Nähe

IMG_1761_edited-1Seit einiger Zeit ist es trendy, sich ein Wort für das neue Jahr auszuwählen. Ein Leitmotiv. Ein übergeordnetes Thema, das einen durch jeden Monat führt. Fast möchte ich abwinken: „Macht doch jeder, hab ich keinen Bock drauf, zieh ich eh nicht durch, ist ein uralter Hut.“ Der uralte Hut ließ mich nicht los und flüsterte mir zu: „Sei nicht so bockig, mach mit!“

Um die Weihnachtszeit rum kippte mein Gefühlshaushalt eine Wagenladung Einsamkeit über mir aus. Da saß ich an Heilig Abend in der vollen Kirche im fremden neuen Ort und konnte meine Einsamkeit förmlich schmecken. Sie klammerte sich fest und ich schleppte sie mit ins neue Jahr. Ich suchte mir einen ruhigen Ort. Dort schrieb und schrieb ich, betete und klagte ein wenig. Dann blätterte ich in meinem Tagebuch zurück und stellte fest, dass mich die Einsamkeit jährlich um diese Jahreszeit besucht.

Ist es die Tatsache, dass ich mich im Winter in mein Haus zurückziehen? Und alle anderen Menschen auf der Nordhalbkugel dieses ebenfalls tun?  Sind es die stillen Tage, in denen ich meine Sehnsüchte deutlicher als sonst wahrnehme? Erinnert mich der Heilige Geist daran, dass ich andere Menschen brauche? Dass ich für Beziehungen geschaffen bin?

Oder könnte es auch sein, dass diese introvertierte Seele ganz einfach zur Selbst-Isolation neigt? Dass sie sich lieber hinter ihrem Laptop oder Buch versteckt anstatt mit ihrem Mann zu reden? Dass sie lieber alleine durch die Natur spaziert als sich mit Freunden zu treffen? Dass Alleinsein jahrelang solch ein seltener Luxus war, dass sie nun einen massiven Nachholbedarf erleidet? Dass sie sich immer schwerer damit tut, persönliche Nöte mit Freunden zu teilen?

Ich trat aus dem Nebel heraus und erkannte: Ich möchte neu lernen, Nähe zuzulassen. Nähe schenken.

Das ist also mein Wort für 2018. Nähe. 

Ich halte das Wort in meinen Händen und mache mir ein wenig vor Angst in die Hosen. Nähe macht verletzlich und bedürftig. Haha. Möchte ich ja beides nicht sein. Aber nun will ich das Wort durch dieses Jahr tragen. Mutig durch jeden Monat. Und kleine neue Anfänge wagen.

  • Machst du diesen Wort-fürs-neue-Jahr-Trend mit? 
  • Was ist dein Wort?
  • Fühlst du dich einsam zum Jahresanfang?
  • Wie schaffst du Nähe zu anderen Menschen?

 

 

17 Kommentare zu „Nähe

  1. Liebe Veronika,
    mir geht es mit der Einsamkeit wie dir. Ich für mich denke, dass liegt mit daran, dass jeder Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren zuhause verbringt mit der Familie. Ich vermisse in diesen Tagen meine Freundinnen und habe oft sehr schlechte Laune, da ich mich eben auch einsam fühle.
    Das mit der Nähe ist wirklich eine große Herausforderung. Ich überlege mir ganz gern bevor ich einen lieben Menschen treffen, was ich ihm erzählen möchte. Und das sind dann auch Dinge, die ich am liebsten eigentlich für mich behalten möchte. Aber so übe ich mich, Nähe zuzulassen.
    Ich wünsche dir ein tolles Jahr mit viel Nähe.
    Liebe Grüße Angelika (die sich immer total freut, wenn du was Neues auf deinem Blog geschrieben hast)

  2. Mein Wort ist „Vertrauen“. Davor war es „Loslassen“. Ich finde diese Reise sehr spannend und bin schon ein paar Mal ganz woanders rausgekommen als ich dachte… Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, mit Gott auf dem Weg zu sein. Ach ja, und ich nehme mir heraus, mein Wort zu wechseln, wann immer
    es Zeit dafür ist, das muss nicht immer am Jahresanfang sein 🙂 Alles Gute für deine Reise! Liebe Grüße, Martha

