Familie, Gedanken

Eigentlich müsste ich jetzt….

Wir haben nach wie vor ein Schreibaby. Aber meine Einstellung zu meiner Situation hat sich grundlegend geändert. Ich bin dermaßen gelassen, dass ich immer wieder verwundert über diese Veränderung den Kopf schütteln muss. Haben sich meine Hormone auf den normalen Level eingependelt? Oder hat Gott an ein paar Rädchen in meinem Kopf bzw. Herzen geschraubt? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Dazu kommt noch mein felsenfester Wille, mit dem ich jeden Morgen beschließe, mich nicht von den Umständen besiegen zu lassen. Sobald ich nämlich mein Herz für negative Gefühle, Ungeduld und Stolz öffne, setzen diese unwillkommenen Gefährten den ganzen Tag über ihr wirksames Gift frei. Und das Gift fließt in meine Gedanken, in meine Worte, in meine Beziehungen.

Seitdem mein Herz giftfrei ist, hat sich unsere Familienatmosphäre wesentlich entspannt. Ich bin darüber extrem dankbar und weiß, dass ich das nicht aus mir selbst heraus geschafft habe (Danke an meinen Boss da oben!).

Eigentlich wollte ich ja zu einem ganz anderen Thema schreiben. Eigentlich. Ja, genau. Zu diesem Wort! Das Wort „eigentlich“  ist das Äquivalent zum schlechten Gewissen. Zum Beispiel:
Ich sitze gerade hier auf der Couch und schreibe diesen Blog. Aber eigentlich müsste ich mich jetzt mal mit meinem Mann unterhalten, der neben mir sitzt.
Ich spiele mit meiner Tochter Duplo, aber eigentlich wartet in der Küche der Abwasch.
Ich mache den Abwasch, aber eigentlich müsste ich jetzt mal dringend duschen.
Ich lese ein Buch, aber eigentlich müsste ich mich an die Bügelwäsche machen.
Egal, was ich tue, eigentlich gäbe es immer etwas, was ich noch dringender tun sollte. Was zur Folge hat, dass ich selten einfach nur mal den Augenblick genießen kann, völlig in der Gegenwart auf gehen kann. Schade. Denn Leben ist nicht das , was vor 12 Minuten war, oder was übermorgen sein wird, sondern was JETZT, ja genau in dieser Sekunde stattfindet. Ganz ehrlich, es gibt IMMER etwas, was jetzt eigentlich noch dringender wäre. Die Steuererklärung zum Beispiel. Oder die Heißwachsbehandlung für die Bikinizone. Aber ich will über all diesen Verantwortlichkeiten nicht die Verantwortung für mein Leben verlieren. Denn wie gesagt, Leben ist das, was jetzt passiert. Die Gegenwart mit wacher und bejahender Haltung annehmen – das will ich noch mehr einüben. Und das Wort „eigentlich“ aus meinem Wortschatz streichen.

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