Toskana, Spartipps und Ja zum Leben sagen.

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Ich bin ein Reise-Snob. 

Wir waren zwei Wochen in der Toskana und natürlich mussten wir Florenz abhaken. Auch San Gimignano mit seinen 13 Geschlechtertürmen. Aber Pisa? Da rümpfte ich dann doch die Nase.
Pisa.Pfff.

Soll ich mich dem amerikanisch näselndem Reise-Pöbel anschließen und mich in dummer Pose vor dem Schiefen Turm fotografieren lassen wie 13 Zilliarden Touristen auch? Niemals. Ich mache um jedes Klischee einen kilometerweiten Bogen. (Als wäre Florenz kein toskanisches Klischee…..)

Als wir die Kinder fragten, was sie noch gerne sehen würden, kam aus der Pistole meiner 13-Jährigen geschossen: Den Schiefen Turm von Pisa! Nun tja. Man beugte sich ihrem Wunsch. Es gibt wahrhaft schlimmere Wünsche von 13-Jährigen. Ein Pferd zum Beispiel. Oder eine spontane Inflammation der Schule.

Interessiere dich für das, was deine Kinder interessiert! Das ist ein wirklich gutes Motto. Eines, das ich durchaus schon einige Male bereut habe. Ich bin ja gottfroh, dass sich meine Kinder nicht für Minecraft oder Programmiersprachen oder Make-Up-Tutorials begeistern. Das würde meinerseits einen enormen Kraftaufwand bedeuten, Interesse zu heucheln. Aber Pferde und Pisa: Da bin ich kompromissbereit. Auch wenn ich innerlich mit den Augen rolle, wenn ich mal wieder ausführlich (und damit meine ich AUSFÜHRLICH) den Unterschied zwischen einem Shire Horse und einem Friesen erklärt bekomme. Manchmal bedeutet Liebe eben auch, sich vom anderen geduldig langweilen zu lassen. 

Aber zurück zu Pisa. Ich glaube, du kannst anhand des Bildes erkennen, dass ich widerwillig mit ganzem Herzen dabei war. Denn die Stadt, mit der ich immer nur die deutsche Bildungsmisere in Verbindung brachte, eroberte mein Herz im Sturm. Ja, sogar der Schiefe Turm. 

Auch der Rest der Toskana, oder das, was ich von ihr sah und schmeckte und fühlte, eroberte mich: Der Naturstrand von Cecina, den man durch ein magisches Kiefernwäldchen erreichte. Die abendlichen Reitstunden meiner Töchter vor einer Postkartenkulisse. Das weltbeste Gelato in San Gimignano. Versteckte Trattorias (Trattaorien? Trattorii??) in Bergdörfern. Das Wiedersehen mit Florenz (ich hatte dort zwischen 1998 und 2001 viel Zeit verbracht). Eine Wanderung durch einen Wald und die Entdeckung einer kleinen Schlucht mit Wasserfall. 

Es waren aber auch die ganz einfachen Dinge, die mich seltsam beglückten. Eine abendliche Strandpromenade voller Familien und Kinder und Opas und Omas und herausgeputzten Teenies. Sie hielten Zuckerwatte und Gelato und E-Zigaretten in den Händen. Oder die Hand eines anderen Menschen. Mädchen und Jungs in eisverschmierten T-Shirts warfen Steine ins Wasser und spielten Fangen und die Kellner fädelten sich mit vollen Meeresfrüchteplatten geschickt um sie herum, während Romina Power und Al Bano Felicità ins Mikrofon schluchzten.

Das Leben quillt zurück auf die Straßen und Plätze und es will gelebt werden. Nach einer Pandemie und mitten in schwierigen Zeiten. Für ein wirklich gelebtes Leben braucht es keine Fahrt in die Toskana und keinen Ausflug nach Pisa und keine Ausritte und kein weltbestes Gelato. 

Dazu braucht es nur ab und zu ein Ja von dir. Ein Ja dazu, dein müdes Herz wieder etwas weiter zu machen. Dann folgt nämlich meist die Freude. 

Ein Ja zu einem senfkorngroßen Glauben, dass das Leben noch gute Dinge für dich bereit hat. Ein Ja zu einem spontanen Ausflug in die Eisdiele um die Ecke. Ein Ja zu peinlich-klischeehaften Dingen, denen du heimlich frönst. Und sei es eine alte Folge „Bergdoktor“. Oder eine Lobpreis-CD aus den 90er Jahren. Oder Felicità in voller Lautstärke.

