Garten für Träumer – Part 1: Wie alles anfing

Alle Gartenfreunde aufgepasst….und die, die es werden wollen…..und die, die es überhaupt nicht interessiert:

Ich werde im Mai eine Gartenreihe machen. Aufgrund erhöhter Nachfrage will ich dem Wunsch doch gerne nachkommen. Auch wenn ich absolut keine Expertin bin. Mit einem Garten ist es nämlich so wie mit einem Baby. Keines gleicht dem anderen. Jedes hat seine ganz eigenen Bedürfnisse und Macken und Schönheiten. Ein Tipp kann immer nur eine Annäherung sein, niemals ein in Stein gemeißeltes Gesetz (ok, bis auf die wirklich offensichtlichen Dinge wie z.B. „Rette deine Pflanzen vor dem Verdursten!!“)

Auch wenn du gar kein bisschen Grünfläche hast oder dich nur marginal fürs Gärtnern interessierst, lade ich dich ein, mit dabei zu sein. Denn manchmal kann es dummerweise passieren, dass wir uns von einer Begeisterung anstecken lassen, zögerlich etwas Grünzeug auf unserer Fensterbank ziehen und zack: sind wir mit Mutter Erde verbunden und bekommen ein Sehnsucht, die uns nicht mehr loslässt.

Das ist mein Wunsch: gemeinsam Freude am Ausprobieren finden. Egal, ob Grünzeug auf der Fensterbank oder ein neues Hochbeet.

Das ist nicht mein Wunsch: Strenge Rasenkanten und strenge Regeln.

Heute erzähle ich dir von meinen Anfängen. Und in den nächsten zwei Wochen gehts an die Praxis. Das Päckchen verschnüre ich am Ende noch mit ein wenig Philosophie. Und dann sind wir hier wieder bei der Tagesordnung (*Alle Gartenhasser atmen auf*)

Ich bin in einem grandiosen Garten aufgewachsen. Das ist nicht übertrieben. Der Garten, das Reich meiner Mutter, war ihr Zufluchtsort, in den sie ihre ganze Kreativität fließen lassen konnte. Als ich groß genug war, bekam ich ein kleines Eck zugeteilt. Ich bin von Natur aus begeisterungsfähig und gut in den Anfängen. Nicht so sehr im Durchhalten. Ich zog also mit Feuereifer Rillen, streute Radieschen hinein und dann verließ mich auch schon wieder die Lust. Giersch und Mutterkraut übernahmen das Ruder in meinem Eck und das war’s dann für die nächsten 30 Jahre mit meiner Gärtnerkarriere.

Ich flog durch die Welt (ok, nur Europa) heute Florenz, morgen Paris. Die Stewardessenuniform im Gepäck, die Sehnsucht von Wurzeln und Zugehörigkeit im Herzen. Ich lebte zu der Zeit in der Stadt, in einer Erdgeschosswohnung. Der Garten gehörte der Vermieterin und ein alter Apfelbaum am Zaun wurde mir zum knorrigen Freund. Immer war er da. Und im Herbst brach das Landmädchen in mir durch, sammelte die Äpfel, die niemand wollte, auf und kochte sich daraus Apfelmus. Und dann besorgte ich je einen Topf Schnittlauch und Petersilie, fragte meine Vermieterin, ob ich sie an den Rand ihres Blumenbeets setzen dürfte. Wenn ich schon ein unstetes Leben führte, brauchte ich etwas Verlässliches. Und das waren meine zwei Kräuterpflanzen und der alte knorrige Apfelbaum, die mich treu versorgten. Sie warteten, während ich durch die Welt (Europa!) jettete und begrüßten mich still bei meiner Heimkehr.

Ich wusste, wenn ich mal groß bin, möchte ich einen kleinen Garten haben. Mit einem Apfelbaum und Schnittlauch und Petersilie. Armin und ich heirateten, bekamen Kinder, zogen aufs Land. Mieteten ein kleines Haus mit einem großen verwilderten Garten. Ich hatte absolut keine Ahnung (nur wie man Radieschen sät). Aber meine Sehnsucht nach Verwurzelung beflügelte mich. Ehrlich: ich traf nicht immer die besten Entscheidungen für diesen Garten. Bambus? Neverever again. Ist invasiv wie eine Seuche. Der Wilde Wein an der Hauswand? Ähäm. Der Vermieter wollte uns beim Auszug verklagen. Er ließ sich nicht von meinem Argument überzeugen, dass er doch so hübsch anzusehen ist.

Was ich lernte: Niemand wird als Gärtner*in geboren.

