Kinderblues

Manche Tage sind so furchtbar anstrengend. Und dann kommt noch ein Kleinkindtornadowirbelwind mit Trotzallüren dazu. Ich liege tot auf dem Sofa. Ein Wunder, dass ich überhaupt noch die Tastatur bedienen kann. Rückblickend kann ich noch nicht mal sagen, was ich eigentlich heute Großes geleistet habe (so geht es mir an den meisten Abenden – ich nenne es die Hausfrauen-Amnesie). Dann lass ich’s mir mal von meinem Männe aufzählen: „Du hast Wäsche gewaschen, Betten bezogen, gekocht, tausend Mal Spielzeugautos aufgeräumt, Windeln gewechselt, Rechnungen bezahlt, Kontakte gepflegt, Katze gefüttert, Bücher vorgelesen, getröstet, erzogen, Unkraut gejätet, Fliegengitter installiert, Spülmaschine ein- und ausgeräumt und mich nach meinem Tag gefragt.“ Hurra, ich bin das wandelnde Hausfräuleinwunder! Und das alles unter erschwerten Bedingungen. Amelie hat nämlich neuerdings den Spleen, sich heulend an mein Hosenbein zu klammern, sobald ich die Küche betrete und kochen will. So schnippel ich Karotten, räum die Spülmaschine ein und koch Kartoffeln, während sich meine Tochter heulend am Boden wälzt. Meine Kochleidenschaft köchelt also gerade auf niedrigster Sparflamme. Und so zaubere ich von Zeit zu Zeit kulinarische Katastrophen auf den Tisch wie z.B. schleimige Kräutersuppe oder Salat mit soviel Salz, dass der Körper vor Schreck sofort fünf Liter Wasser einlagert.

An solchen Tagen frage ich mich dann ernsthaft, wie ich das alles mit zwei Kinder bewältigen soll. Ja klar, ANDERE Mütter schaffen das auch. Aber ich bin nicht ANDERE Mütter, sondern einfach ich mit all meinen Zweifeln und Ängsten. Und da ich mir ja vorgenommen habe, ehrlich zu mir selbst zu sein, schieb ich all diese Gefühle auch nicht zur Seite, sondern schau sie mir genau an. Und steh dazu. So.

Wenn ich dann mal kurz ein Pause brauche, verziehe ich mich trotz Geheule in den Keller zu meinen Katzenbabies. Ihnen zwei Minuten beim Schlafen und Trinken zuzusehen hat schon fast eine zenartige Auswirkung auf mein Gemüt. Heute ist die vierköpfige Rasselbande zwei Tage alt und Muffin ist eine furchtbar stolze und fürsorgliche Mutter. Fast war ich heute etwas neidisch auf sie, als sie zwei Stunden draußen rumspazierte, während ihre Kleinen schliefen. Katzen kennen keinWochenbett. Keinen Wochenfluss. Keinen Babyblues. Aber der Bauch hat sich noch nicht zurückgebildet. Und das hat mir dann doch noch etwas Genugtuung verschafft.

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