Wir haben unseren Hauskreis aufgegeben

Du und ich – wir sind hier bereits eine Weile gemeinsam unterwegs. Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich mich das macht! (Auch wenn ich im Kommentarbeantworten so richtig mies bin. Aber ich gelobe Besserung…..). Manche von euch sind schon sehr lange dabei, andere sind erst vor kurzem dazugestoßen. Manche von euch sind gläubige Christen, andere finden das Ding mit Gott befremdlich. Manche von euch sind hier, weil sie gern ein bisschen Koch- und Haushalts- und Garteninspo haben. Andere wollen sich was für ihren Glauben mitnehmen. Und eine Handvoll von euch hat – wie ich – in den letzten Jahren das Ding mit dem Glauben und dem richtigen Bibelverständnis und der freikirchlichen Gemeindekultur zu hinterfragen begonnen. Du wirst hier weiterhin eine bunte Mischung aus allem finden. Mal den Garten, dann Glaube und auch Vorsicht Modewort! Dekonstruktion.

Ich liebe diese bunte, unsortierte Schnittmenge sehr, weil sie so sehr das echte Leben abbilden. Aber in den sozialen Medien wollte ich mich dann doch etwas besser sortieren. Deshalb gibt es neuerdings auf Instagram zwei Accounts von mir: Meinen bisherigen führe ich weiter (den findest du unter Veronika Smoor) und dort werde ich mich den vielen Fragen, die Leben und Glaube aufwerfen, widmen. Und ich habe einen neuen Account aus dem Boden gestampft, ein kleines Projekt, mit dem ich schon sehr sehr lange liebäugle:

What would Grandma do? (Was würde Großmutter tun?)

Unter dem Titel findest du mich also jetzt auch auf Instagram, wo ich mich allen Dingen widme, die mich eben auch begeistern: Ein einfaches Leben führen. Haushalt. Garten. Stricken. Nähen. Kochen. Backen. Haltbarmachen. Ökomuttis.

Aber jetzt genug des Vorgeplänkels. Wir haben Ende Juli und so Vieles neigt sich dem Ende zu. Wir haben nun unsere beide Mädchen durch die Grundschule durch und ein neuer Abschnitt steht an. Im Garten verblühen die ersten Stauden und Rosen. Und auch unseren Hauskreis haben wir verabschiedet. Nicht für die Sommerpause, sondern für immer. Gestern saß ein Teil von uns ums Lagerfeuer und wir reminiszierten, was uns als Hauskreis im Lauf der Jahre an Kuriositäten begegnet ist. Da gäbe es einiges zu erzählen, ja ganze Bücher zu füllen, aber meistens haben diese Geschichten etwas mit sehr sensiblen Dingen zu tun, deshalb schweige ich an dieser Stelle.

Heute morgen ging ich wie fast jeden Morgen durch meinen Garten. Die Reste des Lagerfeuers erinnerten mich daran, dass auch hier etwas gestern Abend zu Ende gegangen ist. Es hat eine Zeit lang gelodert, dann ist es verglüht. Jetzt ist hier nur noch Asche, die ich später als Dünger auf die Beete ausbringen werde. Die Katzenminze ist verblüht, genauso wie die wunderschöne Veronicastrum Japonicum. Ich zwicke die vertrockneten Blütenstände ab. Daran erinnert mich jeden Freitagabend Monty Don in seiner BBC-Sendung „Gardeners World“. Deadheading nennen es die Engländer. Das Tote entfernen, damit Platz wird für neue Blüten. Also deadheade ich, was das Zeug hält. Es kostet seine Zeit. Fast scheint es, als wäre die Pflanze kurz böse auf mich, weil sie nun keine Samenstände bilden kann. Aber dann rafft sie ihr Grün zusammen und blüht erneut. Ich könnte heulen vor Freude über meinen Garten. Vor allem, wenn ich ihn im Morgen- und Abendlicht betrachte.

