Leben ohne Obsession

Ich steige nicht mehr auf die Waage. Meine Kleidung verrät mir eh die Wahrheit: 90 Prozent meiner Klamotten sind zu eng geworden. Da braucht es keine Zahl auf der Waage um zu bestätigen, was ich schon lange ahne. Ich könnte ja jetzt im angesagten neuen Selbstbewusstsein aufschreien: Ich bin schön so wie ich bin!

Tja, das bin ich sicher. Rubenesque-wunderschön.

Aber wenn die Speckrolle beim Bücken in die Rippen drückt, wird’s mir unangenehm. Ich bin echt nicht dafür geschaffen, zu viel Ballast mit mir rumzuschleppen. Andere Frauen können das vielleicht und fühlen sich wohl dabei. Ich nicht. Hat jetzt echt nix mit falschem Schönheitsideal zu tun.

Mein Problem liegt ganz woanders. Ich könnte ja jetzt die Ärmel hochkrempeln und lautstark verkünden: „Ich nehm jetzt ab, jawolljaja! Sport, Salat, Low Carb – alles nur eine Frage des Willens.“ Hab ich ja schon tausend Mal durch. Ich bin Jojo-Weltmeisterin. Genau da hakt’s: Ich hab keine Böcke mehr. Und ich hab Angst. Angst, dass der erste Schritt Richtung Abnehmen in Obsession endet. Ich kann nämlich entweder nur ganz oder gar nicht. 100 Prozent oder 0 Prozent. Vollgas oder Stillstand. Das Mittelmaß ist fremdes Land für mich. Abnehmen wird dann wieder so eine Vollgas-Nummer, die mich komplett vereinnahmt: mein Denken, mein Fühlen, mein Reden. Meine Stimmung wird abhängig von der Zahl auf der Waage, von meinem erfolgreichen Heißhunger-Unterdrücken, von dem, was über meine Lippen wandert. Ich kann mich ruckzuck mit strengem Sportregiment und Essensregeln versklaven. Meinen Körper auf einen Thron heben, supergesetzlich mit mir selbst ins Gericht gehen, eine Ernährungsweise zur Ersatzreligion ernennen. Und mich dabei die meiste Zeit kacke fühlen, weil ich a) Hunger habe und b) immer wieder vom Pferd falle.

Eine Weile Vollgas geben endet mit leerem Tank. Der wird dann nämlich so leergesaugt, dass ich ihn danach monatelang vollstopfe aus Angst vor dem nächsten Crash.

Jetzt stehe jeden Morgen in der Küche und weiß, dass ich nicht mehr im Stillstand leben möchte. Vollgas ist auch keine Option. Mittelmaß kann ich (noch) nicht. Wie lerne ich das? Ist es denn tatsächlich möglich?

Ich habe diesen Prozess schon zigmal durch. Und stehe doch wieder am Anfang. Diesmal demütiger und mutloser als sonst. Aber ich möchte mir und auch dir Mut! zurufen. Es muss ein gutes Leben ohne Ernährungs-Obsession geben. Ich mache mich jetzt auf die Suche danach. Wer macht mit?

28 Kommentare zu „Leben ohne Obsession

  1. Anderes Ziel setzten:
    Nicht „ich will schlank werden“
    Sondern „ich will muskulös und gesund werden“

    Das nimmt diesen am Schönheitsideal orientierten Druck raus und sind die weitaus besseren, realistischeren Ziele.

  2. Ich bin superglücklich, dass ich vor einem Jahr mit einem Lebe-leichter-Kurs angefangen habe… Allein hätte ich das nie geschafft, ich hab es ja schon oft probiert. Aber die 12 Wochen taten mir saugut. Nicht, dass jetzt immer alles easy wäre, aber inzwischen bin ich 12 kg leichter, deutlich fitter und fühle mich mit dem Thema Essen echt gut. (Kein Völlegefühl mehr…) Ich finde es echt alltagstauglich. Süßigkeiten werden wohl mein Leben lang eine Herausforderung bleiben. Okay… Dann muss ich eben ein Leben lang schauen, dass richtige Maß zu finden. Der ausschlaggebende Punkt bei mir war die Erkenntnis: Mit diesem Körper wirst du alt (hoffentlich). Und so hart die Umstellung war, ich hab es doch für mich gemacht… Ich wünsch dir von Herzen alles Gute! Du bist nicht allein damit 🙂 Liebe Grüße, Martha

