Familie

Hunger und neue Buchprojekte

Mein Kopf ist wieder frei!

Letztens warf ich zwei Buchmanuskripte* ins virtuelle Postfach und rief: Nach mir die Sintflut! Die letzte Strecke eines Buches ist Endspurt, ich schmeiße nochmal alles rein, was ich habe und kann und bin. Um dann direkt hinter der Ziellinie erleichtert zusammenzubrechen und mein verkrampftes Hirn auszuschütteln. Zeitfenster, die in den letzten Wochen und Monaten mit Schreiben gefüllt waren, dürfen jetzt anders…oder besser noch, gar nicht gefüllt werden. Es fällt mir schwer. Das Nichtfüllen. In der Produktivität blühe ich auf, im Nichtstun übermannen mich innere Unruhe und Chaos und manchmal auch Leere.

Wenn ich mich körperlich komplett verausgabt habe, merke ich das unter anderem daran, dass mein Körper großen Hunger verspürt. Nach Massen an Kohlehydraten. Ich muss ihn richtiggehend füttern, damit er wieder zu Kräften kommt. Und genauso ergeht es jetzt meinem inneren Menschen. Nach diesem Kraftakt ist er ausgehungert.

Hungrig nach echtem, prallen Leben. Hungrig nach Worten, die nicht aus mir fließen, sondern die mir zugesprochen werden. Hungrig danach, meine Hände in die Erde zu stecken. Hungrig nach mich Fallen-Lassen-Dürfen. Hungrig danach, diesen Ort, an dem ich Wurzeln schlage, zu gestalten. Hungrig nach der ersten Grünkraft des Jahres. Hungrig nach heilen Beziehungen und Stille. Hungrig danach, nur für mich zu schreiben.

Mit dem Hunger ist das so eine Sache. In unserer Kultur kommt er durch sofortige Bedürfnisbefriedigung ja gar nicht erst auf. Und auf der anderen Seite verhungern wir. Die elementarsten Dinge verkneifen wir uns, weil uns irgendeine depperte Zeitschrift oder Influencer*in einflüsterten: Brot ist böse. Mittelmaß ist was für Loser. Sei dein bestes Selbst. Du kannst alles sein. So baust du Karriere. Multitasking leichtgemacht. 10 Dinge, die man vor 9 Uhr erledigt haben sollte. Und in diesem ganzen Botschaften-Wirrwarr verlernen wir, auf das zu hören, was in uns ist.

Deshalb bin ich ganz dankbar, dass mein Hungrigsein mitten in die Fastenzeit fällt. Ich habe beschlossen, dem Hunger Raum zu lassen. Ich muss ihn nicht bekämpfen, sondern möchte ihn willkommen heißen und ihm zuhören, was er zu sagen hat.

Haben wir eigentlich jemals gelernt, Hunger auszuhalten, ihm Raum zu geben, ihn nicht gleich stillen zu müssen? Haben wir genau hingehört, was er uns lehren will? Haben wir gelernt, selbst an die Quelle zu gehen? Oder rütteln wir beleidigt wie Kleinkinder an den Stangen unseres Laufstalls, weil Gott nicht schnell genug ist? In so mancher frommer Kultur darf so etwas wie Hunger ja erst gar nicht aufkommen, weil dies bedeutet, dass man nicht nahe genug an Gott dran ist. Der Gott, der in die Wüste ging und selbst hungerte. Heilige Highs sind der schnelle Kick, das Fast Food für eine Gesellschaft von Verhungernden, die an den falschen Orten suchen. Und sie führen dazu, sich wie ein Kreisel immer schneller um die eigene geistige Bedürfnisbefriedigung zu drehen.

Gott ist an Orten zu finden, an denen wir ihn selten vermuten. Vielleicht finde ich ihn heute im Brotteig, der gerade langsam vor sich hingeht und uns morgen früh satt machen wird. Oder in der Bedürftigkeit eines anderen. Ach, er ist doch sowieso immer im Gesicht des anderen zu finden. Es kann aber auch sein, dass ich Garten über ihn stolpere. Oder in einem Buch.

Ja, aber besonders in der Stille finde ich ein bisschen Gott und Nahrung, wenn mir alle klugen Worte ausgegangen sind. Vor allem dort. Wenn ich endlich mal die Klappe halte.

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*Im September kommen zwei neue Bücher von mir raus:


Problemzone Frau

Von einer, die freiwillig zunahm, ihren Glauben befreite und Frieden mit sich schloss
Oh, hier habe ich alles, alles, alles gegeben und dieses Buch ist mein Baby, deshalb: bitte seid freundlich zu ihm.

Coffee& Jesus
Eine bunte Sammlung von Texten, deren Länge genau zu einer Tasse Kaffee passen. Ein Buch für Vielbeschäftigte.

5 Gedanken zu „Hunger und neue Buchprojekte“

  1. Juhu, gleich zwei neue Bücher von dir 🙂 Dann kann ich „Hoffnung leuchtet“ ja endlich ein bisschen schneller lesen, wenn es bald Nachschub gibt (das hab ich mir bisher nämlich sehr knausrig eingeteilt, damit ich auch schön lange dran lesen kann).
    Liebe Grüße aus Würzburg

    Gefällt mir

  2. Liebe Veronika,

    du bist so so toll!!!! Und so so schön!!!!!!
    Ich liebe deine Bücher, deine Texte, deinen Humor, deinen Optimismus und deine Ehrlichkeit. Bei mir könnte „zwischen Töpfen und Pfannen“ ersetzt werden durch „zwischen Wickeltisch und Kaffeetasse“, da ich deine Bücher wirklich am Wickeltisch gelesen und dabei Kaffee getrunken habe, während Babygirl fröhlich gespielt hat. Habe natürlich trotzdem gut aufgepasst und ihr manchmal vorgelesen 😋 Eine wahnsinnige Freude habe ich im Bauch auf deine neuen Bücher 😊 Weiter so!!!

    Alles Liebe,
    Rahel

    Gefällt 1 Person

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