An dieser Stelle hatte ich gerade eine laaaaangatmige Ausführung über das Verlassen unseres Hauskreises geschrieben, aber beim Durchlesen habe ich mich zu Tode gelangweilt. (Ich habe gelernt: Wenn es für dich langweilig ist, ist es auch für deine Leser*innen langweilig.) Da hilft nur der Delete-Button. Also in aller Kürze, denn wir habe heute noch alle Wichtigeres zu tun: Es hat nicht mehr gepasst. Nicht von den Leuten her (die wir von Herzen lieb haben), sondern von der Form. Mein Mann und ich sind zum ersten Mal in unserem gemeinsamen Leben völlig ohne christliche Gemeinschaft. Und es fühlt sich gut an. Richtig, richtig, richtig gut. Erleichternd. Auf einmal ist der Weg frei für neue Wege. Und wie die aussehen werden, wissen wir noch gar nicht.

Es ist eine Zeit des Verblühen, des Deadheadings. Das ist der Kreislauf des Lebens, dem wir nie entgehen können, sondern dem wir vertrauen lernen müssen. Vertrauen heißt, im Rückblick erkennen, dass Gott es auf unerklärlich verschlungenen, ja oft unerträglich schmerzhaften Wegen gut gemacht hat. Und ich werde weiterhin diese verschlungenen Wege gehen. Eigentlich leben wir doch unser ganzes Leben im Blindflug, weil wir nicht wissen können, was uns hinter der nächsten Biegung erwartet. Es wird Schwieriges sein und so viel Gutes. Es ist nie die Frage, ob mich etwas treffen wird, sondern wie ich dann damit umgehe und wo ich meinen Halt finde, wenn der Boden unter mir wackelt. Mich haben die letzten anderthalb Jahre stiller gemacht, unsicherer.

Der Sommer steht mit vielen Verheißungen und vielleicht auch mit Schwierigem vor der Tür und ich werde ihn nutzen, um ganz tief Atem zu holen. Um zu schreiben und zu träumen. Um zu beten und Menschen zu treffen. Um Zeit mit den Kindern und meinem Mann zu verbringen. Um Bücherberge zu lesen und in die Wälder zu gehen.

Und was sind deine Pläne für den Sommer?

Hast du schon einmal ein frommes Umfeld verlassen? Wenn ja, wie war das für dich?
(Ich möchte nicht dafür werben, die eigene Gemeinde, den Hauskreis zu verlassen. Um Himmels Willen, wenn du dich dort wohl fühlst, wenn es dir dort gut geht, wenn sie deine Fragen aushalten, dann halt daran fest.)

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Auch heute stelle ich wieder in guter alter Straßenkünstler-Manier meinen Hut auf. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, dann darfst du gerne etwas reinschmeißen für einen Kaffee, ein bisschen Wolle oder Schokolade. 

Danke.

17 Kommentare zu „Wir haben unseren Hauskreis aufgegeben“

  1. Bei mir ist es eher die Suche nach einer geistlichen, oder wie du sagst, frommen, Gemeinschaft. Ich weiss noch nicht ganz, wo mein Platz ist und wie bzw wo ich mich einbringen kann, wer meine Fragen aushält (eine schöne Formulierung). Diese Sehnsucht nach Gemeinschaft, treibt mich immer wieder um.

    Ich finde spannend, was du zum Abschneiden der alten Blüten schreibst, zum Aufräumen und Deadheading. Ist nicht genau das Thema dieser Zeit, der Schnitterinnenzeit Anfang August? Jana Muchalski schrieb es einmal so passend in ihrem Blog: „vereint sie doch das DANKEN aus tiefstem Herzen und das ERNTEN zum rechten Zeitpunkt mit der Notwendigkeit des Schnittes. Diese Zeit lädt außerdem das NEIN zu all dem ein, was nicht mehr stimmig ist.“ Dein Blogpost erinnerte mich gerade daran.