    1. Eins will ich zu Lebe leichter noch ergänzen. Das Buch allein hat mir nix genützt. Gelesen, versucht, es stand zwei Jahre in meinem Regal, kein Kilo weniger. Der Durchbruch kam bei mir erst durch die Gruppe. Alle in einem Bott. Eine gute Leiterin. Weiterhin Kontakte nach Kursende. Vielleicht ist das bei jedem anders, aber ich brauche das wohl zu sehen, dass es anderen genauso geht. Und positive Beispiel von welchen, die es geschafft haben. Liebe Grüße, Martha

  3. Oh das kann ich so gut nachempfinden… Und hab auch bisher keine Lösung dafür gefunden! Ich bin irgendwie froh, dass du das ansprichst, weil mir das ein bisschen Druck nimmt. Dass man trotz gelegentlicher oder regelmäßiger Kontrollverluste über sein eigenes Essverhalten (denn das ist es doch, was einen am meisten frustriert: nicht die Kilos, sondern das Gefühl, kaum fähig zu sein, die Entscheidung dagegen zu treffen) eine selbstbewusste, starke Frau sein kann, die ihr Leben in die Hand nimmt, Dinge durchzieht,die ihr wichtig sind, die für die richtigen Menschen da ist, und die einen Vorbildcharakter hat. Mein Gedanke ist: lass es nicht zu, dass dich diese Essgeschichte zu sehr definiert. Ja, manchmal klappt es super und manchmal beschämend wenig, aber das ist nicht das, was uns ausmacht. Ich finde dich unglaublich faszinierend und das macht dich nur noch ein Stück nahbarer und ‚relatable‘, und ansonsten zählen andere Dinge! Danke für deine Offenheit!

  4. Liebe Vroni, fühl Dich mal ganz herzlich umarmt – ich kann das so gut nachfühlen!! Lebe leichter kennst Du ja schon – ich auch. Das Ding ist, dass wir zwar wissen, wie es geht, aber das es uns ab und an zu viel kostet. Deine Aussage „ganz oder gar nicht“ zeigt, wie anstrengend sich das manchmal anfühlt.
    Ein Leben lang diszipliniert sein ist anstrengend. Auch ich empfinde Lebe Leichter nach wie vor als alltagstauglich – solange mir mein restliches Leben nicht komplett um die Ohren fliegt. So ist es seit einem halben Jahr bei mir und – schwupps – nehme ich wieder zu – einfach weil es mir gut tut, manchmal abends vor dem Fernseher was zu naschen, einfach weil ich manchmal zu müde bin, um Sport zu machen, einfach weil mir manchmal der dritte Nachtisch mir das Gefühl gibt, dass ich mir endlich mal was gönnen muss.
    Du bist ausgelaugt und frustriert – dein Leben ist voll (entschuldigung? Du hast gerade einen Hauskauf und einen Umzug gestemmt – neben dem normalen Leben …) – Dir fehlt vielleicht auch gerade etwas Trost. Zwei Dinge helfen mir im Moment: beten – ganz viel beten … weil ich damit ihm wieder näher werde, mich trösten lassen kann, anschauen kann, was mich umtreibt und es mir einfach so gut tut. Und das zweite: Pausen! Ich erlaube mir selbst, dass ich müde sein darf und Pausen brauche. Das kann ich nicht immer – deswegen hängt ein Zettel in meinem Kleiderschrank auf dem ich mich selbst ermutige, mit meinen Kraftreserven gut hauszuhalten. Ich schlafe seit zwei Wochen morgens eine halbe Stunden länger und lasse meine Kinder ihr Frühstück selber machen – es klappt. Ich gehe auch wieder früher ins Bett. Und manchmal lege ich mich nach dem Mittagessen 10 min hin. Wie gesagt, das klappt nicht immer, aber es hilft mir. Derzeit bin ich beruflich überlastet und habe zwei Wochen lang den Sport ausfallen lassen, weil ich so viel zu tun hatte – die Quittung bekam ich in Form eines Rezepts vom Hausarzt „Tun sie mal was für ihre Nerven und nehmen Sie Vitamin sowieso in Tablettenform ein!“ Stop – dachte ich – ich rotiere hier und schmeiß Tabletten hinterher? Stop! Seitdem gehe ich wieder regelmäßig zum Sport, 30 min coole Musik, lustige Mädels, auspowern, danach ordentlich verschwitzt sein und dann ist der Kopf auch wieder frei – zurück am Arbeitsplatz denke ich dann eher „Na dann, packen wir es an!“
    In diesem Sinne: tu Dir was Gutes, indem Du auf deine Bedürfnisse schaust – atme, lache, schlafe und sei barmherzig mit Dir. Alles liebe – Anett

