Familie, Mütter-Challenge

Mütter-Challenge {Tag 22 – Heute ersetze ich Ironie durch Freundlichkeit}

Was ich an Kindern liebe? Neben ihrer wundervollen Gabe, völlig in der Gegenwart zu leben und begeisterungsfähig zu sein, mag ich ihre Leichtgläubigkeit.
Sie nehmen alles so an, wie es gesagt wird. Ich wünschte mir, dass wir unter Erwachsenen auch so miteinander umgehen könnten. Dann könnte ich es mir nämlich sparen, nach bestimmten Gesprächen alles Gesagte analysieren oder jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen. Dieser Leichtgläubigkeit liegt nämlich das totale Urvertrauen eines Kindes zugrunde. Nach und nach geht das verloren – zum Teil eben auch durch ironische Bemerkungen, Lügen und Übertreibungen von Seiten der Erwachsenen. Vieles ist lustig gemeint, denn es ist ja so einfach, einem Kind einen Bären aufzubinden. Aber wenn ich mich in die Lage eines Kindes versetze, dann würde ich mir völlig verarscht vorkommen, wenn die Erwachsenenrunde über mich gönnerhaft lacht, nachdem sie mich zum Affen gemacht haben.

Gerade lese ich das Buch „Mutig mit den Kindern wachsen„. Darin habe ich eine Geschichte gelesen, die mich sehr ins Nachdenken über mein eigenes Verhalten brachte. Ich bin nämlich auch eine der Kandidatinnen, die ganz gerne mal in die Lügengeschichtenkiste greift, um ein Kind zu veräppeln.

Carolin, 6 Jahr alt, isst am liebsten Spaghetti. Eines Tages fragt sie ihre Tante: „Wo wachsen eigentlich die Spaghetti?“ Ihre Tante findet den Gedanken lustig und antwortet: „Die Spaghetti wachsen in Italien auf Bäumen. Wenn du größer bist, fahre ich mal zur Spaghettiblüte mit dir nach Meran.“ Carolin geht am nächsten Tag in die Schule und posaunt groß herum, dass es Spaghettibäume gäbe, die in Meran wachsen würden. Die Klassenkameraden lachen sie aus, aber die bleibt dabei. Doch am nächsten Tag, als alle Kinder zu Hause nachgefragt haben, wird Carolin so richtig ausgelacht.

Ich möchte Fragen und Anliegen meiner Kinder ernst nehmen.

Ich will auf Trödeleien, Fehler und Missgeschicke meiner Kinder nicht mit Ironie reagieren.

Denn so unbedeutend oder lustig mir meine Reaktion auch vorkommen mag, sie kann zerstörerische Kräfte entfalten. Denn Kinder vergeben zwar schnell, aber vergessen tun sie nicht.

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