Was ich mir wünsche.

Wir haben das Jahresende mit einem Raclette gewürdigt und gingen früh zu Bett. Genau mein Lieblings-Silvester-Szenario. Ich werde alt, Leute.

Den 1. Januar mit frischem, wachem Geist zu beginnen ist aber auch ein Novum und hoffentlich ein Vorbote für bessere Zeiten. Selten bin ich in ein neues Jahr ohne Hauruck-Aktivismus gestartet. Und seien wir doch ehrlich: spätestens Anfang Februar versanden die guten Absichten im Trott des Alltags und ersticken in alten Gewohnheiten. Der Weg zum Ziel war bei mir schon immer gespickt mit zu vielen Ausfahrten (Erdnuss-Dose, I look at you). Überhaupt finde ich gute Absichten überbewertet. Wieviel mehr Lebensenergie stünde uns allen zur Verfügung, wären wir versöhnter mit uns selbst. Wieviel Zeit und Kraft würden wir uns sparen, wenn wir uns weniger an uns selbst abarbeiteten, sondern in der Sicherheit ruhten, dass der Herr unser Hirte ist, der uns nicht aufs Laufband jagt, sondern in Frieden grasen lässt.

Ich starte tatsächlich hoffnungsvoll ins neue Jahr. Nicht, weil ich mich wie früher darauf eingeschworen habe, dass dieses Jahr ALLES anders wird und ich mein BESTES Selbst werde, sondern weil ich einfach nur mit offenen Händen dastehe. Du findest in ihnen zwar noch so manches zitternde Fragezeichen, aber die sollen mich nicht daran hindern, mich und alle meine losen Enden Gott anzuvertrauen.

Diese Pandemie hätte beinahe eine kleine Pessimistin aus mir gemacht. Hast du mich im April 2020 gefragt, wie meine Prognose für die nächsten Monate sei, antwortete ich lachend: „Ich glaube, ab Mitte Mai wird alles wieder normal sein!“ Naive, süße Optimistin, die ich war! Im Oktober verkündigte ich murmelnd: „Das wird noch Jahre so gehen. And by the way: Warum gibt es nur noch Querdenker??“ Wie schnell doch so eine Pandemie unseren Panzer aus Fröhlichkeit und Hoffnung aufmeißelt und darunter unsere ganze Hilflosigkeit und Zerbrechlichkeit zum Vorschein kommt. Das gilt übrigens nicht nur für Pandemien, sondern für so ziemlich jede Lebenskrise. Es hilft aber auch nichts, sich in Negativität und Schuldzuweisungen und Endzeitphantasien zu hüllen.

Die kleine Pessimistin schicke ich heute raus in den Schnee. Dort soll sie mal eine Weile spielen. Sie muss auch wieder vermehrt in der Bibel lesen, weil sie dort Worte findet, die Menschen schon immer getröstet und gestärkt haben. Und es hilft ihr auch, sich zu überlegen wofür sie ist und nicht wogegen. Was sie sich wünscht, und nicht wovor sie sich fürchtet.

Was wünsche ich mir also fürs neue Jahr? Es sind die ganz großen, globalen Wünsche wie z.B., dass die Menschheit doch ZUM KUCKUCK endlich das Wohl des Planeten und der an den Rand gedrängten Menschen bitterernst nimmt. Dass ein Nadelpiks alle heiße Luft aus den Populisten entweichen lässt und die Menschheit gesund impft. Dass die Kirche zu einem Ort wird, die mit radikaler Nächsten- und Gottesliebe und Inklusion vorangeht und gesellschaftliche Weichen stellt.

Und es sind die ganz persönlichen Wünsche. Dass wir eine geistliche Heimat finden, in der wir uns gut einbringen können (ohne uns verbiegen zu müssen). Dass immer genug Kraft vom Alltag übrig bleibt für die Menschen, die ich liebe. Dass ich mich gut um die Dreifaltigkeit aus Körper, Seele und Geist kümmere. Dass ich den Glauben und die Hoffnung nicht verliere, egal, was da meines Weges kommen mag. Lichttage, erfüllt von Lachen und gutem Essen und Gemeinschaft.

Das wünsche ich dir auch für dieses neue Jahr: Ein Ort, an dem du sein darfst. Glaube und Hoffnung. Lichttage. Kraft für Deine Menschen. Und dass du dich selbst nicht vergisst.

6 Kommentare zu „Was ich mir wünsche.

  1. Ich lese so gerne deine Texte, sie sprechen mir aus der Seele. Ich mag den Schreibstil und natürlich auch den Inhalt. Danke!

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