    1. Danke Anett! Ja, ich weiß ja eigentlich wie es geht. Aber du hast völlig recht mit dem was du sagst. Mir war das vorher noch gar nicht klar: das letzte halbe Jahr hat mir soviel Kraft und Aufmerksamkeit abverlangt, so dass für Selbstdisziplin in Sachen Essen nix mehr übrig war. Ich muss erst wieder einüben, auch etwas nur ganz für mich zu tun. Und wenn ich genug geruht habe, vielleicht kommt dann die Selbstdisziplin zurück 🙂

    2. Oh! Schön geschrieben. Genau, genug Schlaf und Ausruhen und Durchhängen ist sicher gut. Ich bin kein so radikaler Ganz oder Garnicht Typ. Ich habe so ein paar Grundsätze, die einfach umzusetzen sind. Wenn ich mich daran halte, nehme ich zwar vielleicht nicht wahnsinnig ab, aber auf jeden Fall auch nicht (weiter) zu. Früher habe ich vor resp. nach den Schwangerschaften/Stillzeit zweimal mit ebalance.ch abgenommen, das funktioniert gut, ich denke, lebe leichter müsste ähnlich sein.

      _Vernünftiges Frühstück (Müesli, Weetabix…) mit Obst (notfalls TK-Aprikosen oder Himbeeren aufgetaut)
      _Gesüsste Joghurts weglassen, stattdessen Naturejoghurt mit wenig Zucker oder Obst
      _vernünftige Zwischenmahlzeiten (nicht auslassen, aber auch nicht x-mal zwischendurch essen)
      _einmal pro Tag etwas Süsses geniessen, und es aber dann dabei belassen
      _genug trinken
      _jeden Tag wenigstens ein bisschen bewegen (15min Abendspaziergang mit den Mädels zählt auch, oder Cafe Mom Workouts auf Youtube 🙂 )
      _nach 20.00 Uhr nicht mehr essen (sich stattdessen aufs Frühstück freuen)

      Das mit dem nach 20.00 Uhr nicht essen habe ich letztes Jahr mal als eine Art geistliches Fasten angefangen. Ich beschäftige mich von Berufes wegen viel mit Armutsbekämpfung und den Umständen von Menschen, die in extremer Armut leben und nicht jeden Tag etwas zu essen haben, geschweige denn zu jeder Tageszeit. Ich wollte mein Bewusstsein dafür schärfen und habe es über einige Monate durchgezogen, und den Verzicht als eine Art Gebet für die Hungernden eingesetzt. Seit ich damit wieder aufgehört habe, nehme ich wieder mehr Kalorien zu mir, als ich brauche, denn nach 20.00 Uhr sind es ja kaum der Salat und die Karotten, die in Frage kommen 😉

