Familie, Gedanken

Erste Spuren

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Nun liegt es da, das neue Jahr, wie der frische, jungfräuliche Schnee, der heute alles sanft zugedeckt hat. Ich liebe das Nicht-Geräusch, das Schneeflocken machen, wenn sie zur Erde schweben. Und ich liebe unberührte Schneedecken. Am allerliebsten mag ich es, den ersten knirschenden Schritt in den Schnee zu setzen. Ich bleibe stehen und genieße das Gefühl, dass ich die erste bin, die ihre Spuren hinterlässt.

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Erste Fußstapfen bahnen sich einen Weg. Ich gehe zögerlich. Mit einem Gefühl der Unsicherheit. Die Zukunft liegt weiß vor mir. Ich sehe überhaupt nichts. Erkenne nicht, wie es weitergehen wird mit dem Schreiben, dem Fotografieren, dem Haus, mit mir, mit uns. Ich spüre die Last des Älterwerdens, die lauernden Abschiede, meine Einsamkeit. Wo ist sie hin, die Verspieltheit meiner Jugend, die Leichtigkeit der frühen Jahre? War das Leben jemals leicht oder spielt mir die Erinnerung einen Streich?

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Heute erwarteten wir spontan angekündigten Besuch von einer Freundin, die ich seit über einem Jahrzehnt nicht gesehen hatte. Mittlerweile haben sie und ihr Mann vier Kinder. Ich stellte  vorfreudig schnell einen großen Topf auf den Herd und füllte ihn mit Erbsen, Gemüse, Nudeln und Würstchen. Dann schnippelte ich einen Obstsalat für eine ganze Kompanie und kochte Tee. Ich überlegte ernsthaft, mit Staubsauger und Fensterputztuch durchs Haus zu fegen, um alles perfekt zu haben. Da musste ich mich selbst auslachen. Draußen fiel Schnee, herrlicher erster Schnee. Ich hörte die Kinder im Freien jauchzen. Und ich wollte mal wieder so schrecklich erwachsen sein und staubsaugen?

Schnell zog ich eine alte Winterjacke über, holte zwei Schneemannnasen-Mohrrüben aus dem Kühlschrank und lief nach draußen. Der Schnee war bereits zertrampelt. Tausend Spuren, zwei halbfertige Schneemänner, Kinder mit knallroten Backen, verwirrte Katzen. Der Nachbarsjunge warf einen Schneeball und entfesselte damit eine epische Schlacht. Ich lachte. Und wischte mir den nassen Schnee von der angelaufenen Brille.

Keine Ahnung, was kommt. Aber ich will mich in den Schnee schmeißen, ihn mit tausend Lebensspuren übersähen, Sorgen ins Haus sperren und vertrauensvoll in die Zukunft laufen.

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5 Gedanken zu „Erste Spuren“

  1. Ich habe dein Buch „Heiliger Alltag“ zu Weihnachten bekommen. Danke sage ich dafür nicht nur meinem Mann,der’s mir geschenkt hat. Sondern vor allem Dir. Bin Mama von zwei kleinen Kindern und wenn ich mein Baby gestillt hab oder endlich abends alle schliefen habe ich in kleinen Etappen gelesen. Es tat mir SO gut. Ich habe mich so verstanden gefühlt und auch getröstet. Dass es gut und richtig ist, so wie es ist. Dass ich nicht besser, außergewöhnlicher oder frommer sein muss, weil es genügt. Und weil Gott im Herzen da ist und in jedem Lachen meine Kinder und in jedem Sonnenstrahl. Danke Veronika.

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