Nicht alles geht auf, was wir säen (und das ist ok)

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Ich habe gestern einen herrlich-windigen Tag im Garten verbracht. Blumenkohl und Lauch und Sellerie steckte ich in die feuchte Erde. Diese mulchte ich mit Schneckenkorn. Säte Spinat nach (den die unverschämten Schnecken weggeputzt hatten). Jätete Beikräuter. Entfernte 4390 Hainbuchenkeimlinge. Mähte den Rasen. Beschnitt Sträucher. Bedeckte den Vorgarten mit Rasenschnitt. Drängte die Brombeerwildnis am Gartenrand zurück.

Und immer wieder erprobte ich das Innehalten, was die Hauptaufgabe einer Gärtnerin ist.

Innehalten und beobachten.

Als ich mich so auf meine Hacke stützte, das verschwitzte Haar nach hinten strich, den schmerzenden Rücken streckte, ließ ich den Blick schweifen. Weg von den ärgerlichen 4390 Hainbuchenkeimlingen und angefressenen Kohlrabipflänzchen. Mein Blick wanderte nach oben, ergötzte sich an dem unverschämten Blau des Himmels, vor dem die Trauben- und Wildkirsche mit ihren duftigen Blütenwolken kokettierten. Ich legte die Hacke zur Seite und spazierte ziellos durch meinen Garten.

Spazierengehen ist eine andere Form des Innehaltens.

Zunächst schlenderte ich in den hinteren Garten, den ich verwildern lasse. Im letzten Jahr säte ich hier eine Wildblumenmischung für trockenen Schatten aus. Und siehe da, in diesem Jahr zeigt sich schon was.

Im hohen Gras winkte der violette Günsel, die weiße Nachtviole, der Löwenzahn und die Butterblume.

Mein Weg führte an den sprießenden Himbeeren, an den Hochbeeten und der Steinmauer vorbei. Schließlich endete der Mini-Spaziergang an meinem Pflanztisch, auf dem neben dem Chaos aus aufgerissenen Saatgutpäckchen und verschmutzten Pflanztöpfen mein Notizbuch lag, in dem ich Jahr für Jahr meine Gartenpläne einzeichne, Saatgut-Inventuren vermerke und Ideen notiere. Ich blätterte ein wenig darin herum und stieß auf mein erstes Gartenjahr.

Ich musste lachen. Über meine hochtrabenden Pläne und meine Entschlossenheit, dieses Stück Land in eine Form von britischer Garten-Finesse zu pressen. Ich habe die Gabe, Potenzial zu erkennen. Vor sieben Jahren, als der Garten eine Wildnis war, sah ich mäandernde Kiesgartenwege mit verwunschen Sitzplätzen und raffiniert angelegten Gartenrabatten (natürlich mit ausgeklügeltem Farbschema) vor mir. Dazu einen produktiven Küchengarten, der jeden Supermarkteinkauf in Zukunft obsolet machen würde.

Nach diesen biblisch anmutenden sieben Jahren Gartenarbeit und vielem, vielem Innehalten habe ich akzeptiert, dass dieser viel zu schattige, von ungebändigter Nachbarwildnis umsäumte Garten, der im Winter zu nass und im Sommer zu trocken ist, in halbwilder Form am besten gedeiht. Und dass meine Kräfte und Ressourcen begrenzt sind. Ich werde kein nächster Monty Don und auch kein nächster Charles Dowding.

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