Ich wünsche dir, dass du diesen Sommer ein paar Mal Ja sagst. Und das pulsierende, verwirrende Leben spürst. Seine wunderbaren Seiten, seine schmerzhaften Seiten. Dass du lange Sommernächte unter einem prächtigen Sternenhimmel erlebst. Und dich an einer Beerenernte satt isst. Dass du neue Eissorten ausprobierst. Und deinen Körper im Wasser spürst. Dass Sand in deiner Sandale reibt und du manch drängende Fragen lösen kannst. Dass du das Autofenster herunterkurbelst, wenn ein Feld gedroschen wird und du den Duft von Staub und Weizen einatmest und einen leisen Dank für die Getreideernte sprichst. 

Ein Ja zum Leben bedeutet nicht, das Schwere auszuklammern. Sondern sich immer wieder der Freude auszusetzen. Trotz allem.


What would Grandma Do?

Wir leben in einer Zeit, in der viele von uns umdenken und sparsamer leben müssen. Nein, ein frugaler Lebensstil ist kein fashionable Trend, sondern für viele von uns eine pragmatische Notwendigkeit (das schreibt die Frau, die gerade mit ihrer Familie in der Toskana weilte……schon ein bisschen ironisch, nicht wahr? Aber auch im Urlaub kann man die Ausgaben im Blick behalten.)
Vor einiger Zeit hatte ich meine Spartipps für die Family-Zeitschrift in einen Artikel gepackt. Ich will sie hier mit euch teilen.

Haushalt und Garten

  • Wochenkochplan erstellen mit günstigen Rezepten. Somit vermeidet man den Kauf unnötiger Lebensmittel.
  • Gemüse und Obst nur kaufen, wenn sie Saison haben.
  • Vorräte anlegen, wenn Lebensmittel im Angebot sind.
  • Eine Zeit lang nichts kaufen und nur die Vorräte aufbrauchen.
  • Weniger Fleisch konsumieren.
  • Brot selber backen.
  • Leitungswasser trinken (ein Wassersprudler tut gute Dienste).
  • Klassisch Kaffee kochen. Pads sind im Gegensatz zu Pulver teuer und belasten die Umwelt. Kaffeefilter gibt es auch als wiederverwendbares Sieb. Ebenso wie wiederbefüllbare Pads.
  • Eigenes Essen mit zur Arbeit nehmen.
  • Einen kleinen Garten anlegen mit leicht zu ziehendem Obst, Gemüse und Kräutern. Das ist sogar auf kleinster Fläche möglich. Wichtig: Man braucht keine teuren Materialien! Einfach mal nach alten Kisten und Gartengeräten auf ebay-Kleinanzeigen suchen.
  • Regenwasser zum Gießen sammeln.
  • Zum Putzen braucht man kein Putzmittelgeschwader (und schon gar kein teures!). Man kann sehr einfach aus Essig, Natron, Zitronensäure, Soda und Kernseife alle Putzmittel selbst herstellen.
  • Putztücher und -lappen aus alten Handtüchern und T-Shirts herstellen.
  • Gewaschene Wäsche an der Leine trocknen
  • Schnelle Dusche statt langem Bad

Kleidung

  • Es lohnt sich, das Reparieren von Kleidung zu lernen. (Dazu gibt es unzählige Youtube-Tutorials.)
  • Ausgebleichte und fleckige Kleidung kann man färben oder batiken. 
  • Kinderleggins mit löchrigen Knien in Shorts umnähen. 
  • Kleine Kleiderschränke verhindern das Ansammeln von überschüssiger Kleidung. 
  • Kleidung – vor allem Kinderkleidung – gebraucht kaufen auf Portalen wie Vinted, ebay Kleinanzeigen, momox fashion …
  • Billiger ist nicht besser! In hochwertige und zeitlos klassische Kleidung investieren (diese Stücke trägt man oft jahrelang).

Shopping allgemein

  • Bei jedem Kaufimpuls sich fragen: Brauche ich das wirklich? Oder möchte ich das gerade jetzt? (Diese Frage ist allgemein ein nützlicher Ratgeber in Kaufentscheidungen und verhindert viele Fehlkäufe!)
  • Allen Werbenewslettern und Influencern, die Produkte bewerben, entfolgen. 
  • Kataloge abbestellen oder direkt in die Papiertonne werfen.
  • Keine Verkaufspartys besuchen.
  • Bei notwendigen Neuanschaffungen Preisvergleichsportale im Internet nutzen. (z.B. idealo oder check24)

Urlaub und Freizeit

  • Wie wir im letzten Jahr gelernt haben: Es muss nicht immer ein exotisches Reiseziel sein. Ums Eck warten wunderschöne Gegenden, die erkundet werden wollen. 
  • Jugendherbergen, Hostels und Gästehäuser nutzen.
  • Haustausch ist eine billige Urlaubsalternative.
  • Günstige Freizeitaktivitäten mit Kindern nutzen: Wanderungen, Picknicks, Geo-Caching, Radtouren, Wildparks (sind meist günstiger als Zoos), Lagerfeuer, Besichtigung von Burgen und Ruinen …
  • Bücher, Magazine und Spiele in der örtlichen Bücherei ausleihen.
  • Auf längeren Fahrten ein Picknick einpacken statt an Raststätten zu essen und zu trinken.