Es ist etwas, das man sich über Jahre in Babyschritten aneignet. Ich hatte Vorzeigegärten vor Augen und verzweifelte an mir selbst und der LANGSAMKEIT, mit der sich so ein Garten entwickelt. Aber das waren alles Gärten, an denen entweder Profis aka Gartenbauunternehmen Hand angelegt hatten (zu teuer! Und letztendlich oft steril) Oder Gärten, die über Jahrzehnte gewachsen waren.

Vor vier Jahren sind wir in unser Häuschen an diesem neuen Ort eingezogen. Und glaube mir: der Garten war eine Herausforderung wie für einen Bergsteiger der Mount Everest. Brombeerhecken. Efeu. Wildnis. Dichter Lehmboden.

Was machst du, wenn du dich überwältigt fühlst? Du nimmst nicht alles auf einmal in Angriff, sondern fängst in einer kleinen Ecke an. Und arbeitest dich mit Babyschritten vor. Und entfernst alle überhöhten Erwartungen aus deinem Herzen wie Brombeerranken aus dem kleinen Garteneck. Und dann liest du. Und lernst. Und fragst andere Hobbygärtner. Und im ersten Jahr erntest du fast gar nichts. Im zweiten dann schon mehr. Im dritten kannst du Zucchinis verschenken.

Mein Garten ist nichts, was ich mir untertan machen kann. Das ist die wichtigste Lektion. Ich kann nur mit ihm arbeiten, sein Ökosystem beobachten und helfend eingreifen. Ich muss seinen Rhythmus verstehen lernen. Wann steht wo die Sonne? Warum mag die eine Pflanze hier nicht stehen? Und vielleicht kann ich lernen, einen Teil der Ernte mit den Schnecken zu teilen?

Mittlerweile wende ich Prinzipien aus der Permakultur in meinem Garten an. Das ist eine Ethik, die Kreisläufe schließt. Z.B. nutze ich kein Trinkwasser zum Gießen, sondern sammle Regenwasser in großen Tanks. Rasenschnitt kommt nicht in die Bio-Tonne, sondern direkt auf die Beete (ganz nach dem Motto „So wenig nackte Haut Erde wie möglich“. Und ich verwende Materialien, die ich hier am Haus oder in der Wildnis finde. Als wir das Dach unseres Schuppens abtrugen, blieben viele halbverrottete Balken übrig. Die habe ich alle als Beetbegrenzung eingesetzt. Ich bin weit von einem hundertprozentigen Permakultur- und Vorzeigegarten entfernt. Meinen Garten sehe ich als einen Prozess, niemals als fertiges Projekt. Wenn ich mich auf diese Unfertigkeiten einlasse, dann ist ein Garten keine Last, sondern Lust. Dann kann ich mit den wilden Ecken leben und mit den angefressenen Kohlpflanzen und verlausten Rosen.

Ich habe jetzt vier Apfelbäume. Und soviel Schnittlauch und Petersilie, wie wir nur essen können! Mein Garten ist mir Kraftort geworden, wo Mutterkraut und Giersch wachsen. Nur nicht in meinen Radieschenbeeten!

Veröffentlicht unter Garten.

11 Kommentare zu „Garten für Träumer – Part 1: Wie alles anfing

  1. Liebe Veronika! Ich freue mich so sehr darüber! Schon oft dachte ich: ach wie schön wäre es, wenn sie ein bisschen über ihren Garten schreiben würde 😊
    Herzlichen Dank dafür! Ich bin gespannt 🤩
    Ich hab letzten Herbst mit meinem Garten angefangen. Muss aber gestehen, dass mir weniger um die Nahrungsversorgung geht, sondern tatsächlich nur um schöne Pflanzen, die im Laufe des Jahres grünen, blühen und sich verfärben 🤭😜

  2. Hallo Veronika, Wie wunderbar dass du über den Garten schreiben wirst. Bin toll gespannt! Ich selbst bin noch in den Babyschuhen was meine Garten betrifft doch jede freie Minute findet man mich darin. Auf ein gutes Gartenjahr. Grüsse Lydia

  3. Hallo Veronika, ich freue mich sehr auf deine Gartenserie.
    Nach unserem Hausbau war unser Garten eher Chaos. Wir arbeiten uns seit dem Einzug vor einem Jahr Schritt für Schritt voran. Jetzt im Mai will ich den Neustart mit Nutzbeeten wagen. Nicht im großen Stil, nur im Kleinen. Ins erste Beet kommen Erdbeeren (da haben sogar ein paar Pflanzen den Hausbau überlebt), ins zweite Erbsen. Und meine geliebten Johannisbeertomaten sollen wieder einziehen. Auch mit Radieschen, Möhren und Zwiebeln hatte ich schonmal Erfolge, aber ob ich da in diesem Jahr schon anknüpfe?
    Mal schaun. Und hier fleißig mitlesen 😉
    LG von TAC

  4. dem geneigten Gartenratsuchenden will ich auch noch was ans Herz legen:
    Fotos vom Garten sind immer Momentaufnahmen.
    Der Fotograf sucht sie sorgsam aus.

    eigene Erfahrung.

