Oh, ich bin so wütend!

 

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Ich verfolge seit Monaten das Geschehen rund um die Präsidentschaftswahlen in den USA mit angehaltenem Atem. Seit Donald auf der Bildfläche erschienen ist, befinde ich mich in einer Schockstarre. Ich frage mich, warum jetzt erst so viele über sein Verhalten entsetzt sind. Er war doch schon vorher dafür bekannt, dass er im Vollbesitz eines gierigen, dummen, frauenverachtenden, rassistischen, rüpelhaften Geistes ist. Was mich einfach noch viel viel mehr entsetzt ist die Tatsache, dass er und seine verdrehten Ideologien tatsächlich Anhänger finden, die ihm auch noch zujubeln. 1933 lässt mal ganz fett grüßen!

Und dann tauchte dieses geleakteVideo aus dem Jahr 2005 auf. Haben sicher einige von euch gesehen. Kurze Zusammenfassung: Trump war in einem Tourbus zusammen mit einem TV-Moderator unterwegs . Das Mikrofon war an und man hört Donald über seine Annäherungsversuche dem weiblichen Geschlecht gegenüber prahlen:

„I did try fuck her, she was married. (…) I moved on her like a bitch.  I couldn’t get there, she was married. And all of a sudden I can see her and she now has the big phony tits (…)And when you are a star they let you do it. You can do everything. Grab them by the pussy. (..). “

Bam! Ich hätte kotzen können.

Nach und nach fingen dann Frauen an, online ihre Geschichten zu erzählen, die sie noch nie erzählt haben. Frauen wie du und ich. Die gegen ihren Willen angebaggert, angefasst, belästigt, missbraucht wurden. Deren Würde mit genau solchen Worten und Gesten immer und immer wieder torpediert werden. Seit Tagen wühlt es in meinen Eingeweiden, in meinen Gefühlen, in meinem Gedanken. Und ich höre ein Knurren in mir aufsteigen:

Genug. GENUG!

Wie oft halten wir Frauen still? Lassen uns Grabschereien, Belästigungen, Obszönitäten gefallen? Wie oft habe ich mir das gefallen lassen? Und warum?

Wehren wir uns, werden wir als verklemmt bezeichnet. Also sind wir lieber cooooool. „Alles cool, Schwamm drüber.“ Auch wenn wir bis in unser Innerstes erschüttert sind, zeigen wir nach außen keine Regung. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Wir wollen keine Riesenwelle verursachen, vielleicht sogar unser Gegenüber nicht in Verlegenheit bringen? Und wir schämen uns. Schämen uns für unsere Körper, unsere Körperteile, die anscheinend diese Belästigungen ausgelöst haben müssen. Unsere Weiblichkeit wird zu einem Minenfeld.“Selbst schuld!“, müssen wir uns anhören. Oder „Stell dich nicht so an!“

Doch! Ich will mich anstellen. Und ich bin nicht selbst schuld. Ich will nicht mehr verharmlosen und so tun, als sei das alles nur dummes Männergeschwätz. Es ist Gift, das eine Gesellschaft von innen heraus tötet. Eine Gesellschaft, die ihre Frauen, ihre Schwachen, ihre Alten nicht achtet, stirbt.

Worte haben Macht, weil sie Erlaubnis erteilen. Erlaubnis, uns sexuell zu belästigen.

Was läuft in der amerikanischen und damit auch in unserer Gesellschaft schief, dass wir Frauen dermaßen sexualisiert werden? Dass so über uns geredet werden darf? Dass wir aufs sexuelle Abstellgleis gestellt werden, wenn sich unsere Körper verändern, wenn wir älter werden? Dass ein bisschen Anfummeln ok ist? Und wenn wir uns wehren, hämisch ausgelacht werden?

Oh, ich könnte noch stundenlang schreiben. Aber ich mach hier erstmal einen Punkt. Und lenke meinen Blick auf unsere Kinder. Auf meine Töchter. Ich wünsche, dass sie in einer Welt aufwachsen, in der sie stolz sein können auf ihre Weiblichkeit. In der sie dafür nicht verachtet, attackiert, ausgelacht werden. Und dass sie niemals an Christen geraten, die ihnen eintrichtern wollen, dass wir Frauen still, gehorsam, unterwürfig zu sein haben.

Meinen Töchtern sage ich oft: „Du bist der Boss von dir selbst. Du bist der Boss über deinen Körper. Wenn du etwas nicht willst, dann sag NEIN!“ Wenn ein Kind bei uns nicht schmusen, nicht geküsst werden will, dann MUSS das von jedem absolut und sofort respektiert werden. Es gibt kaum etwas Ekligeres, als gegen seinen Willen angefasst zu werden, nicht wahr?

Ich bete, dass meine Kinder zu Frauen heranwachsen, die in ihrer Weiblichkeit ganz zu Hause sind. Dass sie laut Nein sagen. Und dann mit erhobenem Kopf weitergehen, weil sie keine Scham, keine Verlegenheit kennen. Weil sie ihre weibliche Identität und Würde kennen und niemals torpedieren lassen.

Wir müssen heute mehr denn je unseren Söhnen und Töchtern beibringen und vorleben, in unserer gottgegebenen Identität ganz zu Hause zu sein. Den anderen zu achten. Und niemals verachtend über den Körper des anderen Geschlechtes zu reden. Worte haben Macht. Besonders die Worte von uns Eltern.

 

 

 

7 Kommentare zu „Oh, ich bin so wütend!

  1. I’m completely with you….absolut! Vor kurzem hat mich meine 7-jährige Tochter gefragt, warum es Frauenparkplätze gibt….. Da wurde mir wieder bewusst, was noch alles an Fragen und Gesprächen auf uns zu kommt….
    liebe Grüße,
    Kathrin

    Ach, falls du Lust hast und noch Lesestoff brauchst, ich könnte dir „Love warrior“ ausleihen. Just tell me….

  2. Danke für deine klaren Worte! „Yes!“, dachte ich bei jedem Abschnitt… du sprichst mir aus dem Herzen…
    Ich kann nicht die ganze Welt verändern. Aber ich kann bei mir beginnen, aufstehen und dieses Spiel nicht mehr mitspielen. Mir nicht alles gefallen lasse. Nicht länger schweigen. Mein Würde leben. Es wird einen Unterschied machen. Und mit jeder Frau, die dies auch noch tut, wird der Unterschied grösser…

  3. An alle Frauen:
    Nun existieren ja solche Astlöcher, die unter der „Legalität“ der Verwandtschaft und christlicher Herzlichkeit die freudige Begrüßung oder innige Verabschiedung durch schraubstockartige Umarmungen ausdrücken. Praktischer Tipp: Naht sich dir besagtes Astloch, trete einfach einen Schritt zurück, dann greift er ins Leere. Ist hinter dir eh schon eine Wand, kehre deine Handfläche nach vorne und sage deutlich STOP, mir reicht ein mündliches Hallo.
    Du könntest auch sagen: STOP, mir reicht ein Händedruck. – Allerdings gibt es Spezialisten, die deine Hand nicht mehr loslassen, dauernd labern und so tun, als entginge ihnen das Händchenhalten völlig. In dieser Situation könntest du in scharfem Ton sagen: Ich hätte gern meine Hand zurück.
    Ich garantiere dir, die Typen werden sich das merken.

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