Sonstiges

  • Gebrauchtes auf Verkaufsportalen verkaufen.
  • Geschenke und Karten selbst herstellen.
  • Stoffwindeln nutzen (sind im Schnitt günstiger als Wegwerfwindeln).
  • Mehr mit dem Fahrrad und den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
  • Ein Haushaltsbuch führen. 
  • Einmal pro Jahr Strom-, Wasser-, Kreditverträge und Internetanbieter prüfen. Vielleicht lohnt sich ein Anbieterwechsel? 
  • Ebenso: Regelmäßig einen Blick auf Krankenkasse und Versicherungen werfen. Wo bieten sich hier durch Kündigung oder Wechsel Sparmöglichkeiten?  

Auf meinem Nachttisch

The Four Winds von Kristin Hannah
Ich hatte Zilliarden Bücher mit im Urlaub. Aber nur zwei davon mochte ich. Den Rest brach ich nach wenigen Seiten ab (Ich bin kompromisslos. Mein Leben ist zu kurz für Bücher, durch die ich mich quälten müsste). Das Ergebnis: Ich hatte keine Bücher mehr, aber noch fünf Urlaubstage (wer von euch bibliophil veranlagt ist, versteht mein Dilemma). In Pisa stöberte ich in einem Universitäts-Buchladen und im hintersten Eck neben staubigen Shakespeare-Folianten stieß ich auf The Four Winds. Ich habe bisher alle Bücher von Kristin Hannah geliebt. Auch The Four Winds macht keine Ausnahme. Eine packende Erzählung über eine Frau, die in den 30er Jahren aus Texas vor der Dürre und den Sandstürmen nach Kalifornien fliehen muss. Das Buch klingt immer noch nach. (Gut, dass ich nach Pisa gefahren bin!)

Vom Aufstehen – Ein Leben in Geschichten von Helga Schubert
In kurzen Episoden erzählt Helga Schubert ein Jahrhundertleben. Poetisch, wortkarg, atmosphärisch: Von dem Leben in der DDR. Von der Wende. Der Flucht aus Hinterpommern. Vom Altwerden.
Meine Lieblingsstelle:
„Denn ich habe mir in meinem langen Leben alles einverleibt, was ich wollte an Liebe, Wärme, Bildern, Erinnerungen, Fantasien, Sonaten. Es ist alles in diesem Moment in mir. Und wenn ich ganz alt bin, vielleicht gelähmt und vielleicht blind, und vielleicht sehr hilfsbedürftig, dann wird das alles auch noch immer in mir sein. Das ist nämlich mein Schatz. Mein unveräußerlicher.“

Alles, was wir nicht erinnern – Christiane Hoffmann
Mein bisheriges Buch des Jahres! Christiane Hoffmanns Vater musste 1945 aus einem schlesischen Dorf fliehen. 75 Jahre später wandert sie den Fluchtweg nach. Sie verbindet geschickt das eigene Familienschicksal mit Weltgeschichte und mit den Begegnungen, die sie unterwegs erlebt. Als Betroffene hat mich dieses Buch sehr aufgewühlt und ich werde es auf jeden Fall noch einmal lesen.

Links der Woche

25 Rezepte für unter 25 Euro

20+ kreative Ideen für DIY-Geschenke

Punjabi Tribal People Discovering Cheesecake (mein neuer Youtube Lieblingskanal!)

Slow Living – Stormy Cozy Morning

How overstimulation is ruining your life

Ein Kommentar zu „Toskana, Spartipps und Ja zum Leben sagen.

  1. Liebe Veronika,
    Vielen Dank für deinen Blogpost!
    Der Abschnitt mit „Interessiere dich, wofür sich deine Kinder interessieren“ hat mich sehr angesprochen. Das ist auch mein Motto, aber es kostet soviel Kraft!!
    Denn Minecraft, Programmiersprache !!!!, Make-up Tutorials und Pferde sind die Themen meiner Kinder!!
    Manchmal möchte ich mir für 1Stunde ein Schild umhängen: „Vorübergehend geschlossen!“
    Es ist einfach sehr anstrengend, aber auch ein Geschenk, ein Zeichen dafür, dass die Beziehungen intakt sind, denn sonst würden die Teenager doch einen nicht so teilhaben lassen an Ihrer Welt. Oder sehe ich das falsch?
    Habt alle eine segensreiche Woche,
    Viola

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