Advent in der Straßenbahn

Ihr Lieben,

dieses Jahr nehme ich euch in der Adventszeit mit in Alltagssituationen. Weil ich glaube, dass Advent mehr mit den Zwischentönen zu tun hat als mit Wichtelgeschenken und Christstollen und all dem herrlichen Firlefanz.

Gleich zu Anfang habe ich Neuigkeiten:

Ein neues Mini-Zine ist geboren!

Ich habe es in den letzten Woche entworfen, gemalt, beschriftet und gedruckt. Mich haut die Tatsache immer noch um, dass ihr meine Zines kauft, lest, weiterverschenkt. Ein riesiges Danke!

Eat your veggies! – Ein Mini-Zine aus einem DINA4-Blatt mit Rezepten und einer Minitüte voller Mangoldsamen.

Die gibt es aktuell in meinem Shop so lange der Vorrat reicht (was auch auf die anderen Zines und Bücher zutrifft).

Falls du meine Bücher weiterverschenken möchtest, rate ich dir zur baldigen Bestellung, da die Post vor Weihnachten nicht immer die zuverlässigste ist.

Lust auf Lecker

Apropos Rezepte: Ich war zu Gast in der veganen Kochsendung „Lust auf lecker“. Es war ein Riesenspaß, den ich gerne mit euch teile. Vielleicht werde ich im nächsten Leben Kochshow-Host!

Die zwei Sendungen kannst du hier und hier sehen.


Genug der Selbstvermarktung! Auf gehts zum Herzstück dieses Blogposts

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Die gelbe Straßenbahn mit ihren beschlagenen Fenstern hält mit einem leisen Kreischen. Gegenüber der Weihnachtsmarkt, von dem man hinter den wuchtigen, kralligen Sperrelementen, die den Terror draußen halten sollen, nicht viel sieht. Nur die Lichtreflexe des Weihnachtsbaums auf dem nassen Asphalt. 

Dutzende Menschen, wie Weihnachtsbäume behängt mit allerlei Tand aus den Geschäften, drängen in die Waggons. Ich mittendrin. Alle Gesichter schreien still: Ich bin froh, endlich nach Hause fahren zu dürfen. Meines auch. Auf dem Rücken trage ich meinen Laptop und andere Arbeitsutensilien, links hängt eine Papiertüte über meinem Arm, von der ich nicht weiß, wie lange sie sich noch an ihr Leben klammern wird. Rechts schneiden die Henkel einer Stofftasche in meine Schultern. Ich bin die Einzige, die Maske trägt. Vielleicht bin ich paranoid. Aber ich kann nicht ausfallen. Nicht auf Arbeit. Nicht daheim. Immer die Maschine am Laufen halten. Wer nicht ich, wer dann? Ein wuchtiger Mann steigt ein. Er schaut mich an und dröhnt: „Na, haben Sie Corona?“ Ich möchte antworten: „Nein, die Pest.“ Aber ich bin erschöpft, schüttele nur den Kopf. Versuche seinem skeptischen Blick auszuweichen.

Ich stehe an der Straßenbahntür, blicke in die Dunkelheit nach draußen und sehe nur mein eigenes Spiegelbild. Da muss ich plötzlich ein bisschen unter meiner Maske lächeln. Schade, dass das niemand sieht. Ein lächelnder Mensch in der Straßenbahn an einem nasskalten Dienstagabend ist eine Seltenheit. 

Die Nähte meiner Stofftasche werden von Büchern einem Stresstest unterzogen. Ich habe sie mir sorgfältig in der Stadtbücherei ausgesucht. Da drängt sich ein Richard Rohr an ein Schwarzwaldmärchen, eine Erzählung von den pazifischen Inseln an den Nahostkonflikt. Eng aneinander gepresst lächeln sie sich gezwungen zu, vielleicht fangen sie an leise miteinander zu flüstern und der Nahe Osten taucht in die dunklen Wälder des Schwarzwalds ein. Und Richard Rohr sonnt sich am Strand einer Pazifikinsel. Oder sie schweigen demonstrativ, wie auch der Rest der Straßenbahn. 

Die Papiertüte ist bis an den Rand gefüllt mit getrockneten Früchten, Schoko-Nikoläusen, Zimtsternen und allerlei weiterem Kram für den Nikolausstiefel und den Adventskalender (diese Traditionen werden in unserem Hause hartnäckig weitergeführt – auch wenn die Kinder nun keine Kinder mehr sind). Das Geld dafür habe ich heute verdient mit dem Schreiben von Interviews und mit jeder Me…

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