  3. Mein Wort is momentan „Freude“. Gott ist ein Gott der Freude und beschenkt mich reich. Deswegen möchte ich mehr diese Freude leben und weitergeben. Freude zeigen und mehr feiern. -:) Ich wünsche dir viel Mut zur Nähe Liebe Grüße Ulrike

  4. Hallo Vroni!
    Ich wußte gar nicht, dass es ein Trend ist, sich ein Motto fürs Jahr zu überlegen. Aber ja, genau das habe ich zum ersten Mal gemacht.
    Mein Motto umfaßt drei Wörter: Gesundheit, Schönheit, Freude. Alle drei sind miteinander verbunden. Vor einigen Wochen entdeckte ich für mich, dass es sinnvoll ist, mich nur mit Dingen, Aktivitäten, Menschen zu umgeben, die mir Freude bereiten. Zumindest, was ich aktiv gestalten und selbst entscheiden kann. Dadurch soll das Leben schöner und gehaltvoller werden. Das ganze beginnt mit dem Kleiderschrank und endet beim Outsourcen von Nähprojekten, die ich vor längerer Zeit geplant habe, jetzt aber keine Freude mehr am Nähen hätte. Und da ich auf die 44 zugehe, ist es höchste Zeit Gesundheit und äußerem Aussehen mehr Raum in meinem Leben zu geben. 😄

  5. Hi du
    Also so einsam war ich dieses Jahr bzw diese und letzte Woche nicht obwohl ich „alleine“ war, dennoch war ich erfüllt und Gott überraschte mich jeden Tag mit kleinen und riesen fingen.
    Sei es die Berührung die ich erfahren durfte, das gestern von einem völlig fremden ein Wunsch erfüllt worden ist, das ich einfach ja gesagt habe um bewusst alleine am Abend des Silvester zu sein. Vor geraumer Zeit hätte ich das nicht geschafft.
    Ich habe noch nicht das Wort für mich für dieses Jahr bekommen außer das Jesus für mich oben beim Papa betet und das Gott mich liebt. Aber langt das nicht sogar schon? Wirkliche basics die doch mehr ausdrücken als ich im ersten Moment denke.

    Ich wünsche dir ein schönes nahe Jahr. Möge es ein Jahr mit ganz vielen jas aber auch neins sein.
    Liebe Grüße Nicole

    PS ich werde nächste Woche deinen Beitrag auf meiner Blogwelt 02 teilen.

  6. Bis zu diesem Jahr ist der Trend ja völlig an mir vorüber gegangen. Und dann dachte ich die Tage um Silvester drüber nach und schwups, da war es: Freude und Zuversicht. Ich lerne in diesen Tagen zu akzeptieren, dass meine alte Vertraute, die Angst, zu mir gehört, wie eine nölende Verwandte mit Wohnrecht auf Lebenszeit. Ich werde sie nicht los. Aber ich darf auch die Freude einladen und ihr vielleicht irgendwann das schönere, größere Zimmer geben. Und vielleicht bringt sie Schwester Zuversicht mit. Dann können sie der ollen Angst bei Tisch über den manchmal so vorlauten Mund fahren. Sei lieb gegrüßt. Sandra

  7. Liebe Veronika! Alltag leben, Jesus lieben & Milchschaum löffeln! Das sind meine Worte fürs neue Jahr und so habe ich auch gleich meinen Blog mit diesem neuen Slogan versehen und neu umgestaltet. Das bin ich (und möchte ich zum Teil noch mehr werden) Den Alltag mit Gelassenheit aus dem Heiligen Geist leben, Jesus mehr und mehr lieben und Cappuchino mit Jesus und auch mit lieben Menschen genießen!

  8. Mein Wort ist „Beständigkeit“.
    Ja, ich fühle mich auch eher im Winter einsam. Ich versuche Nähe zu schaffen, indem ich auf andere zugehe und sie einlade und auf Einladungen eingehe, auch wenn ich nicht weiß, ob ich mich an dem Tag danach fühlen werde. Und in Gesprächen versuche ich langsam meine eigenen Fragen und Probleme anzusprechen und dann auch auf die der anderen einzugehen – ich finde, wenn man selbst Transparenz schafft, dann öffnen sich andere auch und das schafft Nähe.
    Liebe Grüße,
    Anne