  5. Liebe Vroni
    Ich kann so gut nachvollziehen was du schreibst !
    Megaviel liegt hinter dir , was du die letzten Monate geleistet hast war enorm,
    du hast dein Körper gut versorgt weil du es gebraucht hast , alles hat seine Zeit !!
    Manchmal ist einfach keine Kraft da , das was im Kopf ist umzusetzen und das ist Okey !
    Alles hat seine Zeit !
    Irgendwann kommt der Punkt wo du sagst : „Ich will ! “ und dann packst du es an, entspann dich und sei barmherzig mit dir ,wie du mit jeder Freundin auch wärst !
    Ich bin auch so ein Ganz oder Garnicht Typ
    Vollgas oder Stillstand , das kenn ich nur allzugut !
    Danke für deine Ehrlichkeit , es berührt mich jedesmal und ich liebe es dass du und an deinem Leben teilhaben lässt , das ist so ein Segen !
    „Spurwechsel“ ist dieses Jahr Thema im
    Frauencafe auf der Zeltstadt ,
    Ein Thema das uns alle immer wieder begegnet !
    Machmal sind wir Bleifuss unterwegs weil wir ans Ziel wollen oder müssen ., manchmal stehen wir auf der Standspur , Auto streikt , nix geht mehr ….
    Boxenstopp , innehalten , wartenlassen ……
    Sei gesegnet Anne

  6. Danke für deinen mutigen Text. Ich kann dir nicht sagen, wie sehr er mir aus dem Herzen spricht. Ich habe bis hierher keine Lösung. Was mich in letzter Zeit aber sehr beschäftigt: welches Beispiel gebe ich meinen Töchtern? Ich will auf keinen Fall, dass das Essen und dieser Kreislauf aus Hunger, dem Gefühl zu Versagen und dem Unwohlsein im eigenen Körper auch ihr Lebensthema wird. Das würde mich so traurig machen. Also suche ich weiter nach einer Lösung.

  7. Danke für deinen mutigen Text. Ich kann dir nicht sagen, wie sehr er mir aus dem Herzen spricht. Ich habe bis hierher keine Lösung. Was mich in letzter Zeit aber sehr beschäftigt: welches Beispiel gebe ich meinen Töchtern? Ich will auf keinen Fall, dass das Essen und dieser Kreislauf aus Hunger, dem Gefühl zu Versagen und dem Unwohlsein im eigenen Körper auch ihr Lebensthema wird. Das würde mich so traurig machen. Also suche ich weiter nach einer Lösung.

  8. Lebe leichter, wie einige „Vorschreiberinnen“ empfahlen, ist ja keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung. Meine hieß anders, das Konzept war gleich.
    Nicht fdh und sozial unverträglich werden, weil man Kohldampf hat, sondern mehr drauf achten, was man isst — und wann.
    Ich hab (ehrlich) noch nie ne Diät gemacht, war nie nötig, schlank vom Vatter geerbt.
    Im März stellte ich dann fest, dass die Arbeitshose nicht mehr zu ging. Hoppla! Außerdem passte ja überhaupt nur noch eine Hose, und die war fast durchgescheuert!
    Da hab ich nach zwei Zündertagen einen Monat nach Kochbuch gelebt und mir dann einfach angewöhnt: abends keine Kohlehydrate. Nudeln/Kartoffeln&Co nicht als Hauptbestandteil einer Mahlzeit. Mehr Gemüse. Weniger Süßigkeiten. (Einmal im Monat: erlaubt) Und mehr raus, gehen. Oder Sport. Oder Garten.
    Und, ganz wichtig:
    Nur drei Mahlzeiten pro Tag. Kein Zwischendurch. Ruhig mal riskieren, dass ein Echo durch den Magen hallt. Unsere Vorfahren um 1900 haben schwer geschuftet und sind nicht umgekommen, obwohl es keine Powersnacks gab.
    Und wenn Süßigkeiten, dann auf den vollen Magen. Dann ist die Bauchspeicheldrüse eh aktiv.
    Es funktioniert. Langsamer als so eine fdh-Diät, aber nachhaltig.
    Es ist alltagstauglich und du kannst jederzeit wieder neu einsteigen, du weißt ja, wie es geht.
    MUT!!

  9. Liebe Veronika,

    danke für Deine mutigen Worte! Mir geht’s genauso wie Dir!
    Während unserer Hausumbau-Zeit bin auch ich aus allen Nähten geplatzt, und die meisten Kleider in meinem Schrank passen nicht mehr. Früher hatte ich mich zumindest im Griff, wenn die Hosen anfingen zu spannen – und machte eine Diät, bis sie wieder passten und der Heisshunger mich übermannte. Das funktiert irgendwie nicht mehr. Wahrscheinlich sind einfach auch die stressigen Phasen mehr geworden.
    Das Lebe-leichter-Programm habe ich vor unserem Umbau auch schon probiert, und auch tatsächlich schön abgenommen. Mein Problem war jedoch auch hier, dass ich mich irgendwann nicht mehr an die Regeln des Programms halten konnte. Und dann gab ich auf.

