Übergangszeiten / 5 Wege zu einem guten Leben

Ihr Lieben, heute musste ich natürlich etwas über den Griff der Rechtsextremisten nach der Macht schreiben. Und als Gegengewicht dazu kommt heute meine innere Granny zur Wort: Wie mich der großartige und vor Kurzem verstorbene Poet und Landwirt Wendell Berry beeinflusst hat. Und wie ich davon fünf Wege zu einem guten Leben ableite.

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Heute morgen ziehe ich meine alte, lila Fleecejacke an, die ich vor zwei Jahren in einem kanadischen Secondhandladen gekauft hatte. Sie ist nicht mehr besonders schön, aber voller Erinnerungen. Und vor allem: warm! Draußen sind  die Nachttemperaturen unter 10 Grad gesunken. Natürlich, NATÜRLICH feiere ich das! 

Übergangszeiten wecken in mir eine große Lust, Schränke auszumisten, Pläne zu schmieden, neue Rezepte auszuprobieren, mir die Haare zu färben, durch die Wälder zu streifen, den Garten umzugestalten. Ich möchte die Tür zu meinem Geist aufreißen, ihn mit dem füttern, wonach er sich ausstreckt. 

Ich habe es hier und in meinen Büchern schon oft geschrieben. September ist für mich der Beginn des neuen Jahres. Wenn ich nach einem verschwitzten, erschöpfenden Sommer ein frisches, neues Kapitel aufschlagen kann. Wahrscheinlich hat sich der alte Schul-Rhythmus tief in mein Wesen eingegraben. 

Ich denke – wie ihr wahrscheinlich auch – dieser Tage viel über unsere politische Landschaft nach. Erschrocken, deprimiert, fragend. Auch hier: Eine Übergangszeit. Eine deutlich unschönere. Wohin sie führt? 

Ich lese viel. Zu viele Kommentare, die einordnen. Zu viele Instagram-Posts. Zu viele Zeitungsartikel. Zu viele Hintergrundinfos über Politiker. Mir schwirrt der Kopf. Ich schwanke zwischen „Wir-müssen-im-Dialog-bleiben“ und „Scheiß-auf-die-Nazis“. Ich versuche wirklich meinen Feind zu lieben. Aber vielleicht reicht es schon, ihm nichts Schlechtes zu wünschen. Aber dann muss nur einer von dieser Bande etwas unfassbar Gehässiges und Dummes sagen, und schon wünsche ich ihm einen Anfall explosiven Durchfalls mit Schüttelfrost. 

Mir wird es langsam in der lila Fleecejacke zu warm, ich ziehe sie aus, hole mein Notizbuch raus und beginne zu schreiben. Rückblick: Was habe ich in der ersten Jahreshälfte gelernt? Was war gut? Was will ich zurücklassen? Was habe ich versäumt? Und Ausblick: Wie soll mein Leben aussehen? In vier Wochen? In vier Monaten? In vier Jahren? Wie will ich es gestalten? 

Wahrscheinlich bin ich naiv, habe zu wenig Ahnung von politischer Strategie. Aber wäre es nicht nun besonders sinnvoll – in dieser politischen Übergangszeit – wenn auch die etablierten Parteien ihre Notizbücher zückten und ein ehrliches Resümee zögen?  Veränderung kann ja nur dann beginnen, wenn man aufhört, sich selbst etwas vorzumachen. 

Dieser Tage sagte Angela Merkel auf der Digital X Messe: „Wir müssen unsere eigene Geschichte erzählen. (…) Was will ich für dieses Land?“

Wo wollen wir a…

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