Familie

Mama-Marathon

„Ich laufe nächstes Jahr den New York Marathon!“

So tönte ich vor 5 Jahren, als ich nach einem besonderen exzessiven Weihnachtsfest beim Joggen die Pfunde schmelzen lassen wollte. Die dabei freigewordenen Endorphine bewirkten bei mir einen regelrechten Motivationsrausch. Neeeein, mit einem schnöden Trollinger-Marathon wollte ich mich nicht zufrieden geben. Reach for the stars!! Mein erster Schritt auf meiner Reise zum New York Marathon führte mich zu Runners Point, wo ich mir ein Paar teure Laufschuhe kaufte. Dann begann das eigentliche Lauftraining. Nun ist es aber so bei mir, dass ich der Typ Mensch bin, der schnell in Begeisterung verfällt, aber bei der harten Umsetzung dann ganz schnell die Puste verliert. Und tatsächlich, beim dritten Training bemerkte ich einen ziehenden Schmerz im rechten Knie. Und überhaupt ist Laufen langweilig (es sei denn man federt durch den Central Park…)  und anstrengend. Also schob ich ein verschlissenes Knie vor und hörte mit dem Training wieder auf. Leider werde ich damit bis heute aufgezogen. Was meinen Freunden und meiner FAmilie aber mittlerweile klar sein sollte: Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann ziehe ich es auch fast immer durch. Auch wenn es Jahre dauert. Gut, meine London-Style-Fashion-Boutique habe ich bis heute nicht eröffnet. Und auch mein Fahrrad wartet seit Urzeiten darauf, dass ich mich endlich in den Sattel schwinge und die USA durchquere. Ach ja, und das Hostel, das ich eröffnen wollte schwebt auch noch irgendwo im Hinterkopf rum.

Heute wurde mir klar, dass ich tatsächlich einen Marathon laufe. Keinen Marathon im klassischen Sinn, sondern den weitaus anstrengenderen Mama-Marathon. Das Ziel liegt noch in weiter Ferne: meine Kinder zu verantwortungsbewussten, fröhlichen und glücklichen Menschen zu erziehen. Es macht nicht immer Spaß. Es ist anstrengend. Es kostet eine Menge Nerven, Geduld, Ausdauer und Kraft. Und ich muss mir diese Kräfte sehr gut einteilen. Denn auch bei einem echten Marathon kann ich nicht einfach wie besessen los sprinten. Ich würde nach ca. 2.3 km einfach umfallen und müsste wiederbelebt werden. Ich nehme Schritt um Schritt. Mache Pausen, wenn ich merke, die Kraft wird dünn. Ich verliere das Ziel nicht aus den Augen. Und vergesse nicht, dass selbst die kleinsten, mühsamen Schritte (z.B. das zehnte Nein, das Amelie einfach überhört) uns dem Ziel näher bringen.

Und der New York Marathon? Wartet nur!! Den werde ich auch noch laufen.

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