    1. Wow, Danke für die tolle Ergänzung! Und wir – ja, wir sind ja auch auf der Suche nach einer neuen Gemeinschaft, aber wir wollen uns damit jetzt nicht stressen und überfordern 🙂

  2. Hallo Veronika,
    Wir haben das grosse Glück einen Hauskreis zu haben in dem alle Fragen OK sind und in dem wir uns sehr offen austauschen können.
    Eine andere Form von Gemeinde käme für mich auch nicht mehr in Frage. Kann daher euren Prozess gut verstehen.
    Ich finde Authentizität so wichtig, es ist schade wie oft Christen einfach fromme Floskeln austauschen und keiner sagt was ihn wirklich bewegt. Glaube das hat sich Gott ganz anders gedacht!
    Liebe Grüße

  3. Ich bin durch einen Umzug weg von der freien Gemeinde gekommen und habe am neuen Wohnort festgestellt, wie schwer es ist Fuß zu fassen in einer neuen Gemeinde, für mich zumindest. Ich habe es aufgegeben und ich fühle mich ganz gut so. Die Freie Gemeinde Landschaft ist nicht das Non Plus Ultra, ich blicke mittlerweile auch kritisch hin und traue mich auch zu sagen, daß manches was in der Bibel steht ich nicht nachvollziehen kann, die Bibel ist Gottes Wort , ja, aber ob Gott das alles gesagt hat, wage ich zu bezweifeln.
    Glaube ohne Gnade ist Fanatismus und darauf kann ich verzichten.
    Ich schätze deinen Mut und deine klare Haltung zu diesen Dingen.

  4. Ich bin so gesehen schon lange ohne Gemeinde. Mit Anfang 20 bin ich mit meinem damaligen Freund und jetzigen Ehemann zusammengezogen (ohoh), der dazu auch noch überzeugter Atheist ist (absolutes NoGo in vielen Kreisen). Und als eher doch introvertierter Mensch in eine bestehende Gemeinschaft alleine reinzufinden, war damals absolut unmöglich für mich. Ich hatte auch mit meiner Heimatgemeinde schon so meine Erfahrungen gemacht und da wollte ich nicht direkt wieder so etwas erleben.
    Also hatte ich nur ungläubige Freunde und hab meinen Glauben mehr für mich ausgemacht.
    Die pietistische Prägung hab ich erst vor ca zwei, drei Jahren langsam angefangen zu hinterfragen. Was ist mit meinem Mann, wenn er nicht zum Glauben kommt? Wie kann ICH glücklich in der Ewigkeit sein, wenn mit der wichtigste Mensch für mich von Gottes ewiger Party ausgeschlossen ist. Ich hab bildlich vor mir gesehen, wie ich am Rande des Paradieses sitze und Gott unter Tränen anflehe meinen Mann zu mir zu lassen. Und Gott muss dann Nein sagen? Aus Prinzip? Weil ja so die Regel ist? Finde auf der Erde zum Glauben und wenn nicht, dann wirst du für alle Ewigkeiten bestraft, weil du einfach keinen Zugang zu dieser Glaubensgeschichte bekommen hast?
    Mein Vater meinte dann zu mir, ich wäre ja dann so glücklich bei Jesus zu sein, dass ich eh an nichts anderes mehr denken könnte und meinen Mann ja dann vergessen würde. BITTE WAS????? Gehirnwäsche auch noch???? Nein, nein, nein so einen Gott will ich nicht. Und ab dem Moment hab ich die Brücken zu meinem Kinder- und Jugendglaube gekappt. Es tat und tut weh. Und macht auch Angst. Ich fühlte mich lange wie auf einem Boot in einem Gefühlssturm. Hab mit meinem Glauben gerungen und gekämpft. Hab alles hinschmeißen wollen und konnte doch nicht alles loslassen. Hab Bücher verschlungen. Und dann hab ich deine Worte gelesen über das entrümpelte und leergeräumte Glaubenszimmer. Mit dem roten Sofa. Wo nur Jesus drauf sitzt. Diese Worte haben mich so berührt. Unter Tränen hab ich mein Glaubenszimmer ausgeräumt und entrümpelt. Nur eine beige Couch ist drin geblieben. Und Jesus, der die Taschentuchbox hält. Und ich hab mich so erleichtert gefühlt, dass ich erstmal alle Glaubenssätze los war. Ich prüfe nun auch. Aber ich muss aufpassen, dass da niemand ungefragt reinplatzt und mir doch wieder was in mein Zimmer stellt, was da UNBEDINGT reingeht, was ich aber gar nicht will. Deswegen gehöre ich auch gerade nirgendwo mehr richtig hin. Corona hat eh nochmal alles komplizierter gemacht, was spontane Gottesdienstbesuche usw angeht. Aber vielleicht war das auch gut für mich. Damit ich wirklich zur Ruhe komme. Und erstmal nur Zeit mit Jesus verbringen kann. Und weiter mein Glaubenszimmer so einrichten kann, wie es mir guttut. Mal sehen, was die Zeit bringt.