    Gerade lese ich „Wenn du glücklich sein willst, such nicht im Kühlschrank“ von Lysa TerKeurst.
    Ich habe es zur Hälfte gelesen und finde es bisher sehr ansprechend und ermutigend. Lysa geht von einer anderen Seite an das Problem heran:
    Wir versuchen, unsere Sehnsucht, die eigentlich nur Gott erfüllen kann, mit Essen zu erfüllen.
    Gott möchte aber, dass wir unser Glück, unsere Zufriedenheit (Ruhe, Trost, …) in ihm finden – und nicht im Essen. Lysa fordert gleichzeitig auf, zur Ehre Gottes und mit Hilfe des Heiligen Geistes Selbstbeherrschung zu lernen, die laut Galater 5,22 eine der „Früchte des Geistes“ ist neben Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und Nachsicht. Nicht aus eigener Kraft, sondern mit einer Kraft, die größer ist als meine. Und sie verweist noch auf viele andere Bibelstellen, die hilfreich zu diesem Thema sind.

    Das Buch hat mich gerade vorgestern ermutigt, von Neuem einen Versuch zu starten, wieder zu Wohlfühl-Abmessungen zurückzugelangen. Mit einer Kraft, die größer ist als meine. Gestern lief es gut, und heute bisher auch. Was nicht heißt, dass es einfach wird …

    Ich finde es erstaunlich, ausgerechnet heute diesen Beitrag von Dir zu lesen und die Kommentare dazu. Es ist schön, dass man mit seinen Problemen nicht alleine ist.
    Die allerbesten Wünsche und eine Kraft, die größer ist als Eure, für Dich und alle anderen, die Deinen Beitrag kommentiert haben!

    Daniela 🙂

    1. Hallo Veronika,

      hier noch eine Ergänzung zu meinem Kommentar:
      Gestern habe ich in Lysas Buch etwas gelesen, das ich mit Dir und den anderen Frauen hier teilen möchte:
      „Nehmen wir doch einmal an, der Kampf mit unseren Essgewohnheiten sei gar kein Fluch, sondern ein Segen. Nehmen wir einmal an, es sei möglich, ausgerechnet an diesem Punkt Gottes Nähe in besonderer Weise zu erleben. Nehmen wir einmal an, wir würden Gott schließlich sogar für dieses Problem danken, weil wir bei der Bewältigung dieser Herausforderung ungeahnte Reichtümer entdeckt haben. Halten Sie das für möglich?“
      Und dann zitiert Lysa aus einem Kommentar in ihrem Blog: „Gott wusste schon vor meiner Geburt, dass das Essen leicht zum Götzen in meinem Leben werden könnte und dass ich eher zum Essen statt zu ihm laufen würde, um meine Bedürfnisse zu befriedigen. Und in seiner großen Weisheit hat er meinen Körper so geschaffen, dass sich die Folgen eines solchen Verhaltens zeigen, sodass ich immer wieder in seine Arme laufe. Er möchte, dass ich mich an ihn wende, um Erfüllung, emotionale Heilung und Trost zu finden, und wenn ich diese Erfüllung im Essen finden und nie ein Gramm zunehmen würde, wofür bräuchte ich dann noch Gott?“
      Ist das nicht eine schöne Überlegung?

