben Birne oder Pfirsich dazwischen). Butter in die heiße Pfanne geben und das Brot darin bei mittlere Hitze von beiden Seiten solange rösten, bis der Käse geschmolzen ist.
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Ihr werdet nie wieder etwas anderes essen wollen. Versprochen. Und scheiß auf die Kohlehydrate (Würde Jesus das sagen? Sicher.)

4 Kommentare zu „Neues Leben und mein Sauerteigbrot-Rezept

  1. Ach, das hab ich jetzt grad gebraucht – wo ich auf dem Sofa sitze und mir überlege, an welchem Ende der To-Do-Liste ich bloss beginnen soll. Die Bilder, deinen Text und die liebevollen Worte dieses unbeschreiblichen Jesus. Das neue Leben. DANKE!

  2. Vielen Dank, dass Du so ehrlich über Deine Gedanken schreibst! Es tut so gut zu wissen, dass da draußen Frauen mit den gleichen Dingen zu kämpfen haben!
    Während ich, auf dem Sofa sitzend, versuche die schmerzende Schulter zu ignorieren und der aufkommenden Panik, ob meiner übervollen ToDo-Liste für diese Woche, Herr zu werden, höre ich in mir die leise Stimme: „Fang einfach irgendwo an und gehe immer nur einen Schritt nach dem anderen. Ich bin da!“ Gott segne Dich!

  3. Liebe Veronika,So schön hast du deine Situation in Worte gepackt,ich kann das so gut nachvollziehen!!vielen Dank dafür!!Das Brot werde ich backen,ich liebe neue Rezepte.Fröhlichen Tag dir!!Elisabeth

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