Gedanken, Glaube

Von der Einsamkeit

Es ist seltsam und irgendwie unpassend über Einsamkeit nachzudenken, wenn man von Menschen umgeben ist. Von Menschen, die einen gern haben und nur das Beste für einen wollen. Trotzdem hat es sich in den letzten Wochen mein alter Freundfeind „Einsamkeit“ bei mir bequem gemacht. November ist für so einen Gemütszustand natürlich die prädestinierte Zeit.
Aber ich versuche tiefer zu graben. Denn sicherlich liegt es nicht nur an der Jahreszeit oder an mangelnden Begegnungen mit Freunden. Tagtäglich sind meine Kinder bei mir, mein Mann. Und ich trinke Kaffee mit Freundinnen, gehe abends aus.

Aber trotz allem. Da liegt ein Schatten über meinem Gemüt, der sich nicht durch Unternehmungslustigkeit und Geselligkeit vertreiben lässt. Ich kann es schwer benennen, aber ich glaube ich bin auf den Grund gestoßen: Es ist die Sehnsucht gesehen zu werden. Wirklich gesehen zu werden. Nicht nur das, was ich äußerlich bin, was ich kann und was ich präsentiere. Sondern auch mit all meinen seltsamen Kanten, düsteren Winkeln, Prägungen und all meinen Herzenswünschen. Es gibt wenige Menschen, die das können und ich erwarte es auch nicht. Denn es erfordert Mut zur Verletzlichkeit und Zeit und Ehrlichkeit. Von allem habe ich zuwenig und hätte gerne mehr, um selbst tiefere Beziehungen führen zu können.

Ich sehe all die Menschen in meinem Leben und wüsste oft gerne, was sie wirklich bewegt. Ob sie gerade mit dem Leben klar kommen. Ob sie mit sich selbst klar kommen. Aber oft hasten wir aneinander vorbei, aus Angst uns zu verletzlich zu machen und etwas in einen anderen Menschen investieren zu müssen. Aber genau das sind die Beziehungen, die ich führen will. Mit Mut und Ehrlichkeit und Offenheit und Lachen und Weinen. Und immer unter dem schützenden Dach der Gewissheit vom anderen voll und ganz geliebt zu sein.

Ich kann mich in meiner Sehnsucht immer nur an dem Einen orientieren. Der ohne Pomp geboren wurde. Der hilflos und einsam gestorben ist. Und der mir jeden Tag – auch besonders jetzt im November – zuraunt:

„Ich bin bei dir – alle Tage.“ 

 

 

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