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Das war bärenstark.

Der Frühsommer fliegt in hohem Tempo an mir vorbei. Und deshalb mache ich langsam. Auch mit dem Bloggen. Ich jongliere Schreiben, letzte Foto-Aufträge, wucherndes Unkraut im Garten und unser Bedürfnis nach faulen, langsamen Sommertagen. Kein Wunder, wenn mir manches entgleitet. Oder besser: ich lasse los. Weniger Bloggen, weniger Punkte auf unserem Zeitplan, weniger Internet, weniger Fotos, weniger Nähen.

Die letzten Mai-Tage haben wir in Oberschwaben verbracht, auf einer Freizeit des Marburger Kreises. Warum hat mir nie jemand verraten, dass es dort so schön sein kann? Fast würde ich am liebsten unseren geplanten Herbst-Mittelmeer-Urlaub absagen und stattdessen in Oberschwaben Kühe streicheln. Oder…vielleicht doch nicht.

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Fünf Tage Freizeit mit knapp 200 Leuten. Fünf Facts:

1. Zweihundert Leute sind laut. In der Essens-Schlange. Beim kollektiven Wein-, Bier- und Chipsverzehr am Abend. Beim Bärenstark-Tanzen.

2. Wiedersehen. Einige der Teilnehmer waren mir vertraut oder vage bekannt. Ich bin ja schon fast ein Marburger Fossil, solange bin ich schon Teil dieser überkonfessionellen Arbeit. Da waren alte Bekannte, die ich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte und mit denen ich sofort Anknüpfungspunkte fand (Weißt du noch, damals in Dänemark, als du zum Kloputzen verdonnert wurdest?). Oder Freunde, die ich nur sporadisch sehe und die trotzdem für mein Leben enorm wichtig sind. Freunde, mit denen ich unbekümmert dem skurrilen Blödsinn hingab. Leiter, die unbequeme Wahrheiten aussprachen und an denen ich mich stieß. Unbekannte, die mir ihre Lebensgeschichte erzählten. Und an deren Ende ich Tränen vor Glück in den Augen hatte, weil Jesus aus völlig kaputten Biographien etwas Neues schafft und Heilung bringt, wo Heilung unmöglich scheint.

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3. Mini-Revolution. Raus aus unseren bequemen Hauskreisen, wo wir uns seit zwanzig Jahren gegenseitig im Austausch die gleichen Geschichten erzählen und mit mitleidigen Minen erklären, dass wir füreinander beten werden (was wir dann oft doch nicht tun). Eine Frage lautete: „Was kommt nach dem geistlichen Wachstum.“ Könnte es sein, dass wir irgendwann im Glauben erwachsen sind und nicht mehr ständig an die Mutterbrust müssen? Könnte es sein, dass wir aufhören können, vor jedem Schritt ängstlich um Weisung zu beten und endlich Eigenverantwortung zeigen sollten? Könnte es sein, dass ich aufhören soll, für den Nachbarn zu beten und einfach mal an seiner Tür klingeln darf? Könnte es sein, dass wir anfangen müssen, auf unsere inneren Wünsche zu hören, die Gott in uns gelegt hat? Ich merke, dass wir am Evangelium haarscharf vorbei leben, wenn wir die Theorie mehr lieben als die Praxis. Die Theorie kennen wir in und auswendig. Und wir verstecken uns dahinter, um nicht in Aktion treten zu müssen. Ich möchte nach kreativen Wegen suchen, meinen Glauben echt zu leben. (Ihr lieben Christen, versteht mich nicht falsch: alle diese Fragen stelle ich in erster Linie mir selbst. Ich bin mir bewusst, dass wir irgendwo einen Ankerpunkt brauchen. Aber wenn wir anfangen, unsere Hauskreise oder Gemeinden als Götzen zu verehren und nicht bereit sind, diese auch mal zu hinterfragen, dann manövrieren wir uns in die Falle).

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4. Sorry, dass Punkt 3 so ausschweifend war.

5. Weidenkörbe.
Hä? Was soll des jetzt?
Meine Freundin, Monika Nickel, ist eine begnadete Korbflechterin. Und sie war in meinem Team. Moni hat einige Stücke aus ihrer Kollektion zur Deko mitgebracht. Ich dachte zunächst: „Ok, Körbe. Toll. Gähn.“ Aber als ich dann ihre Werke sah, war ich schwer begeistert. Ich hab mich in die Formen und die Vielfalt ihrer Flechtwaren verliebt. Ich werde ab jetzt Deko nur noch bei ihr einkaufen (geht auch online!). Da weiß ich, dass alles liebevolles Handwerk ist und nicht irgendein China-Scheiß, den ich sonst in gängigen Dekoläden kaufe.

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3 Gedanken zu „Das war bärenstark.“

  1. „Haarscharf am Evangelium vorbei leben“ – das ist ein herausfordernder Gedanke! Danke, dass du ihn hier teilst. Und hallo überhaupt :-), ich bin seit einigen Wochen deine Leserin und freue mich, an deinen Gedanken und Geschichten teilhaben zu dürfen.
    lg, Mirjam

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