Familie, Hausrenovierung, Renovierung

Sinniges und Unsinniges

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Ist die Woche schon rum? Vor zwei Minuten war doch erst Montag. Meine eigene Zeitrechnung trägt Siebenmeilenstiefel, mit denen sie unseren Aufgaben davon rennt. Wir klammern uns wohl oder übel an die Stiefel und lassen uns mitschleifen. Hier und da holen wir uns blaue Flecken, aber dann schütteln wir Staub und Schmerz ab und krempeln die Ärmel erneut hoch. Für Armin gibt es momentan nur Baustelle und Job. Ich frage mich ernsthaft, wie manche Männer das über längere Zeiträume hinweg überstehen. Gibt es danach ein Zurück ins Leben?

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Diese Frage tauchte die Woche über immer wieder in mir auf. Gibt es ein Leben nach dem Bau? Und vor allem: Wie wird dieses Leben aussehen? Wer werde ich in diesem neuen Leben sein? Mit einer neuen Umgebung treten ein neuer Rhythmus, neue Menschen, neue Möglichkeiten ins Leben. Ich werde ein eigenes Arbeitszimmer besitzen. Mein ganz alleiniger Raum, in den ich mich zurückziehen kann! Hier kann ich schreiben, träumen, aus dem Fenster starren und Nähsachen liegen lassen (bisher hatten wir nur unseren Esstisch für Kunst- und Handarbeitsprojekte). Vielleicht komme ich sogar mal wieder zum Malen oder zur Foto-Bearbeitung?

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Bis Mitte der Woche war ich mit meinen hoch-emotionalen Kindern schwer beschäftigt. Mittwochmorgen wanderten meine Nerven nach Mexiko aus und ich verprügelte ein paar Sofakissen, während mein Mann kopfschüttelnd neben mir stand. Dann nahm er mich stumm in die Arme. Die malträtierten Kissen sahen mich vorwurfsvoll an. „Ich kauf eh neue!“ schnauzte ich sie an. Donnerstag beruhigte sich der Sturm und heute herrschte stille Flaute. Ich hatte sogar nachmittags Zeit, mich mit einer Tasse Tee unter unsere Weide zu stellen und den Bienen zuzuhören, die den Baum umschwirrten. Während eine Amsel flötete, verpasste ich Josefines Bett den letzten Schliff. Jetzt muss ich endlich nur noch mit dem Türenstreichen fertig werden und dann werde ich mit dem Umzugskistenpacken beginnen.

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Morgen möchte ich ein unsinniges Kräuterbeet vor dem Haus anpflanzen. Unsinnig in den Augen meines Mannes. Ich sollte doch lieber Tapeten ablösen. Oder im Keller eine weitere Tür streichen. Aber ach, wenn ich nur immer das täte, was gerade vernünftig ist, dann flösse das Leben gerade so aus mir heraus.

Habt ihr Projekte, die euch begeistern? Bücher, die euch fesseln? Menschen, die euch gut tun? Fühlt ihr euch dort daheim, wo ihr lebt? Wer seid ihr in eurem jetzigen Leben? Liebt ihr den Ort, an dem ihr lebt? Und was macht ihr am Sonntag?

6 Gedanken zu „Sinniges und Unsinniges“

  1. Du Liebe 💓. Unsere Nerven waren diese Woche wohl zusammen in Mexiko. Meine hatten das Leben hier nämlich auch satt. Und dabei habe ich nicht mal einen Hausbau am Hacken, nur Familienwahnsinn und Strohwitwen-Alltag mit drei Kindern.
    Und ja – die Männer überleben diesen Wahnsinn. Ich kann mich auch noch mit Schrecken an die Zeit erinnern, als mein Mann vom Büro zur Baustelle fuhr. An Ende waren wir platt und ganz ehrlich- wir brauchten ein paar Monate, um uns als Paar wiederzufinden – aber letztlich hat auch das uns nur stärker gemacht.
    Lustig- eine deiner letzten Fragen, die stelle ich meinen Lesern heute auch, die nach den Büchern. In guten Zeiten lese ich alles mögliche, historische Romane, Biografien, jede Menge pädagogisches, Kurzgeschichten, göttliche Alltasgeschichten und Sachbücher. Und die Bibel versuche ich täglich in die Hand zu nehmen. Wenn ich ausgebrannt bin und nicht mehr geht, möchte ich seicht versinken und greife zu Fantasy. Am liebsten Dark-Fantasy.
    Am Sonntag sitze ich hoffentlich mit den Chroniken der Unterwelt und Kuchen in der Sonne und kuriere meine spätwinterlichen Verstimmungen und davor war ich vielleicht im Gottesdienst.
    Liebe Grüße und viel, viel Kraft!!! Alles wird ganz wunderbar werden. Ich verspreche es dir!!! All das lohnt sich. Du baust etwas, von dem du Jahrzehnte zehren darfst.

