Familie, Gedanken, Glaube, Schreiben

Ein Rezept für Lebensstürme

IMG_6085Der Weihnachtsglanz ist abgeblättert. Zurück bleiben ein paar Tannennadeln hinter der Truhe und Ernüchterung. Different year, same situation.

Nicht nur das Auto braucht dieser Tage am Morgen eine Anwärmphase, auch wir Menschen, die in diesem Haus wohnen und nun der normalen Alltagsroutine anheim fallen. Es wachen keine kleinen Mädchen mehr auf mit großem Kuschelbedürfnis, sondern grummelige Teenager. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich zum Beginn der Pubertät das Gehirn gewaltig umbaut. (Sind Neurolog*innen hier? Könnt ihr das bestätigen?)

Dieser Umstand könnte erklären, warum Teenager das Gedächtnis einer 100-jährigen Omi haben. Die Vergesslichkeit führt Krieg gegen uns und sie kämpft mit brutalen Waffen. Nicht nur meine Kinder sind betroffen, auch ich. Dank an die Wechseljahre. Letztens saß ich doch fünf Minuten auf der Couch und versuchte mich an den Namen einer lieben Freundin zu erinnern. Ich wollte ihr eine Nachricht schreiben, wusste aber nicht, unter welchem Buchstaben ich sie in meinem Handy suchen sollte. Ich durchforstete panisch jeden Winkel meines Kopfes nach ihrem Namen: Andrea, Sabine, Ruth, Pamela? Alles falsch. (Kann man Gehirnschmerzen vom Nachdenken bekommen? Neurologe*innen, könnt ihr das bestätigen?) Ich ging dann das Alphabet durch, in der Hoffnung, dass der entsprechenden Buchstaben die Lösung brächte. Hat funktioniert.

So viele Dinge können uns Angst machen:

Ein nachlassendes Gedächtnis
Veränderungen in der Familie
Eine Diagnose
Der Klimawandel
Ein neuer Lebensabschnitt
Die Unsicherheiten, die uns schon seit zwei Jahren anhaften
Ein Jobverlust
Dinge, die außerhalb unserer Wirkungskraft einfach passieren
Zerbruch von Beziehungen

Das alles sind keine Ausnahmen, sondern Nebenwirkungen dieses verrückten, zerbrochenen Lebens, das wir alle leben. Nur dumm, dass wir dazu weder unseren Arzt noch Apotheker befragen können. Diese können uns zwar chemische Rezepte gegen die Angst an die Hand geben, aber keine Lösungen. Und vielleicht soll die Angst auch gar nicht gelöst werden. Sondern anvertraut werden. 

Die Lebensstürme nicht stillen, sondern in ihnen die göttliche Hand ergreifen. Wie auch immer das für dich aussehen mag.

Für mich sieht das dieser Tage so aus:

Mitten in diesem Sturm bin ich ruhig in dir. Ich bete nicht so sehr für einen glücklichen Ausgang, sondern für inneren Frieden, was auch immer kommen mag. Ich bete, dass ich meine Waffen niederlege, mit denen ich auf die Angst schieße und stattdessen deine stilleren Werkzeuge in die Hand nehme: Geduld, Erbarmen, Großzügigkeit, Demut, Wahrheit und Liebe.

Ich hoffe, ich vergesse dieses Gebet nicht wieder.

Aber gegen das Vergessen hilft das Aufschreiben.

Was ich hiermit getan habe.

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