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Vor einiger Zeit schrieb ich eine Liste, auf der ich all meine Leidenschaften – vergangene und brandneue – notierte. Sie wurde lang. Sehr lang. Ich wollte mir in Erinnerung rufen, warum ich nie einem geradlinigen Lebenslauf folgen konnte und wollte. Ich war anders gestrickt: Sozusagen ein knielanger, reichhaltiger Wollpullover aus allen Farben und Garnarten. Immer etwas außerhalb des Fashion-Standards. Ich wollte dazugehören, nicht auffallen, keine spöttischen Kommentare anlocken. Nur machte mir meine Persönlichkeit einen gehörigen Strich durch die Rechnung.
Hier ein paar Kostproben:
Kindheit: Malen, Schreiben, Briefmarken sammeln, Taxidermie, Backen, Hütten im Wald bauen, Kräuterheilkunde, Reiten, Vögel beobachten, Gärtnern, Marmelade kochen
Jugend: Bücher, Politik, Biografien, U2, Bibelwissen, Basketball, Kosmetik, Lyrik, Hebräisch, Klavierspielen, Gitarre, Schlagzeug
Erwachsenenalter: Ok, ich höre hier auf. Das würde den Rahmen sprengen. Nimm die Interessen aus Kindheit und Jugend und packe noch einige drauf (bis auf Taxidermie und Briefmarken sammeln. BITTE, was war das für eine Phase??).

Vielfältigkeitsmenschen – auch Generalisten genannt – manövrieren sich jedoch leicht in die Bredouille. Sie laden sich zu viel auf. Haben Schwierigkeiten sich zu fokussieren. Fangen vielen Dinge an, ohne sie zu Ende zu bringen. Verzetteln sich heillos. Der Tag hat nicht genügend Stunden! Und dann kommen so viele lästige Dinge in die Quere wie Erwerbsarbeit, Einkaufen, Kochen, Putzen. Unterbrechungen sind die schlimmsten Endgegner.
Getting-Shit-Done-Tage
Gestern wollte ich mich mit diesem Blogartikel beschäftigen (und Zimtschnecken backen, Sauerteig ansetzen, an meinem Pullover weiterstricken…), aber ich musste meine Inbox abarbeiten, einen Notartermin vorbereiten, das Kind zum Impfen bringen, Mittagessen kochen, Feuerholz bestellen und zum Elternabend gehen. Es gab weder einen Blogartikel noch Zimtschnecken.

Das sind Tage, an denen ich mich den Notwendigkeiten des Lebens stellen muss, auch wenn sie eine Unterbrechung meines kreativen Schaffens bedeuten. Mittlerweile weiß ich: Je weniger ich mich gegen sie wehren, desto weniger Energie kosten sie mich. Ich nenne sie: Getting-Shit-Done-Tage. Da krempel ich die Ärmel hoch, schaffe alles, was mich ausbremst, aus dem Weg. An diesen Tagen hake ich To-Do-Listen im Rekordtempo ab. Was man nicht alles schafft, wenn man das Handy auf das höchste Bücherregal des Hauses legt!
Und heute – endlich! – darf ich wieder hier sitzen und meiner Schreiblust freien Lauf lassen während draußen der Nebel zwischen den Bäumen hängt.
Der persönliche Lehrplan

Ich habe mich mit Fluch und Segen, die meine vielen Interessen mit sich bringen, versöhnt. Und doch brauche ich Methoden, mit denen ich sie in eine lebbare, vernünftige Form gießen kann, ohne mich selbst zu überfordern. Das bringt mich zu einem TikTok-Trend, der mich in letzter Zeit sehr beschäftigt *:
The Personal Curriculum – Der persönliche Lehrplan
Nein, es geht nicht um einen weiteren digital gehypten Selbstoptimierungswahn*. Sondern darum, die eigenen Interessen wachzukitzeln und diese gut zu steuern. Das Handy aus- und das Hirn einzuschalten. Die Neugier zu wecken. De…
Hallo Veronika 😃
Da denke ich spontan, ich lese mal bei Veronikas Blog, weil ich mich nicht entscheiden kann, welche der vielen Dinge ich heute machen will und welche ich von den „Muss-Dingen“ heute noch erledige und dann kommt DAS Thema im Blog!! 😍🤩
Danke für die Idee des Lehrplans, auch wenn es mich momentan eher gedanklich stresst und danke für die guten Worte am Ende, dass alles seine Zeit hat und nicht in alles momentan passen muss.
Aber trotzdem ein wundervolles Konzept und für mich eine schöne Idee, wie ich mit all meinen Interessen umgehen kann ❤️👍🏻!
Da freue ich mich ja direkt aufs Wochenende, wo ich meine Buch bestellung von dir auspacken werde und in deinem neustem Buch schmökern werde: danke dafür 😃🙏🏻!
Liebe Grüße aus Bochum,
Debby 🙋🏻♀️💖👋🏻