  5. Ich mag nicht in einer Gemeinde sein die Mitglieder ausschließt wenn sie nicht “ richtig funktionieren“. Es wird schwierig, wenn ein Knick in der Biographie entsteht, Trennung, ungläubiger Partner, Sex vor der Ehe,… Homosexualität

  6. Oh Veronika, Mal wieder so passend! Ich habe nach Monaten des Zweifelns kürzlich beschlossen, endlich den Schritt zu wagen und den Hauskreis zu verlassen. Wir saßen (nach 1 Jahr wieder in Präsenz) am Lagerfeuer zusammen und ich habe einfach gemerkt, dass mein Platz nicht mehr dort ist – obwohl es doch äußerlich so schön war – im Garten, am Feuer… Und obwohl ich mich so sehr nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft (auch geistlich!) sehne. Aber umso herausfordernder, mehr innerlich als äußerlich zu glauben, minimalistischer werden, weiterzugehen und mir neue Wege zuzutrauen.

  7. Liebe Veronika
    Wie erfrischend deine Beiträge jeweils sind! Wie wunderbar aus dem Leben geplaudert: fröhlich, schmutzig, bunt, verschmiert aber zufrieden!
    Ich danke dir von Herzen!
    Und gern hätte ich etwas in deinen Hut gelegt. Bereits zwei Mal habe ich mich darum bemüht, bin durch mein Haus gewackelt und meine Geldbörse herausgekramt. Mühsam alle Kreditkartenangaben abgetippt, Adresse vervollständigt etc.
    Aber zum Schluss heisst es lappidar: Diese Kreditkarte kann nicht für Ihre Zahlung verwendet werden. Verwenden Sie eine andere Kreditkarte, um die Spende abzuschließen.
    Nun ja, eine andere habe ich aber nicht. Und Paypal habe ich auch nicht.
    Ich lebe in der Schweiz. Ist vielleicht dies das Problem, weshalb meine Kreditkarte (meine treue!) hier nicht taugen will??
    Twint könnte ich noch bieten.
    Oder eine Euro-Note in einen Umschlag stecken?
    Nun, für beides fehlen mir weitere Angaben.
    Oder hast du eine Idee, wie ich auch etwas in deinen Hut legen könnte?
    Mit herzlichen Grüssen aus der Schweiz! 🙂
    Sara

  8. Als ich ein für Jesus flammender Teenager war, sprach ich sinngemäß folgendes Gebet: „Jesus, lass mich niemals los!“ Gott nimmt unsere Gebete sehr ernst. Ich habe einige Schlenker gemacht: hineingeboren in eine Freikirche, später mit charismatischem Einfluss, dann Jesus Freaks und auch mal Heilsarmee. Ich habe meine Sache mit Jesus sehr ernst genommen, bis ich die allergrößte Zweiflerin wurde – nur Loslassen konnte ich nicht. Ich konnte nie nicht mehr an Gott glauben. Zu dieser Zeit zog ich nach Leipzig und alle Gemeinden, die ich hier anschaute waren mir zu oberflächlich. Sie konnten meine innere schwarze Tiefe nicht aushalten. Ich fand dann eine Katholische Gemeinde, an der mich vor allem der betagte Pfarrer ansprach. Zu den Gottesdiensten kam auch mein atheistischer Mann immer mit: wegen den Predigten! Leider verabschiedete sich der Pfarrer zu seinem 70. Geburtstag und ich fühlte mich sehr allein gelassen. Zur Gemeinde, den Menschen, hatte ich keinen näheren Kontakt gefunden. Das ist jetzt knapp neun Jahre her.
    Nun lebe ich weiterhin damit, dass ich eine tiefe Sehnsucht nach Gott habe, der ich mich selten ganz öffne. Loslassen kann ich aber auch nicht 🙂
    So sind inzwischen meine Kinder und mein immer noch atheistischer Mann diejenigen, die mich zur Kirche schicken. Mein Mann sagte mir irgendwann wörtlich: „Such dir doch wieder einen Hauskreis, das tut dir gut.“ Unsere älteste Tochter wollte sich mit 5 Jahren unbedingt taufen lassen, nachdem wir die Predigerkirche in Erfurt besichtigten, in der Meister Eckhart wirkte. Sie singt heute im Kinderchor der Evangelischen Kirchgemeinde um die Ecke, zu den Familiengottesdiensten gehen wir gemeinsam hin. Unsere zwei Jüngsten haben im Kindergarten Tischgebete gelernt und wollen das auch Zuhause machen usw.
    Meine geistlichen Auftankmomente sind zur Zeit eher unscheinbar. Oft nutze ich die Fastenzeit für Exerzitien im Alltag oder Ähnliches. Somit ist die Fastenzeit vor Ostern tatsächlich jedes Jahr eine Zeit, in der meine Sehnsucht nach Gottes Anwesenheit in meinem Leben am größten ist. Losgelassen hat er mich jedenfalls noch nicht.

