
Dem guten alten Goethe wird das Zitat zugeschrieben:
Mir gäb es keine größte Pein,
wär ich im Paradies allein.
Ob der Dichter diese Zeilen nun wirklich verfasst hat – hin oder her….Fakt ist: Das stimmt so nicht ganz. Zumindest nicht für den Teil der Bevölkerung, der seine helle Freude am Alleinsein hat.
Wäre Goethe ein introvertierter Zeitgenosse gewesen, er hätte gedichtet:
Ich – ganz allein im Haus
so sieht mein Paradiese aus.
Ich wage es kaum zu sagen: Die letzte Woche hatte ich kinderfrei. Die Mädels wurden von Oma und Opa bespaßt. Ich drehte komplett durch. Nein, nicht aus Sehnsucht nach meinen Kindern – obwohl ich sie sicherlich vermisste (vor allem in den Nachtstunden, wenn mich die Leere der Kinderzimmer bedrückte). Ich drehte durch aus lauter Freude über so viel unverplante Zeit und die damit einhergehende Freiheit.
WAS STELLE ICH NUR AN MIT ALL DIESER VIELEN ZEIT?
Ich glich einem Papagei, der allzu lange eingesperrt war und dessen Käfigtür nun sperrangelweit aufstand. Ein Vogel – zu lange in Gefangenschaft – ist erstmal überfordert und wagt sich kaum einen Schritt nach vorne.
Ok, der Vergleich ist arg krass, aber die Richtung stimmt.
Ich grübelte auf meiner Vogelstange hin und her, was ich tun sollte (nachdem ich die Kinderzimmer und die Küche einem Großputz unterzogen hatte und einen kompletten Schreibtag einlegte).
Ausstellungen? Konzerte? Kino? Wandern? Shoppen? Radikalschnitt beim Friseur? Paintball spielen? Ein Tattoo stechen lassen??
Ich trippelte nervös hin und her.
Und dann merkte ich: Ich will einfach nur daheim sein, mein introvertiertes Ich pflegen und genau das tun, worauf ich wirklich Lust habe.
Am Freitag verabredete ich mich mit einer Freundin am See. Wir quatschten uns die Seelen aus dem Leib. Schwammen eine Runde im kalten Wasser. Dann kochte ich ihr daheim ein Chana Masala und buk Haferflocken-Rosinen-Cookies. Am Abend verabschiedete sie sich und ich schaute „Der Teufel trägt Prada“.


Samstags frühstückte ich im Garten, während die Katze mir Gesellschaft leistete. Las ein bisschen. Dann trudelte meine Lieblingszeitschrift ein und ich probierte sofort den Sun Tea aus, der wirklich die sensationellste Eisteevariante ist, die ich nun kenne (Rezept siehe unten). Ich arrangierte ein paar neue Bilder an der Wand. Ging in die Bücherei auf der Suche nach Lesestoff. Verschlang diesen in meinem stillen Garteneck. Nähte ein bisschen an meinem Quilt und strickte ein paar Reihen und holte mir noch Stoff für Wer-weiß-was-für-Nähprojekte. Ich aß die Reste vom Chana Masala, trank einen Liter Eistee und war der glücklichste einsame Mensch der Welt. Abends schaute ich „Der große Gatsby“ – weil ich den Soundtrack so liebe.






Sonntagmorgen plätscherte Juniregen vom Himmel. Perfektes Wetter, um meinen Quilt fertigzustellen, der über ein Jahr lang mein Arbeitszimmer blockiert hatte. Das Mammutprojekt ist zwar mit vielen Fehlern behaftet, aber ich bin schockverknallt. Ich walkte durch den Wald. Las in meinen Büchern. Schob eine Pizza in den Ofen und wartete auf die Heimkehr meiner Familie.



So ein Introvertierten-Wochenende ist eine feine Sache, kann ich dir sagen. Ich hatte keine Sekunde das Gefühl etwas zu verpassen, sondern das schönste Leben zu leben, das ich mir vorstellen kann. In meinen vier Wänden und in meinem Garten.
Das ist Luxus, der nur selten ins Leben tritt. Aber wenn die Möglichkeit vor dir steht, dann greife sofort zu. Und wenn es nur eine Stunde, ein halber Tag oder ein Abend ist. Pflege deine introvertierte Seite, wenn du das gerade brauchst und kannst. Oder deine extrovertiertes Ich und mach so richtig Party.
Finde heraus, was dein Paradies ist. Und dann rocke es. Egal ob mit Quilten und Lesen oder mit Stagediving und Headbanging.
Rezept Sun Tea:
1 Liter Wasser
2 Beutel Schwarztee
1 halbe aufgeschnittene Bio-Zitrone
Etwas Honig, Agavendicksaft oder Ahornsirup
Ein paar Blätter frische Minze
Fülle das Wasser in einen Glaskrug. Gib Zitronen, Minze und Teebeutel dazu. Stell das ganze abgedeckt für drei bis vier Stunden in die Sonne.
Dann fisch die Teebeutel raus und süße das Ganze nach Belieben. Mit Eiswürfeln genießen!
I feel you. Bei mir wäre es so ähnlich. Ich würde lesen. Wenn mein Rücken es zulässt, ein bisschen an etwas häkeln, was nie fertig werden wird. Schreiben, bis alles vor meinen Augen verschwimmt. Kochen und Backen, Spazieren gehen und walken. Meine Kinder vermissen. Mir jemanden zum Reden einladen und mit irgendwelchen Getränken die halbe Nacht auf der Terrasse sitzen.
Nur leider sind meine nie so lange am Stück alle gleichzeitig weg. Das ist der Nachteil, wenn Großeltern so nah wohnen, dass man sie jederzeit kurz besuchen kann.
Ach Liebe, da hast du meinen Traum vom Paradies gelebt, wie schön! Davon träume ich seit Jahren und ich würde die Zeit ganz ähnlich füllen…da dies aber auf absehbare Zeit ein Traum bleiben wird, gehe ich jetzt und probiere das Eisteerezept aus. Das hört sich nämlich auch sehr fein an. Liebe Grüße
Traumhaft! Es sei dir von Herzen gegönnt! Wenn du noch einen Buchtipp zum Thema brauchst: Ich lese und höre gerade “ Introverted Mom“ von Jamie C. Martin – großartig!!!
Das passt gerade in meine Situation, denn für fast 3 Tage bin ich tatsächlich auch allein daheim. Nacher gehts mit zwei Freundinnen auf eine Radtour, doch ansonsten habe ich noch nichts geplant und mich stattdessen von Dir inspirieren lassen, einfach die Ruhe zu genießen, zu lesen, zu schreiben. Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, mal nichts zu tun (so ähnlich von Astrid Lindgren)
Das Bild des Papageis, der zuerst ziemlich überfordert ist damit, in der Freiheit zu sein, hat mich total angesprochen, weil ich mich ganz ähnlich orientierungslos verhalte, wenn ich „frei“ habe… ich brauch dann immer etwas, um mich zu sammeln. So wunderschön hast du deine Tage gefüllt! Der Quilt ist der Knüller!
Hätte dieser Blogeintrag nicht mit „Werbung“ gekennzeichnet werden müssen?
Die Zeitschrit, die Bücher, die Wolle und der Stoff sind erkennbar und gut lesbar.
Nein. Nur, wenn ich Produkte kostenlos für Werbezwecke zur Verfügung gestellt bekomme bzw. für Werbung Geld bekomme.