Das muss mal gesagt werden:

Wie kann es sein, dass unser christlicher Glaube größtenteils zu einem Dogma verkommen ist, das den Anderen ausschließt? Dieser Tage tobt ein Kampf darum, unseren rechtmäßigen Glauben wie ein gefährdetes Bollwerk gegen die Welt verteidigen und abschotten zu müssen. Als wäre es unser Job! Und es ist ein hässlicher Job, wenn ich mir z.B. Facebook-Kommentare unter den idea-Spektrum-Artikeln anschaue. Wenn ich Predigten höre, in denen es immer nur um MICHMICHMICH geht. Wenn ich in der christlichen Welt ständig mit angsterfüllten Aussagen bombardiert werde, wie gefährdet unsere Familien, unser christliches Abendland, unsere Werte sind.

Dieser Tage muss ich mich wieder selbst daran erinnern, dass ich die echte Gute Nachricht immer daran erkenne, wenn sie auch eine Gute Nachricht für den Zerbrochenen, Schwachen, Süchtigen, Armen, Andersgläubigen, Homosexuellen, Flüchtling ist. 

Angesichts dessen macht die Aussage von Jesus für mich ganz neuen Sinn:

„Nicht wer mich dauernd ›Herr‹ nennt, wird in Gottes himmlisches Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Matthäus 7, 21).

Jesus hat den Willen Gottes getan, in dem er sein Recht aufgab, Recht zu bekommen. Er hätte die Möglichkeit gehabt, seine Macht mit Pomp und Glanz und Getöse zu manifestieren. Stattdessen hat er den schmalen Weg gewählt, der dahin führte, dass man ihn seiner Würde, seines Rechts und seines Lebens beraubte.

Wenn ich heute den schmalen Weg wähle, dann gebe ich mein Recht aufs Rechthaben auf.

Wenn ich heute den schmalen Weg wähle, dann gebe ich freizügig anstatt meine Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Wenn ich heute den schmalen Weg wähle, dann lasse ich mich nicht von Angst leiten, sondern von Liebe.

 

 

10 Kommentare zu „Das muss mal gesagt werden:

  1. DANKE, Veronika! Ich fühle mich in letzter Zeit oft beschämt über das, was Christen so von sich geben… und getroffen und traurig. Heute morgen gelesen und berührt gewesen: „Mit der Zunge loben wir Gott, unseren Vater – und mit ihr verfluchen wir unsere Mitmenschen, die nach Gottes Bild geschaffen sind. Aus demselben Mund kommt Segen und Fluch. Meine Brüder und Schwestern, das darf nicht sein!“ Kann irgendetwas größer sein als Gottes Liebe und sein Erbarmen mit den Menschen? Wie können wir uns nur darüber erheben…

  2. Ich finde der Schöpfer hat eine gute Bedienungsanleitung – dazu will ich stehen – aber auch das gilt:
    Jesus ging nicht ans Kreuz um Recht zu bekommen, sondern das Sündern Barmherzigkeit widerfährt!!
    LG

  3. Liebe Veronika,

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich glaube dieser Podcast könnte dir auch gefallen: movecast. Mit genau solchen Gedanken und einer befreienden Theologie:)
    Liebe Grüsse nina

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