I wear my sunglasses in P-Town

Heute sind wir in Provincetown – kurz P-Town. Die Schwulenmetropole Cape Cods. Auf der Suche nach Sonnenbrillen stoße ich auf diese Exemplare:

Die kommt in meine Elton-John-Gedenk-Sammlung
Die kommt in meine Elton-John-Gedenk-Sammlung
Katy-Perry-Style!
Katy-Perry-Style!

Letztendlich entscheide ich mich für diese beiden:

P1060537

P1060533

Provincetown ist der Ort, an dem die ersten Siedler landeten, aber sie entschieden, dass das Klima zu rau war und segelten noch ein Stückchen weiter, zum Festland rüber. Wir haben mehr Glück als die Pilgerväter, die Sonne lacht uns entgegen. Und als wir in P-Town an einem kleinen Baumarkt vorbeifahren, fragt Armin: „Was bedeutet lumber?“ Ich: „Na, denk mal an lumberjack!“ Armin: „Könnte gut sein, dass die HIER auch verkauft werden.“ (lumberjack bedeutet Holzfäller, lumber ist das Bauholz).

Tatsächlich fällt uns dann aber auf, dass es hier mehr weibliche Pärchen gibt, als männliche. Das ist ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist auch das rauere Klima im Umgang miteinander, wir werden unfreundlicher als sonst „empfangen“. Das ärgert mich zunächst, aber dann denke ich nach: Viele Touristen kommen nach P-Town, einfach weil es ein sehr schöner Flecken ist. Und nebenbei kann man dann noch die Schwulen und Lesben „angaffen“. Da würd ich mich an ihrer Stelle fühlen wie ein seltenes Tier im Zoo. Sie können ihren Lebensstil hier frei leben, sind aber trotzdem nicht frei.

Naja, ein bisserl gaffen tu ich auch. Aber nur ganz heimlich. Und ganz  unauffällig durch meine neue Sonnenbrille.

Woran ich mich dann aber störe sind nicht die Menschen, ihr Lebensstil, ihre sexuelle Ausrichtung, sondern die Gestaltung des Marc-Jacobs-Schaufensters (Designer). Ist ja bald Halloween. Und da wird dekoriert,was das Zeug hält: Kürbisse, Totenköpfe, Spinnenweben usw. Ist alles Kindergeburtstag im Vergleich zu diesem Schaufenster. Dort hängt kopfüber ein echt aussehender, halbierter menschlicher Körper, aus dessen Bauch Plastikgedärme quellen. Und der Eingang wird von zwei kleinen furchteinflößenden Dämonen flankiert. Mir ist ganz schlecht. Und ich weiß mal wieder, warum ich diesem Feiertag so überhaupt nichts abgewinnen kann. Überhaupt, warum sollte ich etwas feiern, das einen okkulten Ursprung hat?

Klassische Deko bevorzugt!
Klassische Deko bevorzugt!

Ein paar Schritte weiter entspanne ich mich in einer Fotogalerie, in der ich mir Anregungen hole und dann mit meiner Kamera in P-Town auf Motivjagd gehe (um Plastikleichen mach ich aber einen Riesenbogen, *würg*).

Wann ist eigentlich der Zeitpunkt erreicht, wenn die erste Reisebegeisterung abklingt? Wenn das Gefühl der ersten Verliebtheit in ein Land umschlägt in eine realistischere Sichtweise? Es ist fast wie der Werdegang einer Beziehung: zunächst steht man in Flammen, begeistert sich über jede Kleinigkeit, über alles was neu, fremd und dadurch besonders anziehend wirkt. Jeder Tag ist ein Abenteuer, an dem man neues entdeckt. Man ist gerne blind den negativen Seiten gegenüber, man nimmt sie zwar wahr, leugnet sie aber. Zum späteren Zeitpunkt der Beziehung, wenn die erste Verliebtheit verflogen ist, bleibt eine Liebe zurück, die tiefer geht und ehrlicher ist. Die aber beim zwanzigsten Wasserfall (den man UNBEDINGT gesehen haben muss), gelangweilt gähnt und kostenlosen Kaffee-Refill als selbstverständlich hinnimmt.

Ich befinde mich gerade in einem Zwischenstadium. Ich merke, dass die erste Verliebtheit abflaut. Aber ich weiß auch, dass ich die USA sehr vermissen werde. Dass ich zurückkommen möchte. Wir sind gute Freunde geworden.

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