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Letztens nahmen mich zwei Freundinnen auf einen Sonntagsausflug in den Schwarzwald mit. Der Tag bestand aus Sonnenschein und dem Gefühl, etwas so Wertvolles zu erleben, das man für ewig festhalten möchte. Wir vertrieben uns die Zeit mit Wandern, Essen, Reden, Fotografieren und noch mehr Reden. Man hätte meinen können, uns würde irgendwann der Gesprächsstoff ausgehen. Aber selbst noch am Abend, auf dem Rückweg im Auto unterhielten wir uns angeregt weiter und kamen auf das Enneagramm zu sprechen. (Eine seit Jahrzehnten populäre und überraschend genaue Persönlichkeitstypologie von neun Menschentypen. Diese ist auf frühe christliche Mystiker zurückzuführen. Wer sich mit dem Enneagramm vertraut machen möchte: Ich kann dieses Buch empfehlen.)
„Habt ihr auch die Erfahrung gemacht, dass der Persönlichkeitstyp, der euch am unsympathischsten ist, genau auf euch zutrifft?“ fragte die eine Freundin. Die andere und ich riefen wie aus einem Mund: „Ja!“
Ich bin übrigens der Persönlichkeitstyp EINS. Die Perfektionistin. Die Reformerin.
Wir EINSEN sind idealistisch, wollen mit gutem Beispiel vorangehen, sind verantwortungsbewusst, und notorisch pünktlich. Nicht selten leiden wir am Messiaskomplex und wollen die ganze Welt retten.Und wir besitzen die fröhliche Gabe, Fehler bei anderen und im System in Sekundenschnelle zu erkennen. Aber nicht nur das. Nein, wir sind auch im Stande, diese Fehler zu benennen. Laut und deutlich.
Das könnte ein Grund dafür sein, warum ich eigentlich keine EINS sein will. Und warum sie bei anderen manchmal ein klitzekleinwenig unbeliebt ist.
Der Franziskanerpater Richard Rohr (übrigens auch eine EINS) schreibt dazu:
„Schwer tun sie sich (die EINSER), fremde und vor allem eigene Unvollkommenheiten anzunehmen. Nur wenn sie bei sich selbst sind und in sich ruhen, können sie akzeptieren, in einer (noch) unvollkommenen Gegenwart zu leben und auf das allmähliche Wachstum des Guten zu vertrauen.“
Aber es gibt Hoffnung! Die Geistesfrucht der gereiften EINS ist die heitere Gelassenheit. Ab und zu komme ich bereits in den Genuss dieses neuen Lebensgefühls. In zwei Tagen feiere ich meinen 51. Geburtstag und es hat fast 50 Jahre lang gebraucht, Entspannung zu lernen, das Leben mit seinen Unfertigkeiten und Brüchen anzunehmen. Und zu feiern!

Ach so, und die Freundinnen im Auto? Alle beide eine ZWEI. Superkompatibel mit der EINS.
Moment, denkst du jetzt. Was hat dieses Geschwafel über das Enneagramm mit dem „inneren Garten“ zu tun?
Nur Geduld! (Falls du eine EINS bist, besitzt du diese Stärke leider nicht).
Mischkalkulationen
Wir beginnen erstmal wieder mit einer Erzählung von Jesus:
Man kann die neue Wirklichkeit, in der Gott alles bestimmt, mit einem Menschen vergleichen, der gutes Saatgut auf seinen eigenen Acker einsäte. Doch in der Nacht, als alle Menschen schliefen, kam sein Feind und streute Unkrautsamen mitten unter das Getreide. Danach ging er wieder fort. Als dann die Saat aufging und die Ähren sich entwickelten, erschien auch das Unkraut. Da kamen seine Angestellten und sagten zum Landbesitzer: Herr, du hast doch gutes Saatgut auf deinen Acker ausgestreut! Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: ›Einer, der gegen uns ist, hat das getan!‹ Da sagten seine Angestellten: ›Willst du, dass wir auf das Feld gehen und das Unkra…

Mensch, Veronika, da hast du aber ein Fass aufgemacht. 😉
Fällt es uns nicht allen so schwer, genau da hin zu schauen…und doch ist es ja so wichtig.
Nur im Verstehen können wir heilen.
Danke, dass du das mit uns teilst!
Ich wünsche dir von Herzen eine gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz entspannte, gelassene und freudige Geburtstagsfeier, mit all deinen Lieben. 🙂
Ganz liebe Grüße
Susanne