Gedanken, Haushalt

Der Kobold und wie wir ihm das Maul stopfen müssen

Ich muss gerade noch schreiben. Ist zwar schon spät und ich weiß: morgen werde ich es bereuen und mir wünschen, ich wäre drei Stunden eher zu Bett gegangen. Egal, die Worte müssen raus.

Wir hatten gerade noch Hauskreis (für die nichtfrommen Leser: ca. 10 Leute besetzen jeden Donnerstag unsere Couch, krümeln alles mit Chips voll, singen halb-peinliche Lieder, erzählen Persönliches aus ihrem Leben, beten, reden, diskutieren, heulen, lachen). Während meine Christen-Freunde gerade mitten in einer kontroversen Diskussion steckten, habe ich mich umgesehen. Und gedacht: Eigentlich sind wir auch nicht anders als die anderen. Die Themen drehen sich oft um Job, Kinder, Ausbildung, Burn-Out, Krisen, Unsicherheit, Angst. Immer und immer und immer wieder. Manchmal verdrehe ich innerlich die Augen: Sollten wir nicht schon viel weiter sein?

Meine Freundin Chrissi war heute auch da. Sie sitzt immer neben mir, was mittlerweile zur Eintrübung meines linken Gehörgangs geführt hat. Sie lacht laut, sehr laut. Sehr sehr sehr laut. Ich liebe ihr Lachen, denn es ist immer ein wildes „Trotzdem“! Aber vielleicht hatte ich schon vorher einen Gehörschaden. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass das stundenlange Verweilen bzw. Tanzen auf Disco-Boxen zu Taubheit führen kann.

Ich schweife ab. Eigentlich wollte ich euch Chrissis Lieblingswort verraten. Sie erwähnt gerne den „inneren Antreiber“. Ich mag dieses Bild: Als würde ein kleiner Kobold in einem drin sitzen, der keckernd die Peitsche schwingt und einen anbrüllt: Weiter, besser, schneller, du Flasche!!!!!

Ich sehe diesen Kobold in mir. Und in so vielen Menschen um mich rum. Manche quält er mehr, manche sind weniger anfällig für ihn. Ich sehe ihn in vielen Müttern. Er vertritt den Anspruch, dass man gefälligst alles gebacken bekommen muss. Und dabei sollte Mutti bitte auch noch sexy und unbeschwert aussehen. Wie in dieser unerträglichen Nivea-Deo-Werbung, in der eine makellose Mami im sauberen (!) Business-Dress fröhlich mit Baby auf dem einen Arm und Einkaufstüte in der anderen Hand nach Hause kommt. Wenn ich mit Kindern vom Einkaufen nach Hause komme, dann heult mindestens eins von ihnen, ich habe Saftflecken von vorgestern auf der Hose und tellergroße Schweißflecken unter den Ärmeln. Hätt ich mal Nivea benutzt.

Ich wünsche mir so sehr, dass wir innehalten und unsere inneren Antreiber entlarven. Was ist es bei uns? Die Fassade aufrecht erhalten? Unsere To-Do-Liste auf Biegen und Brechen durchziehen? Zu allem Ja sagen, aus Angst vor Ablehnung? Die Wohnung, die immer sauber sein muss, weil Mutti das auch schon immer so gemacht hat?

Ich sehe manche Freunde, die an diesen Antreibern fast zerbrechen. Die an ihrem Leben vorbei hetzen, die immer am Rand sind. Und ich sehe mich selbst, mit all meinen Ansprüchen an mich selbst. Mit meinem Wunsch zu gefallen. Ich sehe uns Mütter, die ihre Kinder unbewusst als eine Art Prestige-Objekt vorzeigen. Ob es nun Kleidung, Verhalten, Aussehen, Intelligenz, Noten oder soziales Verhalten betrifft. Und damit pflanzen wir ganz ohne es zu wollen den inneren Antreiber in unseren Kindern an.

Egal ob Christ oder nicht, wir lassen uns suggerieren, wie ein erfolgreiches, reibungsloses Leben auszusehen hat. Uns Müttern flüstert der Kobold zu, wie unsere Kinder, unsere Männer, unser Haushalt, unser Körper zu sein hat.

Ich wünschte, wir würden Jesu Worte noch viel mehr in die Tat umsetzen, wenn er sagt, dass wir uns um NICHTS sorgen sollen. Oder wenn die Bibel 365 Mal erwähnt: Fürchte dich nicht!

Ich liebe Jesus dafür, dass der dem Kobold das Maul stopft. Jesus ist eine unpopuläre und doch so verlockende Gegenstimme:

„Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben. Nehmt meine Herrschaft an und lebt darin! Lernt von mir! Ich komme nicht mit Gewalt und Überheblichkeit. Bei mir findet ihr, was eurem Leben Sinn und Ruhe gibt. Ich meine es gut mit euch und bürde euch keine unerträgliche Last auf.“ Matthäus 11,28-30 (Hfa)

 

 

2 Gedanken zu „Der Kobold und wie wir ihm das Maul stopfen müssen“

  1. Danke, danke, danke – ich hab auch letztlich einer Freundin bekannt, dass ich insgeheim dieses Bild der Niveaufrau in mir habe und obwohl ich dieses doofe Deo benutze, bin ich noch nicht mal ein unscharfes Abbild von ihr. Es schmerzt, dass ich so anfällig für diese suggerierten „so-ist-es-am-besten“ Botschaften bin. Manchmal bete ich bewusst für einen Schutzwall. Aber meistens zieht dieser Kobold in mir magnetisch alles das an, was mich als Person klein macht. Ich hab eine Karte am Spiegel: Be you (tiful). So will ich mich betrachten. So wie Jesus mich sieht.

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  2. Oh ja, um mich herum ist nicht alles perfekt und gerade in unserer neuen Wohnsituation, wo die Wände mit Leintücher abgehangt sind, versuch ich mich trotzdem wohl zu fühlen und zufrieden zu sein, mit dem was ich „Alles“ habe. Danke dir für deine Worte, die wieder sehr gut auf den Punkt gebracht sind 🙂

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