  9. Liebe Veronika,
    Ich finde deinen Glaubensweg interessant und kann diesen auch nachvollziehen. Ich bin selbst manchmal von meiner (katholischen) Gemeinde enttäuscht und würde mir manches anders wünschen. Andererseits denke ich, wenn wir alle unseren Glauben komplett ins Private verlagern, wie ergeht es dann der Nachfolge-Generation? Unsere Kinder können meiner Ansicht nach den Glauben an Gott in einer Gemeinschaft besser kennen. Und im Rahmen der Institution Kirche- so fehlerhaft wie diese auch sein mag- kann doch so viel Gutes gelingen. Nur wenn wir einen Rahmen haben, Können Die Menschen zusammen finden, voneinander lernen, sich auf den Weg machen…
    Mich würde deine Meinung dazu sehr interessieren, gern in einem Blogbeitrag.

  10. Liebe Veronika, erstmal: dein Garten ist der Hammer! Wunderschön. Und ja, das was du beschreibst habe ich selbst auch in der Art erlebt, dennoch anders. Nach jahrelangem Grübeln raus aus der Gemeinde, in die ich quasi hineingeboren wurde – hin zu einer kleinen, missionalen Gemeinschaft, die mir gezeigt hat, wie man Menschen und Jesus liebt. Recht simpel, aber ganz hingegeben. Ich habe mich lange nach echter, tiefer Gemeinschaft gesehnt, und natürlich menschelt es nach wie vor. Ich glaube, es ist wichtig, dass es nach dem „weg von“ auch ein „hin zu“ gibt. Bei mir: hin zu Jesus. Weg von Religion und falschen Ideen, die ich von Gott und mir selbst hatte. In der Hingabe zu Jesus finde ich Wahrheit und Freiheit. Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr auf eurer Suche ihn findet, den einzigen Weg für ein gelingendes (und irgendwann ewiges) Leben.

  11. Wir haben unseren Hauskreis aufgelöst, vor einigen Jahren schon weil es nicht mehr gepasst hat. Nach einigen Jahren des Rückzugs hat mein Mann für sich ein Israel-Studium bei Aki begonnen. Das bedeuted, er setzt sich in zwei Jahren mit 8 Büchern auseinander. Wenn er eines gelesen hat schreibt er eine Zusammenfassung und bespricht das Buch mit einem Mentor. Das abgeschlossene Studium sieht eine Diplomübergabe in Jerusalem vor. Wir beschäftigen uns mit den jüdischen Festen und stellen fest, dass viel mehr in der Familie gefeiert wird, weniger in der Gemeinde. Das tut uns gut. Im Moment überlegen wir, ob wir nicht samstagabends mit Freunden den Sonntagsbeginn mit einer Liturgie und gemeinsamem Abendessen feiern wollen.
    Herzliche Grüße Dorothee