      Außerdem hatte ich noch einige Gedanken zum Wert des Essens in meinem Leben:
      Essen ist ein Geschenk Gottes an mich. Es soll für mich wertvoll und kostbar sein. Ich darf es genießen. Ich darf dankbar dafür sein.
      Wenn ich Unmengen davon esse, dann ist es nicht mehr wertvoll und kostbar, ich bin nicht dankbar dafür. Und ein Genuss ist es eigentlich auch nicht mehr, wenn ich hinterher einen zu vollen Bauch und ein schlechtes Gewissen habe. Dann habe ich Gottes Geschenk missbraucht.
      Jetzt versuche ich so viel wie möglich bewusst zu essen. Das habe ich schon öfter gelesen, aber bisher irgendwie nicht als notwendig und „nur zu essen“ auch irgendwie als langweilig erachtet. Wenn ich bei manchen Mahlzeiten alleine am Tisch saß, las ich währenddessen oder machte mir Notizen. Jetzt konzentriere ich mich bei diesen Mahlzeiten aufs Essen.
      Und ich möchte auch nichts mehr essen, was mir nicht schmeckt, nur weil es gesund ist. Dann kann ich mein Essen nämlich auch nicht genießen und nicht dankbar dafür sein, und suche hinterher Ersatz.

      Liebe Grüße, Daniela

  10. Ach, auch noch ein – wie ich finde – sehenswerter Film zum Thema: Embrace. Gabi in Bamberg hat ihn gerade von mir geliehen, falls du ihn mal sehen willst.

    1. Oh ja, den Trailer hatte ich schon vor Monaten gesehen und auch schon vor langer Zeit mal das Buch gelesen. Nur irgendwie lief der Film nicht in den Kinos hier…

  11. Tipps will ich keine geben, die kommen von den anderen reichlich genug. Nur eins: Das ist gar nicht Jojo, das ist einfach Leben … Phasenweise geht es (das Gewicht) rauf, phasenweise runter, wenn man sich der Angelegenheit bewusst wird und sie in Angriff nimmt … Wie das individuell geht, ohne ins Extrem zu fallen, ist … individuell … Was ich sagen will ist, dass es nichts Abgefahrenes oder gar Krankes ist, über einen längeren Zeitraum stetig Gewicht zu- oder abzunehmen. Es passiert einfach. Es ist nicht schlimm. Etwas daran zu ändern ist legitim. Nicht obsessiv.

  12. Liebe Veronika, danke für deine mutige Offenheit. Das Thema beschäftigt wohl sehr viele Frauen, und ich kenne es nur ZU gut. Von Kind an empfand ich mich als zu dick, weil andere Mädchen einfach dünn waren. Ich nie. Und ich kam nach meinen rebellischen Teenager-Jahren direkt in eine Mager- und dann eine Essbrechsucht rein. („Kam rein“ triffts nicht grad, aber es führt sonst zu weit.) Das Fiese daran ist, dass man ums Essen ja nicht herumkommt. Man ist stündlich mit dem Thema konfrontiert. Und auch bei mir wars so: Entweder ich war am Zunehmen (und dachte dabei immer ans Essen) oder am Abnehmen (und dachte dabei immer nur ans Abnehmen). Mir haben zwei Dinge geholfen, aus dem Kreislauf auszubrechen: Erstens der Gedanke: Ich möchte eine Essens-(Lebens-)Form finden, mit der ich das ganze Leben leben kann. Also keine Diät. Sondern Essen, das gesund ist in dem Sinne, dass es mich nicht gefangen nimmt. Zweitens das Buch „Essen als Ersatz“, das mich ermutigt hat, das zu essen, was ich möchte. Denn nur das führt zu einem gesunden Körpergefühl. Ich hatte immer Angst, dass ich dann nur noch Süssigkeiten in mich hineinstopfe. Am Anfang nahm ich tatsächlich zu, aber das Dranbleiben half mir total, auf mich zu hören und dann auch stoppen zu können. Bei mir war das Hauptproblem, dass ich mir immer alles verboten hatte. Als ich damit aufhörte, hörte auch dieses Gefühl auf, ich müsse „nachholen“. Ach ja, dann gibt es noch Drittens und Viertens: ein Mann, der mir immer nur das Gefühl gab, schön zu sein, und Heilung/Seelsorge/Freiheit von alten Mustern. Es war ein sehr langer Weg, aber heute kann ich sagen, dass ich mich in meiner Haut mehr als wohlfühle. Meist. Am besten geht es mir, wenn ich übers Essen kaum nachdenke. Und heute ist es meistens so. Sorry für diesen langen Text. Von Herzen wünsche ich dir Freiheit und den Mut sowie die Ausdauer, dir diese schenken zu lassen. Gott kann es wirklich!

