Aufstehen, Krone richten, weiter

„Kannst du dich selber eigentlich gerade leiden?“Image

Diese Frage stellte mir letzte Woche meine Schwester, nachdem wir uns zwei Tage mal mehr, mal weniger in den Haaren lagen. Die Frage erwischte mich kalt. Mir schossen Tränen in die Augen, denn die Wahrheit traf mich hart. „Nein. Nein, ich kann mich gerade selbst NICHT leiden.“

Mit dieser Frage öffnete sich in meiner Gefühls-Verstrickung ein Tor, durch das Erleichterung herein strömte. Endlich konnte ich den Finger auf den Punkt legen, der mich seit Monaten quält und den ich bisher nicht benennen konnte oder wollte: Ich mag mich gerade selbst nicht. Ich fühle mich als Versager, als schlechte Mutter, als schlechte Freundin. Das ist echt hart, das gerade aufzuschreiben und ich will damit jetzt nicht auf Mitleids-Tour gehen. Ich brauche die Wahrheit. Die Wahrheit, was gerade in mir los ist. Und auch die Wahrheit über mich.

Die Wahrheit in mir: Du bist eine Versagerin.

Die Wahrheit über mich: Du bist geliebt, wie du bist.

Zwischen diesen zwei Wahrheiten herrscht ein Kampf um die Vormacht-Stellung. Und ich lerne: es kann nur dann die zweite Wahrheit gewinnen, wenn ich mich aus meiner Höhle heraus wage. Wenn ich anfange, mich ehrlich anzusehen. Wenn ich mich Freunden und meinem Mann anvertraue. Wenn ich um Hilfe und Trost und Ermutigung bitte. Das fällt mir so schwer, denn ich bin ein Typ, der es alleine schaffen will. Ich bin so ungern auf andere angewiesen. Aber vielleicht hat Gott in uns das Versager-Gen eingebaut, gerade dass wir aufeinander angewiesen sind und ehrliche Gemeinschaft leben? Und dass ich auf IHN angewiesen bin, immer und immer wieder – der mich mit meiner Impulsivität, mit meiner Lautstärke und meinen Eigenheiten geschaffen hat.

Ich glaube, dass in unserem Schmerz gleichzeitig soviel Trost liegt. Das erfahre ich gerade in dieser Sekunde, während ich das hier schreibe. Trost fängt dann an, wenn ich mich öffne und Licht und Luft an mein Gefühls-Chaos lasse. Nach dem Trost folgt Heilung. Und Heilung ist nichts Einmaliges. Es darf und muss immer und immer wieder passieren.

Hinfallen, aufstehen, Krone richten (lassen), weiter.

 

 

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