Familie

Silvester früher und heute

Die Erinnerung an vergangene Silvesterfeiern sind im Nebel der verklärenden Erinnerung leicht verschwommen. Da tanze ich zu 90er Eurotrash im israelischen Kibbuz ins Jahr 1994. Ich küsse einen längst Verflossenen im kalten Nürnberg, 1999 (mit der Hoffnung, dass er MEIN Prinz ist!). Die legendäre Jahrtausendwende verbringe ich nüchtern bei meiner Freundin Annette in Ingolstadt und reiße in den dunklen Morgenstunden meinen Dienst ab (Flug Nürnberg-Paris und zurück). 2002/03 stehe ich desillusioniert auf der Princes Bridge in Melbourne und schaue dem bombastischen Feuerwerk zu. Weitere Silvesterfeiern mit Annette und Anhang folgen – sie haben alle etwas mit Vodka-gefüllter Melone, Schläfchen auf dem Flurteppich, Tanz mit dem Staubsauger und Partyspielen zu tun.

Dann wurden Armin und ich Eltern. Damit änderte sich radikal der Ablauf unserer Silvester-Abende. Unsere Babysitterin war nicht abkömmlich, sie begrüßte das Neue Jahr mit dem restlichen bundesdeutschen Partyvolk am Brandenburger Tor. Hmpf. Also mussten wir daheim bleiben. Da die meisten unserer Freunde selbst kleine Kinder haben und deren Babysitter ebenfalls an Silvester verhindert sind, blieben wir also unter uns. Mit unseren Kindern konnten wir weder lustige Partyspiele unternehmen (es sei denn Memory fällt in diese Kategorie) noch Vodka-gefüllte Melone vertilgen.

Also machten wir Raclette. Dazu trank ich zwei Bier (wild!). Josefine sortierte unter lautstarkem Protest alle liebevoll angerichteten Zutaten aus und konzentrierte sich auf die Zerteilung einer Kartoffel in ihre atomaren Bestandteile. Amelies Kopf fiel vor Müdigkeit fast in die Käsepampe auf ihrem Teller. Wir lotsten die Mädchen in ihre Betten. Was gar nicht so einfach war angesichts der Silvester-Ungedulds-Idioten, deren Uhren entweder völlig falsch gehen oder die schon um 19 Uhr abends voll sind wie tausend Russen. Vereinzelte Böller krachten und ich musste mit beruhigenden Engelszungen auf meine Kinder einreden, bis sie sich endlich entschlossen einzuschlafen.

Armin und ich waren bereits um 20 Uhr bettschwer. Aber wir rissen uns am Riemen, schauten Bilder vom vergangenen Jahr an und ließen unsere Highlights, Hürden, Erfolge und Missgeschicke Revue passieren. Dinner for One stand anschließend auf dem Programm. Dazu ein Kir Royal. Dann noch eine Folge Gilmore Girls. Gegen halb elf schauten Armin und ich uns an und mussten lachen. Beide konnten wir kaum mehr die Augen auf halten. „Wir sind doch die größten Loser, Armin! Wer geht bitteschön an Silvester um halb elf ins Bett?“ „Dafür hüpfen wir morgen im Gegensatz zum restlichen Partyvolk frisch und ausgeschlafen aus den Federn.“ „Ja, und ich habe morgen KEINEN Kater!“ Plötzlich fühlte sich unser Silvesterabend gar nicht mehr so dämlich an.

Trotzdem stand ich um 12 Uhr nachts nochmal auf, setzte mich auf den Balkon und begrüßte das neue Jahr mit dem Wunsch, dass wir als Familie bewahrt bleiben, dass wir innerlich wachsen und einfach glücklich sind.

Dann legte ich mich wieder ins Bett und las einen Krimi. Böser Fehler. Für den Rest der Nacht träumte ich von Triebtätern, Messern und sehr sehr ekligen Details, die ich hier nicht näher ausführen will. Ich wachte zwar nicht mit einem Kater auf, dafür brauchte ich aber den halben Vormittag um die Traumgefühle wieder loszuwerden.

Nun ist das neue Jahr einen halben Tag alt. Super! Meine Vorsätze konnte ich bisher teilweise einhalten. Gar nicht so übel!

Irgendwann werden wir auch wieder ordentlich Silvester feiern. Wenn unsere Kinder groß sind. Aber dann sind wir wahrscheinlich zu alt, um bis 12 Uhr nachts aufbleiben zu können. Der Partyzug ist ohne uns abgefahren und kommt nie mehr zurück….Aber da wo wir jetzt sind, ist es gar nicht so schlecht.

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Silvester früher und heute“

  1. Liebe Veronika,

    schön zu hören, dass es auch andere so empfinden. Ich lese deinen Blog sehr gerne. Erkenne mich teils wieder und teils bin ich ganz angetan von deinen Ideen und Sichtweisen das Leben zu meistern.
    Hab ein schönes neues Jahr 2013!

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    1. Hallo liebe Steffi,
      Danke für deine Wünsche zum neuen Jahr und für deinen Kommentar! Ich wünsch dir weiterhin viel Spaß beim Lesen meines Blogs 🙂
      Viele liebe Grüße und ebenfalls ein gesegnetes 2013!!
      Veronika

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  2. Da ist ja unser Abend auch nicht so schlecht gelaufen mit unseren Kids 🙂 Haben es zumindest bis 12 Uhr geschafft, wach zu bleiben. Aber die Hoffnung das die Partyzeit vorbei ist, gebe ich nicht so schnell auf… Janet

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