  13. Hallo Vroni,

    ab einem gewissen Alter merke ich, dass ich anders essen muss. Ich kann nicht nur essen, was ich mag…..ich lieeeeeeeeeeeeeebe helles Mehl, gebackenes, Latte mit Zucker…;-) Aber ich habe
    auch an meiner Kleidung gemerkt, dass mir kaum noch etwas passt. Mein Sohn lebt grade vegang, Er ist seeeeeeeehr viel Gemüse und Obst über den Tag. Das hilft mir wieder, bei meiner Ernährung bewusst zu achten, was ich esse. Ich esse abends kaum Kolenhydrathe. Und ich esse abends, wenn ich es schaffe, wenig! Ich esse viel Obst, das tut mir gut. Kuchen sind bei mir leider nur Ausnahmen, aber um so mehr liebe ich sie auch dann. 😉 Und dann laufe ich eine kleine Runde morgens nach dem Aufstehen, wenn der Sohn aus dem Haus ist, oder wie jetzt in den Ferien. Ich versuche alles im Rahmen zu halten, weil ich ja auch noch leben möchte. Ich möchte nicht das die Gewichtskontrolle meinen Alltag bestimmt, aber ich habe sie im Auge und tue was mir möglich ist. Auch ich hatte eine anstregende Zeit hinter mir und auch ich versuche jetzt ein bisschen netter zu mir zu sein….;.) Mich auszuruhen, wenn ich spüre, dass ich das grade brauche. Oder auch eine Stunde über Tag zu schlafen, wenn ich zu erschöpft bin. Denn um so müder ich bin, um so mehr verlangt mein Körper nach Süßem.
    Und ja, beten, beten, beten. Das dürfen wir nie vergessen. Gott an erste Stelle zu setzen, so können wir es vielleicht schaffen und etwas weniger in den Vordergrund unseres Egos, oder Ich zu stellen.
    Ich wünsche dir und allen anderen hier und mir, dass wir es schaffen kleine Wege in unsren Alltag einzubauen.
    Ganz liebe Grüße
    Susanne

  14. Was man hier alles so liest….. Und schön, dass die Einen einen dicken Körper und anderen deswegen ein dickes Portmonee bekommen. Ich habe das so satt. Diese Bezahlwochen für Kiloverlust und am Ende der Frust, ich schaffe es nicht. Nicht mit Vorschriften und Slogans. Ich weiß zu viel über Ernährung. Ich kanns nur nicht durchhalten….. Danke, Veronika, für deine Offenheit. Was ich hier mitnehme? Das Gebet. Ich glaube daran, dass nur Gott mir helfen kann. Schon mal von Overeaters Anonymous gehört?

  15. Hallo du Liebe, komisch, wie du mir schon ganz vertraut vorkommst, obwohl wir uns gar nicht kennen 🙂
    Ab morgen bin ich total dabei beim obsessionsfreien Leben, heute schreibe ich noch meine (hoffentlich!) letzte Masterklausur… Aber dann will ich mich einfach freudvoll ernähren und bewegen, egal ob ich davon dünner werde oder nicht. Ich hab nämlich neulich tatsächlich erkannt, dass mein Wert nullkommagarnix von meiner Kleidergröße abhängt. Halleluja! Nachdem ich jetzt jahrelang sauer auf meinen Körper war, lerne ich gerade, ihn lieb zu haben. Vielleicht kommt dann das Wohlfühlgewicht von ganz allein, weil ich nicht Liebe mit Schokolade ersetzen muss?
    Ganz liebe Grüße aus Bayern, Annna

  16. Hallo Vroni,

    Du hast echt eine stressige Zeit hinter Dir, wie man lesen konnte. Und sicherlich fahrt Ihr noch in Urlaub, wenn die Mädels Ferien haben. Diese Zeit solltest Du genießen und auftanken und einfach essen, was Dir schmeckt in der Ferienregion, denn das gehört ja auch zum Relaxen! Danach ist ja dann auch schon bald Herbst und dann beginnt schon bald wieder die Schule, und dann kann man ja mal wieder daran denken, vielleicht wieder mehr Richtung Wohlfühlgewicht zu kommen…

    Ich war vor einigen Wochen mit meinem Mann auf einem Wochenendseminar und dort fiel mir auf, dass ich die zweitdickste Frau dort war, die anderen waren schlank (und da fühlte ich mich wieder mal megaunwohl – ich kann da nicht drüber stehen, innere Werte hin oder her). Das war für mich wieder mal der (Wende-)Punkt, ab Montag gleich meine Ernährung umzustellen, um abzunehmen, was ich ja eigentlich schon lange wollte, aber es nicht so richtig klappte.