  9. Ich liebe Trends! Auch diesen mit dem „einen Wort“! Denn an einem Wort zu wachsen ist einfacher als an einer Liste aus Vorsätzen, die ich eh meist schon nach den ersten Tagen eingemottet habe.
    Nähe ist ein gutes Wort! Und gerade wenn es sich wie eine Herausforderung anfühlt, denke ich, dass es gerade gut sein kann. Das ist zumindest meine Erfahrung.
    Dieses Jahr ist mein Wort „Vergebung“. Und ich war schon an Neujahr geneigt, es über Bord zu werfen. Aber nein! Ich schaue es mir weiter an und mache mich auf den Weg.
    Ich wünsche dir für dein Wort und deinen Weg ganz viel Segen und jede Menge tolle Nähe-Erfahrungen!
    LG Astrid

  10. Ja, bei mir heißt das auch Motto und ich mache das schon viele Jahre lang so. In der Vergangenheit hab es schon etwas wie >runter von Sofaradikal normal< oder eben Worte wie Beten oder Lieben. Gestern war ich mir endlich auch für dieses Jahr sicher: SCHÖNHEIT! Auch ein Wort, das mich beunruhigt, denn momentan fühle ich mich innerlich wie äußerlich eher hässlich. Also mal sehen, was in diesem Jahr daraus wird …

  11. Mein Wort heisst „Liebe“. Davon habe ich noch so wenig verstanden! Ich bin voller Vorfreude (nicht nur darauf, Liebe zu erfahren), aber ich habe auch Respekt davor (denn ich denke, ohne Prozesse wird es nicht gehen)…

  12. Liebe Veronika,
    seit einigen Jahren begleitet mich so ein „Wort des Jahres“. Manchmal ist es ein Wort, das mich überrascht und mit dem ich zunächst nichts anzufangen weiß. In diesem Jahr gibt es noch kein bestimmtes Wort, eher eine Ahnung in welche Richtung es geht. Mich beschäftigt im Moment sehr das Thema „Prägungen überprüfen und loslassen“. Wenn man das überhaupt so sagen kann 😉 . Vielleicht kommt ein wenig mehr Klarheit in mein „Jahresthema“, wenn ich demnächst meine alljährliche A uszeit nehme und für einige Tage Stille habe.
    Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie ich Nähe zu anderen Menschen schaffe. Danke, für diese Anregung! Ich glaube, das Nähe ganz von selbst dort entsteht, wo wir bereit sind den Anderen an unserem Leben Anteil zu geben. Sein statt Schein sozusagen. Manchmal bin ich versucht mich zurückzuziehen, denn Nähe macht verletzlich, genau wie Du es sagst. Und auch ich mag nicht verletzt werden. Aber Nähe kann AUCH zu Heilung beitragen, Nähe macht das Leben AUCH leichter, weil ich nicht alles allein tragen muss. Nähe zu Anderen bringt mich AUCH Jesus näher, denn ich lerne in Gemeinschaft eine Menge über sein Wesen. Ich denke es ist wichtig ein ausgewogenes Verhältnis zu entwickeln, zwischen Nähe und Distanz. Gar nicht so leicht, aber ich übe. 😉
    Liebste Grüße
    Ulrike

  13. Liebe Veronika, das mit dem „Wort des Jahres“ habe ich noch nicht gekannt. Ist aber eine schöne Idee 😊
    Mein Wort ist mir heute morgen während dem Lobpreis zugeflattert. „Licht sein“ , das möchte ich in diesem Jahr gerne einüben, ausprobieren und andere damit beschenken.
    Nähe zu anderen Menschen habe ich gerne „in echt“ mit meinem Mann und unsren Kindern und ich treffe mich / wir treffen uns mit Freunden zum Reden, Kaffee trinken, gemeinsam kochen und essen., wandern….
    Außerdem ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen Päckchen und Postkarten zu verschicken – so ganz old school – aus Papier mit Briefmarke drauf 😊 ….Nähe, die irgendwann mal überraschend im Briefkasten liegt oder vom Postboten persönlich abgegeben wird…
    Könnte auch mal bei dir sein, falls du mir deine Adresse verrätst 😉
    Liebe Grüße und morgen einen sanften Start in den Alltagsrythmus.
    Sonja A.

