Bücher, Dankbarkeit, Familie, Garten, Gedanken

Leere Beete

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Es gibt Zeiten, in denen vernachlässige ich meinen kleinen Blog. So wie die letzten Wochen. Im Hinterkopf zieht und zerrt er an mir. Bei so vielen Gelegenheiten versuche ich Sätze und Bilder und Themen im Kopf abzuspeichern, aber sie zerfließen zwischen Alltagstrott und Müdigkeit. Vielleicht habe ich ja auch momentan nicht viel zu sagen, weil alle Schreibenergie in andere Projekte fließt?

Ein Teil meiner Energie fließt auf jeden Fall in unseren Vorgarten. Dort entsteht unser erstes ernsthaftes Gartenprojekt. Wir wollen hier ein Füllhorn an Schönheit, aber alles, was die Nachbarn momentan zu sehen bekommen, ist ein verschlammter Truppenübungsplatz.

IMG_3848Mit dem Haus erbten wir eine in die Jahre gekommene Ligusterhecke, Efeu, Efeu und noch mehr Efeu, Holunder und eine Tanne. Jetzt ist endlich alles platt gemacht. Als wäre eine ganze Armee darübergerollt. Die Erde liegt nackt da. Ich kann mir nicht im geringsten vorstellen, dass hier irgendwann Flieder und Lavendel und Rittersporn und Lupinen blühen werden. Aber das werden sie. Die Samen liegen still in ihren Päckchen. Die Ideen brüten im Kopf. Es wird erst wieder vorwärts gehen, wenn Zeit und Kraft und Wetter in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen. Das kann nächste Woche oder nächsten April sein. Was ich weiß: Hier wird etwas wachsen. Und es wird schön werden.

Aber alles, was wächst – egal ob Ideen, Blumen, Kinder, Glaube – kann ich niemals zur Eile antreiben. Ich kann nur ein paar Wachstumsbedingungen steuern. Das, was in unseren Herzen und Kindern und Gärten wächst, ist ein Geheimnis Gottes. Von seinem Geist angeregt. Von ihm gehegt und gepflegt. Mitten im Unkraut der Welt steht er, der große Gärtner. Er ist kein Vernichter, sondern ein Wiederhersteller, ein Bewahrer, ein Schöpfer. Ich stehe außerhalb, denn als Mensch ist es mir unmöglich, Wachstum aus eigener Kraft hervorzubringen. Den Samen lege ich in die Erde. Die Liebe zeige ich meinen Kindern. Worte und Ruhe füttere ich meinem Geist. Gebet spreche ich in leeren Raum. Unscheinbare Anfänge, immer und immer wieder von vorne. Etwas Neues wächst, bringt Frucht, stirbt. Ich dünge und jäte und ernte und beseitige am Ende das Abgestorbene. Damit wieder ein neuer Anfang stattfindet.

Jetzt hab ich doch mehr geschrieben, als ich wollte. Aber so ist das mit dem Schreiben – wenn ich den ersten Buchstaben tippe, weiß ich nicht, wohin mich mein Geist, meine Finger führen. Das Schreiben entzieht sich meiner Kontrolle und doch sitze ich jeden Tag am Schreibtisch und schmeiße Buchstaben wie kleine Samen in die Welt. Ob sie aufgehen und wachsen? Ich weiß es nicht und es ist gut, dass das Schreiben und Säen und Wachstum ein Geheimnis sind, das sich mir entzieht.

Es könnte sein, dass ich mich in nächster Zeit öfters mal rar mache, denn Kopf und Kalender sind voll mit guten Sachen, die Zeit brauchen. Es ist November: Geburtstage, Thanksgiving, Vorbereitungen für den Adventsmarkt, Abgabetermine, ein paar gestohlene Strick- und Leseminuten am Kamin. Was wir in diesem Monat lieben: Puzzles, Truthahn, klassische Kinderbücher (Matilda und Narnia), Sauerteig-Tortillas, Nebel, Kräutertee, Musik machen, New-York-Pläne schmieden, Elfer-Raus-Spielen, Fackelwanderungen, Nähen, Gemeinschaft mit unserem Hauskreis, Flanellhemden.

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3 Gedanken zu „Leere Beete“

  1. Deine Beschreibung eures Vorgartens ist für mich gerade ein Bild meines Lebens, meiner Lebenssituation und trifft tief in mein Herz. Da ist gerade so viel platt gemacht, rausgerissen, nackte Erde. Ich möchte daran festhalten, dass es wieder blühen wird, dass schon ganz viel Gutes im Boden schlummert, dass Gott der Wiederhersteller ist. Ich spreche in den leeren Raum und halte fest an den Zusagen, die Gott gegeben hat.

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