  5. Bin ebenfalls mit einem tollen Garten aufgewachsen. Hat mich irgendwie geprägt … Geht nix über selbst Geerntetes!! Aber es stimmt: Garten ist trial and error, immer wieder ausprobieren, Boden verbessern, mulchen, Kompost nutzen …. Tipps von Mudder…

  6. Liebe Veronika!
    Ich freue mich sehr auf deine Garten Erzählungen!! Ich habe einen Garten, der mir eigentlich viel zu groß ist. Niemals bin ich „fertig“. Das ist für mich, als gerne ordnender Mensch echt schwer!
    Einmal hatten wir ein Frühjahr lang Hilfe, in diesem Sommer liebte ich meinen Garten, dem Unkraut waren wir einigermaßen Herr geworden, es grünte und blühte so wunderbar und auch ein großes Gartenfest haben wir gefeiert ( vor Corona….).
    Zur Zeit sieht es eher wieder wild aus. Meine Enkel stört das jedoch kein bißchen. Mit nackten Füßen laufen sie auf den zahlreichen Gänseblümchen auf unserem Rasen, der es eben nie über eine Wildwiese hinaus geschafft hat. Ich quäle mich immer mal wieder in ein Beet zum Unkraut rupfen, jedoch fehlt mir einfach diese besondere Liebe zum Gärtnern.
    Ob sich das ändern kann?
    Übrigens, strenge Rasenkanten und „picobello“ mag ich auch nicht und exakte Blumenreihen sind mir eher ein Graus, das meine ich gar nicht mit ordnend. Aber mal alles Unkraut weg, Lilien, die sich nicht da vermehren, wo sie gar nicht sollen, …..
    Tja, ein Garten ist halt anders und durchaus kommen mir da auch philosophische Gedanken. Garten – mein Innenleben…..
    Ich bin gespannt, was du erzählen wirst und grüße dich sehr herzlich!
    Petra

  7. Mal wieder ein so schöner Beitrag. Deine Gartengeschichten inspirieren mich und ich freue mich sehr auf den nächsten Teil. Ich muss gerade Annahme lernen. Aufgrund des bisher so kalten Jahres kommt mein Plan durcheinander. Die Radieschen sind noch nicht groß genug zum Ernten und eigentlich sollte doch in zwei Wochen schon Salat an deren Stelle. Auch die Zuckerschoten mickern vor sich hin und vielleicht sind sie nicht bis Juni abgeerntet und machen somit keinen Platz für Bohnen. Und hätte ich den Salat und die Kräuter vielleicht doch schon einsäen müssen? Dafür habe ich viel zu früh mit dem Vorziehen von Tomaten, Paprika und Chili angefangen und nun sind da riesige Dinger in zu kleinen Töpfen auf der Fensterbank meiner Tochter und wahrscheinlich finden sie das auch nicht toll.
    Du siehst – ich bin lechze quasi nach gärtnerischer Begleitung und würde sofort ein Steady-Abo bei dir abschließen zu dem Thema 😀

  8. Liebe Veronika,
    ich freue mich so sehr über diesen Beitrag und die wunderschönen Bilder darin! Und auf die nächsten Teile deiner Gartenserie!
    Ich sitze in der Großstadt fest und habe keine realistische Hoffnung auf einen eigenen Garten, obwohl ich es mir sehr wünsche.
    Da freu ich mich, in deinen Garten ein bisschen Einblick zu bekommen.
    Und wer weiß – dem Herrn ist ja nichts unmöglich… 🤩
    Liebe Grüße!

  9. Ich habe wie Petra auch einen sehr großen Garten, der mir viel zu viel ist. Ich hasse es so sehr, am Nachmittag allein im Garten zu arbeiten! Deshalb wird er wohl immer wild und ungepflegt bleiben, aber irgendwie ist das für mich ok. Mein Vater hat in seiner Rente begonnen zu Gärtnern, vielleicht habe ich bis dahin auch die nötige Ruhe. Denn ein blühenden Garten wie deiner würde mir natürlich auch sehr gefallen!

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