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Von Wut und Waffeln

IMG_3345_edited-1IMG_3348IMG_3356_edited-1IMG_3367IMG_3362_edited-1Mein Herz wiegt tausend Kilo. Ich bin wütend. Auf Psychopathen, auf das amerikanische Waffengesetz, auf Donald Trump (auf den bin ich eh dauerwütend), auf AFD-Wähler, auf muslimische Extremisten, auf den IS, auf unsere Gleichgültigkeit gegenüber ertrinkender Afrikaner, auf den Rechthaber-Reflex von uns Christen, auf Homophobie und Islamophobie, auf deutschen Dauerregen.

Ich habe das Gefühl, ich ecke immer mehr an. Weil ich den Liberalen zu konservativ bin. Und den Konservativen zu liberal. Weil ich manchmal mein Maul nicht halten kann. Weil ich oft zu viel sage….und dann wieder viel zu wenig. Weil ich an manchen Tagen so müde bin und meine Familie anmaule. Und weil ich mich mit einfachen Antworten von Christen gerade nicht mehr zufrieden geben kann, die meinen zu wissen, wie Gott ist und wie er handelt und was er von uns will.

Aber dann sitze ich Mittwochabend im Arbeitskreis Flüchtlingshilfe und sehe dort ganz normale Bürger (die ich vielleicht auf den ersten Blick als Afd-Wähler abstempeln würde). Eine Handvoll süßer Teenie-Mädchen, Hausfrauen und Mütter, Opas und Fußball-Trainer. Die Teenies haben einen Spielkreis für syrische Kinder auf die Beine gestellt, eine Oma fährt jeden Tag am Flüchtlingsheim vorbei und schaut nach dem Rechten, ein Rentner geht mit den syrischen Familien spazieren, eine ältere Dame hilft den Kindern bei den Hausaufgaben. Eine Mutter kümmert sich um die syrischen Frauen. Ein großer Brocken Wut fällt von mir ab.

Am nächsten Tag erreicht mich diese Meldung. Pakistanische Moslems, die eine Kirche für ihre christlichen Nachbarn bauen. Ich muss weinen. Und ein weiterer Brocken Wut bröckelt von mir ab.

Wir brauchen mehr solcher Nachrichten. Überall gibt es Zeichen der Hoffnung und Nächstenliebe, aber um sie sehen zu können, muss ich meinen Blick von nutzlosen Facebook-Debatten und Negativ-Schlagzeilen lösen.

Manchmal muss ich nur auf das sehen, was direkt vor mir ist.

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Ich kann den Dauerregen sehen. Oder das Wachstum, das er hervorbringt.

Ich kann mich über Christen ärgern, die sich wie Anwälte Gottes benehmen. Oder die Christen sehen, die demütig und still unter Obdachlosen, Flüchtlingen und Sterbenden dienen (ich gehöre eher zur Rechthaber-Fraktion).

Ich kann ängstlich die Straßenseite wechseln, wenn mir eine verschleierte Frau entgegenkommt. Oder ich kann anfangen, meinen muslimischen Nachbarn Fragen zu stellen.

Ich kann mich über komasaufende Jugendliche aufregen, oder engagierte Punk-Mädels sehen, die syrischen Kindern das deutsche ABC beibringen.

Ich kann einen rechthaberischen, zornigen, urteilenden Gott sehen….oder einen Gott, dessen Herz bricht. Und dessen Ruf an uns Menschen in der Not Anderer, in unserem Versagen, in unserer Schuld, in der Schönheit dieser Welt widerhallt.

Hm. Eigentlich wollte ich jetzt sehr geschickt überleiten zu unserem häuslichen Leben. Gelingt mir aber nicht. Deshalb abrupter Szenenwechsel.

Ich habe diese Woche genäht wie eine Blöde.

IMG_3330Das Kleid links hatte ich für meine Nichte zum Geburtstag gestrickt. Allerdings ist es viel zu klein geworden. Also habe ich noch ganz schnell ein Kleid in ihrer Größe an der Nähmaschine gezaubert.

Da ich einen Näh-Flash hatte und die Maschine eh gerade auf dem Tisch stand, habe ich noch neue Stuhlkissen für den Balkon genäht. Aus alter Retro-Bettwäsche.

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Und Abdeckhauben, um unseren Plastikmüll zu reduzieren.

