Mütter-Challenge {Tag 25 – Heute ermutige ich mein Kind}

Das war zwar die gestrige Challenge, aber ich komme erst heute morgen zum Schreiben.

Gestern war nämlich Kinderfaschingshölle angesagt. Ich bin immer noch geflasht. Und irgendwie auch ein kleines bisschen traumatisiert. Meine Eltern waren nämlich so weise, mir diese Veranstaltungen als Kind zu ersparen. Daher war der gestrige Nachmittag meine Feuertaufe. Ich wäre gerne vorbereitet gewesen auf das, was uns erwartete. Aber ich war ahnungslos und völlig naiv. Ich stelle es mir vor wie die erste Achterbahnfahrt. Man denkt vorher: Das wird ein Riesenspaß! Und man lacht immer noch, wenn man die erste Steigung hochgezogen wird. Aber dann….beginnt der Trip in die ganz persönliche Hölle. Genauso war das gestern. Uns begrüßten vor der Tür Ninjas und Raubritter, die der Kälte trotzend, sich aufs Blut bekriegten. Nun gut, dachte ich, Jungs!

Im Vorraum war auch noch alles friedlich. Bis auf einen zweijährigen Jungen, der völlig hysterisch weinte. Das hätte mir eine Warnung sein sollen. Als wir die Tür zur Turnhalle öffneten, begann unsere karnevaleske Achterbahnfahrt. Um uns herum wirbelten Prinzessinnen in rosa Polyester-Alpträumen, düstere Harry-Potter-Figuren, wackere Feuerwehrmänner, schießende Cowboys und trotzige kleine Schäfchen. Und jeder jagte jeden. Auf der Bühne wurde gerade der 108. Helau-Ruf ins völlig übersteuerte Mikrofon gebrüllt. Meine Ohren klingelten zwei Stunden später noch so stark, als hätte ich bei einem Rave direkt auf den Boxen getanzt. Die müden Eltern hoben brav die Hände und ließen einen schwachen Helauruf ihrerseits erklingen. Unsere Kinder drückten sich ängstlich an uns, als wären sie kleine Magnete. Amelies Augen waren die ganze Veranstaltung über so groß wie Untertassen. Was irgendwie ganz gut zu ihrem Bärenkostüm passte.

Die Kindergartenkinder wurden aufgerufen, auf die Bühne zu kommen, um einen „Schatz“ zu heben. Amelie wollte nicht. Und dann erinnerte ich mich an die Challenge. Ich fragte sie, ob ich mitgehen solle. Sie schüttelte immer noch halb hysterisch vor Furcht den kleinen Bärenkopf. Aber als ich ihr anbot, sie zu tragen, willigte sie zögernd ein. Ich wollte sie nicht zwingen. Aber manchmal ist es so wichtig für mein Kind, über seinen eigenen Schatten zu springen. Und hinterher zu merken, dass es gar nicht so schlimm ist.

Auf jeden Fall ist es tröstlich für unsere Kinder, wenn wir sie bei diesem Sprung nicht alleine lassen. Und wenn nötig, müssen wir sie erstmal tragen, bis sie es sich selbst zutrauen.

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