Aufatmen im Advent, Familie, Gedanken

Leuchten!

Abendessenzeit. Armin trifft sich heute mit einem Freund und ich bin alleinige Löwenbändigerin. Die Linsensuppe blubbert auf dem Herd und wird am Ende nur von mir gegessen, begleitet von übertriebenen Hmmmm-Lecker-Geräuschen. Ein Kind setzt sich auf den Boden und sucht nach verlorenen Bügelperlen. Das andere Kind entschwindet für längere Zeit aufs Klo und übt dort lautstark die türkische Version von Happy Birthday. Dann entbrennt ein Geschwisterstreit über die Brombeermarmelade. In dem Moment mag ich nicht mehr. Ich habe heute schon genügend Auseinandersetzungen und Empfindlichkeiten und superdringende Bedürfnisse aufgedröselt. Außerdem war der Terminkalender in letzter Zeit sehr voll. Das Erfolgsrezept für zerrüttete Nerven bei Müttern seit Erfindung des Menschen.

Hatte ich echt noch vor zwei Tagen den brennenden Wunsch ein afrikanisches Waisenkind zu adoptieren? WIRKLICH? Wie machen das andere Mütter mit mehr als zwei Kindern? Nehmen die Drogen? Oder greifen die heimlich zur Flasche? Oder sind andere Mütter innerlich stabiler gebaut als ich?

So, jetzt muss ich bei den Kindern kurz mal Licht ausmachen(Hahaha, hab ich „kurz“ geschrieben??). 

Bin zurück. Es lief gnädig ab. Ohne Tränen und Verzögerungstaktiken. 

Ach, was schreib ich heute für einen Schmarrn. Wenn ich das hier durchlese, dann merke ich, dass es nicht meine Kinder sind, die mich so stressen. Sondern meine Ansprüche an die Adventszeit, der volle Kalender, die übervolle Ablage, die noch zu besorgenden Geschenke, die Ansprüche an meine Kinder. Sobald ich ins Hamsterrad steige und losrenne, wächst mit jeder Umdrehung mein vermeintliches Recht auf funktionierende Kinder. Je schneller es sich dreht, desto reibungsloser muss der Alltag laufen. Aber es ist Sand im Getriebe, die Kinder streuen es unbewusst hinein. Halt an, Mama. Steig aus. Verbring Zeit mit uns. Lass doch die blöde Wäsche. Wir freuen uns auch über gekaufte Plätzchen.

Heute morgen hatte ich die Idee, mir ein Leitwort für die Adventszeit zu wählen. Ich saß für drei besinnliche Minuten vor einer brennenden Kerze und ich grübelte, welches Wort denn im Moment für meine Situation passend wäre. Und während ich noch ins Licht starrte, wurde es mir klar: Leuchten.

Ich will leuchten, ein Licht sein, Wärme geben. Nicht weil ich so ein besonders superfreundlicher Mitmensch bin. Oder besonders heilig. Sondern weil diese Welt ein verdammt dunkler Ort ist. Jede noch so flackernde Lichtquelle ist Hoffnung und Heilung. Mein Licht war heute wirklich extrem dürftig und klein. Aber ich will es trotzdem vor mir hertragen. Voller Mut hinein in die Welt, die direkt an meiner Wohnzimmertür beginnt. Ein freundliches Wort, geduldiges Warten auf das trödelnde Kind, das Streichen unnötiger Termine, sich selbst vergeben, Lachen, füreinander beten, nachfragen. Leuchten!

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7 Gedanken zu „Leuchten!“

  1. Hallo,
    Ich bin beeindruckt. Wie es Dir heute erging kann ich gut nachvollziehen. Nur fand ich heute gerade wenig erhellendes. Vielen Dank! Auch wenn man das alles weiss. Weniger Perfektion in Allem, mehr Zeit für die Kinder. Manchmal bin ich einfach nur froh Feierabend zu haben. Aber solche Texte helfen dann ein wenig aus den trüben Gedanken.
    Liebe Grüße Mia

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  2. Ich schaffe es manchmal noch nicht mal für mich selbst zu leuchten, und das obwohl ich auch „nur“ zwei Kinder habe. Aber dein Blog hilft mir sehr, für mich leuchtest du sehr hell, denn das was du schreibst macht mir immer viel Mut und gibt mir ein klein wenig neue Kraft ! Danke, danke, danke!

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  3. Hallo. Ich kann mich Claudia nur anschließen. Ich lese Deinen Blog unglaublich gerne, ich freue mich immer riesig über neue Posts. Danke, dass du diesen Blog schreibst. Ich finde dich großartig.

    Das wollte ich mal los werden 😉
    Jenny

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  4. Liebe Vroni,
    So geht es mir auch öfters und ich habe
    „nur“ ein Kind – naja wenn man meine
    vom altergezeichnete Mama mitzählt dann
    Zwei 😉
    Deine Texte sind immer inspirierend! Prima
    Danke!
    Lg aus der alten Heimat!

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  5. Liebe Veronika,
    du hast eine besondere Begabung Dinge auf den Punkt genau benennen zu können und es dann auch noch ansprechend in einen Text zu „verpacken“. Ganz ganz toll! 🙂 Danke dafür.
    Ich weiss nicht, ob du es heute so erlebt hast. Aber mir ging es gestern ganz genau so und ich bin heute „ausgestiegen“. Hab meine „ach so dringende Arbeit“ liegen lassen und mich mit den Kids hingesetzt, gebastelt und mit ihnen auf dem Fussboden im Kinderzimmer einfach nur gespielt was sie wollten. Den ganzen Nachmittag! und ich hatte zwei so dermaßen enstpannte Kinder heute abend ins Bett zu bringen…..das war so eine Wohltat. Für alle! Die Beiden waren so zufrieden und ich fühlte mich auch gut…fühl mich gut. Viel ruhiger und weniger gehetzt.
    Danke, dass du das so schön in einem Text verfasst hast..für mich war das heut punktgenau passend! 😉

    Auf dass dein Licht mit der Zeit größer wird und du viele ruhige Minuten genießen kannst!
    Liebe Grüße, Maike

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  6. Dieses Jahr hat mich der Advent völlig auf dem falschen Fuss erwischt – er kam so ÜBERRASCHEND! Eben noch Herbst und plötzlich Dezember! Nasowas. Ich hab jetzt eine TodoListe erstellt mit Dingen, die ich dieses Jahr NICHT mache. Zu oberst steht (mit tränenverschmierter Tinte): Adventskalender für meine zwei Lieblingsfreundinnen, meine zwei Mädels, meine zwei Patenjungs, und für mich. Das hab ich bereits abgehakt. Schweren Herzens, aber eben – nächstes Jahr kommt wieder ein Advent!

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  7. Ihr Lieben,

    ich würde so gerne jedem einzelnen antworten! Aber momentan ist die Zeit wenig und die Aufgaben viel. Trotzdem wollte ich euch sagen, dass ich mich über jeden Kommentar riesig gefreut habe und mich total ermutigt fühle!!
    Wünsche euch eine wunderbare und gesegnete Adventszeit!
    Veronika

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