Mist, ich bin anfällig für Freizeitstress

Der Wert eines Wochenendes: In den letzten zwei Tagen völlig neu entdeckt.

Während die Woche voll war mit außerschulischer Aktivität und Freundes-Verabredungen und Hausaufgaben und Geschwisterstreitigkeiten und kalten frühen Herbstmorgen, fühlte sich unser Wochenende wie ein Mini-Urlaub an.

Freitag mittag stieg eine (schul-)müde Amelie die Treppe hoch und ich rief ihr aus der Küche zu: „Schmeiß den Ranzen in die Ecke, vergiss die Hausaufgaben, es ist Wochenende, ich habe Apfelklöße mit Vanillesauce gemacht!“ Ihr Gesicht leuchtete auf und ich fühlte mich zurückversetzt in meine eigene Schulzeit als Freitag-Mittage sich wie eine massive Erlösung anfühlten.

Unser ganzes Wochenende fühlte sich wie eine Erlösung an. Unsere Lebenschnelligkeit erlahmte. Es war unendlich viel Zeit zum Playmobilspielen und Ausschlafen. Zum Basteln und Pilzesuchen. Zum Kochen von Rehbraten und Vorlesen. Zum Telefonieren und Kürbisglotzen. Kaum Geschwister-Streitigkeiten. Viel Raum zum Sein.

Ich hatte mir immer fest vorgenommen, nie (wie andere Eltern!) in die Falle „Freizeit-Stress“ zu tappen. Wie das so ist mit guten Vorsätzen, sie gehen mal ganz schnell vor die Hunde, wenn die Realität zuschlägt. Nun frage ich mich, wie wir unsere Wochentage entzerren können. Amelie geht seit einem Jahr zum Flöten und hat richtig Spaß daran. Nun will sie auch zum Fußball-Training. Praktisch, da wir genau neben dem Fußballplatz wohnen. Josefine hat mit Ballett angefangen, da sie Musik und Tanz liebt (Heute lief beim Mittagessen Bach und Josefine meinte verzückt: „Bei der schönen Musik vergesse ich ganz das Essen!“). Und dann sind da noch die täglichen Bestürmungen, wer denn HEUTE zu Besuch kommen könnte. Ich merke, dass ich öfters die Bremse ziehen muss, weil uns Tage daheim – die wir nur als Kernfamilie daheim verbringen – gut tun.

Ich muss auch hier konsequent sein und meinen Kindern Grenzen für ihre Freizeitplanung aufzeigen. „Heute nicht.“ Das werde ich wieder öfter sagen müssen. Nicht um meine Mädels zu ärgern, sondern um ihnen Raum für Ruhe und Entfaltung zu schenken.

Ruhe und Entfaltung finden nicht zwischen Fußballplatz und Ballett und Flöten und Verabredungen statt. Sondern im Vorrat von unendlich viel Zeit und Spiel und Zuwendung. Das kann mir kein Trainer abnehmen. „Heute nicht“ ist meine ganz neue Verantwortung, in die ich erst lernen muss hinein zu wachsen.

Jetzt noch ein paar Bildchen vom Wochenende (wem es noch NICHT aufgefallen sein sollte, es ist Herbst und ich befinde mich in äußerst vergnügter Kürbislaune).

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6 Kommentare zu „Mist, ich bin anfällig für Freizeitstress

  1. Wie immer wow! Wo gibt es denn so tolle Figuren aus Kürbissen?
    Tolle Fotos. Deine Gedanken zu mehr Familie, weniger Zertreuung kann ich nur bestätigen.
    Aber es ist ein schwer zu schützendes Gut. Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Beitrag und frage mich dann wahrscheinlich wie meistens, wie Du es schaffst, meine Gedanken in so schöne Worte zu kleiden. Weiter so! Susanne

  2. ui Ludwigsburg… da war ich auch schon…
    Könnte ich mal das Rezept für Apfelklösse haben bitte 😉 Wir haben nämlich eine „leichte“ Apfelschwemme…
    Das Nichtstun ist das schönste am Herbst (auch wenn für mich Kochen die abgewandelte Form von Nichtstun ist…)

  3. Und deine Töchter haben wohl auch im Stroh gespielt, wie das letzte Bild verrät!
    Wir waren letztes Jahr in LuBu und es war ebenfalls ein wunderschöner Herbstsonntag mit viel Sonnenschein – und leider auch vielen Leuten. Aber dennoch toll 🙂 IN diesem Jahr ist es einfach zu weit weg für uns (wenn man in Afrika wohnt).
    Und was Du über den Freizeitstress schreibst ist ja so wahr. Wir haben hier gerade sehr viel Entzerrung und Familien-Kernzeit. Ich bin gespannt, ob es auf Dauer so gut ist, wie derzeit noch der Fall… Aber im Moment fühlt es sich genau richtig an und tut den Kindern echt gut.
    Viel Erfolg bei der Umsetzung!

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