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  2. Guten frühen Morgen! Du willst es ja nicht anders- also los: nein, ich lebe nicht gerne hier und fühle mich nicht richtig hier ( Speckgürtel um Bank und Finanzzentren ziehen ein ganz eigenes Publikum an…), aber es ist der Ort an den ich gestellt bin, so I try my very best. Aber dieses irre kleine Haus hier mit seinen irren Einwohnern, das liebe ich wirklich von Herzen. Ich bin über ein Juwel gestolpert: Im Meer schwimmen Krokodile von Fabio Geda und empfehle es gerne weiter.
    Und am Sonntag feiern wir 87 Jahre Opa. 87! stell dir nur vor. Und er wird uns und seine drei anderen Söhne nebst Familien in dasselbe scheußliche Schnitzellokal schleifen, wie in jedem Jahr. Irgendwann hat er mir erzählt, von Abenden mit seiner Frau in genau diesem Lokal, als der Familienalltag mit vier Buben sie manchmal in den Wahnssinn trieb. Und das es der einzige Ort ist, der sich in den letzten vierzig Jahren nicht verändert hat, nicht die Spur, sogar die Karte ist die Gleiche. Er vermisst sie so sehr, seine Frau. Und die Sehnsucht nach etwas Beständigkeit in dieser Welt, die so stark auf Veränderung aus ist, kann ich verstehen, je älter ich werde, desto besser. Und es rührt mich auch sehr. Ich habe Stoff gekauft, ein wenig. Das muss doch zu schaffen sein, mit dem Nähen lernen, zumindest ist es ein kleines Frühlingsprojekt. Das Bett sieht toll aus! Und ich liebe die Leggins vom letzten Mal. Alles Gute euch und warme Frühlingssonne im Nacken. Liebe Grüße aus Rheinhessen

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  3. Mein Ort, wo ich ICH bin, ist der Garten. ENDLICH hab ich wieder einen — nach vier Jahren unbefriedigender Kübelgärtnerei auf Nachbars Garagendach, Fensterkästen, Gartentipps im Blog (und tiefgekühlten Gartenträumen).
    Der erste Plan, nachdem ich begriffen hatte, dass ich tatsächlich wieder eigene Beete habe, war: wie bepflanze ich einen KÜBEL so mit Stauden, dass übers ganze Jahr was blüht?
    Dann ist mir aufgefallen, dass ich ja gar nicht mehr so begrenzt denken muss, ich habe Platz! Viel! Jetzt plane ich groß. Es ist wunderbar. Meine Füße sind auf weiten Raum gestellt.

    p.s.: Sag Armin, dass Kräuterbeete nie unnütz oder unsinnig sind. Sie haben therapeutische Wirkung.

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  4. Ich würde sagen, es gibt ein Leben nach der Baustelle, aber noch besser ist auch eines währenddessen ;-). Allerdings seid ihr natürlich jetzt gerade in einer heißen Phase….Als wir unser Haus gekauft haben ging es uns genauso, oft ging mein Mann sofort nach der Arbeit zur Baustelle und ich durfte zu Hause unsere beiden Mädchen hüten, sie waren noch sehr klein. Allerdings: Alles, was zu diesem Zeitpunkt schon erledigt wurde, hast du später nicht am Hals. Wir konnten damals unser Badezimmer wegen zu geringem Budget noch nicht renovieren, das können wir erst jetzt, 20 Jahre später und dies bedeutet nun „Leben inmitten einer Baustelle“, und es dauert leider….Deshalb lebe ich jetzt also auch während der Baustelle. Meine besondere Passion ist derzeit das Backen mit richtigem (frischen) Sauerteig, ich bin ganz begeistert. Liebe Grüße und haltet durch – es wird alles wieder und dann habt ihr ein tolles Heim!

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