Aufatmen im Advent, Familie, Weihnachten

Advent, Advent, mein Kopf ausbrennt…

Lieber Advent,

es ist mal wieder soweit. Du hast noch gar nicht richtig angefangen und ich pfeife bereits aus dem letzten Loch. Gerade springen vier überzuckerte Kinder um mich rum und tragen zur Vergrößerung des Alltags-Chaos bei. Ich habe vorhin mit ihnen Plätzchen gebacken. Und gestern habe ich einen Kindergeburtstag gewuppt. Ich habe ihn zwar völlig basic gehalten, aber zwei Kindergeburtstage in der Adventszeit sind echt der Supergau für den Multi-Tasking-Verweigerer.

Überhaupt Zucker. Bist du des Wahnsinns, unsere Kinder mit dem Gift tagtäglich kiloweise zu bombardieren? Heute reicht ja ein Stück Schoki aus dem Adventskalender nicht mehr. Neeeeeiiiiiin….es muss ja gleich die doppelte Milka-Lindt-Kinder-Christmas-Edition sein. Dreifach. Weil Opa und Tante ja dem armen Kind ja auch noch was schenken wollen. In jedem Geschäft, auf jedem Markt, in der Schule – überall werden die lieben Kleinen zugeschüttet. Und Nikolaus war noch gar nicht da. Mir graut davor. Besonders vor der vorwurfsvollen Frage meiner lieben Kleinen, warum sie NUR einen Schoko-Nikolaus und ein paar Plätzchen bekommen haben und alle anderen tolle Geschenke. „Warum ist der Nikolaus so ungerecht, warum Mama??“ (Damit ihr keine verzogenen, materialistischen Gören werdet, die den Wert einer Gabe nicht mehr würdigen können – Darum!!)

Lieber Advent, und was ist mit den tausend Feiern? Jeder muss auf Biegen und Brechen feiern. Dieser Verein und jener Verein, der Kindergarten, die Schule, die Anonymen Alkoholiker, die Gewerkschaft, der Hauskreis, die Bürgerwehr, die Kleintierzüchtervereinigung. Mein Kalender ist so voll, dass ich ihn am liebsten in den Müll werfen würde.

Wie wäre es, lieber Advent, wenn ich deine trügerische Seite boykottiere? Die Seite, die aus Lärm und Hektik, Konsum und überzogenen Erwartungen besteht?

Lieber Advent, ich will nicht mit dir Schluss machen. Aber wir müssen unsere Beziehung auf eine andere Ebene stellen. Ich will deiner leisen Seite mehr Glauben schenken. Manchmal meine ich fast, du flüsterst mir zu: „Jetzt setz dich doch mal bitte zu mir. Sieh dich um. Atme. Und werde still. Schau auf den, der kommt.“

Weniger, weniger, lieber Advent.

Und so werde ich heute Abend Hauskreis schwänzen. Das Thema des Abends? Lebenstempo.

Ich will nichts drüber hören. Ich will es drosseln. Das Lebenstempo.

Und ankommen.

Bei dir, lieber Advent.

Deine ausgebrannte Verehrerin

 

 

3 Gedanken zu „Advent, Advent, mein Kopf ausbrennt…“

  1. Liebe Veronika,
    eine Freude zu lesen, wie du es immer wieder schaffst, den Alltag der Mütter in Worte zu fassen. Herrlich zu lesen und so ehrlich und gleichzeitig wundervoll und nachdenklich. Haben wir doch alle die Sehnsucht den Advent ruhiger, stiller, und leiser anzugehen. Wenn nicht heute – wann dann?
    Danke für die Erinnerung und Änderung des Blickwinkels.

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  2. Tja, der Nikolaus … ehrlich? Ja, wir unterwerfen uns dem Geschenkewahn, denn auch hier ist der Nikolaus ungerecht, wenn er allen anderen Geschenke und unseren Mädels nur eine Clementine und einen Schoko-Nikolaus bringt. Und trotzdem freuen sie sich immer noch wie zwei Schnitzel darüber. Es gibt schlimmeres.
    Für uns ist wichtig, dass wir im Advent die Sonntage komplett zusammen verbringen (mit zwei angehenden Teenagern keine Selbstverständlichkeit!) und in dieser Zeit positive gemeinsame Erlebnisse schaffen. Das gelingt uns ganz gut und hilft, dem Alltagsgerenne ein Stop-Schild entgegenzuhalten. Mein ganz persönlicher Stop findet mittags statt, wenn ich auf dem Weg nach Hause ein paar stille Minuten in einer der viele Kirchen Würzburgs einlege und mich für eine kleine Weile aus dem Stress ausklinke.
    Euch eine ganz gesegnete Adventszeit und viel Erholung mit dem richtigen Blick auf das, was Euren Werten entspricht.

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