8 Tipps für gestärkte Mütter und Mädchen

IMG_1056

Heute morgen bin ich mit einem Mount Everest an Pickel auf dem Kinn aufgewacht. Im Spiegel sehe ich nur den pulsierenden, roten Pickel. Während meine Mädchen sich für die Schule fertig machen, unterdrücke ich einen Schrei des Entsetzens. Mein inneres Drama bleibt unbemerkt. Doch würde ich gerne rufen: „Wie sehe ich denn aus? So kann ich unmöglich vor die Tür! Mein Leben macht keinen Sinn mehr!!“

Aber nein. Das würde gegen meine eigene ungeschriebene Regel verstoßen. Ich rede niemals vor meinen Kindern negativ über mein eigenes Aussehen, über meinen eigenen Körper. Neugierig sein, was unsere Körper und deren Funktionen betrifft, darauf können wir uns einigen. Die Kinder fragen. Ich antworte. „Das rote Ding an meinem Kinn? Das ist ein Pickel. Ja, das können auch noch Erwachsene bekommen. Und jetzt lass uns Tee trinken und ne Pickelmaske anrühren.“

In letzter Zeit denke ich viel darüber nach, wie ich als Frau ein Vorbild für meine Kinder sein kann. Sie sollen mich nicht nur als Mutter erleben, sondern ganzheitlich als Frau. Aber was bedeutet das denn genau?

Wie kann ich in ihrer Gegenwart nicht nur Mutter, sondern ganz und gar Frau zu sein?

Was will ich ihnen mitgeben, dass sie in einer Welt, die Frauen immer noch auf Aussehen und Nettsein reduzieren will, aufblühen und mutig ihren eigenen Weg gehen?

Irre ich mich oder haben wir tatsächlich einen großen Rückschritt gemacht und werden Mädchen stärker als früher auf Aussehen und Nettsein reduziert? Dieser Gedanke beschleicht mich immer, wenn ich den ganzen gegenderten Scheiß im Spielwarenladen ertragen muss: Rosa Einhörner und TopModels-Malblöcke für Mädchen, Technikspielzeug für Jungs. Überraschungsei mit Prinzessinnen-Gedöns für Mädchen und flotten Miniautos für Jungs. Die Message: Mädchen und Jungs werden mehr denn je auf „ihre Bereiche“ genormt. Ich könnte jedesmal Einhornkotze mit Glitzer erbrechen. 

Aber in erster Linie prägen mal wir – die Eltern –  unsere Kinder, auf welche Weise wir unsere Geschlechterrolle ausfüllen und nicht die Spielzeugindustrie.

(Ich bin wahrlich keine Expertin und dieses Elternding fühlt sich an, als würde ich mich mit verbundenen Augen durch einen Raum tasten und dabei ständig über meine eigenen Füße fallen.)

Lange Rede, kurzer Sinn. Wollen wir auf die obigen Fragen zurückkommen. Da bin ich euch noch eine Antwort schuldig.

  1. Ich rede in der Gegenwart meiner Mädchen nie schlecht über mein eigenes Aussehen. Und wir kommentieren auch nicht negativ die Erscheinungsform anderer Menschen. Niemals. Die Wörter dick (als wertendes Wort) und hässlich und  eklig sind aus dem Smoorschen Wortschatz gestrichen.

  2. Freundschaften mit anderen Frauen. Unsere modernen Familien sind häufig isoliert. Umso wichtiger ist es, dass unsere Kinder andere Frauenvorbilder außer Mama kennenlernen. Und dass sie erleben: Frauen aller Formen und Farben und Begabungen gehen hier ein und aus und werden von ihrer Mutter geehrt und willkommen geheißen.

  3. Ich setze mich für Ziele außerhalb des Familienlebens ein. Meine Kinder sollen lernen, dass es dort draußen eine Welt gibt, für die es sich lohnt zu kämpfen und zu leben. Und dass diese Welt ihnen offen steht.

  4. Unsere Mädchen haben einen Vater, der sie in der Werkstatt mitarbeiten lässt und sie ins Programmieren einführt. Hier gibt es keine offenen und versteckten Botschaften „Das-Kannst-Du-Nicht-weil-du-ein-Mädchen-bist.“

  5. Willst du ein echtes Vorbild an Weiblichkeit sein? Dann versöhne dich ganz und gar mit ihr. Egal ob in Form von Therapie oder Seelsorge oder ob du beginnst, deinen Körper freundlich zu behandeln. Manchmal blitzt er durch, mein neuer Beschluss zur Körperfreundlichkeit und laufe einmal nackig – im Eiltempo durchs Haus – an meinen Kindern vorbei. Und die? Die gucken nicht mal schockiert. Die sind das schon gewohnt.

  6. Ich versuche gut für mich zu sorgen. Und damit meine ich nicht das Glas Wein am Abend. Sondern Mittagsschläfchen, Sport, Lachen, Freundschaften, Lesen. Ich suche Heilung vom Perfektionismus und schmeiße regelmäßig innere Antreiber raus.

  7. Auch wenn es mir gelegentlich schwer fällt und es immer wieder neu einüben muss: Ich lasse meine Mädchen sein. Mit ihrem Klamottengeschmack. Mit ihren Vorlieben und Abneigungen. Mit allem, was sie sind und vor allem: mit allem, was sie nicht sind.

  8. Wir suchen bewusst Bücher und Filme aus, in denen Mädchen nicht auf Aussehen und Nettsein reduziert sind. Sondern in denen sie Rollen einnehmen, die etwas in ihrem Umfeld bewegen und verändern.

Leute, die Mittel und Erkenntnisse, die uns heute zur Prägung und Erziehung von Mädchen zur Verfügung stehen, sind unendlich! Aber lass dich nicht verwirren oder einschüchtern.

Denn am Ende bist du deine eigene Expertin, weil du deine Mädchen daheim am besten kennst und am besten liebst.

 

 

3 Kommentare zu „8 Tipps für gestärkte Mütter und Mädchen

  1. Als Mama von zwei Mädchen (& einem Jungen) hab ich deine Tipps mit Interesse gelesen – & bin ähnlich engagiert unterwegs. Danke Veronika für die Ermutigung dranzubleiben! Magst du mir noch Filmtipps geben? Das ist für uns noch ziemlich unberührtes Feld, wird aber an Bedeutung gewinnen in den nächsten Jahren..
    Herzlich aus Bern, Patricia

  2. Hier kommen zwei Buchtipps. Meine Tochter (14) und ich haben diese Bücher zum Thema gelesen und sie haben uns sehr gut gefallen:
    „Moxie“ von Jennifer Mathieu
    „Die Königinner der Würstchen“ von Clémentine Beauvais

  3. Einer meiner Lieblingskinderfilme heißt „Kletterida“.
    Es kann auch umgekehrt sein – unsere 14-jährige Tochter erzieht uns Eltern und schärft unseren Blick, was überholte Frauenbilder betrifft … (Dabei empfinden wir uns schon als kritisch und fortschrittlich…)

Kommentar verfassen