  14. Mein Wort ist „Ordnung“. Danach sehne ich mich sehr. Im Innen und Außen. Ich wünsche dir ein gutes Gespür dafür, wann es Nähe und wann es Distanz braucht. Und mir das rechte Maß für Ordnung und Unordnung. Alles Liebe, Nana

  15. Hallo Veronika, ich hab mich nach langem hin und her aufs „loslassen“ geeinigt (mit mir selbst :)). Da ich eine große Familie habe und die meisten Freunde um mich herum wohnen ist Einsamkeit selten ein Thema, ganz besonders nicht um die Feiertage…das ist es eher das Gegenteil, mehr ein Wunsch nach Ruhe, obwohl das dieses Jahr ganz gut geklappt hat mit der Balance. So ganz bewusst hab ich mir bisher selten ein Wort für ein Jahr überlegt, aber wenn ich es getan habe war es wirklich oft so, wie es auch einige andere schon beschrieben haben: Es schaut am Ende anders aus als man erwartet hat. Nähe finde ich ein gutes Wort, irgendwie hat mich das unbewusst im letzten Jahr begleitet. Ich hab für mich herausgefunden, dass Klarheit bei mir und der anderen Person mit Nähe oft erst möglich machen. Ich kenne die Angst vor Verletztlichkeit und Bedürftigkeit auch noch sehr gut, aber ich hab für mich irgendwann entschieden, dass ich lieber eine Verletzung in kauf nehme als für immer das taube Gefühl auszuhalten, dass ich hinter meinen Mauern oft hatte. Ich wünsche dir auf jeden Fall ein tolles und erfülltes neues Jahr

  16. Liebe Veronika,
    jetzt muss ich mich auch mal zu Wort melden…schon so lange lese ich hier mit und bin immer wieder inspiriert, bereichert, gesegnet von Deinen Gedanken. Danke, dass Du sie mit uns teilst! Vor allem liebe ich Deine Formulierungen, bin eben eine Wortliebhaberin (in verschiedenster Hinsicht).
    Die Tradition, ein Wort des Jahres und gar des Monats auszurufen, kannte ich nicht, aber ich habe das unbewusst schon manchmal so praktiziert (manchmal auch als ganze Familie).
    Mein Wort ist (schon länger, also das mit dem Jahr wird nicht reichen :-)) auch die FREUDE, eng verbunden mit dem DANK. Ich habe mich jetzt auch getraut, ein Danke-Tagebuch anzufangen (und hoffe, es wird schön voll!). Da ich mich momentan oft gar nicht nach FREUDE fühle, bin ich gespannt, wie es mich verändert.
    NÄHE ist jedenfalls auch ein spannendes Thema, das beschäftigt mich auch. Je näher man jemandem kommt, umso klarer und unverstellter sieht man ihn auch. Dazu gehört Mut. Und Gelassenheit. Wünsche ich Dir beides <3!

  17. Dieser „Wort-Trend“ hatte mich letztes Jahr erreicht. Mein Wort 2017 war NÄHE. Doch weiter bin ich nicht gekommen damit. Denn aus NÄHE wurde ÜBERLEBEN. Und die Ereignisse des letzten Jahres haben mehr Distanz denn Nähe geschaffen. Dieses Jahr wollte ich es sein lassen und kein neues Wort suchen. Denn ich habe ja gesehen, was daraus geworden ist… Dein Blogpost hat bei mir ziemlich eingeschlagen. Das Bewusstsein wurde geweckt, dass dieses Thema immer noch dran ist. Oder mehr denn je. Da ist eine tiefe Sehnsucht nach NÄHE. Nach Nähe zu Gott. Zu meinem Mann. Zu meinen Kindern. Zu meinen Freunden. Zu Menschen. Ich begann wieder darüber nachzudenken. Und entdeckte noch eine kleine Schwester des Wortes: ECHT. Die beiden gehören irgendwie zusammen. Da wo ich echt bin, entsteht Nähe. Da wo ich Verletzlichkeit zulasse. So habe ich mich entschlossen: Nun erst recht! Ich nehme diese beiden Wort-Geschwister mit durchs Jahr. Bewege sie weiter. Schaue, wo ich in einem Jahr damit stehe. Denn es sind nicht nur Wörter. Es sind Lebensthemen. Und es wäre doch zu schade, die einfach in den Keller zu verbannen… Da steckt zu viel Leben drin. Danke für deine Erinnerung. Ich bin natürlich gespannt, was du mit deinem Wort erlebst und ob du deine Leser daran teilhaben lässt. Gottes NÄHE wünsche ich dir ganz besonders für das neue Jahr!
    Liebe Grüsse Sula

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