Aufatmen im Advent

Aufatmen im Advent – Weihnachten passiert ohne großes Brimborium

Amelie ist krank. Sie liegt fiebernd auf der Couch und schläft ihre Krankheit weg. Josefine spielt mit den Nachbarskindern im Kinderzimmer Duplo. Ich trage noch immer meinen Schlafanzug .Vorhin haben wir gemeinsam Pfefferkuchen gebacken und verziert, während draußen ein paar verirrte Schneeflocken durch die Luft tanzten.

Für den Nachmittag muss ich einen gemeinsamen Besuch mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt absagen. Heute läuft vieles anders als geplant. Heute laufe ich im puderzuckerbestäubten Schlafanzug rum, mit einigen Kilos zuviel, ohne Make-Up und Frisur. Heute bin ich müde und gleichzeitig glücklich. Heute sind mir Menschen wichtiger als alles andere. Heute schaut unsere Küche wie nach einem Bombenangriff aus. Heute gibt es TK-Pizza zum Mittag. Und Abendessen. Heute ist Weihnachten.

Ich denke mit einem Lächeln an letzte Woche. Die habe trotz viel Arbeit und Terminen völlig tiefenentspannt erlebt.

An einem Tag stopfte ich eine Ladung Dreckwäsche in die Waschmaschine, schwang mich auf das Fahrrad und fuhr zu unserer Kirche. Die ist immer offen. Vor dem Altar brannten Kerzen. Ich setzte mich eine Weile hin und horchte nur auf die Stille. Draußen brummten Autos vorbei. Aber ich hörte sie nicht. Als ich die Kirche verließ, zog ich noch ein Gebetskärtchen:

Gott, meine Kerze brennt unruhig, mit kleiner, manchmal großer Flamme.

Auch ich bin oft unruhig…

Ich möchte ruhig werden bei dir.

Du gibst mir Licht und Wärme, damit auch ich zu einem Licht werden kann für andere.

Amen.

Oh, das wünsch ich uns! Dass wir in der letzten Adventswoche innerlich zur Ruhe kommen. Unsere To-Do-Listen leeren und nichts mehr hinzufügen.

Und ich wünsche uns, dass wir Weihnachten mit dieser tiefen Gewissheit feiern:

Jesus ist in unsere kaputte Welt gekommen. Er hat nicht gewartet, bis sie endlich perfekt und hübsch herausgeputzt war. Weihnachten passiert in allem Unfertigen, Zerbrochenen, Kranken, Hässlichen.

Und nicht erst, wenn die Lichterkette hängt, der Baum steht, der Braten gelingt, die Familie sich selig lächelnd an den Händen hält.

Deshalb war heute für mich Weihnachten, denn unser Haus war angefüllt mit Liebe, Frieden, Dankbarkeit, Pfefferkuchen mit extra viel Streuseln und Fürsorge (und einer ganzen Menge Desinfektionsmittel).

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