    1. Liebe Veronika,
      Wir haben ähnliches durchgemacht.
      Ich komme aus der charismatischen Ecke und mein Mann aus konservativen christlichen Kreisen…
      Zusammen sind wir vor 13 Jahren brennend im Glauben nach Ostdeutschland gezogen. In die dortige Freikirche sind wir 12 jahrelang nicht richtig reingekommen. Mitarbeiten ja, aber tiefgehende Beziehungen sind nicht entstanden……
      Nach einem jahrelangen Prozess (über den wir mit niemandem sprechen konnten, da es nicht verstanden wurde) haben wir die Gemeinde und den HK verlassen…….
      Nun hat uns Gott eine Gemeinschaft gezeigt, in der es nur um die Liebe zu Jesus geht und daraus folgt ganz natürlich die Liebe zu den Menschen. Es geht um wahre Anbetung! Und daraus folgt die freiwillige Hingabe!
      Liebe Grüße Viola

  12. Liebe Veronika.
    Wie ich hier lese, haben sich schon wieder ganz viele Leserinnen von dir total abgeholt, verstanden und auch u.U. getröstet gefühlt. Dem möchte ich mich anschließen und habe dich gleichmal auch auf einen großen Kaffee eingeladen.:-) Was das ganze Thema betrifft, ich glaube, ich habe dir schon vor einiger Zeit mal gemailt, nachdem wir uns in Grassau zu deinem tollen Vortrag gesehen haben. Ich bin eine Skeptikerin und vielleicht auch eine Zweiflerin. Was ich jedoch nicht in Frage stelle, ist, dass es einen Gott, einen Ursprung, eine Schöpfermacht gibt, die uns alle hält, uns trägt und allem einen Sinn verleiht. Spätestens seit der Geburt meiner beiden Kinder ist es mir unmöglich, nicht an Wunder und einen Schöpfer zu glauben.
    Aber zunehmend strample ich mich frei von den Glaubenssätzen, mit denen ich erzogen wurde. Da ich ohnehin ein distanziertes Verhältnis zu meiner Mutter habe, solange ich denken kann, fällt es mir vor allem deshalb schwer, meinen Glaubensstandpunkt festzulegen, weil ich so sehr von ihr scheinbar unbewusst noch beeinflusst bin und sie die Fromme ist, die uns auch schon so vermittelt hat, dass gewisse Dinge „Gott nicht will“ oder dass man für etwas beten soll und dann alles gut wird. Teil einer christlichen Gemeinschaft wurde ich eigentlich nicht mehr, nachdem ich durch einen Umzug nach meiner Ausbildung meinen Heimatort und die dortige konservative evangelische Dorfgemeinde verließ. Unser Weg führte uns immer wieder Christen über den Weg, auch aus Freikirchen und mit teilweise wirklich entschiedenen Glaubenseinstellungen. Und eine zeitlang glaube ich auch, ich müsse da mitmachen und irgendwo mich dazu positinieren. Aber es hat sich nie richtig für mich angefühlt. Letztes Jahr haben wir unsere damals 4 und 7-jährigen Kinder in einer Landeskirche an unserem neuen Wohnort taufen lassen und hatten mit dem Pfarrer viele gute Gespräche, auch zu dem „Ungetauftsein“ meines Mannes. Er hat keinerlei Druck ausgeübt sondern vor allem zugehört. Und die Taufe der Kinder war dann ein für uns vor allem von tiefer Dankbarkeit erfüllter Tag, den die Kinder noch dazu bewusst mitbekommen haben, weil sie ja schon älter sind. Wenn ich mir einen Hauskreis oder sowas gründen könnte, dann wäre das einer, in dem man philosophieren, fragen und grübeln in alle Richtungen darf, jedoch nicht einer, der jede Woche einen Bibelspruch durchanalysiert und Lieder und Lobpreis singt. Irgendetwas ganz Praktisches und Authentisches. Auch nicht nur aus Christen bestehend, sondern einfach bunt gemischt? Bin ich dann überhaupt ein Christ? Ja, ich glaube an Gott und wurde als Kind getrauft und konfirmiert. Aber nein, ich geh gar nicht regelmäßig in die Kirche und ich bete auch nicht vor jedem Essen. Aber ich spüre so eine Dankbarkeit in mir, dafür, dass ich leben darf und ich zeichne meinen Kindern vor dem Einschlafen abends ein Kreuz auf die Stirn und lese ihnen öfter aus der Kinderbibel vor.. Das, was Christina dir am 26. Juli schrieb, hätte auch von mir sein können. Ich grüble auch manchmal über der Frage, was eines Tages ist wegen meinem Mann. Ob er dann am Paradiesgarten draußen warten muss und wir uns trennen müssen, weil er nicht getauft und zu Gott bekannt ist, und doch so ein wunderbarer, Menschen-liebender, feinfühliger und empathischer Mensch ist? Auch diese Fragen bringen mich sehr ins zweifeln. Ich liebe es seit JAHREN, hier bei dir vorbeizulesen und mich inspirieren zu lassen. Immer mehr steh ich auch zu meiner introvierteren Seite und erkenne sie eigentlich jetzt erst richtig. Und ich fühl mich da immer sehr, sehr gut verstanden, wenn ich deine Gedanken lese. Danke fürs Teilen ! 🙂