    Seitdem esse ich LCHF (kannst mal googlen). Das finde ich nicht so stressig und es kommt diesem „ganz oder gar nicht“, was ich auch kenne, entgegen: (Möglichst) keine Kohlehydrate und sonst alles!
    Ich muss ja auch für meine Familie kochen und da sieht das mittags so aus: Z.B. Fisch oder Fleisch mit Reis/Kartoffeln/Nudeln o.ä.und Gemüse/Salat oder beides. Ich esse mit, lasse nur die sogenannte „Sättigungsbeilage“, also die Kohlehydrate, weg. (Und wenn ich doch mal den Nudeln nicht widerstehen kann, dann ess ich halt mal 1 Löffel davon, aber nicht den halben oder ganzen Teller voll). Und Brot habe ich mir auch abgewöhnt, was auch kein großes Problem für mich ist.
    Das klappt bei mir grad ganz gut, und die Abnahme funktioniert auch. (Mit Lebe-leichter hatte ich auch mal 6kg abgenommen, habe diese aber wieder zugenommen. Schwierig wird es für mich, wenn ich öfter zwischendurch mal Hunger habe, auch mehr als die 2 Maxis. Da esse ich jetzt einfach 1 Ei oder ein Stück Käse oder nen übrigen Salat. Damit komme ich besser zurecht).

    So, jetzt hast Du ja von vielen verschiedene Vorschläge bekommen, das kannst Du Dir ja alles mal anschauen. Es ist saublöd, wenn einem die Kleider nicht mehr passen und man eine Größe größer kaufen muss, das hab ich jetzt schon x-mal gehabt und jetzt ist Schluss bei mir, sonst bin ich bald ein ÜHU. Du aber hast immer noch eine Figur, um die Dich viele Dicke beneiden, vergiss das nicht!!! Also stress Dich auf keinen Fall rein, sondern lass Dir Zeit mit dem Abnehmen.

    Bieten ist gut und hilfreich, aber Gott hat uns ja unsere Freiheit gegeben, auch was wir uns in den Mund stecken! 😉

    In diesem Sinne schöne Ferien Euch und liebe Grüße aus Unterfranken
    Katja

  17. Hallo Vroni,

    bin auch eine stille Mitleserin bisher. Einen weiteren Buchtipp habe ich noch, nicht zum Thema Essen, sondern zum Thema Willenskraft: Bergauf mit Rückenwind, Kelly McGonigal. Locker geschrieben und menschenfreundlich, gleichzeitig wissenschaftlich fundiert und mit vielen praktischen Übungen. Du kannst es auf alle möglichen „ich will“ (mehr Sport machen, aufräumen) oder „ich will nicht“ (zuviel essen, zuviel Geld ausgeben)-Herausforderungen anwenden.

    Interessant fand ich, dass man z.B. mit einfachen Atemübungen die Herzratenvariabilität und damit die Stressresistenz und damit letztlich auch die Willenskraft/Selbstregulation verbessern kann. Ein tolles, motivierendes Buch.Vielleicht ist das auch was für dich?

    Und, aber das haben die anderen auch schon gesagt: 1) immer schön eins nach dem anderen und
    2) sei dir selbst eine gute Freundin 🙂

    LG

  18. Hallo Veronika!
    Ich lese auch schon lange sehr gerne Deine Gedanken – DANKE fürs Teilen!
    Vor einiger Zeit ist ein Dokumentarfilm erschienen, den ich sehr beeindruckend finde zum Thema „Frauen und ihre Körper“ … EMBRACE – gibt es als DVD und kann ich sehr empfehlen!
    Liebe Grüße
    Birgit

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