
Endlich haben wir unsere neue Haustür.
Das alte Exemplar stammte aus den Zeiten als Adenauer Kanzler war. Der Wind pfiff an undichten Stellen herein und sie war der Traum eines jeden faulen Einbrechers. Wer heutzutage eine Haustür beim Schreiner bestellt, braucht viel Geduld. Fast solange wie wir auf das Ende der Pandemie warten, hatten wir auch auf die Haustür gewartet.
Nun ist sie da. Und mir hüpft das Herz vor Freude, wenn ich sie auf und zu ziehe. Sie gibt lediglich einen sanften Laut von sich. Kein Scheppern mehr, wenn sie ins Schloss fällt. Herrlich. Und es zieht auch nicht mehr so garstig in den kalten Monaten im Hausflur.
Ich wünschte, ich hätte auch so eine einbruchsichere, isolierte Tür, die ich zuschmeißen kann, wenn die ganze Welt zu mir hereinströmen möchte. Das Problem ist nur, dass ich die Welt in meiner Hosentasche herumtrage. Alle Konflikte, alle Nachrichten, meine Arbeit, meinen Kalender, meine Listen, die Meinungen von Millionen Menschen.
Meine Fähigkeit, die Tür hinter mir zu schließen ist brüchiger als unsere alte Haustür. Es schlüpft immer etwas durch, verfolgt mich in den Schlaf und zerfranst meine Gedanken und mein Tun.
Oh, wie gerne würde ich mich in diesen Novembertagen völlig abschotten. Die Nachrichten ignorieren. Heiteren Optimismus versprühen. Das Handy mal einen ganzen Tag ausschalten. So tun, als wäre die Welt da draußen halbwegs in Ordnung.
Aber vielleicht soll ich mich gar nicht so komplett abschotten. Mich hinter meiner neuen Tür verschanzen. Ein Mensch, der nicht mehr hinausgeht, nicht mehr hinhört, sich nicht mehr einmischt, ist kraftlos geworden. Oder wie Jesus sagt, der hat kein Salz.
Wenn wir unsere Türen verschlossen halten, kann auch niemand mehr hinein. Dann kann keiner mehr Licht für uns sein, Farbe in unser Alltagsgrau bringen. Aber ich möchte aufpassen, wen und was ich hereinlasse.Wenn ich die Tür immer geöffnet habe, kommt eben nicht nur das Gute herein, sondern auch der Einbrecher, der ungebeten durchs Privateste trampelt und dort herumwühlt.
Diese Woche hat mir ein kluger Mensch gesagt, wie wichtig es sei, in dieser Zeit reduziert zu leben. Nicht nur im ganz physischen Sinne. Sondern auch auf der mentalen Ebene. Da muss man sich die wichtigen Fragen stellen: Soll ich mich in jede Kontroverse stürzen? Soll ich auf alles reagieren, was mir da entgegenkommt? Muss ich zu allem meine Meinung sagen, mich hineinziehen lassen in alles Konfliktreiche?
Reduziert leben bedeutet doch, seine eigene Kraft, seine Zeit gezielt einzusetzen und sich nicht wie eine klapprige Tür im Wind so lange hin- und herumwerfen zu lassen, bis die Türangeln ermüden und zu quietschen beginnen. Und ich verstehe mich so unglaublich darauf, mich hin- und herwerfen zu lassen. Gerade in diesen Zeiten. Ein Wunder, dass ich noch nicht selbst zu quietschen begonnen habe.
Ich stehe immer wieder am Anfang dieses Lernprozesses. Meine Impulsivität macht es mir manchmal sehr sehr schwer. Und natürlich auch mein Messiaskomplex, mit dem ich die Welt retten und sowieso immer recht haben will.
Das ist meine Arbeit im November. Ein guter Türsteher sein. Genau kontrollieren, wer herein darf und wer bitteschön draußen in der Kälte bleibt. Reduziert leben. Das Wesentliche in den Blick nehmen. Und mich nicht von den Gewalten hin-und herwerfen lassen.

Ich hab ein paar Links für dich:
- Mein Gespräch beim ERF. Nachzuhören hier
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ - Künstler brauchen in dieser Zeit Unterstützung.
Meine Freundin Sally Grayson, Musikerin und Künstlerin, startet eine großartige Aktion: Sie malt wunderschöne Auftragsbilder. Vielleicht eine Idee für Weihnachten? Schaut mal hier. (Die Seite wird es demnächst auch in deutscher Version geben).
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ - Vielleicht magst du aber auch zu Weihnachten Bücher verschenken?
Ich hab noch einige Exemplare dieser vier Bücher im Vorrat:
Coffee & Jesus
Problemzone Frau
Heiliger Alltag
Hoffnung leuchtet
Hier kannst du direkt bei mir bestellen
Ich signiere sie auch sehr gerne auf Wunsch.
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ - How we end consumerism
- Die Matheleugnerin
- Patchwork mal ganz anders
Vielen ❤️lichen Dank für diesen Text.
Wir sind gerade nicht unbedingt einer Meinung. Und doch trifft dieser Text für mich genauso zu wie für dich. Sehr treffend geschrieben; das kannst du wirklich gut.
Und am Ende werden wir hoffentlich alle versöhnt sein, weil wir Jesus lieben und er uns zuerst geliebt hat.
Bedingungslos!
Simone, du sprichst mir aus dem Herzen. Danke für deinen Kommentar.
Herzliche Grüße und aus-Prinzip-in-Verbundenheit, liebe Veronika und Simone,
von Melanie
P.S.: Die neue Haustür -to die for… ❤
Vielen Dank für diesen Text! In deinen Gedanken konnte ich mich so wiederfinden.
Vielen Dank für diesen und die vorherigen Texte.
Ich fühle mich oft so verstanden. Die Haustür ist sehr sehr schön und Eure Fliesen im Hausflur sind wunderschön!