Wir versinken in Nässe und Sommerkälte. Bei uns sind warmer Tee und heiße Waffeln statt Eis und Smoothies angesagt. Ich bin auf DAS perfekte Waffelrezept gestoßen. Seitdem ist unser Waffeleisen im Dauereinsatz. Vor allem im nassen, kalten Morgengrauen. Und der Morgen ist gerettet!

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Vollkorn-Buttermilch-Waffeln (ergibt 16 Waffeln)

120g Vollkornmehl
225g weißes Mehl
50g Haferflocken
110g Maisstärke
1 gute Prise Salz
2 TL Backpulver
1 TL Natron
1l Buttermilch
115 g geschmolzene Butter
4 Eier, getrennt

Die trockenen Zutaten miteinander vermischen. Das Eigelb mit der Buttermilch und der Butter vermengen. Dann zu der Mehlmischung geben und unterrühren. Das Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterheben. Den Teig im Waffeleisen ausbacken, bis die Waffeln goldbraun und knusprig sind.

TIP: Ich habe die doppelte Menge an trockenen Zutaten gemischt und in einen Vorratsbehälter gegeben. So kann ich mir jeden Morgen einfach schnell 125g der Mehlmischung abwiegen, dazu kommen 1 Ei, 250 ml Buttermilch und 30 g Butter. Geht ganz fix und ergibt sechs Waffeln. 

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12 Gedanken zu „Von Wut und Waffeln“

  1. Hat mir die Tage zum Thema „Negativ“ geholfen:
    „Und nun, liebe Freunde, lasst mich zum Schluss noch etwas sagen: Konzentriert euch auf das, was wahr und anständig und gerecht ist. Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen.“ Philiper 4,8
    Wir entscheiden zu einem großen Teil, was wir sehen und beachten wollen – ist immer wieder viel Arbeit für mich, das nicht zu vergessen.
    PS: Freue mich auf ein Wochenende, an dem ich hoffentlich auch ein paar genähte Werke fertigstelle :o)

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  2. Oh die Kleider sind ja wunderschön!Das würde mir für meine Tochter auch gefallen.
    Hat der Schnitt von dem genähten Kleid einen Namen bzw. wo kann man das finden?

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      1. Liebe Veronika,
        ich habe dieser Tage laut gesagt, was mein Herz schon lange wußte: die Welt / Wir brauchen massig gute Nachrichten.
        Die Bibel ist unsere persönliche gute Nachricht. Doch wie lässt man die Welt an guten Nachrichten teilhaben ?
        Ich kenne so viele gute Seelen die Gutes für die Allgemeinheit tun.
        Doch nur die wenigsten nehmen Notiz davon. Auch in der Flüchtlingshilfe sind so viele tatkräftig am Helfen. Nur in den Nachrichten ist davon nichts zu hören.
        Klar ist die Sicht auf die Dinge wichtig.
        Nur wie schaffe ich es zu streuen ?
        Menschen für das mitmachen begeistern ?
        Lange bin auch ich christlich – lebendig unterwegs.
        So sehr wünsche ich mir, dass es nich mehr Kreise zieht.
        *Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise*.
        Hab‘ Dank für deinen unglaublich erfrischenden Blog.
        Viele Grüße,
        Rosetta

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  3. Das ist ein toller Beitrag. Ich habe zwischendurch mal die Luft angehalten, weil ich mich so sehr darin wiedergefunden habe. Dein Gefühl des Aneckens ist mir so vertraut.

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  4. Liebe Veronika, danke für den Tipp mit dem Vorrat – da hätte ich ja mal drauf kommen können! Wird heute gleich umgesetzt, ich bin akut waffelsüchtig

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  5. Liebe Veronika,
    Hab vielen lieben Dank für das Waffelrezept. Sowas habe ich schon lange gesucht. Gab es gleich am Samstag (und der Trockenorrat ist angelegt).
    …wirklich knusprig, nicht zu süß und so schön luftig, das man ganz ein paar davon essen kann… =)

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  6. Liebe Veronika,

    ich suche immer nach einer email Adresse von dir, weil ich manche Frage doch nicht so als Kommentar schreiben möchte… Also heute meine Frage: Ich bin auch kräftig dabei Plastikmüll zu reduzieren und wollte fragen ob du mir eine kurze Anleitung zum Abdeckhauben nähen geben kannst, die du in „Wut und Waffeln“ fotografiert hast. Ich brauche auch dringend solche Teile für Schüsseln. TUpper ade… (aussortiert) Ganz liebe Grüße und schön, dass du wieder schreibst… hab dich in der Sommerpause vermisst. Christiane

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