Mich trafen eure Kommentare und auch Mails ins Herz!
(Danke Danke Danke für euer An-Vertrauen – ich habe heute in den Morgenstunden für jede(n) Einzelne(n) gebetet). Hinter jedem Kommentar steht eine Geschichte. Eine Not. Eine Einsamkeit. Ein Zerbruch. Eine Kraftlosigkeit. Ein Nicht-Weiter-Wissen. Mensch-Sein in der ganzen Bandbreite. Mensch-Sein, das uns miteinander auf unsichtbare Weise verbindet.
Wisst ihr, welcher Gedanke sich mir aufdrängte, mich nicht mehr loslässt, seitdem hier Eure Gebetsanliegen eintrudelten?
Wir brauchen in dieser Zeit einen Muttergott.

Mehr denn je in einer Welt, insbesondere in der Gemeindewelt, die vom Patriarchat getränkt ist.
Ich traue mich diesen Gedanken nicht nur zu denken, sondern immer mehr zuzulassen und zu praktizieren. Wenn du wie ich aus konservativ-evangelikalen Kreisen stammst, wird sich das erst mal sperrig und vielleicht sogar blasphemisch anfühlen. Um dir die Berührungsangst mit einem Muttergott zu nehmen, hier zwei Gedanken:
- Gott fühlt sich nicht beleidigt, wenn wir ihn „sie“ nennen. Wenn wir ihre Weiblichkeit anerkennen. Denn selbst in der Bibel werden ihr weibliche Attribute zugesprochen. Lest mal Jesaja 66.
- Wir sind in der Ebenbildlichkeit Gottes geschaffen. Was bedeutet, dass Gott die ganze Bandbreite an Geschlechtlichkeit in sich vereint. Das Männliche. Das Weibliche. Aber gleichzeitig ist sie völlig ungreifbar. Unaussprechlich. So nennen praktizierende Juden aus Ehrfurcht niemals den Namen Gottes, sondern nennen sie HaSchem (der Name) oder Adonai (meine Herren).
Im Laufe der Geschichte wurde Gott komplett vermännlicht. Das ist, als würde man ein gewaltiges Bild nur an einer Seite mit einem Nagel an der Wand befestigen. Es hängt schief. Aber wenn wir das Personalpronomen ändern, kann uns das zu einem umfangreicheren Verständnis von Gott und ihrer Liebe verhelfen.
Für mich persönlich ist ein rein männlicher Gott immer auch mit unerreichbarer Autorität, Gefahr, kein Zulassen von Schwäche gewürzt (und das, obwohl mein Vaterbild sehr positiv geprägt ist!). Wie mag es dann erst denen gehen- Männern wie Frauen – die mit einem schrägen Vaterbild groß wurden? Die unter einer toxischen Männlichkeit litten?
Die verzerrte Ansicht von Männlichkeit hat man lange genug auf Gott übertragen und es ist an der Zeit, unser Denken herauszufordern.
Was wir in diesen Zeiten brauchen, sind keine schrillen Aufrufe zum Kampf, sondern eine Mutter, die uns in ihre Arme zieht. Uns tröstet. Unsere Wunden verbindet. Wie eine Löwenmutter für uns einsteht. Unser Lieblingsessen kocht und uns früh zu Bett schickt mit einer Tasse warmer Milch mit Honig.
Ich tausche neuerdings öfter mal die Personalpronomen von Bibelstellen aus. Das öffnet mir die weibliche Seite Gottes. Und das ist keine Gefahr für meinen Glauben, sondern eine notwendige, überfällige Ergänzung. Der Nagel, der das Bild endlich gerade rückt.
Hier einer meiner Lieblingspsalmen, mit dem ich all diejenigen segnen möchte, die an ihrer Situation gerade schwer zu tragen haben:
Ein Auszug aus Psalm 91:
Wer unter dem Schutz der Höchsten lebt,
der findet Ruhe im Schatten der Allmächtigen.
Ich sage zu Adonai: Meine Zuflucht und meine Festung, mein Gott, auf die ich vertraue!
Denn sie bewahrt mich vor dem Fangnetz des Jägers,
vor der Pest, die Verderben bringt.
Unter ihren Schwingen birgt sie dich
und unter ihren Flügeln kannst du dich verstecken.,
ein Schutzschild, ja ein Schutzwall ist ihre Treue.
(…)
Denn ihren Engeln hat sie den Befehl gegeben,
dich zu bewahren auf allen deinen Wegen.

Sehr zu empfehlen für dieses Anliegen (weibliche Aspekte Gottes) ist die Bibelübersetzung: „Bibel in gerechter Sprache“, die es auch online gibt.
Wow! Danke für diesen Beitrag.
Auch bei christlichen Mystiker/innen und Ordensgründer/innen kann man fündig werden. Von Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens gibt es den Ausspruch: Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit. Ein sehr weiblich konnotiertes Bild – finde ich.
https://vorgarten2969157.garden/2021/06/11/der-artikel-des-tages-welchen-tages-auch-immer/ pngbck
Ist nicht Ruach – der Geist Gottes, der am Anfang alles Seins über den Wassern schwebte und an Pfingsten in die Herzen der Menschen zog – sowieso weiblich?
Ist nicht Ruach – die Geist Gottes, die am Anfang alles Seins über den Wassern schwebte und an Pfingsten in die Herzen der Menschen zog – sowieso weiblich?
Danke für Deinen Text.
Es ist eine gute Anregung, Gott mal bewusst nicht männlich zu denken.
Hallo Veronika,
vielen Dank für deinen Text! Ich habe vor kurzem das Buch „Wearing God“ von Lauren F. Winner gelesen, in dem es auch um andere Bilder für und Begegnungsmöglichkeiten mit Gott geht (Kleidung! Gebärende Frau! Brot und Wein! Lachen!) und es hat mich sooo bewegt und ist sofort in meine Top 3 christlicher Bücher aufgestiegen.
Bin sehr gespannt auf deine bald erscheinenden Bücher!
Liebe Grüße,
Miriam