Familie

Heiliger Dienst

Es ist wieder soweit. Herbstzeit = Krankheitszeit. Und dabei habe ich noch letzte Woche mit stolzgeschwellter Brust verkündet, dass meine Kinder NIE krank werden. Hätte ich mal meinen vorlauten Mund gehalten. Prompt am nächsten Tag brach die Rüsselseuche aus. Amelie liegt matt auf der Couch, Josefine und ich schniefen vor uns hin und ich hoffe, dass ich weiterhin einsatzfähig bleibe. Ohne großelterliche Hilfe in der Nähe ist es für mich ein No-Go krank zu werden. Wie hab ich bloß die Babyjahre überlebt, in denen ich dauerkrank war? Anscheinend ohne weiteren Schaden – nur mit ein paar Gehirnzellen weniger. Zumindest hat meine Merkfähigkeit extrem abgenommen (was meine Familie und Freunde oft schmerzhaft zu spüren bekommen).

Heute ist so ein Tag. An dem ich renne, gebe, tröste, Tee koche, schnell schnell grob durchputze, vorlese, Aspirin einwerfe. Und das alles ungeduscht im Schlafanzug. Schade, dass jetzt niemand ein Bild von mir macht, das ich hier reinstellen könnte. Ich glaube, das würde euch Mamis da draußen trösten, deren Kinder gerade auch krank / grantig / bedürftig sind und deren Haushalt ein Chaos ist. Moment, ich versuch’s mal mit einem Selfie……

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Seht ihr? So seh ich aus an diesem Montagvormittag…..nachdem ich die Betten gemacht, drei Bücher vorgelesen (noch mehr, Mami, biiiitte!) und zwischendrin die Waschmaschine beladen habe.

Ich hatte gestern meinen Wochenplan aufgestellt. Meine umfangreiche Stoffsammlung wollte ich sortieren, ausmisten und in einen neuen Schrank räumen. Die Wäschekammer aufräumen. Einen Artikel für die Family anfangen. Ein paar fruchtfliegenverseuchte Fenster putzen. Einen weiteren Artikel zu Ende schreiben. Fotos sortieren.

Mein Blick fiel auf mein fieberndes Kind und ich strich alle Pläne von meiner Liste. Statt etwas zu „schaffen“, sitze ich nun neben meinem Kind, lese vor und kuschle mit ihr. Ich stelle alles hinten an. Auch mich. Und das fällt mir am schwersten. Es erschreckt mich. Dass es mir SCHWER fällt, meinen Fokus für nur zehn Minuten komplett auf ein anderes Wesen zu legen. Ohne zu denken: „Hmmm, ich würde jetzt gerne duschen.“ Oder: „Ich könnte jetzt einen Kaffee vertragen“.
Ich schaffe es ja kaum, meinen Mann zehn Minuten ungeteilt zuzuhören! Irgendwann fällt doch mein Blick auf den geöffneten Browser und ich linse hin, in der Hoffnung, mein Mann merkt es nicht. Während ich dann den Newsfeed überfliege, nicke ich weiter und mache zustimmende Mhm-Geräusche.

Selbstlose Hingabe. Dieser Begriff ist für mich abstrakt und wird immer erst dann mit Leben gefüllt, wenn jemand anderes mich in so einem Maße braucht, dass ich mich ganz in die Bedürftigkeit des anderen hinein versenke. Selbstlose Hingabe. Das ist Dienst auf heiligem Terrain.

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matt. 25, 40)

Jesus hatte eine radikal andere Weltsicht. Nicht die sichtbaren Spitzenleistungen und Erfolgsmenschen und Reichen und Schönen und Unversehrten hat er groß gemacht. Sondern das Kleine und Verborgene und Schwere und Beschädigte hat er behutsam empor gehoben und geehrt.

  • Du bist Mutter eines kleinen Säuglings.
  • Du wäschst die Sachen deines kranken Kindes.
  • Du kochst für deine pflegebedürftige Schwiegermutter.
  • Du bist für einen depressiven Freund da.
  • Du bist selber depressiv und suchst dir endlich Hilfe.
  • Du adoptierst ein Kind.
  • Du gehst treu jeden Tag zu einer verhassten Arbeitsstelle, um deine Familie zu ernähren.
  • Du hast ein offenes Haus für Nachbarskinder.
  • Du nimmst den Kampf auf dich und setzt deinem Teenager Grenzen.
  • Du bist müde und hoffnungslos und trotzdem stehst du jeden Morgen tapfer auf.

Das ist alles heiliger Dienst. Das alles zählt. Auch wenn du heute Vormittag wie ich ungeduscht und müde und grummelig in den Tag startest.

Wenn du das Gefühl hast, von der Bedürftigkeit anderer schon ganz ausgehöhlt zu sein, dann halte inne und lass dir sagen:
Es gibt da jemanden, der dein Bemühen sieht und wertschätzt. Was du tust, ist heiliger Dienst!

3 Gedanken zu „Heiliger Dienst“

  1. Wir kennen uns ja nicht persönlich, aber ich drück dich fest für diesen schönen Post (anstecken kannst du mich nicht – bin schon krank und die drei Kinder auch mehr oder weniger:0) Dankeschön und gute Besserung !
    Melanie

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