Liebe Oma, lieber Opa,

wie geht es euch? Habt ihr diese Woche ordentlich in eurem Gemüsegarten geschwitzt? Und Oma: hast du wieder die Marmelade gekocht, die ich so gerne bei Euch esse?

Smalltalk beiseite. Ich muss mich bei euch über Mama beschweren. Das ist Eure Tochter…glaube ich. Ich blick das mit den hochkomplizierten Verwandtschaftsverhältnissen noch nicht ganz. Letztes Wochenende war ich krank. Nicht nur so ein bisschen Mir-läuft-die-Nase-krank. Nein. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben Fieber. Oma, Opa, ich muss euch warnen, falls ihr diese Krankheit noch nicht hattet: Haltet euch in dem Fall bloß von meiner Mama fern! Zuerst verfolgte sie mich mit so einem komischen Fieberstab, den sie mir ständig besorgt auf die Stirn hielt. Und dann, als sie drauf schaute, sagte sie das böse Z-Wort! Nein, nicht Zipfelheinz (so nennt sie mich manchmal, wenn sie versucht lustig zu sein). Sie sagte: Zäpfchen! Als sie meinen vom Fieber geschwächten Protest hörte, versuchte sie mich zu manipulieren. Da ich so krank war, ließ ich sie meinen Willen brechen.

Das habe ich ihr übel genommen. Gestern Abend ist mir eine Idee gekommen, wie ich mich an ihr  rächen kann (und an Papa, denn er hat sie unterstützt!!). Ich durfte nämlich ganz lange aufbleiben. War wahrscheinlich so ne „Einschleim-Aktion“. Hat nix genützt – ich habe die beiden genau durchschaut. Ich war todmüde, wollte eigentlich nur schlafen, aber ich habe ihr perfides Spiel mitgespielt (Play the game right!). Also tat ich so, als würde ich noch nicht ins Bett wollen, turnte durch alle Zimmer, schaute fern und zog alle Verzögerungstricks aus meinem Hut. Mama und Papa wiegten sich sicher im Glauben, dass sie am nächsten Morgen ausschlafen könnten. Ich glaube, sie sind noch sehr sehr lange aufgeblieben (habt ihr Mama nicht gut beigebracht, rechtzeitig und ordentlich ins Bett zu gehen??). Dann, heute Morgen, bin ich um halb sieben aufgestanden. Mit Pauken und Trompeten und Trommeln und Mundharmonika!! Hahaha! Ihr hättet mal die Gesichter von Mama und Papa sehen sollen. Not amused! Und Mamas Haare standen mal wieder in alle Richtungen ab, nebenbei bemerkt.

Ich glaube, ich habe es etwas zu weit getrieben. Mama und Papa sind jetzt schlecht gelaunt. Könnt ihr sie wieder aufmuntern? Sonst sehe ich schwarz für meine heutige Eisration.

Ich habe euch lieb. Mama und Papa habe ich auch lieb. Trotz allem.

Eure Amelie

PS: Oma, darf ich beim nächsten Besuch an euer Schokoladenfach? Mama lässt mich nämlich nie. Sie behauptet immer, das sei Erwachsenenschokolade. Irgendwas lässt mich das bezweifeln.

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