    Grüße aus Bayern. von Anna

  13. Hallo liebe Veronika,

    bisher war ich nur stille Leserin deines Blogs. Danke für die großartige Mischung aus Garten, Rezepten, Alltag und Glauben. Ich finde es sehr bereichernd, diese Vielfalt zu sehen und deiner virtuellen Stimme zu lauschen.
    Da ich meist in einer nichtchristlichen Umgebung unterwegs bin, fühle ich, wie sehr mir die Gemeinschaft fehlt. Meinen Hauskreis habe ich auch verlassen, weil es nicht mehr passte und er in eine andere Richtung entwickelt wurde. Daher bin ich immer wieder auf der Suche nach kleinen Formaten, wo ich geistlich auftanken kann. Gleichzeitig entdecke ich auch die Stille Zeit neu für mich, die kleine Oasen im Alltag schafft und mir hilft, mich ein wenig mehr in Gottes gute Hand fallen zu lassen. Das ist nicht immer leicht, aber wenn ich in seiner Schöpfung unterwegs bin, kann ich nur staunen und spätestens an dieser Stelle holt er mich wieder zu sich zurück. Diese Erdung in einer manchmal so abgedrehten Welt brauche ich und ich merke, wie wichtig zumindest kleine Halte im Alltag immer wieder sind.

    Sei herzlich gegrüßt und mach weiter so.

  14. Hallo Ihr starke Frauen,
    jetzt traue ich mich und melde mich sogar mal als Mann zu Wort.. 🙂
    Ich habe gerade nach dem Begriff „Hauskreis“ gegoogelt und bin auf Euch gestoßen.
    Einerseits finde ich Euren Austausch wirklich sehr anregend, authentisch und bereichernd. Auf der anderen Seite macht er mich auch bissl nachdenklich und traurig.
    Ich bin auch seit über 30 Jahren gläubiger freikirchlicher Christ und durfte schon in vielen Hauskreisen dabei sein. Klar haben die immer mal wieder gewechselt oder sich aufgelöst…aber das ist im Leben ja normal. Was ich dann an den „Geschwistern“ aber immer wieder beobachten konnte war, worum es ihnen im Hauskreis eigentlich immer ging. War er FÜR SIE da, damit SIE SICH SELBST wohl fühlten und SIE FÜR SICH etwas Positives mitnehmen konnten? Oder ging es in erster Linie ums Lieben: Gott/Jesus, den anderen und sich selbst? Wenn sie diese Liebe zu Gott einfach nicht wirklich hatten und für diese auch nicht wirklich investiert haben, dann wurde das Glaubensleben und auch das Interesse an einem Hauskreis immer schwächer (wie in einer Ehe). Als Quintessenz aus der Bibel und auch aus meiner Erfahrung habe ich folgendes erkannt: Gott will uns in liebevollen Beziehungen und dem Vertrauen in IHN/sein Wort (Bibel) fördern – Satan möchte uns isolieren und unsere eigenen Gedanken wichtiger machen als Gottes Gedanken.
    Ich wünsche uns allen maximales Vertrauen auf Gott, auch wenn wir ihn nicht immer verstehen (welcher Mensch sollte auch bitte einen allmächtigen Gott komplett verstehen können!?)

    Ganz herzliche Grüße
    Harry

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